Torn paper midrash (Jo Milgrom)

Eindruck braucht Ausdruck. In ihrer langjährigen Arbeit hat die amerikanisch jüdische Bibeldozentin Jo Milgrom unterschiedliche Formen von visuellem Midrasch (visual midrash) entwickelt, mit denen ich gerne arbeite. Sie tragen dazu bei, das im Bibliolog Erlebte und Erschlossene auf einer persönlichen Ebene zu erweitern und zu vertiefen. Die Gestaltung eines eigenen visuellen Midrasch eröffnet ein tieferes Verständnis des (Bibel-)Textes und ermöglicht es dem Studierenden eine Verbindung mit dem Text herzustellen. Durch die künstlerische Umsetzung werden noch andere Ebenen der persönlichen Auseinandersetzung berührt. Beim anschließenden Austausch werden unterschiedliche Sichtweisen zugänglich. Jede/r darf zur eigenen Gestaltung etwas sagen, niemand muss sich äußern. Bei mehrtägigen Seminaren bietet es sich an, daß jede/r einen Platz im Raum für das eigene Werk sucht.

Die folgenden Gestaltungen sind im 4 tägigen Aufbaukurs „Bibliolog mit nicht-narrativen Texte“ nach einem Bibliolog zu 3 Mose 19,2 und 9 – 18 im November 2012 in Köln entstanden. Vielen Dank an die Teilnehmenden, die mir erlaubt haben, ihre Erarbeitungen unter dem Thema „Reise zum Herzen der Torah“ hier ins Weblog einzustellen:

Herz 1Herz 4Herz 5Herz 2Herz 3

Bei dieser kreativen Weiterführung machen auch Menschen mit, die sich für „unbegabt“ halten und sonst bei kreativen Angeboten schnell aussteigen.

Das Buch „Handmade Midrash as a Visual Theology“ von Jo Milgrom ist leider vergriffen.

Frage 15: Bibliolog und Kasualien

Fragezeichengruppe 2Da ich mich für diese Frage nicht ausreichend kompetent fühle, war ich froh, sie im Rahmen des letzten Treffens der Berliner Regionalgruppe einbringen zu können. Deshalb hat es mit der Beantwortung auch etwas länger gedauert.

„Es gibt im Leben der meisten Menschen vier Ereignisse, bei denen sie mit Kirche in Berührung kommen können: Taufe, Konfirmation, Trauung und Bestattung. Zum einen werden diese Anlässe als so genannte Kasualien bzw. Kasualhandlungen bezeichnet (lat.: Kasus = Fall). Im Hintergrund steht ein Ereignis, die spezifische Lebenssituation. Zum anderen wird aber auch von „Amtshandlungen“ gesprochen. Darin kommt die Perspektive des Pastors/der Pastorin zum Ausdruck, wenn von ihm/ihr eine pfarramtliche, kirchliche Dienstleistung erbeten wird.“

heißt es auf der Seite der EKD unter Glaubens-ABC: Kasualien.

Ich weiß von einigen evangelischen Teilnehmenden von Grundkursen, daß sie Bibliolog im Rahmen von Gemeindegottesdiensten, in denen eine Taufe stattfand, angeleitet haben. Gern wird dann der Text von der Kindersegnung genommen. Mir wurde berichtet, daß das Echo der Familien der getauften Kinder darauf positiv war. Eine katholische Theologin wies beim Regionalgruppentreffen darauf hin, daß aufgrund des kirchlichen Rituals im katholischen Kontext ein Bibliolog während einer Taufe nicht vorstellbar sei.

Bei Trauungen und Bestattungen kann ich mir einen Bibliolog überhaupt nicht vorstellen, weil das Situationen sind, in denen Menschen gefühlsmäßig sehr aufgewühlt sind und den Zuspruch sowie die Unterstützung durch das Ritual brauchen und eigene kreative Erarbeitungen eine Überforderung wären.

Für mich war interessant, daß sich die anwesenden Pfarrerinnen und kirchlichen Mitarbeitenden darüber einig waren, daß bei Trauungen und Beerdigungen Bibliolog nicht geht. Es sind Übergangssituationen im Leben, bei denen es wichtig ist, daß die Pfarrperson die Betroffenen hindurch geleitet. Der Anlaß und die damit verbundene eigene Lebenssituation steht im Mittelpunkt. Deswegen kommen die Menschen und nicht wegen der Schriftauslegung.

Daran schloß sich noch ein Gespräch an, ob im normalen Sonntagsgottesdienst die Menschen wegen der Schriftauslegung kommen – wie im evangelischen Kontext idealtypisch angenommen wird. Plädiert wurde dafür, immer anzukündigen, wenn im Gottesdienst ein Bibliolog stattfindet, denn die Erwartungen der Gottesdienstbesucher an einen Sonntagsgottesdienst ist sehr unterschiedlich. Wer durch eine Predigt etwas gesagt bekommen und mitnehmen möchte oder auch wer die Predigtzeit als Raum sieht, den eigenen Gedanken nachzugehen, wird enttäuscht sein, wenn ein Bibliolog stattfindet. Interessant und neu war für mich der Hinweis, daß im evangelischen Sonntagsgottesdienst der Trend derzeit zu traditionellen Formen und Abläufen geht. Interaktive und andere kreative Formen, mit denen in den 1970iger Jahren und später experimentiert worden sei, seien nicht mehr gefragt. Wer danach sucht, nimmt eher andere Formen des Gottesdienstes wahr (Thomasmesse).

Auch im Hinblick auf den Konfirmationsgottesdienst herrschte Konsens, daß dieser nicht der geeignete Ort für einen Bibliolog sei im Gegensatz zu einem Konfirmandenvorstellungsgottesdienst und in anderen Formen der Konfirmandenarbeit (Gruppenstunden, Konfirmanden-Camps etc.)

Wortwolke und Suchbegriffe im Oktober 2012

Wortwolke Oktober 2012

… und was sonst noch so gefragt wurde und nicht im Weblog steht:

Bildungsurlaub Taizé
Für Religionslehrer aller Schularten bietet das Schulreferat in Passau immer wieder unter den Schlagworten „Auslandslehrgang“ und „spirituelle Impulse für das Schulleben“ eine einwöchige Fortbildung an;
ansonsten: Wenn es einen anerkannten Bildungsträger für Bildungsurlaub nach Taizé gibt, dann dürfte das kein Problem sein

Grundkurs absolvieren und dann Aufbaukurse
ja klar – anders rum macht es wenig Sinn. Man lernt ja auch erst die Grundrechenarten bevor man sich mit weiterführenden Inhalten beschäftigt, die darauf aufbauen.

Bibliolog Neues Testament
Da Bibliolog in deutschsprachigen Ländern vorwiegend in christlichen Kreisen bekannt ist, finden die meisten Bibliologe zu Texten aus dem Neuen Testament statt

Psalm Wochentage Juden
1. Tag (Sonntag): Psalm 24, 2. Tag: Psalm 48, 3. Tag: Psalm 82, 4. Tag: Psalm 94, 5. Tag: Psalm 81, 6. Tag: Psalm 93, Schabbat: Psalm 92

Michelangelo Bier
wäre eine neue Marke

Bibliolog feministisch
???