2. Lange Nacht der Religionen

Am Sanstag fand in Berlin die 2. Lange Nacht der Religionen statt. Mehr als 100 Religionsgemeinschaften, religiöse Gruppen und interreligiöse Initiativen boten – über die ganze Stadt verteilt – ein vielfältiges Programm an. Mehr als 10.000 Menschen kamen – und das, obwohl in der Lokalpresse bis auf eine Ausnahme, keine Veranstaltungsankündigung stand.

Auch die interreligiöse Bibliolog-Werkstatt war dabei – dieses Mal in Neukölln. Eingeladen wurde zum Thema „Familienkonflikte im Haus von Abraham / Ibrahim, Sarah und Hagar„. Der Abend war so aufgebaut, daß immer zur vollen Stunde ein Bibliolog begann – ab 21.00 h dann die letzte längere Bibliologsequenz. Die meisten Interessierten waren den ganzen Abend dabei – einige kamen zu einem der Themen.

Bibliolog mit Objekte: unterschiedliche Sichtweisen des Konflikts

Bibliolog mit Objekte: unterschiedliche Sichtweisen des Konflikts

Besonders beeindruckt hat mich als eine Muslima von ihrer Pilgerfahrt nach Mekka erzählte: Dort wird durch zwei Hügel an Hagar erinnert. Jeder Pilger legt den Weg zwischen diesen Hügeln sieben Mal zurück. Dadurch sei ihr die Situation von Jischmaels Mutter noch einmal anders nahe gekommen. Der Islam geht davon aus, daß Hagar sich nach der Vertreibung durch Ibrahim (Abraham) in Mekka niedergelassen habe.

Die nächste Lange Nacht der Religionen ist für 6. September 2014 geplant

Zum Weiterlesen:
Die stille Macht der langen Nacht

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interreligiöse Bibliolog-Werkstatt im Deutschlandradio Kultur

Signet Deutschlandradio„In die Lücken des Textes gucken – Bibelauslegung mit jüdischen Wurzeln“ hat Thomas Klatt seinen Beitrag für die Sendung „… aus der jüdischen Welt“ genannt, der am 16. August ausgestrahlt wurde. Hier kann man den Sendetext nachlesen und den Beitrag (8 Minuten) hören.

Darf DER das? Darf DIE das?

Buchcover Zealot

Buchcover Zealot

oder genauer gefragt: Darf ein Muslim (DER) das? beziehungweise: Darf eine Jüdin (DIE) das? Derzeit ist ein Jesus-Buch auf Platz 1 der Sachbuchbestsellerlisten in den USA. Geschrieben hat es Reza Aslan, ein Religionswissenschaftler und Muslim. Letzte Woche wurde er in Fox-News, einer wichtigen Nachrichtensendung dazu interviewt. Die Interviewerin hatte – wenn überhaupt – das Buch nur flüchtig gelesen. Sie unterstellte dem Verfasser er könne ein solches Buch als Muslim nur aufgrund von Vorurteilen gegen das Christentum schreiben. Von ihrer Linie ließ sie sich nicht abbringen. Es sei das peinlichste Interview von Fox-News gewesen, das jemals gesendet wurde, sind sich die wichtigen amerikanischen Medien einig. Auch in der deutschen Presse fand der Vorfall bereits einige Echos. So schrieb die Frankfurter Rundschau unter der Überschrift „darf ein Muslim das?“ am 2. August:

Das Jesus-Buch des Religionssoziologen Reza Aslan bringt Amerikas Konservative auf – immerhin äußert sich da ein Muslim über den Inbegriff des Christentums. Dass er dies äußerst fundiert tut, ist offenbar egal. Warum sollte ein Muslim ein Buch über Jesus schreiben? Ja, darf er das überhaupt? Ist er nicht zu beladen mit Vorurteilen? Mit solchen Fragen muss sich derzeit der angesehene Religionssoziologe Reza Aslan auseinandersetzen, dessen Buch „Zealot. The Life and Times of Jesus of Nazareth“ diese Woche in den USA erschienen ist. Ausgangspunkt der Kontroverse ist ein kurzer Text auf der Website des erzreaktionären Fernsehsenders FoxNews, in dem der Reporter John S. Dickerson kurzerhand fälschlich behauptet, Aslan und die linken Mainstream-Medien verheimlichten, dass er ein gläubiger Muslim sei. Das Buch sei keine historische Abhandlung, sondern lediglich „die Meinung eines gebildeten Muslims über Jesus“, das historische Vorurteile des Islam über den Messias verbreite… weiter hier

Das eigentliche Unbehagen an dem Buch seitens konservativer christlicher Kreise in den USA dürfte damit zusammenhängen, daß es – wie der Titel „Zealot … “ aussagt, Jesus mit den Zeloten, einer radikalen Gruppierung zur Zeit Jesu in Zusammenhang bringt, deren Exponenten durchaus gewalttätig sein konnten (mehr dazu hier.

Interessant ist daran, daß einem muslimischen Autor, der die fachliche Kompetenz hat, ein solches Buch zu schreiben in dem Moment diese Kompetenz abgesprochen wird, in dem er eine Definition der dominanten Gruppe – nämlich die der Angehörigen der christlichen Mehrheit – in Frage stellt.

