Frage 13: Einstieg in einen Bibliolog

In der letzten Zeit taucht ungewöhnlich oft als Anfrage durch Suchmaschinen „Einstieg in einen Bibliolog“ auf. Leider weiß ich nicht genau, um was es den suchenden Personen geht, denn da gibt es zwei Möglichkeiten:

1. Jemand möchte mit einer Gruppe einen Bibliolog durchführen und sucht nach verschiedenen Möglichkeiten, wie man einer Gruppe Bibliolog als etwas andere Art der Erschließung biblischer Texte nahebringen kann, also wie gestaltet der Bibliologe die „Werbung“ für das, was jetzt statt der Bibelarbeit oder dem Bibelgespräch wie es die Teilnehmenden gewöhnt sind, stattfinden soll so, daß die Teilnehmer sich gerne darauf einlassen und Lust bekommen mitzumachen – oder zumindest nicht stören – und nicht in der Haltung: das-kenne-ich-nicht / was-soll-das-denn / das-haben-wir-noch-nie-so-gemacht an diese für sie neue Form herangehen.

Das wäre eine Frage danach, wie man „die (innere) Bühne für den Bibliolog vorbereitet“, also den Teilnehmenden Mut macht, sie vorbereitet auf das, was statt des Gewohnten kommt und wie man die Spielregeln eines Bibliologs rüberbringt: Was man selber als Bibliologin macht und was sie tun sollen (sich mit Rollen, die man ausgewählt hat, identifizieren und wenn sie mögen sich in dieser Rolle äußern). Wie gestaltet man diesen „Einstieg“ so, daß es möglichst förderlich ist für das, was man mit der Gruppe vorhat und diejenigen, die Widerstände gegen dieses Neue / Andere haben, zumindest diese Widerstände für eine Weile zurückstellen?

Jeder Bibliologe hat seinen eigenen Stil und eine eigene Handschrift, und das ist gut so. Natürlich hängt es ganz wesentlich von der Gruppe und dem Thema ab und ob sie eher experimentierfreudig sind, was neue Formen betrifft oder lieber beim in ihren Augen Bewährtem bleiben. Auch das Alter mag eine Rolle spielen (eine Konfirmanden- oder Bar/Bat-Mizwa-Gruppe im jugendlichen Alter werde ich anders einstimmen und vorbereiten als eine Seniorengruppe mit vielleicht zum Teil dementiell veränderten Teilnehmern).

Ganz allgemein sind kurze und klare Sätze hilfreich um positiv zu beschreiben, was getan bzw. erwartet wird. („Sie brauchen keine Angst zu haben sich zu blamieren, denn alles ist richtig“ wäre wenig hilfreich, denn dadurch werden die Teilnehmenden erst auf die Idee gebracht, man könnte sich blamieren, was beim Bibliolog sowieso nicht der Fall ist.

2. Jemand hat beim Anleiten von Bibliologen die Erfahrung gemacht, daß nach dem Prolog (was ist das und wie geht das) und der Hinführung (vermitteln um welchen Text es geht, Hintergrundinfos, welche die Teilnehmenden brauchen und vorbereiten zum Eintauchen in diesen Text) es dann bei der ersten Frage, mit der der eigentliche Bibliolog beginnen sollte, hackt.

Vorausgesetzt, Prolog und Hinführung waren gut vorbereitet und es hängt an der ersten Frage, dann wäre zu schauen, ob diese erste Frage gut gewählt war. Wurde eine Rolle gewählt, die leicht zur Identifikation einlädt und wurde die erste Frage als Schlüsselfrage so formuliert, daß sie offen ist und unterschiedliche Ebenen anspricht und bündelt (zumindest zwei von den folgenden dreien: emotional / kognitiv / Handlungsebene) und zugleich gut in den Text und das Geschehen hineinführt?

Schade ist, wenn jemand gut in den Text und in die biblische Welt hineinführt und die erste Frage dann völlig gegen den Text und dessen Erzählstruktur läuft: Bei einem Bibliolog über Samuel und Eli im Heiligtum von Schilo befragt jemand nach der anschaulichen Schilderung der Situation von Samuel im Schilo als erstes Hanna, die Mutter von Samuel, die bei der Geschichte gar nicht dabei ist, sondern weit weg wohnt, wie sie es findet, daß ihr Sohn Samuel so weit weg von ihr bei Eli im Heiligtum von Schilo ist.

Zum Abschluß bietet sich noch die Frage an: Woran scheitern die meisten Bibliologe, wenn sie nicht gut laufen? oder: Warum wird Bibliolog in manchen Gruppen nicht gut angenommen und kann man da was tun? Das wäre nochmal ein eigenes Posting wert.

Wenn Bibliologe total schief laufen, hängt es meiner Erfahrung nach meist damit zusammen, daß die Anleitenden nicht sehen, wie komplex ein Bibliolog ist, daß und was genau man intensiv vorbereiten muß und davon ausgehen, man kann das eben mal so nach eigenem Erleben und Lektüre machen ohne es gelernt zu haben. Möglicherweise wurde auch ein Text ausgewählt, der nicht für einen Bibliolog geeignet ist oder zumindest zu diesem Zeitpunkt für diese Gruppe nicht geeignet ist. Das würde zum Stichwort „Textauswahl“ gehören.

Eine weitere Möglichkeit: Der Text paßt – in dieser Situation – nicht zum Bibliologen. Beispiel: Eine Bibliologin hat einen Bibliolog zu einer Heilungsgeschichte vorbereitet. Einige Stunden vor der Durchführung des Bibliologs hat sie von der Krebsdiagnose ihres Partners erfahren. Einen Plan B für ihre Veranstaltung hatte sie nicht. In dieser Situation war sie mit der Durchführung eines Bibliologs überfordert, weil sie gar nicht in der Lage war, sich gut in die Teilnehmeräußerungen einzufühlen, sie wahrzunehmen und wiederzugeben.

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