Frage 22: Was sind nichtnarrative Texte?

Wenn von Bibliolog-Aufbaukursen die Rede ist, wird immer wieder „Bibliolog mit nicht-narrativen Texten“ genannt. Auch bei den Suchbegriffen nach diesem Blog, wurde diese Frage in der letzten Zeit mehrmals eingegeben.

Bibliologpraxis beginnt mit erzählenden Texten. Jedoch taucht früher oder später die Frage auf, ob Bibliolog auch mit anderen Textformen (nicht erzählenden Texten) geht. Im Alltag begegnen und viele Formen von nichterzählenden (nicht-narrativen) Texten: Wenn wir etwa an einer Haltestelle stehen und einen Fahrplan lesen um zu erfahren, wann der nächste Bus kommt oder wenn wir im Internet nach einem Kochrezept suchen um eine Mahlzeit zuzubereiten. Dabei hören wir vielleicht gerade in den Nachrichten den Ausschnitt einer Rede einer Politikerin. Auf dem Schreibtisch liegt vielleicht eine Stellenanzeige, auf die wir uns bewerben wollen und daneben ein Buch mit Gedichten oder eine Sammlung von Gesetzestexten.

 

Auch in der Bibel gibt es eine Vielfalt von nichtnarrativen Texten. Manche kennen wir auch aus unserem Leben wie etwa Briefe, Reden, Gesetzestexte, Sprüche … andere sind für uns nicht so nah an unserem Alltag wie Psalmen, Weisheitsliteratur, prophetische Worte oder Gleichnisse, wobei Gleichnisse narrativ oder nicht-narrativ sein können. Zu den nicht-narrativen Gleichnissen gehören die Gleichnisse vom Feigenbaum, vom Sauerteig, vom Weinstock und den Reben oder auch von Unkraut und vom Weizen oder die Bildworte vom Reich Gottes (Das Reich Gottes / das Reich der Himmel ist wie … ein Senfkorn …

Mit allen diesen Textformen kann man bibliologisch arbeiten und genau das wird im Aufbaukurs nichtnarrative Texte eingeübt.

Zum Weiterlesen:

Ausschreibungstext Bibliolog mit nicht-narrativen Texten

Frage 21: Bibliolog im Kindergarten

Bei den Suchbegriffen fand sich diesen Monat „Bibliolog im Kindergarten„. Ich habe immer wieder Erzählungen davon gehört, jedoch selber keine Erfahrungen damit gemacht. Es ging dabei um die spezielle Situation, daß eine Pfarrperson einmal wöchentlich in den Kindergarten der eigenen Kirchengemeinde geht und dort mit den Kindern religions-pädagogisch arbeitet.

Auf intensives Nachfragen stellt sich dann heraus, daß es sich nicht um eine klassische Kindergartensituation (altersgemischte Gruppe von 3 – 6jährigen Kindern) gehandelt hat, sondern daß es eine Vorschulgruppe kurz vor dem Schuleintritt war und zwei Erwachsene dabei waren, wovon eine/r „disziplinarisch“ dafür sorgte, daß überhaupt etwas Bibliologähnliches stattfinden konnte. Da man im Kindergarten nicht an die 45-Minuten-Takte von Schulstunden gebunden ist und viel Freispielzeit hat, will mir auch nicht einleuchten, was der „Mehrwert“ eines Bibliologs in diesem Setting im Vergleich zu Rollenspielformen sind, die bei Kindergartenkindern im allgemeinen sehr beliebt sind. Bibliolog im Kindergarten scheint mir eher unrealistisch, denn die hierfür erforderlichen Fähigkeiten dürften nur einzelne Kinder im Kindergartenalter haben.

Um an einem Bibliolog teilzunehmen sind einige Grundfähigkeiten nötig, die Kinder meist in der ersten Hälfte des zweiten Schuljahres gut beherrschen, wie etwa sich melden, wenn man etwas sagen möchte oder abwarten können bis man mit dem Sprechen dran ist. Meist ist das während des ersten Halbjahres der zweiten Klasse der Fall. Trotzdem kann es von Schülergruppe zu Schülergruppe bzw. Kindergruppe zu Kindergruppe große Unterschiede geben. Günstig ist es, wenn Kinder Rituale kennen, weil Bibliolog ein in sich abgeschlossenes Ritual ist.

