Sonderpreis der Blogoezese 2012

Herr Alipius von den Kosterneuburger Marginalien hat zum zweiten Mal einen Wettbewerb gestartet, den Schwester-Robusta-Preis. Schwester Robusta ist eine internetbekannte Comicfigur mit hohen Popularitätswerten in der Blogoezese (aus „Weblog“ und „Diözese“ gebildet), die im deutschsprachigen Bereich derzeit etwa 250 katholische Weblogs und deren Leserschaft umfassen dürfte.

In 13 Kategorien konnten katholische Weblogs vorgeschlagen werden: Qualität, Spiritualität, Papsttreue (!), Politik, Dialog, Augenhonig (damit ist besonders schöne Gestaltung gemeint), Kultur, Frische (das sind die katholischen Blogneulinge), Mauerblümchen (die mehr Beachtung verdienen), Zwerchfell, Großmaul, Cocktail (die eine besondere Mischung aufweisen) und Trägheit (von denen man sich eine höhere Schreibfrequenz wünscht).

Als 14. Kategorie für einen Sonderpreis hat Herr Alipius „Abseits“ eingeführt – also Blogs die abseits jenseits der genannten Kategorien, in irgendeiner Art besonders aufgefallen sind und einen Preis bekommen sollen. Und weil mir wordpress so viele Zugriffe von der Seite des Herrn Alipius beschert hat, habe ich nachgeschaut und war ganz überrascht, daß das Bibliologberlin-Blog einen Sonderpreis bekommen hat. Hier ist die Urkunde:

Urkunde Sonderpreis Blogoezese 2012

Vielen Dank – ich freue mich sehr darüber.

Zum Weiterlesen:
Artikel über katholische Blogger: Von halblebigen Freibeutern zu hart arbeitenden Fischern
Katholische Blogger: Blogliste

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Soll ich die Ehebrecherin wirklich steinigen lassen ?

Titelbild 6. Juli 2012

… ist die Überschrift eines Artikels von Eva Baumann-Lerch im Publik-Forum vom 6. Juli 2012. Es werden unterschiedliche Formen von erfahrungsbezogener Bibelarbeit vorgestellt: Das Bibliodrama, und zwar eine ganz spezielle Form, wie sie von den Palottinern in Valendar als Form seelsorgerlicher Begleitung entwickelt wurde und vorwiegend in katholischen Kontexten praktiziert wird, der Bibliolog, die Arbeit mit biblischen Erzählfiguren („Egli“-Figuren) und die Schabbat-Tage und Bibelwochen im Zentrum für biblische Spritualität und gesellschaftliche Verantwortung von Klara Butting in der Woltersburger Mühle bei Uelzen.

Leider kann man auf den Artikel nicht online zugreifen. Es besteht jedoch die Möglichkeit über einen Premiumzugang für vier Wochen das Archiv von Publik-Forum kostenlos zu nutzen und so den Artikel zu lesen.

Bibliolog mit biblischen Erzählfiguren zur Begegnung von Maria und Elisabeth (Lk 2) bei einer Fortbildung für Gottesdienstbeauftragte in katholischen Gemeinden

Was mir an dem Artikel gefallen hat:
Der Artikel ist sehr lebendig geschrieben und macht Lust, sich mit den geschilderten Zugängen zu beschäftigen. Er ist so eine Art Appetithappen – und damit sind auch schon die Grenzen aufgezeigt. Für Leute, die von allen diesen Formen des Umgangs mit Bibeltexten noch nichts gehört haben, ist es eine Erstinformation – allerdings kann ich mir das bei der Leserschaft von Publikforum nur schwer vorstellen, denn die Zielgruppe ist eben nicht der kirchliche Mainstream.

Was mir an dem Artikel nicht gefallen hat:
Es gab vor einiger Zeit schon einen Artikel im Publik-Forum über Bibliolog. Im Hinblick auf Bibliolog bringt nun dieser Artikel nichts qualitativ Neues, sondern ist eine Wiederholung. Den geschilderten Bibliodrama-Ansatz, den die Pallotiner in Valendar als seelsorgerlichen Ansatz entwickelt haben, habe ich vor einigen Wochen im Rahmen eines Wochenendseminars kennengelernt. Er ist ein sehr spezieller Sonderfall von Bibliodrama, den ich eigentlich zwischen Bibliodrama und Bibliolog angesiedelt finde und der sinnvoll ist, wenn man nur einen sehr kurzen zeitlichen Rahmen von etwa drei Stunden hat, also eigentlich eher eine kleine Form des Bibliodramas. Man kann sich über diesen Bibliodrama-Ansatz hier informieren.

