Zu Gast bei Abraham und Sarah …

M. Chagall: Abraham und die drei Engel

M. Chagall: Abraham und die drei Engel

… war das Thema beim Treffen der interreligiösen Bibliolog-Werkstatt zum Jahresthema „Essen und Trinken in den religiösen Schriften von Juden, Christen und Muslimen“ am letzten Mittwoch. Die Geschichte von den drei Männern, die Abraham besuchen ((Bereschit / Genesis 18)) war der Ausgangspunkt unserer bibliologischen Erkundung. Unsere bibliologische Zeitreise führte uns dann zu einer Gemeinde der Jesusbewegung, die verfolgt wurde, weil sie sich weigerten, die römischen Götter anzubeten. In einer Gemeindeversammlung wird eine Predigt vorgelesen und Abraham und Sarah werden ihnen als Vorbilder vorgestellt (Hebräerbrief Kap. 11). Was bedeutet es, in dieser Situation Gastfreundschaft zu leben (Hebräer 13,1-2) und die Aufforderung zu hören: „Vergesst nicht, gastfrei zu sein. Durch ihre Gastfreundlichkeit haben einige, ohne es zu wissen, Engel bei sich aufgenommen.“

Der nächste Haltepunkt auf unserer Zeitreise ist in Jerusalem. Nach der Zerstörung des zweiten Tempels (70. d. Z.) fragen sich die Rabbinen, was der Grund für die Zerstörung des Tempels durch die Römer ist. Ein Versuch EINER Antwort ist die Geschichte von einem Gastgeber (Talmud, b. Git. 55-56), der ein großes Festmahl ausrichtet. Der Diener soll seinen Freund Kamtza einladen und überbringt die Einladung versehentlich an den Feind Bar Kamtza. Dieser kommt zum Festmahl und wird vom Gastgeber rausgeworfen, obwohl er anbietet sein Essen, nein sogar die Hälfte der Kosten des Festessens und dann sogar die ganzen Kosten zu übernehmen. Der zurückgewiesene Gast bekommt eine Audienz beim römischen Kaiser und berichtet diesen von einer Verschwörung der Juden in Jerusalem gegen Rom. Kurz darauf – so endet die Geschichte – beschließt der römische Kaiser die Zerstörung von Jerusalem.

Auch der Koran kennt die Begegnung von Abraham mit den drei Engeln (Sure 51 Vers 24 – 30) und ist die letzte Station an diesem Abend. Eine muslimische Teilnehmerin hat einige Gedanken zu „Engeln im Islam“ vorbereitet, die unsere Runde bereicherten. Die Teilnehmenden waren sich einig, daß über den Blick auf die Wahrnehmung der jeweils anderen Traditionen neue Facetten für das eigene Verständnis erlebbar und sichtbar wurden.

Schon bei der Vorbereitung wurde deutlich, daß es im Rahmen einer Abendveranstaltung nur möglich ist, dieses Thema anzureisen. Für viele Midraschim über die außerordentliche Gastfreundschaft Abrahams wie sie etwa im Midrasch Bereschit Rabba erzählt werden, hatten wir keine Zeit. Deshalb wird es eine Fortsetzung und Vertiefung im Rahmen der Langen Nacht der Religionen am Samstag den 6. September geben. Unter dem Motto: „Bibliolog meets Scriptural Reasoning“ werden wir diese beiden Zugänge für das interreligiöse Gespräch fruchtbar machen und verschiedene Aspekte weiterführen und vertiefen. Wer dazu kommen möchte ist herzlich eingeladen. Man kann immer zur vollen Stunde dazukommen.

Sa 6. September 2014 um 18.30 h:
Lange Nacht der Religionen
Bibliolog meets Scriptural Reasoning
Zu Besuch bei Abrahams und Sarah: Was Torah, Midrasch, Neues Testament und der Koran erzählen
((Bereschit / Genesis 18 / Hebräer 11 / Sure 11 + 51))
Hephatha Gemeinde, Fritz-Reuter-Allee 130, 12359 Berlin (Neukölln)

Blogevent Linsen: Jakobs und Esaus Linsengericht mit Spinat und Granatapfelkernen

Blog-Event XCVI - Linsen (Einsendeschluss 15. März 2014)

1 x umrühren bitte hat zum „Blogevent Linsen“ aufgerufen, das heißt es werden in der gut vernetzten Foodblogger-Szene Linsengerichte in allen Varianten und Schattierungen gesammelt. Weil wir uns im Rahmen der interreligiösen Bibliolog-Werkstatt gerade mit „Essen und Trinken in der Bibel“ (mit vergleichenden Abstechern in den Koran) beschäftigen hoffe ich auf Verständnis bei der Leserschaft, daß ich quasi fremd gehe unter die Foodblogger.

