Aufgelesen (1) … zum Reformationstag

Vor einigen Tagen hat der Herr Kiezneurotiker einen Aufruf gestartet: Vernetzt euch!.
Und so stelle ich einige lesenswerte Beiträge zusammen, die mir in den letzten Tagen untergekommen sind. „Hallo… nochwas“ ist großes Thema in der Tages- und Wochenpresse und auch in Blogs, aber wie schaut es mit dem Reformationstag oder Allerheiligen aus?

Gestern gab es in der taz eine Themenseite „Reformation“. 2017 soll die neue Lutherbibel erscheinen, darüber ist der Rat der Evangelischen Kirche einig. Aber wie lassen sich die Treue zum Urtext, der Luther-Sound und der Zeitgeist vereinen? Ein Werkstattbericht unter der Überschrift: Der Hirsch schreit wieder (Anspielung auf Psalm 42).

Claudia Keller schreibt beim Tagesspiegel nicht so kompetent wie regelmäßig zum Themenbereich Religion, aber ihre Überlegungen zum Thema Reformation finde ich bedenkenswert: In „Luther als Logo und Label“ stellt sie fest: Die Kirche macht es sich zu leicht: „Die zu Tode zitierten Luther- Sätze werden zum Paket geschnürt, fertig zum Mitnehmen und gefahrlosen Konsumieren. Luther wird zur Marke, zum Logo, Label und Event. Wenn es so weitergeht, ist 2017, wenn der 500. Geburtstag des Thesenanschlags zu Wittenberg gefeiert wird, vielleicht nichts mehr von ihm übrig.“ Sie verwendet in diesem Zusammenhang den ausdrucksstarken Terminus „Plauderprotestantismus“, der mir bis jetzt noch nicht untergekommen ist.

Frau Mutti outet sich als Hallow..n-Muffel und erzählt, wie es die Niersteiner Jungscharkinder schaffen, erst Lutherbonbons und dann Hallow..n-Süßigkeiten zu bekommen.

Frau Giannina vom Klanggebet-Blog hat sich mit „Ahnenhäusern“ in verschiedenen Kulturen beschäftigt und teilt ein Ahnenhausgebet.

Karrikaturen gibt es im Kirchengeschichten-Blog. Besonders hat mir „Süsses oder Thesen?“ gefallen.

Frau Huppicke, katholisch in Westfalen, erzählt vom Spagat zwischen dem Geburtstag der ältesten Tochter, der gefeiert sein möchte und ihrem eigenen Bedürfnis, die eigenen Toten zu ehren und an der Andacht und der Gräbersegnung auf dem Friedhof teilnehmen zu wollen. Für dieses Jahr hat sie eine Idee, wie sie beides unter einen Hut bringen könnte und erzählt davon hier

Peter Otten schreibt im Theosalon-Blog über den Krieg der Kürbiswelten: Ob Entweltlichung bedeutet, vermeintliche heidnische Unkultur zu bannen und dann die Leerstellen ideologisch aufzuladen? Abwehrende und zum Teil aggressive Blicke auf Halloween lassen dies vermuten …

Der Herr Haltungsturner beleuchtet den Reformationstag aus politisch-soziologischer Sicht und weist auf die Parallelen zwischen damals und heute hin: Der Buchdruck, der neue Verbreitungs- und Kommunikationsmöglichkeiten erschloß und damit eine Revolution einleitete. Er kommt zu dem Schluß: „Wir befinden wir uns an einem Scheideweg. Und die Reformation kann dabei Ermutigung sein. Auch und gerade heute. Der ganze Beitrag ist
hier nachzulesen.

Wer ein Plakat Halloween-statt-Sankt-Martin braucht, findet eine von einem professionellen Grafiker erstelltes Plakat, das weiterverwendet werden darf beim Wegbegleiter.

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interreligiöse Bibliolog-Werkstatt November 2013: Noach und das Aschura-Fest

Regenbogen Das nächste Treffen der interreligiösen Bibliolog-Werkstatt findet am Mittwoch 13. November um 19.30 h im Sprengelhaus statt.

