Frage 15: Bibliolog und Kasualien

Fragezeichengruppe 2Da ich mich für diese Frage nicht ausreichend kompetent fühle, war ich froh, sie im Rahmen des letzten Treffens der Berliner Regionalgruppe einbringen zu können. Deshalb hat es mit der Beantwortung auch etwas länger gedauert.

„Es gibt im Leben der meisten Menschen vier Ereignisse, bei denen sie mit Kirche in Berührung kommen können: Taufe, Konfirmation, Trauung und Bestattung. Zum einen werden diese Anlässe als so genannte Kasualien bzw. Kasualhandlungen bezeichnet (lat.: Kasus = Fall). Im Hintergrund steht ein Ereignis, die spezifische Lebenssituation. Zum anderen wird aber auch von „Amtshandlungen“ gesprochen. Darin kommt die Perspektive des Pastors/der Pastorin zum Ausdruck, wenn von ihm/ihr eine pfarramtliche, kirchliche Dienstleistung erbeten wird.“

heißt es auf der Seite der EKD unter Glaubens-ABC: Kasualien.

Ich weiß von einigen evangelischen Teilnehmenden von Grundkursen, daß sie Bibliolog im Rahmen von Gemeindegottesdiensten, in denen eine Taufe stattfand, angeleitet haben. Gern wird dann der Text von der Kindersegnung genommen. Mir wurde berichtet, daß das Echo der Familien der getauften Kinder darauf positiv war. Eine katholische Theologin wies beim Regionalgruppentreffen darauf hin, daß aufgrund des kirchlichen Rituals im katholischen Kontext ein Bibliolog während einer Taufe nicht vorstellbar sei.

Bei Trauungen und Bestattungen kann ich mir einen Bibliolog überhaupt nicht vorstellen, weil das Situationen sind, in denen Menschen gefühlsmäßig sehr aufgewühlt sind und den Zuspruch sowie die Unterstützung durch das Ritual brauchen und eigene kreative Erarbeitungen eine Überforderung wären.

Für mich war interessant, daß sich die anwesenden Pfarrerinnen und kirchlichen Mitarbeitenden darüber einig waren, daß bei Trauungen und Beerdigungen Bibliolog nicht geht. Es sind Übergangssituationen im Leben, bei denen es wichtig ist, daß die Pfarrperson die Betroffenen hindurch geleitet. Der Anlaß und die damit verbundene eigene Lebenssituation steht im Mittelpunkt. Deswegen kommen die Menschen und nicht wegen der Schriftauslegung.

Daran schloß sich noch ein Gespräch an, ob im normalen Sonntagsgottesdienst die Menschen wegen der Schriftauslegung kommen – wie im evangelischen Kontext idealtypisch angenommen wird. Plädiert wurde dafür, immer anzukündigen, wenn im Gottesdienst ein Bibliolog stattfindet, denn die Erwartungen der Gottesdienstbesucher an einen Sonntagsgottesdienst ist sehr unterschiedlich. Wer durch eine Predigt etwas gesagt bekommen und mitnehmen möchte oder auch wer die Predigtzeit als Raum sieht, den eigenen Gedanken nachzugehen, wird enttäuscht sein, wenn ein Bibliolog stattfindet. Interessant und neu war für mich der Hinweis, daß im evangelischen Sonntagsgottesdienst der Trend derzeit zu traditionellen Formen und Abläufen geht. Interaktive und andere kreative Formen, mit denen in den 1970iger Jahren und später experimentiert worden sei, seien nicht mehr gefragt. Wer danach sucht, nimmt eher andere Formen des Gottesdienstes wahr (Thomasmesse).

Auch im Hinblick auf den Konfirmationsgottesdienst herrschte Konsens, daß dieser nicht der geeignete Ort für einen Bibliolog sei im Gegensatz zu einem Konfirmandenvorstellungsgottesdienst und in anderen Formen der Konfirmandenarbeit (Gruppenstunden, Konfirmanden-Camps etc.)

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Ein Gedanke zu „Frage 15: Bibliolog und Kasualien

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