Über Iris Weiss

Ich schreibe über alles rund um den Bibliolog, eine Form der interaktiven Bibelauslegung. Bibliolog ist aus der Tradition der jüdischen Schriftauslegung und dem Psychodrama entstanden und ermöglicht spannende Begegnungen mit biblischen Texten. Seit einigen Jahren bilde ich auch Menschen aus, die selbst Bibliolog anleiten lernen wollen.

Sonntags um zehn: Israelsonntag im Berliner Dom

Letzten Sonntag war „Israelsonntag“. Beim evangelischen Gottesdienst im Berliner Dom wirkten Rabbiner Henry Brandt und Kantorin Avitall Gerstetter mit. Die Jüdische Allgemeine berichtet in ihrer heutigen Ausgabe darüber unter dem Titel: „Schalom von der Kanzel. Auch im Tagesspiegel fand dieser Gottesdienst in der Reihe
Sonntags um zehn Beachtung unter der Überschrift: „Hoffnung auf einen neuen Himmel Im Dom feierten Christen und Juden zum ersten Mal gemeinsam Gottesdienst“. Meine kritischen Überlegungen zu dieser vereinnahmenden Berichterstattung habe ich niedergeschrieben. Sie sind auf meinem – ursprünglichen – Erstblog, das durch eine längere Tiefschlafphase zum Zweitblog wurde, nachzulesen – und zwar hier.

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interreligiöser Stammtisch „besser gemeinsam“

besser gemeinsam logoDas Konzept ist total simpel und es funktioniert! In einem großen Raum stehen Tische, um die jeweils sechs Leute Platz finden. Ab 18.30 h gibt es Kleinigkeiten (Waffeln, Obst, Kuchen) und ab 19.00 h beginnt der gemeinsame Abend. Eine Person gibt einige Minuten eine Einführung zu einem Thema und dann wird an den Tischen darüber gesprochen. Um 20.30 h gibt es einen gemeinsamen Abschluß mit einer kleinen Geschichte. Wer mag, kann dann noch bleiben und weiterreden.

Ins Leben gerufen haben den interreligiösen Stammtisch „besser gemeinsam“ drei junge Neuköllner: Zainab Chahrour, Sophia Schäfer und Nathan Vanderpool. Vor vierzehn Tagen ging es um das Thema: „Was glauben eigentlich Atheisten?“. Gestern stand die Frage nach der „Bedeutung des Abendmahls“ im Mittelpunkt. Nächstes Mal am Montag den 22. Juli wird es um den muslimischen Fastenmonat Ramadan gehen, deshalb dann ohne Snacks. Nach dem Treffen besteht die Möglichkeit beim Fastenbrechen in einer Moschee teilzunehmen.

Menschen aller Religionen und Weltanschauungen sind eingeladen. die Treffen finden jeden zweiten Montag statt. Auch einen eMail-Verteiler gibt es: bessergemeinsam (ä t) gmx ( punkt ) de

Themen der letzten Treffen: Fremd sein, Jenseitsvorstellungen, das jüdische Neujahrsfest Rosch haSchana, Familie und Lebensformen, Achtsamkeit, (wie) gehört Religion in die Schule, Faszination Gebet, Gewissen, …

Den Termin und das Thema der nächsten Veranstaltung findet man hier.

Interkulturelles Zentrum Genezareth
Herrfurthplatz 14, Berlin-Neukölln
U 8 Boddinstraße

Lange Nacht der Religionen 2013

Achtung: Im Gemeindebrief der Kirchengemeinde Gropiusstadt-Süd ist leider ein falsches Datum reingerutscht. Deshalb hier die Ausschreibung mit dem richtigen Datum:

Screenshot

Screenshot

Das Programm der „Langen Nacht der Religionen“ am Samstag 17. August 2013 mit 99 Veranstaltungsorten ist online.

Auch die interreligiöse Bibliolog-Werkstatt wird sich daran beteiligen – diesmal in Neukölln.

