Veranstaltungshinweis: Berliner Dialog der Religionen

„Religiöse Geschichten aus 775 Jahren Berlin“

Am Dienstag, den 30. Oktober 2012 um 19:00 Uhr
Im Louise-Schröder-Saal des Berliner Rathauses.

Für Religionen spielen Erzählungen eine wichtige Rolle, denn sie prägen das religiöse Leben und Empfinden der Gläubigen. In den vergangenen 775 Jahren Berlin haben Religionen die Stadt geprägt. Und Stadt hat die Religionen geprägt. Geschichten dieser wechselseitigen Begegnung möchten wir uns an diesem Abend widmen: alten und neuen, ernsten und lustigen, kuriosen und alltäglichen. Eingeladen, solche Geschichten zu erzählen, sind:

Pastor Peter Jörgensen, Baptistenpastor im Wedding
Iman Reimann, Vorsitzende des Deutschsprachigen Muslimkreises
David Ruetz, Präsident der Landeskirche Berlin/ Brandenburg der Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage im preußischen Berlin
Dr. Hermann Simon, Direktor des Centrum Judaicum
Dr. Rupert Graf Strachwitz, Direktor des Maecenata Instituts

Anschließend möchten wir mit Ihnen über diese Geschichten ins Gespräch kommen. Wir freuen uns auf Ihr Kommen!
Die Veranstaltung findet statt im Rahmen der „Tage des Interkulturellen Dialogs“ und des „Berliner Dialogs der Religionen“.

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Aufbaukurs nicht-narrative Texte in Köln

Von Mo 12. November bis Fr 16. November 2012 biete ich in Köln an der Melanchthon-Akademie einen Bibliolog-Aufbaukurs nicht-narrative Texte an.

Ich habe vor vier Jahren mit dieser viertägigen Kursform begonnen. Meist werden Aufbaukurse über zwei Tage angeboten. Bei den nicht-narrativen Texten läuft das darauf hinaus, daß die Arbeit mit Briefen und mit Psalmen vermittelt wird.

In der viertägigen Form ist es außerdem möglich, mit Reden, prophetischen Texten und Bildern, Weisheitsliteratur und Gesetzestexten zu arbeiten und verschiedene Varianten zu zeigen, wie mit diesen Textformen gearbeitet werden kann, sodaß sie eine ganz neue Lebensnähe und Dynamik entfalten Außerdem ist auch der Raum dazu da, über die bisherige eigene Bibliolog-Praxis seit dem Grundkurs zu reflektieren, auszutauschen und sich Anregungen zu holen. Am Ende nimmt jede/r Teilnehmende einen Bibliolog für das eigene Arbeisfeld mit.

Voraussetzung für die Teilnahme ist der Bibliolog-Grundkurs und eigene Erfahrungen im Anleiten von Bibliologen. Ein guter Anhaltspunkt ist, ob man beim Anleiten flüssig das Interviewing umsetzen kann.

Besonders angesprochen sind natürlich Leute aus Köln und Umgebung. Da außer Montag alle Abende frei sind, können auch gut Menschen teilnehmen, die aufgrund ihrer familiären Situation nicht über eine Woche wegfahren können. Wer von weiter her kommt, kann in der Melanchthon-Akademie nach Gästezimmern fragen.

Weitere Informationen und Anmeldungen:
info (at) melanchthon-akademie.de
Telefon 0221 / 931803-0
Fax 0221 / 931803-20

Bibliolog in der Sukka mit den Uschpisim (2)

Gerne erinnere ich mich an meine erste Erfahrung mit Bibliolog in der Sukka (Laubhütte) im letzten Jahr (siehe hier). Schon kurz danach hatte mich Chajm, der Gastgeber in der Sukka, gefragt, ob wir das im nächsten Jahr wiederholen könnten. Gern habe ich zugestimmt und mich für die Uschpizim (Gäste) des 5. Tages entschieden: Mosche und Zippora.

Einige waren zu diesem Abend in die Sukka des interkulturellen Hauses gekommen, weil sie Bibliolog schon kannten. Eine Schauspielschülerin, die ein Seminar besucht hatte, nahm spontan unsere Einladung in die Laubhütte an. Die Teilnehmerschaft war wieder sehr gemischt (jüdisch liberal und orthodox, evangelisch, katholisch und säkular). Nach einer leckeren Kürbissuppe und einigen anderen mitgebrachten Köstlichkeiten unternahmen wir eine Reise in den biblischen Text (Schemot Kapitel 2,16-22 / Exodus 2,16-22), traditionelle Midraschim sowie moderne Midraschim, die in den letzten 30 Jahren im Rahmen jüdischer-feministischer Auslegung entstanden sind (z.B. Rabbinerin Rebecca Alpert: Rediscovering Tziporah in „The Women`s Torah Commentary“, p 121).

Im Torahtext bleibt Zippora relativ farblos. Durch traditionelle und moderne Midraschim werden zahlreiche Facetten hinzugefügt. Im Text gibt es einen abrupten Bruch im Vers 21 zwischen dem ersten und dem zweiten Teil („Und Mose willigte ein, bei dem Mann zu bleiben. Und er gab Mose seine Tochter Zippora zur Frau“). Der traditionelle Midrasch füllt die Lücke zwischen diesen beiden Sätzen mit der Geschichte, daß Jitro sehr mißtrauisch gegen Mosche war und ihn in einen Brunnen werfen ließ. Dort überlebte er nur, weil Zipporah ihn 10 Jahre lang täglich mit Nahrung versorgte. Erst dann erzählte sie ihrem Vater, daß Mosche noch lebt. Als dieser dann Mosche lebend im Brunnen vorfand, betrachtete er das als Wunder). Die sehr aktive Seite von Zippora wird dann in Exodus 4, 24-26 deutlich als sie die tödliche Bedrohung von Mosche erkennt und den bis dahin unbeschnittenen Sohn Gerschom beschneidet und so die Gefahr von Mosche abwendet.

