Bibliolog und Bibliodrama auf dem evangelischen Kirchentag in Stuttgart


Kirchentagslosung 2015

Auf dem evangelischen Kirchentag in Stuttgart 2015 gibt es ein gemeinsames Bibliodrama-Bibliolog-Zentrum. Ich bin an der Eröffnungsveranstaltung des Zentrums beteiligt:

Do 4. Juni 11.00 – 13.00 h

Zukunftsweisende interkulturelle Erfahrungen
Bibliodrama und Bibliolog in Europa
Impuls
Dr. Krystyna Sztuka, Psychologische Therapeutin, Czestochowa/Polen

Podium mit der Vortragenden und
Ewa Alfred, Feldenkraispädagogin und Paartherapeutin, Berlin
Dr. Claudete Beise Ulrich, Gastdozentin, Brasilien – Hamburg
Corinna Friedl, Krankenhauspfarrerin und Gestalttherapeutin, Malmö/Schweden
Hilâl Kurt, Islamische Theologin und Konflikttrainerin, Langendorf
Iris Weiss, Bildungsreferentin und Bibliologausbilderin, Berlin

Moderation: Leony Renk, Pfarrerin i.R. und Bibliodramaausbilderin, Langendorf
Musik: Henning Olschowsky, Musiker und Pfarrer, Mutzschen

Paul-Gerhardt-Kirche, Rosenbergstr. 194
Kirchentags-Stadtplan: 606 | K29

Außerdem wird es von Donnerstagnachmittag bis Samstagabend 37 Bibliolog- und Bibliodrama-Veranstaltungen geben. Mehr dazu in der Suchmaske der Programmdatenbank von http://www.kirchentag.de

Advertisements

ein Geschenk der Götter – oder: Was ist Rezeptionsästhetik?

Bibliolog hat drei Grundlagen: das Psychodrama, der Midrasch (Praxis jüdischer Schriftauslegung) sowie die Rezeptionsästhetik, einem Ansatz aus der Literaturwissenschaft. Die Rezeptionsästhetik geht davon aus, dass Leserinnen und Leser (Rezipentinnen und Rezipienten) beim Erzeugen eines Textsinns eine aktive Rolle spielen (mehr dazu hier). Immer wieder habe ich mich gefragt, wie ich in Bibliolog-Grundkursen möglichst anschaulich vermitteln kann, was „Rezeptionsästhetik“ bedeutet. Dabei kam mir das Kino zu Hilfe, genauer gesagt der Film „ein Geschenk der Götter“. In meiner Schulzeit habe ich mich in der Oberstufe ausführlich mit den verschiedenen Fassungen des Dramas „Antigone“ beschäftigt (Sophokles, Bertolt Brecht, Jean Anouilh). Deswegen sprach mich letzten Herbst eine Kinovorschau an, die eine Komödie zu diesem Thema ankündigte. Kurz der Inhalt: Eine arbeitslose Schauspielerin bekommt durch die für sie zuständige Sachbearbeiterin die Möglichkeit mit einigen Langzeitarbeitslosen einen Theaterkurs abzuhalten. Sie wählt „Antigone“ aus, was erst einmal auf mäßiges Interesse bei den Beteiligten stößt. Zunehmend verknüpfen die am Theaterprojekt Beteiligten ihre Lebenssituation mit dem Theaterstück und interpretieren ihr Leben auf der Folie der Antigone. Und hier ist die Parallele zu dem, was wir im Bibliolog machen, nämlich eine Verbindung anzubieten, wie sich biblische Geschichten und Texte mit dem eigenen Leben in Verbindung bringen lassen. „Ein Geschenk der Götter“ zeigt, was Rezeptionsästhetik ist und wie sie „funktioniert“. Seit 20. April 2015 ist der Film auch als DVD erhältlich.