Literaturliste Bibliolog

Ziemlich genau vor fünf Jahren als ich dieses Weblog begann habe ich eine Literaturliste verlinkt. Leider gibt es diese Seite nicht mehr. Deshalb stelle ich die aktuelle Fassung der Literaturliste hier ein. Sie wurde von Uta Pohl-Patalong erstellt. Da sie 8 DIN A 4 – Seiten umfaßt, werde ich die Oberkategorien rot hervorheben und hoffe, daß das Finden dadurch erleichtert wird.

  1. Bücher zum Bibliolog direkt
  2. Bücher, in denen Bibliolog eine wichtige Rolle spielt
  3. Artikel, die Bibliolog allgemein vorstellen
  4. Artikel mit homiletischem Akzent
  5. Artikel mit religionspädagogischem Akzent
  6. Artikel mit biblisch-hermeneutischem Akzent
  7.  Artikel, die einzelne Aspekte des Bibliologs reflektieren
  8. Artikel zu Bibliolog mit bestimmten Zielgruppen
  9. Englischsprachige Artikel
  10. Themenhefte
  11. Presseberichte
  12. Qualifikationsarbeiten

Wegen ihrer Länge habe ich die Liste verschoben. Sie ist in der Rubrik „Texte“ zu finden, also mit dem Mauszeiger unter dem Headerbild auf „Texte“ gehen, dann klappt ein neues Fenster auf und man kann „Literaturliste Bibliolog“ anklicken.

 

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Rezension: Bibliolog – Weil jede und jeder etwas zu sagen hat

…ist das Schwerpunktthema der aktuellen Ausgabe (1 / 2016) von „Bibel und Kirche“, einer Zeitschrift des katholischen Bibelwerkes.

kun01_1001601.jpg.735745Uta Pohl-Patalong führt in den Bibliolog als erfahrungsbezogenen Zugang ein, stellt einen Ablauf dar und legt dar, wie Bibliolog entstanden ist und nach Europa kam. Sie erschließt die Überzeugungen, auf denen Bibliolog beruht und zeigt, welche Aufbauformen (nicht-narrative Texte, Bibliolog mit   Objekten, Encounter und Sculpting) es neben der Grundform gibt.

Jens Uhlendorf wendet sich in seinem Beitrag „Sisteract? Szenische Interpretation trifft Bibliolog“ dem Verhältnis von Bibliolog und neuen Ansätzen der szenischen Interpretation zu, also literaturdidaktischen Aufbrüchen aus den 1990iger Jahren, die jenseits der traditionellen Formen von kognitiv orientierter Textanalyse andere Zugänge zu literarischen Texten ermöglichen. Sowohl Bibliolog als auch szenische Interpretation sind von der Rezeptionsästhetik geprägt und laden auf unterschiedliche Weise ein, den Textraum zu erkunden.

Mir scheint das beschriebene methodische Instrumentarium für szenische Interpretation jedoch näher an Bibliodramaprozessen zu sein als am Bibliolog, zumindest was seine Grundform betrifft. Der Verfasser regt an, dieses Instrumentarium als Inspirationsquelle für das bibliologische Arbeiten zu nutzen.

Maria Elisabeth Aigner umreißt kurz Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Bibliolog und Bibliodrama.

In ihrem Beitrag  „Wie sind wir gemeint? Überlegungen zur identifikatorischen Lektüre biblischer Texte“ geht Ilse Müllner der Frage nach, welche Prozesse beim identifikatorischen Lesen biblischer Texte ablaufen. Biblische Texte sind zunächst an antike und nicht an heutige Leser_innen gerichtet. Was bedeutet das für das Verhältnis von Fremdheit und Vertrautheit für die heutigen Leser_innen? Was fördern identifikatorische Formen der Lektüre biblischer Texte und was spricht dagegen?  Die Verfasserin weist darauf hin, daß christliche identifikatorische Lektüre von Texten aus dem 1. Testament auf dem Hintergrund einer langen Enteignungsgeschichte stattfindet. Sie plädiert dafür, jüdische Lektüren wahrzunehmen und vom Judentum zu lernen.