Mosche, Zippora und die Frau aus Kusch – Keramik von Chajm Harald Grosser

Diese Stelle spielte dann vor etwa 15 Jahren eine Rolle als im amerikanischen Reformjudentum diskutiert wurde, ob Frauen Beschneidungen vornehmen könnten. Zippora wurde dann zum Rollenvorbild für Frauen, die im Rahmen eines Mohalot-Programms des Hebrew Union College (Ausbildungsstätte in Amerika für ReformrabbinerINNEN) zu Beschneiderinnen ausgebildet wurden. Einige Jahre später folgte dann auch das konservative Judentum. An Rabbinerin Antje Yael Deusel, die vor einigen Monaten in Bamberg ordiniert wurde und dort auch im Krankenhaus als ChefOberärztin für Urologie tätig ist, sieht man, daß diese Entwicklung inzwischen auch in Deutschland angekommen ist, denn sie hat ein solches Mohalot-Programm durchlaufen. (Mohalot ist die Mehrzahl von „mohelet“, der Beschneiderin). Leider hat Frau Deussel ihre sehr interessante Seite dazu vom Netz genommen. Im Raum Freiburg gibt es noch eine weitere jüdische Ärztin und Mohelet.

In unserem anschließenden Gespräch hat uns gewundert, daß in der öffentlichen Diskussion der letzten Monate um die Beschneidung jüdischer (und muslimischer) Jungen die Geschichte von Zippora keine Rolle gespielt hat und nur Bereschit / Genesis 17 thematisiert wurde.

Für nächstes Jahr haben wir schon Josef in den Blick genommen.

Zum Weiterlesen
Bibliolog in der Sukka mit den Uschpisim (1)
Bibliolog in der Sukka mit den Uschpisim (1) (2011)

Veranstaltungshinweis: Mit Zippora und Mosche in der Sukka (Laubhütte)

Screenshot: Kulturverein Prenzlauer Berg

Am Do. 4. Oktober 2012 findet ein Treffen in der Laubhütte der Keramikwerkstatt Yad Chanah statt. Ab 19.30 h gibt es eine warme Suppe und um 20.00 h beginnt ein Bibliolog zu „Mosche und Zippora„.

An jedem Tag des Laubhüttenfestes laden wir im Idealfall zwei Gruppen von Gästen in die Sukka (Laubhütte) ein. Zuerst wären da die »echten« Gäste aus der heutigen Zeit, von denen wir wollen, dass sie sich wohlfühlen und den Feiertag mit uns teilen. Und dann gibt es neben den »echten«, die man anfassen kann, noch eine andere Gruppe von Gästen. Wir nennen sie »Uschpisin«. Das Wort kommt aus dem Aramäischen und bedeutet »Gäste«. Gemeint sind damit traditionell die Vorväter Awraham, Jitzchak, Jakow, Josef, Mosche, Aharon und David. Sie alle waren – zumindest eine Zeitlang ihres Lebens – Hirten, und von Rachel, der Frau Jakobs sowie Zippora, der Frau von Mosche, wird in der Torah erzählt, daß sie Hirtinnen waren. Nachdem wir im letzten Jahr Rachel und Jakob durch einen Bibliolog kennengelernt haben, werden wir dieses Jahr Mosche und Zippora (neu) kennenlernen, indem wir in die biblische Zeit eintauchen.

Zeit: Do 4. Okt. 2012 ab 19.30 h
Ort: Interkulturelles Haus Pankow, Schönfließer Straße 7 (Prenzlauer Berg)
S-Bhf Bornholmer Straße, U 8 oder 9 Osloer Straße dann Tram 13 oder 50 bis Schönfließer Straße

Wir freuen uns über kulinarische Beiträge zum gemeinsamen Essen (vegetarisch).

Zum Weiterlesen:
Bibliolog in der Sukka 2011

Wortwolke und Suchbegriffe im September 2012

Wortwolke September 2012

… und was sonst noch so gefragt wurde und nicht im Weblog steht:

Schabbatpsalm
Psalm 92 ist überschrieben mit „ein Lied für den Schabbat“ (Vers 1), ansonsten spielen bei der Kabbalat Schabbat (Gottesdienst zum Schabbatbeginn am Freitagabend) die Psalmen 95 – 99 und 29 eine besondere Rolle.

der Dornbusch brennt nicht ab
in der Geschichte von Moses und dem brennenden Dornbusch in Exodus 3 (2 Buch Mose im 3. Kapitel) brennt der Dornbusch ohne zu verbrennen

Bibliolog Diakonie
Bibliolog ist für den Einsatz in diakonischen / sozialen Arbeitsfeldern sehr geeignet, bedarf allerdings entsprechender Modifikationen für die Zielgruppen

Durchzug durchs Schilfmeer Midrasch
ja, mehr als einen – als Einstieg sei die Midrasch-Sammlung Schemot Raba empfohlen

Bibliolog Bibel
so wird manchmal das Grundlagenwerk von Uta Pohl-Patalong etwas flapsig genannt (Bibliolog Band 1: Grundformen)

Sukkot Bedeutung für Christen
Im siebten Kapitel des Johannesevangeliums wird erzählt, daß Jesus sich zum Laubhüttenfest in Jerusalem aufhielt. Außer für christliche Zionisten dürfte es als Fest im christlichen Bereich keine Bedeutung haben.