Gewundert hat mich, daß bei diesen neueren erfahrungsbezogenen Zugängen der „Godly-Play“-Ansatz, der ursprünglich aus der anglikanischen Kirche kommt und viele Anleihen aus der Montessoripädagogik hat, nicht vorkam. Insgesamt hätte es mir besser gefallen, wenn Publik-Forum eine ganze Serie zu diesen neueren Ansätzen gemacht hätte. Dabei hätte man dann darauf eingehen können, welcher Ansatz in welchem Kontext besondere Stärken hat.

Ich war auch insofern persönlich etwas enttäuscht, weil die Autorin letztes Jahr beim Kirchentag in Dresden auf dem christlich-jüdischen Bibliolog-Workshop „Reise zum Herzen der Tora und zurück – mit Jesus und dem reichen Jüngling„, den ich mit Jörg Reichmann gehalten habe, teilgenommen hat und ich deshalb davon ausgegangen bin, daß Bibliolog eben auch mit seinen speziellen Stärken im interreligiösen Gespräch thematisiert wird. Das paßte dann aber in den Gesamtduktus des Textes nicht mehr rein.

Zum Weiterlesen:
Gesellschaft für Bibliodrama
Arbeitsgemeinschaft biblische Figuren
Godly Play in Deutschland
Woltersburger Mühle: Zentrum für biblische Spiritualität und gesellschaftliche Verantwortung

GCJZ

GCJZ ist die Abkürzung für Gesellschaft(en) für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Jedes Jahr gibt es zur Woche der Brüderlichkeit, die Anfang März stattfindet ein Motto und ein Jahresthemenheft. Für 2012 ist das Motto „in Verantwortung für den anderen“. Der Koordinierungsrat der GCJZ hat mich letztes Jahr gefragt, ob ich für dieses Themenheft einen ausführlicheren Artikel über Bibliolog schreiben könnte, da dieser Zugang pädagogisch besonders geeignet ist für den christlich-jüdischen und den interreligiösen Dialog. Fünf Seiten habe ich bekommen, was für eine Zeitschrift enorm viel ist. Unter der Überschrift: Bibliolog: Aus Liebe zur Schrift und weil jede/r etwas zu sagen hat wurde mein Artikel veröffentlicht. Ich habe ihn mit Fotos aus der bibliologischen Arbeit nun hier im Blog eingestellt. Unter dem Headerbild mit den tanzenden hebräischen Buchstaben ist eine Leiste. Dort auf „Artikel“ klicken. Viel Spaß beim Lesen und Bilder angucken.

Bibliolog-Wochenende: Wenn der Dornbusch brennt …

Fr 20. – So 22. Juli
Bibliologwochenende in Schmerlenbach
Wenn der Dornbusch brennt …

Wer kennt es nicht, einerseits die behagliche Wärme des Feuers am Kamin oder beim Lagerfeuer und andererseits die bedrohenden Flammen eines Haus- oder Waldbrandes oder den Ausbruch eines Vulkanes. Feuer war schon immer als Naturphänomen gleichzeitig faszinierend und bedrohlich. Im übertragenen Sinn sprechen wir vom Feuer der Leidenschaft, der Begeisterung, des Eifers für eine Sache oder auch den glühenden Hass.

schwarzes Feuer – weißes Feuer

Wir wollen den „Feuer-Erfahrungen“ in unterschiedlichen Erscheinungsformen und Ausprägungen nachgehen: Dem Feuer der Begeisterung, dem Feuer des Scheiterns, dem Feuer der Sehnsucht …

Die jüdische Tradition spricht vom biblischen Text als vom schwarzen Feuer und vom weißen Feuer als den Zwischenräumen, das was angedeutet wird. Dieses Bild ist für das bibliologische Arbeiten wichtig geworden und ermutigt uns, die Texte (neu) auszulegen
und kennenzulernen.

Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, aber auch nicht hinderlich. Jede/r kann mitmachen.

Weitere Infos und Anmeldung:
Tagungszentrum Schmerlenbach (zwischen Würzburg und Aschaffenburg)
info@schmerlenbach.de
Tel: 06021 / 6302

Literaturhinweis: Lolita lesen in Teheran

oder: Was ist Rezeptionsästhetik?

Cover

Ist es ein Sachbuch oder ist es ein Roman? „Lolita lesen in Teheran“ von Azar Nafisi schaffte es beim Erscheinen in die Bestsellerlisten beider Kategorien. Es ist ein Buch über das Lesen, Verstehens- und Verständigungsprozesse in einem totalitäten Regime. Es ist moderne Literaturtheorie und zeigt auf höchst spannende und eindrückliche Weise, was „Rezeptionsästhetik“ ist. Und das ist die Verbindung, warum ich dieses Buch auf dem Bibliolog-Weblog empfehle.

Dieser aus der Literaturwissenschaft stammende Ansatz hat in den letzten Jahren Eingang in die Theologie gefunden – besonders im Hinblick auf die Predigt (Homiletik) und hilft zur theoretischen Fundierung dessen, was im Bibliolog geschieht. Die zentrale Frage der Rezeptionsästhetik ist: Was passiert zwischen dem Text und den Lesenden? Wie verläuft der Prozeß des Verstehens und Aneignens? Die Rezeptionsästhetik verabschiedet die Vorstellung, daß es einen (Kommunikations-)Inhalt gibt, der vom Sender zum Empfänger vermittelt wird und diese Botschaft wird von allen in gleicher Weise verstanden – außer wenn es Kommunikationsstörungen gibt.

Die Rezeptionsästhetik geht davon aus, daß die Bedeutung des Textes nicht festgelegt ist, sondern im Rezeptionsprozeß angeeignet wird, und zwar bei unterschiedlichen Menschen unterschiedlich. Der Text läßt Leerstellen und Zwischenräume. Und diese ermöglichen es, sich in schöpferischer Weise mit eigenen Erfahrungen auf den Text zu beziehen, quasi die eigenen Erfahrungen einzutragen. Dies ist ein kreativer Prozeß, in dem sich der Empfänger der Botschaft sein Textverständnis erschafft. Es passiert also eine kreative Produktion des Textes. Dabei ist das, was bei unterschiedlichen Lesern zustande kommt, unterschiedlich aber nicht beliebig. Der Text hat Grenzen – eine Art Textfeld. Und im zunehmenden Verlauf des Erzählgeschehens werden bestimmte Möglichkeiten ausgeschlossen oder auch neue eröffnet..

Wenn ich eine Gruppe bitte, mir biblische Geschichten zu nennen, in denen Wasser vorkommt, könnte die Sammlung folgendermaßen aussehen: Jona, Noah und die Arche, Schöpfungsgeschichte, die Hochzeit von Kana, Taufe Jesu im Jordan, die Teilung des Schilfmeers, Moses schlägt Wasser aus dem Felsen, der wunderbare Fischfang, Jesus wäscht seinen Jüngern die Füße, der Schiffbruch des Paulus, Jakobs Kampf am Jabok, die Heilung des Naaman, die Taufe des Kämmerers, der Engel findet Hagar an einer Wasserquelle, Petrus geht auf dem Wasser, der Durchzug der Israeliten durch das Meer, Jona …

Wenn ich dann nach biblischen Geschichten frage, in denen Wasser und ein Schiff oder etwas bootähnliches vorkommt, dann grenzt das die Zahl der möglichen Geschichten ein: Arche Noah, wunderbarer Fischfang, Jesus beruft Fischer, Schiffbruch des Paulus, Jona. Wenn ich nun zum Wasser und dem Schiff noch den Regenbogen dazunehme, so grenze ich die möglichen Texte noch weiter ein.