Programm ab 19.00 Uhr:
Familienkonflikte im Haus von Abraham / Ibrahim, Sarah und Hagar

Bibliolog mit Objekten Abraham Sarah Hagar Jischmael

Bibliolog mit Objekten

Mit einer bibliologischen Familienerkundung gehen wir an einzelnen Lebensstationen und Konflikten entlang und versuchen herauszufinden, was dieses religiöse und kulturelle Erbe für uns heute bedeutet, und wie wir seine Potenziale für ein friedliches Miteinander fruchtbar machen können.

Immer zur vollen Stunde – zuletzt um 21.00 Uhr – beginnt ein Bibliolog. Der letzte Bibliolog um 21.00 Uhr wird etwa 1 1/2 Stunden sein und ist ein „Bibliolog mit Objekten“.

Evangelisches Gemeindezentrum Gropiusstadt-Süd (Apfelsinenkirche)
Joachim-Gottschalk-Weg 41
12353 Berlin

Anfahrtsmöglichkeit
U7 Wutzkyallee

Wortwolke Juni 2013

Wortwolke Juni 2013

Wortwolke Juni 2013

und was sonst noch gefragt wurde und nicht im Weblog steht:

Bibliolog kurz Anleitung
Ja – ist hierzulande nicht unter 4 Tagen zu haben (im deutschsprachigen Raum) – englisch- und französisch sprachige Grundkurse dauern 8 Tage; im Headerbild unter „Kurse“ schauen;

Emmausjünger als Bibliodrama
warum nicht, wenn man eine Bibliodrama-Ausbildung hat?

Altersunterschied Ismael Isaak
etwas über 13 Jahre (Genesis 17)

Taize kritische Sicht
Gibt es durchaus; läuft darauf raus, daß Taizé „zu katholisch“ ist oder zu wenig vom Menschen als Sünder spricht

Deutsche Gesellschaft für Bibliolog
Gibt es so nicht: entweder nach Bibliolog-Netzwerk oder Bibliodrama-Gesellschaft suchen

Zum Anhören: Hebräische Bibel, Jüdische Bibel oder Altes Testament?

Am „Tag des Judentums 2013“, den die christlichen Kirchen in Österreich am 17. Januar begehen. in Wien sprach Prof. Hanna Liss von der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg zum Thema »Herausforderungen an eine jüdische Bibelwissenschaft heute«. Einen Zusammenschnitt gibt es als mp3-Datei hier (25 min).

Der Inhalt in Stichworten: Bedeutung der Bibel für Juden und Christen, gemeinsamer Text, aber unterschiedlicher Bibelrezeption, Verhältnis von schriftlicher und mündlicher Auslegungstradition, Vielfalt und Mehrdeutigkeit, wissenschaftliche Exegese im Judentum, Bedeutung der Bar Mizwa / Bat Mizwa, Rolle von Abraham in Judentum und im interreligiösen Dialog, Rolle der Observanz (Halten der Gebote), was bedeutet Offenbarung im Judentum?

Bibliolog in Frankreich / Bibliologue en France

Frankreich 2 In der zweiten Juniwoche habe ich mit einem Pfarrer aus der Schweiz den ersten Bibliolog-Grundkurs in Frankreich durchgeführt. Ich habe noch nie einen Kurs geleitet, in dem die Teilnehmenden aus so vielen Ländern und unterschiedlichen kulturellen Hintergründen kamen. Vertreten waren: Frankreich, französische Schweiz, Belgien, Kamerun, Togo und Norwegen. Was ist anders bei einem Grundkurs in Frankreich als in einem deutschen Pastoralkolleg oder PTI? Für mich war es spannend zu sehen, wie ich als Nicht-Muttersprachlerin mit einem guten Französisch-Standard Muttersprachlern Bibliolog, der ja ein sprachliches Geschehen ist, vermitteln kann. Eine Erleichterung war, daß unter den aus Frankreich kommenden Pfarrern vier Deutsche waren, die schon sehr lang in Frankreich leben und die man um das eine oder andere fehlende Wort fragen konnte.