Peter Pitzele, der mit seiner Frau Susan den Bibliolog entwickelt hat, entfaltet an einem Vers aus dem Johannesevangelium (Joh 11,35), welche Reaktionen bei  Teilnehmer_innen auftreten können, die in der Rolle vom weinenden Jesus befragt werden und welche inneren Prozesse dahinter stehen können.

Karin Brockmüller skizziert anhand des Szenarios „wie in einer Pilgerherberge“ wie über Rollen im Text oder Rollen aus einer fiktiven Rahmenhandlung Psalmen und andere nicht-narrative Texte erschlossen werden können.

Maria Rehaber-Graf beschreibt in ihrem Beitrag „Appetit auf mehr – Bibliolog in Exerzitien“ die Verwandtschaft von Bibliolog und ignatianischen Exerzitien, wo sich die beiden Zugänge unterscheiden und wie Bibliolog in einem solchen Exerzitienprozeß fruchtbar gemacht werden kann.

Dorothea Kleele-Hartl zeigt in „… da war ich dann ein Teil der Bibel …“ auf, wie Schüler_innen unterschiedlicher Jahrgänge auf einen bibliologischen Impuls reagieren und darin sichtbar wird welche persönlichen Themen der jeweiligen Altersgruppe sichtbar werden. Außerdem beschreibt sie noch Erfahrungen in der Kommunionvorbereitung und mit Schulgottesdiensten.

Bibliolog auf der Straße“ ist der Beitrag von Frank Muchlinsky überschrieben, in dem er ein Experiment von Katholikentagen in Mannheim und Regensburg beschreibt und die dafür nötigen Rahmenbedingungen und die erforderliche Ausrüstung beschreibt.

Gerborg Drescher und Rainer Brandt erläutern, „warum es hilfreich ist, wenn die Leitung gut ausgebildet ist“ damit Bibliolog gelingt.

Das Heft ist insgesamt eine gute Einführung für Interessierte. Der Beitrag über Bibliolog und ignatianische Exerzitien ist sehr speziell und betrifft einen Sonderfall von Exerzitien. Wer sich allgemeiner über Bibliolog und Exerzitien informieren will,  findet dazu einen Beitrag von Andrea Schwarz in „Bibliolog – Impulse für Gottesdienst, Gemeinde und Schule Band 1, von Uta Pohl-Patalong im Kohlhammer Verlag. Da in den letzten Monaten viele Menschen aus anderen Kulturen und Religionen nach Deutschland gekommen sind, ist es bedauerlich, daß das große Potential von Bibliolog im interkulturellen und interreligiösen Dialog keinen Eingang in das Heft gefunden hat.

Das Einzelheft hat 60 Seiten und kann zum Preis von 7,90 Euro plus Versandkosten beim Katholischen Bibelwerk in Stuttgart bestellt werden.

Zum Weiterlesen:
Unterschied zwischen Bibliolog und Bibliodrama
Zielgruppen für Bibliolog

Biblische Räume öffnen …

Titelblatt

Titelblatt

heißt eine Beilage der katechetischen Blätter 3/14 – also der aktuellen Ausgabe, die sich mit Bibliolog im Religionsunterricht der Grundschule und methodischen Alternativen beschäftigt. Das „Praxisheft möchte die stärken von bibliologischem Entdecken aufzeigen. Was es jedoch nicht leisten kann, ist die schrittweise Anleitung zur Vorbereitung und Durchführung eines Bibliologs“ schreibt die Autorin Dorothea Kleele-Hartl in ihrer Einführung. Am Beispiel der Jüngerberufung in Markus 1,16 – 20 führt sie in religionspädagogische Überlegungen ein. Danach folgen methodisch-didaktische Anregungen mit Rollen zu arbeiten sowie deren Möglichkeiten und Grenzen. Außerdem zeigt sie Alternativen auf sowie Möglichkeiten im Anschluß an den Bibliolog weiterzuarbeiten. Das Heft im Format DIN A 5 hat 15 Seiten und ist zu beziehen beim Deutschen Katecheten-Verein e.V. Preysingstraße 97 81667 München http://katecheten-verein.de

Bibliolog-Buch in der 3. Auflage erschienen

Als heute ein Päckchen vom Kohlhammer-Verlag in der Post lag, war ich irritiert. Ich hatte nichts bestellt und für Werbung war es eindeutig zu dick. Sollte das etwa? Tatsächlich:

