Europäische Bibeldialoge: Psalmen begleiten durchs Leben

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Ich kenne die Europäischen Bibeldialoge schon von der Zeit als sie noch „Berliner Bibelwochen“ hießen und war punktuell als Referentin und / oder mit einer meiner Stadtführungen dabei. Eine ganze Tagunge habe ich aber jetzt zum ersten Mal erlebt.

Ich bin gerade in der Endphase für die Planung eines christlich-jüdischen Psalmenprojekts, und so fiel mir die Ausschreibung „Psalmen begleiten durchs Leben: Loben, Hoffen, Klagen“ auf, und ich fragte nach, ob es noch einen Platz gäbe. Viel Hoffnung hatte ich nicht, denn es war ein sehr kurzfristiger Entschluß. Kurz darauf meldete sich Frau Dr. Hahn, die für die Europäischen Bibeldialoge verantwortlich ist, und fragte an, ob ich eine Bibelarbeit übernehmen könnte, denn kurz vor der Tagung waren zwei Mitarbeiterinnen ausgefallen.

Die Arbeitsformen waren sehr unterschiedlich und auch kreativen Ansätzen wurde viel Raum gegeben. Diese Vielfalt hat mich sehr angesprochen. Durch einen Vortrag lernte ich viel über den reformierten Zugang zu Psalmen und darüber hinaus einige Unterschiede zwischen Lutheranern und Reformierten und habe für mich Unterscheidungskriterien gefunden: Bei Lutheranern geht alles im Hinblick auf Liturgie und Bibelverständnis, was die Bibel nicht ausrücklich verbietet. Reformierte fragen, ob etwas aus der Bibel herzuleiten ist oder nicht.

Pfarrer Potthoff legte Psalm 104 und Psalm 22 aus. Wir konnten einzelne Aspekte noch in Kleingruppen vertiefen. Das Aktion Painting (Aktionsmalerei) zu Psalm 62 und Psalm 46 fand ich sehr beeindruckend. Gerade für eine Gruppe, die sich noch nicht kennt, ist es eine schöne Form, etwas miteinander zu gestalten, das dann als Galerie zur Raumgestaltung verwendet werden kann. Der Leipziger Künstler Matthias Klemm, der auch viele biblische Texte mit Schriften gestaltet hat, führte uns in seine Arbeiten ein. Später hatten wir Zeit, mit Wachskreiden selbst die Sgrafitto-Technik oder Frottage auszuprobieren. „Frottage“, also das Durchreiben – kannte ich von früher, wo wir Geldstücke durchrieben. Hier haben wir uns das Wort gesucht, das uns am meisten ansprach und es mit dieser Technik gestaltet, wobei Herr Klemm viele hilfreiche Hinweise gab.

Ich war einmal zum Tagesabschluß mit Psalm 23 dran und war sehr gespannt, wie ein Kurzbliolog zu Psalm 23 mit Menschen, die vorher noch keine Bibliolog-Erfahrung mit erzählenden Texten hatten und die sich mit Objekten im Text identifizieren sollten (grüne Aue, Becher, Tisch) angenommen werden würde. Ich war ganz überrascht über die Vielfalt der Beiträge. Ich erfuhr im Nachhinein, daß zwei Teilnehmerinnen schon an anderer Stelle Bibliolog mit erzählenden Texten erlebt hatten. Am Sonntag war ich dann mit einer Einheit zu Psalm 139 dran, der mir von Christen immer wieder als Lieblingspsalm genannt wird. Dabei beziehen sie sich auf den ersten Teil von Psalm 139 (Lutherübersetzung). Ich wollte aber auch die als schwierig erlebten Verse thematisieren und über die aus dem bibliologischen Arbeiten von mir entwickelte Form der Psalm-Brücke aufzeigen, wie man mit Versen wie

17 Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß!
18 Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand: Am Ende bin ich noch immer bei dir.
19 Ach Gott, wolltest du doch die Gottlosen töten! Dass doch die Blutgierigen von mir wichen!
20 Denn sie reden von dir lästerlich, und deine Feinde erheben sich mit frechem Mut.
21 Sollte ich nicht hassen, HERR, die dich hassen, und verabscheuen, die sich gegen dich erheben?
22 Ich hasse sie mit ganzem Ernst; sie sind mir zu Feinden geworden.

(Luther Übersetzung)

umgehen kann. Die geplante Zeit dafür und für einige Schlaglichte über „Psalmen in der jüdischen Tradition“ war sehr kurz.

Es gab auch Raum, kulturelle Angebote zu nutzen und für Gespräche am Abend. Ich habe aus diesen Tagen einige wertvolle Impulse für mich mitgenommen.

Zum Weiterlesen:

Seite des Künstlers Matthias Klemm (Startseite)
Europäische Bibeldialoge (Programm; es werden die nächsten Tagungen angezeigt).
Weblog der Europäischen Bibeldialoge (deutsch / englisch mit Rückschau auf die vergangenen Tagungen)

Einige Fragen, die nach der Lektüre des Buches von Marion Gardei und Andreas Nachama „Du bist mein Gott, den ich suche – Psalmen lesen im jüdisch-christlichen Dialog“ (ich habe es hier rezensiert) offen geblieben sind, hat mir diese Tagung beantwortet.

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Ein Gedanke zu „Europäische Bibeldialoge: Psalmen begleiten durchs Leben

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