An diesem Tag, dem 10. im ersten Monat des muslimischen Jahres, feiern Muslime das Aschura-Fest. Es erinnert an die Landung der Arche auf dem Berg Ararat und die Errettung Noachs. An diesem Tag wird eine besondere Süßspeise „Aschure“ zubereitet.

Als Noachs Arche auf dem Berg Ararat landete, sollte es ein Festessen geben, um die Errettung zu feiern. Da es nach der langen Zeit in der Arche nur noch wenige Lebensmittelvorräte gab, mischten die Bewohner der Arche alles, was sie noch hatten, zusammen und kochten so ein Festessen, das sich durch die Gnade Gottes vermehrte. Das Besondere an diesem Essen ist, dass viele verschiedene Zutaten, wie Sultaninen, Walnüsse, Feigen, Weizen, Orangen, Bohnen, Granatäpfel, Kichererbsen, Datteln und getrocknete Aprikosen verarbeitet werden.

Wir werden bibliologisch die Noach-Geschichte erschließen wie sie in der Torah (1. Buch Mose / Bereschit) steht. Jede/r Interessierte ist eingeladen. Auch eine kulinarische Kostprobe wird es geben. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich aber auch nicht hinderlich. Eine Spende für die Raumnutzung wird erbeten. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Das interkulturelle Stadtteilzentrum Sprengelhaus befindet sich im Wedding in der Sprengelstrasse 15 (U 9 Amrumer Strasse / U 6 Leopoldplatz).

Zum Weiterlesen und -hören:
Interreligiöse Bibliolog-Werkstatt im Deutschlandradio

Im Raum der Kirche: Du – Sie – Kurs-Du ?

Im KirchengeschichtenKirchengeschichten-Blog, das von einem ehemaligen Kursteilnehmer von mir befüllt wird, finden sich Überlegungen zum Thema Vom „Du“ auf und unter der Kanzel in den evangelischen Kirchen in Deutschland und Schweden. Ich habe in den Kommentaren meine Beobachtungen und meine unmaßgebliche – außenstehende – Sicht zum Kurs-Du beschrieben.

Blogvirus: 20 facts about …

Es gibt ja kaum noch einen Blog, der nicht mit “20 facts about …” aufwartet. Jetzt hat der Blogvirus auch dieses Blog erwischt: Hier also meine “20 facts about bibliolog and me”:

1. Eigentlich … bin ich nach meiner Bibliodramaausbildung in einer interreligiösen Gruppe mit großer Skepsis nach Bad Segeberg gefahren, wo Peter Pitzele 2003 den ersten Grundkurs durchführte, weil ich wissen wollte, was es mit dieser etwas anderen Art von Bibliodrama aus Amerika auf sich hat. Zurückgekommen bin ich dann mit großer Begeisterung.

2. Diesem „Bibliodrama als Midrasch“ – wie es damals noch hieß – eilte der Ruf voraus, es sei direktiv und leiterzentriert (Gaaanz schlecht! Ganz schlecht!). Der Unterton, der dabei mitschwang, machte deutlich, daß das nicht positiv gemeint war. Dass die Leitungsrolle anders ist als beim Bibliodrama stimmt, jedoch werden dadurch Möglichkeiten eröffnet, die das Bibliodrama wie wir es in Deutschland kennen, so nicht hat.

3. Inzwischen nehme ich selbst zwar noch gelegentlich an Bibliodrama-Angeboten teil biete es aber nur noch gelegentlich an unter dem Motto „Bibliolog meets Bibliodrama“.

4. Der erste Bibliolog, den ich erlebt habe, spielte im Garten Eden (Genesis 3: Eva und die Schlange). Meinen ersten eigenen Bibliolog drei Tage später habe ich über meine damalige Lieblingsgeschichte – einem unter Christen weitgehend unbekannten Text – angeleitet, nämlich die fünf Töchter des Zelofchad (4. Buch Mose 27,1-11 Num 27,1-11).