Das erste Buch Mose (Bereschit) erzählt uns im 25. Kapitel, wie es dazu kam, daß Esau, der erstgeborene Sohn Jakobs seinem jüngeren Zwilling Jakob das Erstgeburtsrecht abgibt:

Als Esau einmal erschöpft nach Hause kam, hatte Jakob gerade Linsen gekocht. »Gib mir schnell etwas von dem roten Zeug da, dem roten«, rief Esau, »ich bin ganz erschöpft!« Daher bekam Esau den Beinamen Edom. Jakob sagte: »Nur wenn du mir vorher dein Erstgeburtsrecht abtrittst!« »Ich sterbe vor Hunger«, erwiderte Esau, »was nützt mir da mein Erstgeburtsrecht!« »Das musst du mir zuvor schwören!«, sagte Jakob. Esau schwor es ihm und verkaufte so sein Erstgeburtsrecht an seinen Bruder. Dann gab ihm Jakob eine Schüssel gekochte Linsen und ein Stück Brot. Als Esau gegessen und getrunken hatte, stand er auf und ging weg. Sein Erstgeburtsrecht war ihm ganz gleichgültig. (Gute Nachricht Übersetzung)

Ich haßte als Kind Linsen, die es nur als braune Tellerlinsen gab. Ich verstand nie, wie Esau so bescheuert sein konnte, sein Erstgeburtsrecht für ein Linsengericht sausen zu lassen. Als vor einigen Jahren das Linsensortiment in den Läden immer größer wurde, wollte ich noch einen Versuch starten, ob es irgendeine Sorte gibt, die mir schmeckt. Und rote Linsen gehören inzwischen zu meinen Favoriten, auch weil man sie nicht einweichen muß und sie eine kurze Kochdauer haben.

Aus der Bibel wissen wir nichts über die genauen Zutaten und wie Jakob das Linsengericht zubereitet hat. Aus der Erzählung von Jakob und Esau kann man keine Rezepte ableiten. Dazu sind die Angaben zu sparsam. Ich habe mich für ein Projekt einmal ausführlich mit Pflanzen in der Torah beschäftigt. Daraus resultiert das Wissen um die botanischen Gegebenheiten und welche Pflanzen in der Lebenswelt von Jakob und Esau vorkamen.

Folgende Zutaten werden für zwei reichliche Portionen benötigt:

160 g rote Linsen (1 große Tasse)
2 – 2 ½ Tassen Gemüsebrühe
250 g Blattspinat TK
½ Bund Lauchzwiebel
½ Zwiebel
2 EL Olivenöl
100 g saure Sahne
100 g Hirtenkäse (Feta / Schafskäse)
4 EL Granatapfelkerne
Salz
Pfeffer
1 ½ – 2 TL Za’atar (Gewürzmischung aus Ysop, Sumach, Sesam und Salz; gibt es im Weltladen oder libanesischen Lebensmittelgeschäften)

Zubereitung:

Linsen in der Gemüsebrühe bißfest kochen kochen und zur Seite stellen.

Blattspinat ausdrücken und grob hacken.

Lauchzwiebel und Zwiebel fein würfeln. Hirtenkäse zerbröseln oder würfeln.

Saure Sahne und den zerbröckelten Fetakäse gründlich vermischen. Mit Salz, Pfeffer und Za’atar würzen.

Olivenöl in einem Topf erhitzen. Lauchzwiebeln und Zwiebeln leicht anbraten bis sie glasig sind und. Linsen, Spinat und das saure Sahne- Hirtenkäse-Gewürze-Gemisch zu den (Lauch-)Zwiebeln geben und unterrühren, erhitzen und evtl. nachwürzen.

Soviel Gemüsebrühe hinzufügen, daß man die Konsistenz hat, die man bevorzugt im Spektrum zwischen Suppe und Eintopf

Mit Granatapfelkernen bestreuen und servieren.

Variante 2:
Za’atar durch (getrocknete) Minze und die Granatapfelkerne durch kleine Würfel getrockneter Aprikosen (6 – 8 Stück) ersetzen: Nach Zufügen der Aprikosen das Gericht noch einige Minuten durchziehen lassen. Guten Appetit!

Linsengericht

Linsengericht von Jakob und Esau


Food-Fotografie ist definitiv nicht meine Stärke. Deshalb gibt’s das Bild erst nach der Beschreibung.

Wenn es Ende April in der interreligiösen Bibliolog-Werkstatt um den „Geschwisterneid und Geschwisterstreit von Esau und Jakob“ geht, werden wir den Abend wahrscheinlich mit diesem Essen beginnen.

Warum die meisten biblischen Kochbücher, die derzeit im Buchhandel erhältlich sind, untauglich sind, habe ich in zwei Rezensionen hier und hier beschrieben.