Mit einer Trainerkollegin habe ich einen Bibliolog in der zweiten Grundschulklasse einer katholischen Schule gemacht. Für alle Kinder war es die erste Erfahrung, die sie mit Bibliolog gemacht haben. Wir waren für sie Besuch, also keine regulären Lehrpersonen. Die normale Sitzordnung in der Klasse war in Tischgruppen mit einer freien Fläche in der Mitte des Klassenzimmers. Für den Bibliolog wollten wir lieber einen Stuhlkreis haben. Allein in der Art, wie die Klassenlehrerin das Aufstellen des Stuhlkreises angeleitet hat und welche Ruhe darin blieb, machte uns deutlich, daß die Kinder mit Ritualen vertraut sind. Wir waren sehr überrascht, daß wir 1 1/4 Stunden am Stück mit den Kindern bibliologisch arbeiten konnten. Eigentlich wollten wir zwei kürzere bibliologische Sequenzen mit einer kreativen Phase dazwischen machen. Da die Kinder so begeistert und intensiv dabei waren, haben wir sogar noch die Geschichte (Jona) mit einem nicht-narrativen Text kombiniert.

Wenn Bibliolog im Familiengottesdienst angeboten wird, hören kleinere Kinder (jünger als Grundschulalter) gern zu und äußern sich auch gelegentlich – jedoch eher selten.

Wer in diesem Bereich Erfahrungen gemacht hat, ist herzlich eingeladen, diese in den Kommentaren zu teilen.

Frage 20: Zielgruppen für Bibliolog?

Mit welchen Zielgruppen geht Bibliolog? Ich habe mal in einer Wortwolke zusammengestellt, mit welchen Zielgruppen bzw. an welchen Orten und in welchen Situationen ich Bibliolog angeleitet habe
wordcloud
Aschura – das Festmahl von Noach (muslimisches Fest)
Ausstellung Lebensmuster mit Quilts der ökumenischen Frauengruppe Hameln
Bibelgarten: Schawuot und Pfingsten im Bibelgarten Labyrinth des Lebens
Buchladen
Chanukka
christlich-jüdischer Dialog
christlich-jüdische Bibelwoche Haus Ohrbeck (Bistum Osnabrück)
Demenz-Wohngruppe
Europäische Bibeldialoge: Psalmen begleiten durchs Leben
Exerzitien auf der Straße (Berlin, Flensburg, Hamburg, München)
Exerzitien im Alltag (Fastenzeit / Adventszeit)
Familiengottesdienst
Fastenkurs eines katholischen Bildungshauses
Fortbildung (kirchliche Mitarbeiter hauptamtlich und ehrenamlich, Erzieherinnen, Gottesdienstbeauftragte)
Frauenzentrum
Galerie
Geburtstag
Gedenkstätte
Gottesdienst
Grundschule (katholisch)
Hospiz
interkulturelles Stadtteilzentrum
interkulturelle Woche
interreligiöse Bibliolog-Werkstatt
interreligiöse Weihnachtsfeier
Karneval der Kulturen
Kindergottesdienst einer freikirchlichen Gemeinde
Kirchenräume
Kirchentag: Bibliolog im Gürzenich (Köln) und später in Hamburg, Bremen, Stuttgart, Leipzig, Frankfurt …
Kloster Alexanderdorf
interreligiöses Kloster Meister Eckhart Berlin-Schöneberg
Klosterstift zum Heiligengrabe
Labyrinth des Lebens
Laubhüttenfest
Lange Nacht der Religionen zum Thema Gastfreundschaft
lebendiger Adventskalender im Wedding (Berlin)
Lehrhaus Judentum, liberale jüdische Gemeinde Göttingen
Limmud-Konferenz
Mädchenzentrum
Museum
Notschlafstelle für Obdachlose
Oasentag zu Karsamstag
Ordinationsjubiläum
Pessach-Seder
Regionalgruppe Bibliolog
Rüstzeit für Mitarbeiter
Seniorenheim
Sonntagsmesse einer kath. Gemeinde in Kreuzberg
Spielmarkt Potsdam
Stadtteilcafe
Stadtrundgang
Straßen-Exerzitien
Studierendengemeinde (Bibliolog dreisprachig)
Synagoge
Tagungshaus
Taize-Treffen
Tikkun leil Schawuot
Universität: Bibliolog – Tagesseminar zweisprachig mit Peter Pitzele an der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Basel
Weltgebetstagsvorbereitung
Woche der Brüderlichkeit
Wohngruppe für geistig Behinderte