1. Auflage

1. Auflage

2. Auflage

2. Auflage

3. Auflage

3. Auflage

Mein Belegexemplar der soeben erschienenen 3. Auflage. Im Vergleich zur 2. Auflage hat sich nichts verändert außer daß das Cover unten einen schwarzen Streifen hat. Als die erste Auflage vergriffen war, wurden alle Autoren und Autorinnen, die ihre Erfahrungen mit Bibliolog in unterschiedlichen Praxisfeldern beschrieben hatten gefragt, ob sie ihren Beitrag überarbeiten wollen. Ich habe diese Gelegenheit wahrgenommen und meinen Beitrag thematisch etwas erweitert: „Bibliolog in jüdischen, säkularen und interreligiösen Kontexten“. Außerdem wurde ein Beitrag über Bibliolog im (katholischen) Kindergottesdienst neu aufgenommen. Die dritte Auflage (seit 2007) zeigt: Bibliolog verbreitet sich stetig.

interreligiöse Bibliolog-Werkstatt im Deutschlandradio Kultur

Signet Deutschlandradio„In die Lücken des Textes gucken – Bibelauslegung mit jüdischen Wurzeln“ hat Thomas Klatt seinen Beitrag für die Sendung „… aus der jüdischen Welt“ genannt, der am 16. August ausgestrahlt wurde. Hier kann man den Sendetext nachlesen und den Beitrag (8 Minuten) hören.

Darf DER das? Darf DIE das?

Buchcover Zealot

Buchcover Zealot

oder genauer gefragt: Darf ein Muslim (DER) das? beziehungweise: Darf eine Jüdin (DIE) das? Derzeit ist ein Jesus-Buch auf Platz 1 der Sachbuchbestsellerlisten in den USA. Geschrieben hat es Reza Aslan, ein Religionswissenschaftler und Muslim. Letzte Woche wurde er in Fox-News, einer wichtigen Nachrichtensendung dazu interviewt. Die Interviewerin hatte – wenn überhaupt – das Buch nur flüchtig gelesen. Sie unterstellte dem Verfasser er könne ein solches Buch als Muslim nur aufgrund von Vorurteilen gegen das Christentum schreiben. Von ihrer Linie ließ sie sich nicht abbringen. Es sei das peinlichste Interview von Fox-News gewesen, das jemals gesendet wurde, sind sich die wichtigen amerikanischen Medien einig. Auch in der deutschen Presse fand der Vorfall bereits einige Echos. So schrieb die Frankfurter Rundschau unter der Überschrift „darf ein Muslim das?“ am 2. August:

Das Jesus-Buch des Religionssoziologen Reza Aslan bringt Amerikas Konservative auf – immerhin äußert sich da ein Muslim über den Inbegriff des Christentums. Dass er dies äußerst fundiert tut, ist offenbar egal. Warum sollte ein Muslim ein Buch über Jesus schreiben? Ja, darf er das überhaupt? Ist er nicht zu beladen mit Vorurteilen? Mit solchen Fragen muss sich derzeit der angesehene Religionssoziologe Reza Aslan auseinandersetzen, dessen Buch „Zealot. The Life and Times of Jesus of Nazareth“ diese Woche in den USA erschienen ist. Ausgangspunkt der Kontroverse ist ein kurzer Text auf der Website des erzreaktionären Fernsehsenders FoxNews, in dem der Reporter John S. Dickerson kurzerhand fälschlich behauptet, Aslan und die linken Mainstream-Medien verheimlichten, dass er ein gläubiger Muslim sei. Das Buch sei keine historische Abhandlung, sondern lediglich „die Meinung eines gebildeten Muslims über Jesus“, das historische Vorurteile des Islam über den Messias verbreite… weiter hier

Das eigentliche Unbehagen an dem Buch seitens konservativer christlicher Kreise in den USA dürfte damit zusammenhängen, daß es – wie der Titel „Zealot … “ aussagt, Jesus mit den Zeloten, einer radikalen Gruppierung zur Zeit Jesu in Zusammenhang bringt, deren Exponenten durchaus gewalttätig sein konnten (mehr dazu hier.

