Blogvirus: 20 facts about …

Es gibt ja kaum noch einen Blog, der nicht mit “20 facts about …” aufwartet. Jetzt hat der Blogvirus auch dieses Blog erwischt: Hier also meine “20 facts about bibliolog and me”:

1. Eigentlich … bin ich nach meiner Bibliodramaausbildung in einer interreligiösen Gruppe mit großer Skepsis nach Bad Segeberg gefahren, wo Peter Pitzele 2003 den ersten Grundkurs durchführte, weil ich wissen wollte, was es mit dieser etwas anderen Art von Bibliodrama aus Amerika auf sich hat. Zurückgekommen bin ich dann mit großer Begeisterung.

2. Diesem „Bibliodrama als Midrasch“ – wie es damals noch hieß – eilte der Ruf voraus, es sei direktiv und leiterzentriert (Gaaanz schlecht! Ganz schlecht!). Der Unterton, der dabei mitschwang, machte deutlich, daß das nicht positiv gemeint war. Dass die Leitungsrolle anders ist als beim Bibliodrama stimmt, jedoch werden dadurch Möglichkeiten eröffnet, die das Bibliodrama wie wir es in Deutschland kennen, so nicht hat.

3. Inzwischen nehme ich selbst zwar noch gelegentlich an Bibliodrama-Angeboten teil biete es aber nur noch gelegentlich an unter dem Motto „Bibliolog meets Bibliodrama“.

4. Der erste Bibliolog, den ich erlebt habe, spielte im Garten Eden (Genesis 3: Eva und die Schlange). Meinen ersten eigenen Bibliolog drei Tage später habe ich über meine damalige Lieblingsgeschichte – einem unter Christen weitgehend unbekannten Text – angeleitet, nämlich die fünf Töchter des Zelofchad (4. Buch Mose 27,1-11 Num 27,1-11).

5. Wegen ihrer relativen Unbekanntheit nehme ich diese Geschichte immer wieder gern als Einstiegsbibliolog bei Grundkursen, weil dadurch auch Menschen, die mit der Bibel vertraut sind, in die Situation vieler Gemeindemitglieder kommen, wenn sie mit diesem für die meisten unbekannten Text unterwegs sind.

6. Mein längster Bibliolog dauerte neun Stunden – von 10.00 Uhr bis 21.00 Uhr mit Mittagspause (eine Stunde) und zwei Kaffeepausen. Es ging um den Lebenslauf Abrahams von seiner ersten Erwähnung (Genesis 11 / 1 Buch Mose Kapitel 11) bis zu seinem Tod. Neben der Grundform habe ich dabei auch mit Objekten (Stühlen) und Encounter sowie unterschiedlichen kreativen Elementen gearbeitet.

7. Die größte Gruppe mit der ich Bibliolog gemacht habe bestand aus etwa 160 Teilnehmenden auf dem Kirchentag in Dresden 2011 im jüdischen Gemeindezentrum zum 1. Kapitel vom Buch Ruth.

8. Der Oktober 2013 – er ist noch nicht vorbei – ist voraussichtlich der erste Monat seit ich Bibliolog kenne, in dem ich keinen Bibliolog anleite.

9. Meine höchste Bibliolog“frequenz“ hatte ich im Sommer vor zwei Jahren mit 24 Bibliologen in einem Monat.

10. Einen einzigen Bibliolog habe ich bis jetzt abgebrochen und zwar in der Anfangsphase, weil ein psychisch kranker Teilnehmer ständig die Äußerungen der anderen kommentierte und zensierte und sich davon nicht abbringen ließ. Nachdem ich ihm deutlich gemacht habe, daß dies nicht geht und er deswegen den Ort des Geschehens verließ, habe ich nochmals begonnen und wir hatten einen guten Abend.

11. Ich halte Bibliologe auf Deutsch, Englisch und Französisch. In diesen Sprachen bilde ich auch aus.

12. Mein spätester oder frühster Bibliolog – je nach Betrachtungsweise – fand morgens um 3.30 h statt, beim nächtlichen Lernen zu Schawuot (tikkun leil schawuot) in der Synagoge Oranienburger Straße. Das war zugleich auch mein bisher schwierigster Bibliolog, weil wir alle schon sehr müde waren, keiner der Teilnehmenden Bibliologerfahrung hatte und der teilnehmende Kantor nach meiner ersten Frage an Moses, der am Brunnen von Midian saß als erster sagte: „Aber Frau Weiss, so können Sie diese Frage doch nicht stellen, denn Mosche hatte doch als Prophet ein total anderes Alltagsbewußtsein als wir.