In den englischsprachigen Ländern kamen vor inzwischen gut 15 Jahren im Bereich der „Ethnic Studies“ Diskussionen zur Fragestellung: „What do they tell about us“? Gemeint ist damit, was Angehörige der Mehrheitskultur („they“) über Minderheiten („us“) sprechen: Was wird wie erzählt, was wird verschwiegen, verdrängt und ausgeblendet. Welche Bilder und Stereotypen über Minderheiten werden weitergegeben? Welche Machtverhältnisse spiegeln sich in den Darstellungsweisen? Wenn sich aber Angehörige von Minderheiten das Recht nehmen, sich zu Sachverhalten zu äußern, welche die Angehörigen der dominanten Gruppe als „ihres“ betrachten, dann wird darauf reagiert, daß derjenige, der in der Minderheitenposition ist „dequalifiziert“ wird. (Darf der das – kann der das?). Birgit Rommelspacher, eine emeritierte Professorin hat diesen Mechanismus sehr anschaulich in ihrem Buch „Dominanzkultur“ analysiert.

Auch mir ist die Erfahrung nicht fremd. Wenn ich – meist – an evangelischen Fortbildungseinrichtungen Bibliolog-Kurse anbiete, dann wird explizit darauf hingewiesen, daß die Leitung „christlich-jüdisch besetzt“ ist. Alle Teilnehmenden wissen also vor dem Kurs, worauf sie sich einlassen. Ich bekomme sehr positive Rückmeldungen gerade auch im Hinblick darauf, wieviel sie davon mitnehmen, wenn bei den Texten, die erarbeitet werden auch eine jüdische Sichtweise eingebracht wird.

Schwierig wird es gelegentlich – durchaus nicht immer – wenn ich jemanden sagen muß, daß er / sie (noch) kein Zertifikat bekommen kann, weil die Fähigkeiten, die im Zertifikat bestätigt werden, beim Vorstellen des eigenen Bibliologs nicht (ausreichend) deutlich wurden. Ich erinnere mich noch deutlich, wie perplex ich war als dann eine Pfarrperson mit den Worten reagierte: „Das dürfen Sie nicht. Als Jüdin können Sie gar nicht beurteilen, ob das, was ich gemacht habe, gut oder schlecht ist. Sie müssen mir das Zertifikat geben.“ Wir haben dann ein sehr ausführliches Gespräch darüber geführt, daß es nicht um christliche Glaubensinhalte geht, über die ich mir ein Urteil erlaube, sondern, daß ich als Ausbilderin darauf schaue, wie der Bibliolog erarbeitet wurde und ob die methodischen Fertigkeiten, die wir eingeübt haben auch fachgerecht zum Einsatz kommen.

Auch in jüdischen Medien gibt es einige Artikel zum Jesusbuch von Reza Aslan, z.B. im Jewish Journal: Jesus, the Jew – Reza Aslan looks at the historical figure, before he became Christ.

Nachtrag (16. Dezember):
Inzwischen ist das Buch auch auf Deutsch erschienen unter dem Titel „Zelot – Jesus von Nazareth und seine Zeit“. Das Kulturmagazin ttt – titel, thesen, temperamente hat darüber berichtet.

Midrasch zum Anfassen – Bibliolog verbindet Bibliodrama und jüdische Hermeneutik

…ist der Titel des 4minütigen Magazinbeitrags von Thomas Klatt über die interreligiöse Bibliolog-Werkstatt, der in der Sendung „Schalom – jüdisches Leben heute“ ausgestrahlt wurde. Leider kann man das nicht in der Mediathek nachhören. Wer den Beitrag nachhören möchte (mit Windows-Mediaplayer problemlos möglich), dem schicke ich auf Anfrage das Soundfile für den privaten Gebrauch zu. (bibliologberlin ä t googlemail.com oder über die Kommentarfunktion bescheid geben).

zum Weiterlesen oder Weiterhoeren ein Video bei Youtube, das mit Comiczeichnungen erklaert, was Hermeneutik ist.

Interreligiöser Bibliolog-Grundkurs in Berlin 26. – 30. August 2013

Gerade bekomme ich eine Mail, ob denn der Kurs stattfindet. Er sei nicht unter „Kurse“ gelistet. Um der Übersichtlichkeit willen habe ich ihn unter „Termine“ (unter dem Headerbild) eingestellt. Unter „Kurse“ habe ich die unterschiedlichen Kurse, die ich anbiete (Grundkurs, Aufbaukurs nicht-narrative Texte, Aufbaukurs Objekte, Vertiefungskurs Midrasch, Grundkurs für Mitarbeitende in diakonischen Arbeitsfeldern) beschreiben.

Der Kurs findet von Montag 26. August 14.30 bis Fr 30. August um 12.30 h statt.
Es gibt noch zwei Plätze. Die Anmeldung hätte ich gern bis spätestens Mittwoch 21. August.
Die Ausschreibung ist die gleiche wie letztes Jahr und hier zu finden.

Sonntags um zehn: Israelsonntag im Berliner Dom

Letzten Sonntag war „Israelsonntag“. Beim evangelischen Gottesdienst im Berliner Dom wirkten Rabbiner Henry Brandt und Kantorin Avitall Gerstetter mit. Die Jüdische Allgemeine berichtet in ihrer heutigen Ausgabe darüber unter dem Titel: „Schalom von der Kanzel. Auch im Tagesspiegel fand dieser Gottesdienst in der Reihe
Sonntags um zehn Beachtung unter der Überschrift: „Hoffnung auf einen neuen Himmel Im Dom feierten Christen und Juden zum ersten Mal gemeinsam Gottesdienst“. Meine kritischen Überlegungen zu dieser vereinnahmenden Berichterstattung habe ich niedergeschrieben. Sie sind auf meinem – ursprünglichen – Erstblog, das durch eine längere Tiefschlafphase zum Zweitblog wurde, nachzulesen – und zwar hier.