(aktualisiert Juli 2021 mit den kursiven Einträgen)

Frage 19: Warum machen Sie eigentlich nur Bibliolog

Fragezeichengruppe 2… im jüdischen, säkularen und interreligiösen Bereich. So oder ähnlich werde ich immer wieder gefragt und staune darüber, wie es zu diesem Mißverständnis kommt. Sicher – ich habe einen Buchbeitrag zu diesem Thema im Bibliolog-Buch von Uta Pohl-Patalong geschrieben. Aber da gibt es auch einen Beitrag über „Bibliolog im Kindergottesdienst“ oder „Bibliolog und Exerzitien“. Niemand würde deshalb davon ausgehen, daß die Autorinnen Bibliolog „nur“ im Kindergottesdienst oder nur im Rahmen von Exerzitien anleiten. Genauso ist es bei mir.

Ich habe besonders viele Erfahrungen mit jüdischen, interreligiösen und säkularen Kontexten und finde gerade Bibliolog mit Menschen, die nicht vorgeprägt sind (egal ob man sie säkular, religionslos oder wie auch immer nennt) besonders reizvoll. Im interreligiösen und interkulturellen Bereich ist Bibliolog deshalb aus meiner Sicht besonders reizvoll, weil er ein Instrumentarium anbietet, Unterschiede wahrzunehmen, sichtbar zu machen und zu benennen.

Viele Arbeitsfelder bibliologischen Arbeitens habe ich schon kennengelernt und bekomme immer wieder die Möglichkeit, Bibliolog in für mich neuen Kontexten auszuprobieren und Neues zu entwickeln. Ich freue mich immer wieder, wenn ich in einem anderen Bereich eingeladen werde und ausprobieren kann, wie Bibliolog in der jeweiligen Situation zum Einsatz kommen kann, egal ob das in einem evangelischen Gottesdienst zum Karneval der Kulturen, an einem Fortbildungswochenende für katholische Gottesdienstbeauftragte, einer jüdischen Konferenz, dem evangelischen Kirchentag, einem freikirchlichen Kindergottesdienst, im Museum, im Hospiz, bei einer Vorbereitungsgruppe für den Weltgebetstag der Frauen, dem Gemeinschaftstag einer evangelischen Ordensgemeinschaft, einer katholischen Grundschule, mit dementiell veränderten oder geistig behinderten Menschen, mit jüdischen Emigranten aus der ehemaligen Sowjetunion, bei der langen Nacht der Religonen, dem Spielmarkt in Potsdam, dem lebendigen Adventskalender im Sprengelkiez, die Rüstzeit für die hauptamtlichen Mitarbeiter eines evangelischen Kirchenkreises, mit alt gewordenen jüdische Menschen, die als Kinder im Versteck überlebt haben (child survivors)… All diese und viele andere Erfahrungen haben mir gezeigt, wie vielfältig Bibliolog einsetzbar ist. Ich denke, daß das Potential von Bibliolog noch lange nicht ausgereizt ist.

Frage 18: Bibliolog Jesus

Fragezeichengruppe 2… war eine Suchanfrage in den letzten Tagen.

Ich vermute, daß es um die Fragestellung geht, ob man im Bibliolog die Jesus-Rolle vergeben kann. Die Jesus-Rolle kann vergeben werden, wenn die menschlichen Aspekte im Mittelpunkt stehen (Jesus als Lehrer, Heiler …). Teilnehmende aus konservativen Gemeinden oder PfarrerINNEN fällt die Jesus-Rolle erfahrungsgemäß schwerer. Deshalb sollte man bei diesem Personenkreis besonders gut überlegen, ob man Jesus befragt oder nicht. Wenn man sie dennoch wählt, dann nicht als erste Rolle.

Wichtig ist auch, dass die Teilnehmenden eine Erfahrungsanalogie herstellen können, deshalb kann weder Jesus am Kreuz noch der auferstandene Jesus befragt werden. Wichtig ist auch, die Frage so zu stellen, dass sie nicht auf theologische Richtigkeiten abzielt (Jesus, was willst du deinen Jüngern damit sagen?).

Frage 17: Copyright Bibliolog

Copyright Zeichen… lautet eine Suchanfrage.