In Frankreich nehmen Pfarrer im Normalfall alle fünf Jahre an einer Fortbildung teil. Diese dauert meist acht Tage, wobei an einem Tag ein Ausflug stattfindet. Am ersten Tag kam ein Rabbiner aus dem nahegelegenen Straßburg und führte in den Midrasch ein. Das war eine ausführlichere Grundlage als in deutschen Grundkursen, die vier Tage dauern und „Midrasch“ nur als Teil eines Moduls (Bibliolog – Entstehung und Hintergründe) thematisiert werden kann.

Mont Roland

Mont Roland

Der Ort des Geschehens lag im französischen Jura, ein katholischer Wallfahrtsort auf dem Jakobsweg: Mont Roland. Eine ganz neue Erfahrung war für mich, daß zwei Pfarrerinnen dabei waren, die für Organisation, Rahmenbedingungen und Moderation verantwortlich waren. Das war eine große Entlastung. Außerdem waren an vier Tagen noch Professoren zur theologischen Reflexion und Vertiefung da: An zwei Tagen ein emeritierter Alttestamentler und an zwei Tagen ein Neutestamentler. Die Möglichkeiten zu einer so ausführlichen theologischen Reflexion fand ich sehr anregend.

Der Gemeinschaftsaspekt hatte einen höheren Stellenwert, weil die evangelische Kirche eine Minderheit ist und Pfarrer in ihrem Alltag meist nicht die Austausch- und Beratungsmöglichkeiten untereinander haben wie in Deutschland, wo es monatliche Pfarrkonferenzen gibt. Die Mahlzeiten waren ähnlich organisiert wie ich es aus katholischen Häusern in Deutschland kenne. Es gibt keine Mittags- und Abendbüffets, was ich als sehr förderlich für die Gemeinschaft erlebt habe. Insgesamt dauern die Mahlzeiten länger und sind sehr entspannt. Unter einer Stunde (Ausnahme: Frühstück) geht nichts. Vormittags und Nachmittags gibt es Pausengetränke, aber „Beilagen“ wie Obst und Kuchen sind nicht üblich. Außer uns Trainern wußten das auch alle. Von den Teilnehmenden waren Süßigkeiten aus den jeweiligen Herkunftsregionen mitgebracht worden. Es war jeden Tag spannend, was es an Nervennahrung geben würde.

Was in Frankreich gar nicht geht: Wahrnehmungs- und Körperübungen sind unüblich. Wir hatten eine gute Gruppe erwischt – so die deutschen Pfarrer. Andere hätten das – so ihre Einschätzung – nicht mitgemacht. Mich hat das gewundert, weil die täglichen Arbeitszeiten insgesamt länger sind als bei deutschen Pastoralkollegs. Was noch weniger geht: Einen Bibliolog nur zu Demonstrationszwecken machen (Bibliolog zum Echoing) nach dem nicht ausführlich erst einmal darüber gesprochen wird, was den Teilnehmenden inhaltlich neu aufgefallen ist bevor es zu den methodischen Fragestellungen geht.

Beim Sonntagsg-ttesdienst, an dem wir in Dole teilnahmen, fiel mir auf, wie stark die Position der Laien in der reformierten Kirche ist. Ich kann mir nicht vorstellen, daß bei Anwesenheit von zwanzig PfarrerINNEn in Deutschland ein Kirchenvorsteher das Abendmahl leiten würde (Einsetzungsworte und Austeilung). Eine bereichernde Erfahrung für mich war, daß die Zeit da war, mit jedem Teilnehmer ausführlicher zu sprechen. Ich habe dadurch viel über die Situation von Pfarrern in französisch sprachigen Ländern erfahren. Ungewöhnlich hoch war die Zahl von PfarrerINNEn, die beruflich etwas anderes gemacht haben bevor sie Pfarrer wurden.