5. Wegen ihrer relativen Unbekanntheit nehme ich diese Geschichte immer wieder gern als Einstiegsbibliolog bei Grundkursen, weil dadurch auch Menschen, die mit der Bibel vertraut sind, in die Situation vieler Gemeindemitglieder kommen, wenn sie mit diesem für die meisten unbekannten Text unterwegs sind.

6. Mein längster Bibliolog dauerte neun Stunden – von 10.00 Uhr bis 21.00 Uhr mit Mittagspause (eine Stunde) und zwei Kaffeepausen. Es ging um den Lebenslauf Abrahams von seiner ersten Erwähnung (Genesis 11 / 1 Buch Mose Kapitel 11) bis zu seinem Tod. Neben der Grundform habe ich dabei auch mit Objekten (Stühlen) und Encounter sowie unterschiedlichen kreativen Elementen gearbeitet.

7. Die größte Gruppe mit der ich Bibliolog gemacht habe bestand aus etwa 160 Teilnehmenden auf dem Kirchentag in Dresden 2011 im jüdischen Gemeindezentrum zum 1. Kapitel vom Buch Ruth.

8. Der Oktober 2013 – er ist noch nicht vorbei – ist voraussichtlich der erste Monat seit ich Bibliolog kenne, in dem ich keinen Bibliolog anleite.

9. Meine höchste Bibliolog“frequenz“ hatte ich im Sommer vor zwei Jahren mit 24 Bibliologen in einem Monat.

10. Einen einzigen Bibliolog habe ich bis jetzt abgebrochen und zwar in der Anfangsphase, weil ein psychisch kranker Teilnehmer ständig die Äußerungen der anderen kommentierte und zensierte und sich davon nicht abbringen ließ. Nachdem ich ihm deutlich gemacht habe, daß dies nicht geht und er deswegen den Ort des Geschehens verließ, habe ich nochmals begonnen und wir hatten einen guten Abend.

11. Ich halte Bibliologe auf Deutsch, Englisch und Französisch. In diesen Sprachen bilde ich auch aus.

12. Mein spätester oder frühster Bibliolog – je nach Betrachtungsweise – fand morgens um 3.30 h statt, beim nächtlichen Lernen zu Schawuot (tikkun leil schawuot) in der Synagoge Oranienburger Straße. Das war zugleich auch mein bisher schwierigster Bibliolog, weil wir alle schon sehr müde waren, keiner der Teilnehmenden Bibliologerfahrung hatte und der teilnehmende Kantor nach meiner ersten Frage an Moses, der am Brunnen von Midian saß als erster sagte: „Aber Frau Weiss, so können Sie diese Frage doch nicht stellen, denn Mosche hatte doch als Prophet ein total anderes Alltagsbewußtsein als wir.

13. Mein frustrierendster Bibliolog war mit 80 Hauptamtlichen eines Kirchenkreises, die Bibliolog kennenlernen wollten und mich zur Mitarbeiterkonferenz eingeladen hatten. Die Rahmenbedingungen waren nicht wie abgesprochen, d.h. der Raum war nicht vorbereitet, es gab kein schnurloses Mikrofon und vor der Tür im Inneren des Gemeindezentrums waren permanent tobende Kinder der kirchlichen Kindertagesstätte zugange. Als beim Nachgespräch über den ersten Bibliolog (der 12jährige Jesus im Tempel) eine Pfarrerin beanstandete, daß ich mit meiner Frage an den 12jährigen Jesus „eine Sünde gegen den heiligen Geist“ (was immer das ist?) begangen hätte, rollte ich innerlich mit den Augen – und nicht nur das. Im Nachhinein finde ich, ich hätte die ganze Geschichte abbrechen sollen und mich dem nicht aussetzen sollen.

14. Der schrägste Ort, an dem ich bis jetzt Bibliolog angeleitet habe, war beim Kirchentag im Köln. Veranstaltungsort des Zentrums Christen und Juden war der Gürzenich, eine Festhalle in der Kölner Altstadt (Ich sage nur: Karneval !!!). Mir war ein großer Saal ohne Fenster im Keller zugeteilt mit ganz vielen Vitrinen in denen Karnevalsdekorationen, und Karnevals-„Devotionalien“ ausgestellt waren. Jedem Gruftie hätte das Herz höher geschlagen bei dieser etwas morbiden Atmosphäre. (Mehr dazu hier)

15. Die Teilnehmergruppe mit dem breitesten kulturellen Spektrum hatte ich diesen Sommer beim Grundkurs in Frankreich mit Teilnehmenden, die aus Frankreich, Deutschland, Belgien, der Schweiz, Norwegen, Kamerun und Belgisch Kongo stammten.

