Bibliolog in Frankreich / Bibliologue en France

Frankreich 2 In der zweiten Juniwoche habe ich mit einem Pfarrer aus der Schweiz den ersten Bibliolog-Grundkurs in Frankreich durchgeführt. Ich habe noch nie einen Kurs geleitet, in dem die Teilnehmenden aus so vielen Ländern und unterschiedlichen kulturellen Hintergründen kamen. Vertreten waren: Frankreich, französische Schweiz, Belgien, Kamerun, Togo und Norwegen. Was ist anders bei einem Grundkurs in Frankreich als in einem deutschen Pastoralkolleg oder PTI? Für mich war es spannend zu sehen, wie ich als Nicht-Muttersprachlerin mit einem guten Französisch-Standard Muttersprachlern Bibliolog, der ja ein sprachliches Geschehen ist, vermitteln kann. Eine Erleichterung war, daß unter den aus Frankreich kommenden Pfarrern vier Deutsche waren, die schon sehr lang in Frankreich leben und die man um das eine oder andere fehlende Wort fragen konnte.

In Frankreich nehmen Pfarrer im Normalfall alle fünf Jahre an einer Fortbildung teil. Diese dauert meist acht Tage, wobei an einem Tag ein Ausflug stattfindet. Am ersten Tag kam ein Rabbiner aus dem nahegelegenen Straßburg und führte in den Midrasch ein. Das war eine ausführlichere Grundlage als in deutschen Grundkursen, die vier Tage dauern und „Midrasch“ nur als Teil eines Moduls (Bibliolog – Entstehung und Hintergründe) thematisiert werden kann.

Mont Roland

Mont Roland

Der Ort des Geschehens lag im französischen Jura, ein katholischer Wallfahrtsort auf dem Jakobsweg: Mont Roland. Eine ganz neue Erfahrung war für mich, daß zwei Pfarrerinnen dabei waren, die für Organisation, Rahmenbedingungen und Moderation verantwortlich waren. Das war eine große Entlastung. Außerdem waren an vier Tagen noch Professoren zur theologischen Reflexion und Vertiefung da: An zwei Tagen ein emeritierter Alttestamentler und an zwei Tagen ein Neutestamentler. Die Möglichkeiten zu einer so ausführlichen theologischen Reflexion fand ich sehr anregend.

Der Gemeinschaftsaspekt hatte einen höheren Stellenwert, weil die evangelische Kirche eine Minderheit ist und Pfarrer in ihrem Alltag meist nicht die Austausch- und Beratungsmöglichkeiten untereinander haben wie in Deutschland, wo es monatliche Pfarrkonferenzen gibt. Die Mahlzeiten waren ähnlich organisiert wie ich es aus katholischen Häusern in Deutschland kenne. Es gibt keine Mittags- und Abendbüffets, was ich als sehr förderlich für die Gemeinschaft erlebt habe. Insgesamt dauern die Mahlzeiten länger und sind sehr entspannt. Unter einer Stunde (Ausnahme: Frühstück) geht nichts. Vormittags und Nachmittags gibt es Pausengetränke, aber „Beilagen“ wie Obst und Kuchen sind nicht üblich. Außer uns Trainern wußten das auch alle. Von den Teilnehmenden waren Süßigkeiten aus den jeweiligen Herkunftsregionen mitgebracht worden. Es war jeden Tag spannend, was es an Nervennahrung geben würde.

Was in Frankreich gar nicht geht: Wahrnehmungs- und Körperübungen sind unüblich. Wir hatten eine gute Gruppe erwischt – so die deutschen Pfarrer. Andere hätten das – so ihre Einschätzung – nicht mitgemacht. Mich hat das gewundert, weil die täglichen Arbeitszeiten insgesamt länger sind als bei deutschen Pastoralkollegs. Was noch weniger geht: Einen Bibliolog nur zu Demonstrationszwecken machen (Bibliolog zum Echoing) nach dem nicht ausführlich erst einmal darüber gesprochen wird, was den Teilnehmenden inhaltlich neu aufgefallen ist bevor es zu den methodischen Fragestellungen geht.

Beim Sonntagsg-ttesdienst, an dem wir in Dole teilnahmen, fiel mir auf, wie stark die Position der Laien in der reformierten Kirche ist. Ich kann mir nicht vorstellen, daß bei Anwesenheit von zwanzig PfarrerINNEn in Deutschland ein Kirchenvorsteher das Abendmahl leiten würde (Einsetzungsworte und Austeilung). Eine bereichernde Erfahrung für mich war, daß die Zeit da war, mit jedem Teilnehmer ausführlicher zu sprechen. Ich habe dadurch viel über die Situation von Pfarrern in französisch sprachigen Ländern erfahren. Ungewöhnlich hoch war die Zahl von PfarrerINNEn, die beruflich etwas anderes gemacht haben bevor sie Pfarrer wurden.

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Ein Gedanke zu „Bibliolog in Frankreich / Bibliologue en France

  1. Danke Iris,
    in dieser Weise noch ein Echo zu bekommen, jetzt wo wir schon dabei sind, mit dem Bibiolog zu arbeiten.
    Dir noch mal Dank, mit Uli, für Eure aufmerksame und unterstützende Art, die Lernphasen zu strukturieren.
    Angelika

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