Nun zum Buch von Azar Nafisi: die Autorin ist im Iran geboren, verbringt ihre Schul- und Studienzeit im Ausland und kehrt 1979 nach Teheran zurück um an der Universität Literatur zu lehren. In den 1990iger Jahren muß sie die Universität verlassen, weil sie sich weigert, den Tschador zu tragen. Mit einigen Studentinnen trifft sie sich regelmäßig, um Klassiker westlicher Literatur zu lesen: „Lolita“ von Nabokov, Der große Gatsby“ von F. Scott Fitzgerald, „Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen usw. Diese Bücher, in denen Eheleute einander betrügen, in denen ein Mann eine Minderjährige verführt, in denen selbständige eigenwillige Frauen ihr Leben in die Hand nehmen, eine solche Literatur widerspricht islamischen Moralvorstellungen und kann, als Ausgeburt des dekadenten Westens, in der islamischen Republik Iran nicht geduldet werden. Es könnte ja sein, dass muslimische Studierende in diesen dekadenten und unmoralischen Figuren Vorbilder sehen. Azar Nafisi erzählt die Lebensgeschichten ihrer Studentinnen, wie diese die Lektüre aufnehmen, welche Fragen sich daraus für sie stellen und was das für ihr Leben unter den totalitären Bedingungen des Iran bedeutet. Sie öffnen sich in der Diskussion über die literarischen Werke und beginnen die eigene Realität, der gegenüber sie sich lange sprachlos und ohnmächtig fühlten, zu hinterfragen und zu verändern. Immer wieder fügt die Autorin Rückblenden ein, wie unterschiedliche Studenten reagierten als sie noch an der Universität lehren konnte.

Zu den besten 20 Seiten gehört „der Prozess der Islamischen Republik Iran gegen den großen Gatsby“ im Rahmen einer Lehrveranstaltung der Autorin. Ein Student hatte behauptet, „der große Gatsby“ von F. Scott Fitzgerald sei ein unsittliches, Ehebruch und Geldgier propagierendes Buch, das verboten gehöre. Azar Nafisi schlug ihm daraufhin ein Seminar in der Form einer Gerichtsverhandlung vor, bei der der Angeklagte nicht der Autor, sondern das Buch selbst sein sollte. In diesem Prozeß wird deutlich, welche Rolle Literatur im besten Fall spielen kann. Dies ist direkt übertragbar auf den Prozeß bibliologischen Arbeitens.

Abgesehen davon erfährt man viel über die Lebensbedingungen – insbesondere von Frauen unter der iranischen Revolution und zu Zeiten des Iran-Irak-Krieges. 1997 hat Azar Nafisi den Iran verlassen und lebt heute in den USA.

Nafisi, Azar: Lolita lesen in Teheran, Goldmann-Verlag, München 2008, 9,95 421 Seiten

Ergänzung::
Falls Sie über eine Suchmaschine auf diesem Blogeintrag gelandet sind, weil Sie einen Bibliolog-Entwurf suchen zu einem der genannten biblischen Texte, in denen „Wasser“ vorkommt, lesen Sie bitte hier weiter.

Wortwolke im Juni 2012

Wortwolke Juni 2012

Was noch gefragt wurde und ohne Antwort blieb:

Text der Emmausgeschichte
auf Papier: Im Lukasevangelium Kapitel 24 ab Vers 13; online bei http://www.bibelserver.de

Wortwolke christlich
??? Wortwolken jeglicher Art kann man bei wordle.net erstellen

konflikte mit der kirche abendmahl in emmaus
Kirche gab es erst später und vom Abendmahl ist in der Emmausgeschichte auch keine Rede. Über die Konflikte in der Jesusbewegung gibt es einiges in der Apostelgeschichte nachzulesen.

Bibliologe für Frauen
Ja, klar: Schauen, was die Frauen bewegt, welcher Text dazu paßt und inwieweit der „bibliologtauglich“ ist.

Priester Schlachter Malerei
auf jeden Fall eine ungewöhnliche berufliche Kombination

Schawuot in der Bibel
Die Gabe der Torah ans jüdische Volk kann man im 2. Buch Mose (Exodus) – Schemot – in den Kapiteln 19 und 20 nachlesen. Die Gebote für die Erstlingsfrüchte (Bikkurim) der Ernte findet man … und im Talmud-Traktat Bikkurim.

Wei heißt die Werkstatt von Marc Chagall heute
vermutlich ist das Marc-Chagall-Museum in Nizza gemeint?