Wenn ich etwas erarbeitet habe und das öffentlich darbiete – egal ob in schriftlicher oder mündlicher Form – so ist das mein geistiges Eigentum. Das kann ein Vortrag sein, ein Unterrichtsentwurf, eine Stadtführung oder auch ein Bibliolog. Im Zeitalter von Internet und Copy & Paste (ich-mache-mir-zueigen-was-ich-mir-zu-eigen-machen-kann) ist das Bewußtsein dafür sehr gering entwickelt wenn nicht gar ganz verschwunden.

Manchmal passiert es – gern in kirchlichen Mitarbeiterkreisen aber nicht nur da – dass Leute bei Bibliologen mitschreiben wollen, um „die Fragen zu haben“. Sie denken, daß sie dann selber damit starten können, Bibliologe anzuleiten. Das wird aus zwei Gründen nicht klappen: Beim Bibliolog anleiten kommt es auf Haltungen und Grundfertigkeiten an, die nicht darüber erlernt und eingeübt werden, daß man ein paar Fragen mitschreibt, die ja wohl besonders gut sein müssen, weil der Bibliolog von einer Bibliolog-Trainerin angeleitet wird. An anderer Stelle habe ich schon geschrieben, daß Fragen zu einem Text auch von Gruppe zu Gruppe und von Situation zu Situation variieren. Aber der Hauptgrund, warum ich während eines Bibliologs niemals mitschreiben lasse, ist ein anderer: Wer mit Stift und Papier als Mitschreibender im Kreis sitzt, begibt sich in eine Beobachtersituation. Er / sie taucht nicht in den Text ein und bekommt so die wesentliche Dynamik eines Bibliologs nicht mit. Außerdem ist eine solche Beobachterposition auch für viele Teilnehmende störend. Die Folge kann sein, daß ein Bibliolog nicht richtig in Gang kommt.

Vielleicht zielt die Frage aber auch darauf ab, ob die Bezeichnung „Bibliolog“ geschützt ist im Sinne eines Markenbegriffes (Textmarke bzw. Wortmarke). Nein, Bibliolog ist nicht geschützt. Darüber gab es in den Anfängen der Bibliologbewegung unter Trainern und Trainerinnen eine kontroverse Diskussion. Die Mehrheit befand, daß doch in kirchlichen Kreisen die Menschen so sind, daß sie verantwortungsvoll damit umgehen und Bibliolog nicht anleiten bevor sie das solide gelernt und eingeübt haben werden. Dass diese Sichtweise zu optimistisch war, war damals – für die meisten – nicht vorauszusehen.

Da Bibliolog derzeit sehr populär ist, wird diese Bezeichnung immer wieder für anderes verwendet. Nicht überall wo „Bibliolog“ draufsteht, ist auch „Bibliolog“ drin. Das geht so weit, daß ich schon Teilnehmende in Grundkursen hatte, die Bibliolog anleiten lernen wollten und nach meinem Anfangsbibliolog feststellten, daß das, was ihnen als Bibliolog vermittelt worden war, was ganz anderes ist.

Wenn jemand durch Bibliolog inspiriert wird, noch mal eine eigene Form des Umgangs mit biblischen Texten zu entwickeln, dann finde ich das eine tolle Sache. Um der Klarheit willen sollte dafür eine andere Bezeichnung verwendet werden wie etwa „Bibel interaktiv“, inspieriert von Bibliodrama und Bibliolog und sehr geeignet besonders für die Arbeit mit Jugendlichen und Konfirmanden – zu finden auf der Seite des RPZ (religionspädagogischen Zentrum) Heilsbronn.

Frage 16: Bibliolog und Bibelübersetzungen

Hinter dieser Überschrift verbirgt sich die Fragestellung, ob es Bibelübersetzungen gibt, die besonders geeignet im Rahmen der Arbeit mit dem Bibliolog sind und anders herum gefragt: Gibt es auch Bibelübersetzungen, von denen (eher) abzuraten ist?

Folgende Leitfragen könnten bei der Entscheidung weiterhelfen:
-Was dient der Verständlichkeit des Textes, den ich mit einer Gruppe auslegen möchte möchte und zwar im Blick auf die spezielle (Ziel-)Gruppe, mit der ich den Bibliolog durchführe?
– Was sind meine eigenen Vorlieben?