16. Mein spontanster Bibliolog fand im Rahmen einer Tagung zum Thema „Spiritualität und Heilung“ in der evangelischen Akademie in Hofgeismar statt. Peter und Susan Pitzele und ich beschlossen spontan zum ersten Abend von Pessach für unsere Kleingruppe einen Pessachseder anzubieten. Die Erzählung der Exodus-Geschichte gestalteten Peter und ich spontan als Bibliolog. Das war auch der erste Bibliolog, den ich zusammen mit jemand anderem durchgeführt habe. (Mehr dazu hier)

17. Die religionsfernste Gruppe mit der ich bis jetzt Bibliolog erlebt habe, war eine Gruppe von Mädchen und jungen Frauen in einem Ostberliner Mädchenzentrum. Die über zwanzig Teilnehmerinnen wollten mehr über jüdische Frauen heute wissen und wie wir uns als Jüdinnen auf unsere Religion beziehen. Eine Teilnehmerin hatte Konfirmandenunterricht erlebt und eine weitere schon mal eine Bibel in der Hand gehabt. Bei allen anderen war nichts an Vorkenntnissen oder Vorerfahrungen da.

18. Meine erste Gruppe nach meiner Trainerinnen-Ausbildung mit der ich alleinverantwortlich einen Bibliolog-Grundkurs durchgeführt habe, waren Pfarrer und Pfarrerinnen aus dem Kirchenkreis Lennep (Rheinland). Meine TrainerkollegINNen haben mich gewarnt und mir sehr davon abgeraten. Ein Kirchenkreis – da habe man gleich noch die ganzen Arbeits- und sonstigen Konflikte mit auf dem Tisch. Das war entgegen der Voraussagen nicht der Fall. Der Kurs lief gut und hat den Teilnehmenden offenbar sehr gefallen, denn ein Jahr später traten sie in gleicher Besetzung (16 Leute!) zum Aufbaukurs „nicht-narrative Texte“ an. Ich habe inzwischen mit weiteren Kirchenkreisen Grundkurse durchgeführt und nie die vorausgesagten Probleme gehabt. Das mag aber auch daran liegen, daß ich als jüdische Trainerin von außen einen anderen Zugang habe.

19. Meine bisher größte bibliologische Herausforderung war – nein, nicht der Grundkurs in Frankreich – sondern:
– in fachlicher Hinsicht: die Ausbildung einer Bibliologin, die auf den Elektrorollstuhl und auf Assistenz angewiesen ist und ihre rechte Hand nur wenig bewegen kann
– in menschlicher Hinsicht: Bibliolog im Hospiz

20. Mein bisher unerfüllter Bibliolog-Wunsch: Ein Vertiefungskurs „Bibliolog und Heilungs-Psalmen“ (fünf Tage) mit kreativen Elementen aus meiner Kunsttherapieweiterbildung in einem katholischen Kloster mit benediktinischen Stundengebeten. (Arbeitstitel: Bringing psalms to life). Das Konzept ist schon fertig. Die meisten Elemente habe ich schon ausprobiert, aber es gibt noch keine Fortbildungseinrichtung, die das machen will.

Sonst noch Fragen? (Falls ja: Bitte Kommentarfunktion nutzen)

Neugierig

Ich bin neugierig! Einige LeserINNEN haben mir durch ihre Blogs oder Kommentare ja schon ein Bild von sich vermittelt. Die stillen LeserINNEN aber … was sind das für welche?

Hat man seine Häkchen gesetzt, und auf “vote” geklickt, kann man das später nicht mehr ändern.

Diese Umfrage ist natürlich in keinster Weise repräsentativ.