Bibelsprengeltag: Blicke wechseln – biblische Bilder von Juden und Christen

Nach einem längeren Diskussionsprozeß hat die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers auf der Landessynode 2013 beschlossen, ihre Verfassung zu ergänzen. Dies bedeutet eine Neubestimmung im Verhältnis zum Judentum.

Im Artikel 1 Absatz 1 heißt es:
Für die Erhaltung und Förderung der rechten Verkündigung des Wortes Gottes und der stiftungsgemäßen Darreichung der Sakramente sind die Landeskirche und die Kirchengemeinden mit ihren Gliedern, Amtsträgern und Organen verantwortlich.

Dies wird in Absatz 2 konkretisiert:
Diese Verantwortung verpflichtet zum Zeugnis in der Öffentlichkeit, zur Wahrnehmung des Missionsauftrages der Christenheit in aller Welt und zum Dienst der helfenden Liebe.

Die Synode hat nun Absatz 2 um den folgenden Zusatz erweitert:
Zeugnis, Mission und Dienst erfolgen in Gemeinschaft mit anderen christlichen Kirchen und im Zeichen der Treue Gottes zum jüdischen Volk.

Im Artikel 4, in dem es in den ersten drei Absätzen um die strukturelle Einbindung in die EKD und die Zusammenarbeit mit christlichen Kirchen in aller Welt und die Mitgliedschaft im Ökumenischen Rat der Kirchen geht, wurde Absatz 4 hinzugefügt:

Die Landeskirche ist durch Gottes Wort und Verheißung mit dem jüdischen Volk verbunden. Sie achtet seine bleibende Erwählung zum Volk und Zeugen Gottes. Im Wissen um die Schuld unserer Kirche gegenüber Juden und Judentum sucht die Landeskirche nach Versöhnung. Sie fördert die Begegnung mit Juden und Judentum.

Um diesen Änderungen in der kirchlichen Praxis Rechnung zu tragen, veranstaltete der Sprengel Hannover am 10. Oktober den Workshoptag „Blicke wechseln – biblische Bilder von Juden und Christen„, der sich an Ehrenamtliche und Hauptamtliche der unterschiedlichen Berufsgruppen (ReligionslehrerINNEN, DiakonINNEN, ErzieherINNEN, PastorINNEN …) richtete.

Im Ausschreibungstext heißt es:
Die Bibel ist eine Quelle des Miteinanders und zugleich schärfster Auseinandersetzung von Juden und Christen.
Die hannoversche Landeskirche hat ihre Verfassung ergänzt:
„Gottes Wort verbindet Juden und Christen unauflösbar.“
Was hat das für Auswirkungen
– auf unser Verständnis der Bibel?
– auf unser christlich-jüdisches Miteinander?
– auf unsere Bewertung aktueller Konflikte um Israel?
Der BibelSprengelTag soll im Gedankenaustausch mit VertreterInnen des Judentums Anregungen und Gelegenheiten zum Gespräch und für die eigene Arbeit mit der Bibel in Gemeinden, Kindergärten und Schulen geben.

Am Nachmittag gab es dreizehn Workshop-Angebote wie etwa biblische Motive in Spielfilmen, antijudaistische Motive in Kinderbibeln, jüdische Liturgie an Feiertagen, Christentum und Judentum in Theologie und Kunstgeschichte … (weitere Workshop-Beschreibungen sind hier)

Ich war eingeladen worden, zwei Workshops anzubieten, die zeigen sollten, wie Bibliolog unterschiedliche Zugänge zu heiligen Texten sichtbar machen und so zum gegenseitigen Verständnis beitragen kann.

Im ersten Workshop bot ich eine bibliologische Familienerkungung an: Familienkonflikte im Haus Abrahams, Sarahs und Hagars

Abraham - Hagar - Jischmael - Sarah

Abraham – Hagar – Jischmael – Sarah

Mit einer bibliologischen Familienerkundung gehen wir an einzelnen Lebensstationen und Konflikten entlang und versuchen herauszufinden, was dieses religiöse und kulturelle Erbe für uns heute bedeutet, und wie wir seine Potenziale für ein friedliches Miteinander fruchtbar machen können. lautete mein Ausschreibungstext.

Als die Anfrage vor einigen Monaten kam, konnte ich noch nicht wissen, wie aktuell das zweite Thema – Gastreundschaft – zum Zeitpunkt des Workshops sein würde:

Im Zelt von Abraham und Sarah: Was Torah (Genesis 18), Midrasch, Neues Testament und Koran erzählen.

Mit Bibliolog lernen wir die unterschiedlichen Sichtweisen der verschiedenen Religionen kennen und loten aus, was dieses religiöse und kulturelle Erbe für uns heute bedeutet, und wie wir seine Potenziale für ein friedliches Miteinander fruchtbar machen können

Bei beiden Workshops waren die Teilnehmerinnen (es waren keine Männer gekommen) sehr engagiert dabei und brachten sich beim anschließenden Austausch sehr persönlich ein. Ich war erstaunt, was in dieser einen Stunde möglich war. Dennoch war die einhellige Meinung der Teilnehmenden, daß es – auch für die anderen Workshops – besser gewesen wäre, mindestens 1 1/2 Stunden zur Verfügung zu haben.

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