1. Eigene Vorlieben:
Tur Sinai coverIch verwende sehr gern die Übersetzung von Naftali Herz Tur-Sinai, die in den 1920iger Jahren an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin entstanden ist. Sie ist für heutige Zuhörende, auch wenn sie nicht in einer religiösen Tradition geprägt sind, gut verständlich und sie ist gleichzeitig ganz nah am hebräischen Text dran auch was den Sprachrythmus betrifft. Bei der Arbeit mit christlichen Gruppen ist mir aufgefallen, daß die Tur-Sinai-Übersetzung als Übersetzung, die von jüdischen Übersetzern angefertigt wurde, sehr für sprachliche Eigenheiten sensibilisiert. Bei den Grundkursen werde ich sehr oft von den Teilnehmenden gefragt, was das denn für eine Übersetzung sei, die ich verwende und empfehle sie wärmstens.

Nur bei Bibliologen mit Psalmen mit christlichen Gruppen bin ich sehr vorsichtig mit der Tur-Sinai-Übertragung, denn besonders im evangelischen Bereich sind die Teilnehmenden sehr stark von der Übersetzung von Martin Luther geprägt. Da löst es oft große Irritationen aus, wenn die Textgestalt eine andere ist als die den Teilnehmern bekannte. Wenn es mir aber genau darauf ankommt, das Bekannte zu durchbrechen und die Teilnehmer durch eine andere Übersetzung zu neuen Wahrnehmungen anzuregen, dann umgehe ich mögliche Irritationen indem ich am Beginn der Hinführung darauf hinweise, warum ich heute eine andere als für die meisten gewohnte Bibelübersetzung mitgebracht habe und verwende und welche Chance darin liegen kann, einen Text durch eine andere Übersetzung noch einmal anders und neu zu hören und zu schmecken.

Buber-Rosenzweig schätze ich sehr und verwende ich gern zur Vorbereitung. Den Einsatz dieser Übertragung finde ich allerdings beim Bibliolog schwierig, denn Buber-Rosenzweig versteht man dann, wenn man schon weiß, was der Inhalt ist. Mit Zielgruppen, mit denen man philologisch am Text Bibliolog machen will und die entsprechend vorgebildet sind (Pfarrpersonen, Theologiestudierende) kann es durchaus reizvoll sein, mit der Buber-Rosenzweig-Übersetzung zu arbeiten, aber diese Zielgruppe dürfte eher der Ausnahmefall bibliologischen Arbeitens sein.

NGÜ CoverWenn ich Bibliologe zu Texten aus dem Neuen Testament (Evangelien oder Paulusbriefe) mache, was bei mir als Jüdin nur gelegentlich vorkommt, dann ist meine Lieblingsübersetzung die NGÜ (Neue Genfer Übersetzung). Ich finde sie gut verständlich, sprachlich brilliant und frisch. Da ich kein Griechisch kann, hilft mir der Anmerkungsapparat, der neben dem Bibeltext mitläuft, sehr und hat mich schon zu mancher Frage inspiriert.

2. Zielgruppe

Eine Leitfrage für mich wäre, welche Bibelübersetzung für die Zielgruppe besonders leicht zugänglich im Sinne von „Verständlichkeit“ ist und damit „niedrigschwellig“ ist. Das kann dann bei der Vorbereitung eines Bibliologs dazu führen, daß ich für eine evangelische Gemeindegruppe die Lutherübersetzung nehme, für eine katholische Fortbildungsgruppe die Einheitsübersetzung, bei einem Frauenseminar die „Bibel in gerechter Sprache“, für Jugendliche die „Gute Nachricht“ oder „Hoffnung für Alle“ – Übersetzung. Wenn eine Gruppe dann schon etwas Bibliolog-Erfahrung hat und ich bewußt nicht mit der ihr vertrauten Textgestalt arbeite, dann – siehe oben – erkläre ich das in der Hinführung als eine Chance, durch eine andere Übersetzung neue Nuancen zu entdecken.

Außerdem gibt es Spezialfälle, auf die ich so gut wie möglich einzugehen versuche. Wenn ich weiß, daß bei einer Seniorengruppe auch Menschen mit dementieller Veränderung dabei sein werden, dann ist es wichtig, die diesen Menschen vertraute Übersetzung zu nehmen oder die speziell für Menschen mit dementieller Veränderung entwickelte Bibelausgabe Getröstet und Geborgen-Bibel.