Interessant ist daran, daß einem muslimischen Autor, der die fachliche Kompetenz hat, ein solches Buch zu schreiben in dem Moment diese Kompetenz abgesprochen wird, in dem er eine Definition der dominanten Gruppe – nämlich die der Angehörigen der christlichen Mehrheit – in Frage stellt.

In den englischsprachigen Ländern kamen vor inzwischen gut 15 Jahren im Bereich der „Ethnic Studies“ Diskussionen zur Fragestellung: „What do they tell about us“? Gemeint ist damit, was Angehörige der Mehrheitskultur („they“) über Minderheiten („us“) sprechen: Was wird wie erzählt, was wird verschwiegen, verdrängt und ausgeblendet. Welche Bilder und Stereotypen über Minderheiten werden weitergegeben? Welche Machtverhältnisse spiegeln sich in den Darstellungsweisen? Wenn sich aber Angehörige von Minderheiten das Recht nehmen, sich zu Sachverhalten zu äußern, welche die Angehörigen der dominanten Gruppe als „ihres“ betrachten, dann wird darauf reagiert, daß derjenige, der in der Minderheitenposition ist „dequalifiziert“ wird. (Darf der das – kann der das?). Birgit Rommelspacher, eine emeritierte Professorin hat diesen Mechanismus sehr anschaulich in ihrem Buch „Dominanzkultur“ analysiert.

Auch mir ist die Erfahrung nicht fremd. Wenn ich – meist – an evangelischen Fortbildungseinrichtungen Bibliolog-Kurse anbiete, dann wird explizit darauf hingewiesen, daß die Leitung „christlich-jüdisch besetzt“ ist. Alle Teilnehmenden wissen also vor dem Kurs, worauf sie sich einlassen. Ich bekomme sehr positive Rückmeldungen gerade auch im Hinblick darauf, wieviel sie davon mitnehmen, wenn bei den Texten, die erarbeitet werden auch eine jüdische Sichtweise eingebracht wird.

Schwierig wird es gelegentlich – durchaus nicht immer – wenn ich jemanden sagen muß, daß er / sie (noch) kein Zertifikat bekommen kann, weil die Fähigkeiten, die im Zertifikat bestätigt werden, beim Vorstellen des eigenen Bibliologs nicht (ausreichend) deutlich wurden. Ich erinnere mich noch deutlich, wie perplex ich war als dann eine Pfarrperson mit den Worten reagierte: „Das dürfen Sie nicht. Als Jüdin können Sie gar nicht beurteilen, ob das, was ich gemacht habe, gut oder schlecht ist. Sie müssen mir das Zertifikat geben.“ Wir haben dann ein sehr ausführliches Gespräch darüber geführt, daß es nicht um christliche Glaubensinhalte geht, über die ich mir ein Urteil erlaube, sondern, daß ich als Ausbilderin darauf schaue, wie der Bibliolog erarbeitet wurde und ob die methodischen Fertigkeiten, die wir eingeübt haben auch fachgerecht zum Einsatz kommen.

Auch in jüdischen Medien gibt es einige Artikel zum Jesusbuch von Reza Aslan, z.B. im Jewish Journal: Jesus, the Jew – Reza Aslan looks at the historical figure, before he became Christ.

Nachtrag (16. Dezember):
Inzwischen ist das Buch auch auf Deutsch erschienen unter dem Titel „Zelot – Jesus von Nazareth und seine Zeit“. Das Kulturmagazin ttt – titel, thesen, temperamente hat darüber berichtet.

Midrasch zum Anfassen – Bibliolog verbindet Bibliodrama und jüdische Hermeneutik

…ist der Titel des 4minütigen Magazinbeitrags von Thomas Klatt über die interreligiöse Bibliolog-Werkstatt, der in der Sendung „Schalom – jüdisches Leben heute“ ausgestrahlt wurde. Leider kann man das nicht in der Mediathek nachhören. Wer den Beitrag nachhören möchte (mit Windows-Mediaplayer problemlos möglich), dem schicke ich auf Anfrage das Soundfile für den privaten Gebrauch zu. (bibliologberlin ä t googlemail.com oder über die Kommentarfunktion bescheid geben).

zum Weiterlesen oder Weiterhoeren ein Video bei Youtube, das mit Comiczeichnungen erklaert, was Hermeneutik ist.