13. Mein frustrierendster Bibliolog war mit 80 Hauptamtlichen eines Kirchenkreises, die Bibliolog kennenlernen wollten und mich zur Mitarbeiterkonferenz eingeladen hatten. Die Rahmenbedingungen waren nicht wie abgesprochen, d.h. der Raum war nicht vorbereitet, es gab kein schnurloses Mikrofon und vor der Tür im Inneren des Gemeindezentrums waren permanent tobende Kinder der kirchlichen Kindertagesstätte zugange. Als beim Nachgespräch über den ersten Bibliolog (der 12jährige Jesus im Tempel) eine Pfarrerin beanstandete, daß ich mit meiner Frage an den 12jährigen Jesus „eine Sünde gegen den heiligen Geist“ (was immer das ist?) begangen hätte, rollte ich innerlich mit den Augen – und nicht nur das. Im Nachhinein finde ich, ich hätte die ganze Geschichte abbrechen sollen und mich dem nicht aussetzen sollen.

14. Der schrägste Ort, an dem ich bis jetzt Bibliolog angeleitet habe, war beim Kirchentag im Köln. Veranstaltungsort des Zentrums Christen und Juden war der Gürzenich, eine Festhalle in der Kölner Altstadt (Ich sage nur: Karneval !!!). Mir war ein großer Saal ohne Fenster im Keller zugeteilt mit ganz vielen Vitrinen in denen Karnevalsdekorationen, und Karnevals-„Devotionalien“ ausgestellt waren. Jedem Gruftie hätte das Herz höher geschlagen bei dieser etwas morbiden Atmosphäre. (Mehr dazu hier)

15. Die Teilnehmergruppe mit dem breitesten kulturellen Spektrum hatte ich diesen Sommer beim Grundkurs in Frankreich mit Teilnehmenden, die aus Frankreich, Deutschland, Belgien, der Schweiz, Norwegen, Kamerun und Belgisch Kongo stammten.

16. Mein spontanster Bibliolog fand im Rahmen einer Tagung zum Thema „Spiritualität und Heilung“ in der evangelischen Akademie in Hofgeismar statt. Peter und Susan Pitzele und ich beschlossen spontan zum ersten Abend von Pessach für unsere Kleingruppe einen Pessachseder anzubieten. Die Erzählung der Exodus-Geschichte gestalteten Peter und ich spontan als Bibliolog. Das war auch der erste Bibliolog, den ich zusammen mit jemand anderem durchgeführt habe. (Mehr dazu hier)

17. Die religionsfernste Gruppe mit der ich bis jetzt Bibliolog erlebt habe, war eine Gruppe von Mädchen und jungen Frauen in einem Ostberliner Mädchenzentrum. Die über zwanzig Teilnehmerinnen wollten mehr über jüdische Frauen heute wissen und wie wir uns als Jüdinnen auf unsere Religion beziehen. Eine Teilnehmerin hatte Konfirmandenunterricht erlebt und eine weitere schon mal eine Bibel in der Hand gehabt. Bei allen anderen war nichts an Vorkenntnissen oder Vorerfahrungen da.

18. Meine erste Gruppe nach meiner Trainerinnen-Ausbildung mit der ich alleinverantwortlich einen Bibliolog-Grundkurs durchgeführt habe, waren Pfarrer und Pfarrerinnen aus dem Kirchenkreis Lennep (Rheinland). Meine TrainerkollegINNen haben mich gewarnt und mir sehr davon abgeraten. Ein Kirchenkreis – da habe man gleich noch die ganzen Arbeits- und sonstigen Konflikte mit auf dem Tisch. Das war entgegen der Voraussagen nicht der Fall. Der Kurs lief gut und hat den Teilnehmenden offenbar sehr gefallen, denn ein Jahr später traten sie in gleicher Besetzung (16 Leute!) zum Aufbaukurs „nicht-narrative Texte“ an. Ich habe inzwischen mit weiteren Kirchenkreisen Grundkurse durchgeführt und nie die vorausgesagten Probleme gehabt. Das mag aber auch daran liegen, daß ich als jüdische Trainerin von außen einen anderen Zugang habe.

19. Meine bisher größte bibliologische Herausforderung war – nein, nicht der Grundkurs in Frankreich – sondern:
– in fachlicher Hinsicht: die Ausbildung einer Bibliologin, die auf den Elektrorollstuhl und auf Assistenz angewiesen ist und ihre rechte Hand nur wenig bewegen kann
– in menschlicher Hinsicht: Bibliolog im Hospiz

20. Mein bisher unerfüllter Bibliolog-Wunsch: Ein Vertiefungskurs „Bibliolog und Heilungs-Psalmen“ (fünf Tage) mit kreativen Elementen aus meiner Kunsttherapieweiterbildung in einem katholischen Kloster mit benediktinischen Stundengebeten. (Arbeitstitel: Bringing psalms to life). Das Konzept ist schon fertig. Die meisten Elemente habe ich schon ausprobiert, aber es gibt noch keine Fortbildungseinrichtung, die das machen will.

Sonst noch Fragen? (Falls ja: Bitte Kommentarfunktion nutzen)

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