Kinderbibel Esben Hanefelt KristensenEin anderer Spezialfall sind Kinderbibeln für Kinder im Grundschulalter. Kinderbibeln sind dann bibliologtauglich, wenn sie möglichst viel weißes Feuer lassen, also möglichst wenig interpretieren und ausmalen, denn das schränkt den Raum der Auslegung ein. Auch sind Übertragungen nicht geeignet, in denen ein Tier (Esel) oder eine dritte Person eingeführt wird, die die biblische Geschichte erzählt. In christlichen Kindergruppen arbeite ich deshalb gern mit der Neukirchner Kinderbibel und bei älteren Grundschulkindern und auch mit geistig Behinderten – egal ob Kinder oder Erwachsene – noch lieber mit der – leider wenig bekannten – „Bibel – mit Bildern von Esben Hanefelt Kristensen“, die von Klaus Knoke ins Deutsche Übersetzt wurde und von der Deutschen Bibelgesellschaft herausgegeben wurde (Bild links). In jüdischen Kindergruppen oder beim Vertiefungskurs Midrasch arbeite ich mit einer jüdischen Kinderbibel von Abascha Stutschinsky (die Bibel für Kinder erzählt), die auch Material aus dem Midrasch enthält, aber leider nicht mehr im Buchhandel erhältlich ist. Außerdem gibt es im Internet eine neue Ausgabe der Tora für Kinder von Bruno Landthaler und Hanna Liss mit Pop-Up-Fenstern aus dem Raschi-Kommentar (die Seite ist noch in Entwicklung)

Bei zweisprachigen Gruppen, bei denen nicht alle Mitglieder gleichermaßen mit beiden Sprachen vertraut sind, verwende ich Übersetzungen beider Sprachen.

Bibliolog mit Objekten zu Genesis 16

Bibliolog mit Objekten zu Genesis 16

Kann man beim Bibliolog auch mit verschiedenen Bibelübersetzungen arbeiten? Beim Normalfall bibliologischen Arbeitens legt man mit einer Gruppe einen Text aus. Um gut in der Geschichte „drin“ zu bleiben, empfehle ich, es bei einer Übersetzung und damit bei einem Duktus zu belassen. Wenn man jedoch verschiedene Übersetzungsvarianten ins Spiel bringen will um Bedeutungsunterschiede zu thematisieren, sollte man sich einen besonders signifikanten Satz am Ende des Textes auswählen und dann die Verschiedenen Übersetzungsvarianten durch Stühle (Aufbauform Bibliolog mit Objekten) visualisieren, wobei man sich die Überleitung und die Frage sehr genau überlegen muß, damit die Teilnehmenden „im Text“ bleiben und nicht ÜBER den Text oder Übersetzungsvarianten reden.

Zum Weiterlesen:
Ab welchem Alter geht Bibliolog mit Kindern?
Schwarzes Feuer und weißes Feuer im Bibliolog

Frage 15: Bibliolog und Kasualien

Fragezeichengruppe 2Da ich mich für diese Frage nicht ausreichend kompetent fühle, war ich froh, sie im Rahmen des letzten Treffens der Berliner Regionalgruppe einbringen zu können. Deshalb hat es mit der Beantwortung auch etwas länger gedauert.

„Es gibt im Leben der meisten Menschen vier Ereignisse, bei denen sie mit Kirche in Berührung kommen können: Taufe, Konfirmation, Trauung und Bestattung. Zum einen werden diese Anlässe als so genannte Kasualien bzw. Kasualhandlungen bezeichnet (lat.: Kasus = Fall). Im Hintergrund steht ein Ereignis, die spezifische Lebenssituation. Zum anderen wird aber auch von „Amtshandlungen“ gesprochen. Darin kommt die Perspektive des Pastors/der Pastorin zum Ausdruck, wenn von ihm/ihr eine pfarramtliche, kirchliche Dienstleistung erbeten wird.“

heißt es auf der Seite der EKD unter Glaubens-ABC: Kasualien.

Ich weiß von einigen evangelischen Teilnehmenden von Grundkursen, daß sie Bibliolog im Rahmen von Gemeindegottesdiensten, in denen eine Taufe stattfand, angeleitet haben. Gern wird dann der Text von der Kindersegnung genommen. Mir wurde berichtet, daß das Echo der Familien der getauften Kinder darauf positiv war. Eine katholische Theologin wies beim Regionalgruppentreffen darauf hin, daß aufgrund des kirchlichen Rituals im katholischen Kontext ein Bibliolog während einer Taufe nicht vorstellbar sei.

Bei Trauungen und Bestattungen kann ich mir einen Bibliolog überhaupt nicht vorstellen, weil das Situationen sind, in denen Menschen gefühlsmäßig sehr aufgewühlt sind und den Zuspruch sowie die Unterstützung durch das Ritual brauchen und eigene kreative Erarbeitungen eine Überforderung wären.

Für mich war interessant, daß sich die anwesenden Pfarrerinnen und kirchlichen Mitarbeitenden darüber einig waren, daß bei Trauungen und Beerdigungen Bibliolog nicht geht. Es sind Übergangssituationen im Leben, bei denen es wichtig ist, daß die Pfarrperson die Betroffenen hindurch geleitet. Der Anlaß und die damit verbundene eigene Lebenssituation steht im Mittelpunkt. Deswegen kommen die Menschen und nicht wegen der Schriftauslegung.

Daran schloß sich noch ein Gespräch an, ob im normalen Sonntagsgottesdienst die Menschen wegen der Schriftauslegung kommen – wie im evangelischen Kontext idealtypisch angenommen wird. Plädiert wurde dafür, immer anzukündigen, wenn im Gottesdienst ein Bibliolog stattfindet, denn die Erwartungen der Gottesdienstbesucher an einen Sonntagsgottesdienst ist sehr unterschiedlich. Wer durch eine Predigt etwas gesagt bekommen und mitnehmen möchte oder auch wer die Predigtzeit als Raum sieht, den eigenen Gedanken nachzugehen, wird enttäuscht sein, wenn ein Bibliolog stattfindet. Interessant und neu war für mich der Hinweis, daß im evangelischen Sonntagsgottesdienst der Trend derzeit zu traditionellen Formen und Abläufen geht. Interaktive und andere kreative Formen, mit denen in den 1970iger Jahren und später experimentiert worden sei, seien nicht mehr gefragt. Wer danach sucht, nimmt eher andere Formen des Gottesdienstes wahr (Thomasmesse).

Auch im Hinblick auf den Konfirmationsgottesdienst herrschte Konsens, daß dieser nicht der geeignete Ort für einen Bibliolog sei im Gegensatz zu einem Konfirmandenvorstellungsgottesdienst und in anderen Formen der Konfirmandenarbeit (Gruppenstunden, Konfirmanden-Camps etc.)

Frage 14: Unterschied zwischen Bibliolog und Bibliodrama

Die Bibel ist ein Drehbuch.
Du versteht sie nur, wenn du mitspielst.
Es ist egal, welche Rolle du übernimmst:
ob du an der Rampe spielst
oder im Hintergrund, ob du Held bist
oder Gefangene, ob du Prophetin bist
oder Feldherr, ob du schweigst oder
redest, ob du deine Sätze
hinaussprudelst oder stotterst,
ob du deine Rolle kennst oder
an den Souffleurkasten gehst…

so beginnt ein Gedicht von Wilhelm Bruners, einem katholischen Priester und Bibliodramatiker. Ursprünglich hat er es über „Bibliodrama“ geschrieben, ich finde aber, daß es bis zu dieser Stelle auch für Bibliolog stehen kann. Bibliodrama und Bibliolog stehen in einem verwandtschaftlichen Verhältnis zueinander.

Bei beiden Zugaängen geht es darum, in den Text als Raum zu verstehen, in diesen Textraum einzutauchen und so Teil der Geschichte zu werden statt – wie in vielen anderen Ansätzen – ÜBER den Text zu sprechen, also in einer Außenperspektive zu bleiben. Eine zweite Gemeinsamkeit zwischen Bibliolog und Bibliodrama wäre, daß es bei beiden um Verlangsamung geht.

Beim Bibliodrama geht es um Texterschließung UND Selbsterfahrung, was längere Zeiträume und kleinere Gruppengrößen bedingt. Beim Bibliolog wird Selbsterfahrung nicht intendiert und thematisiert – außer die Teilnehmenden tun dies von sich aus. Deshalb ist Bibliolog auch in großen Gruppen (auch mit mehreren hundert Teilnehmern) und kürzeren Zeiträumen (zwanzig Minuten) möglich. Ich habe schon mit 180 Teilnehmenden bibliologisch gearbeitet.

Die Rolle des Leiters / der Leiterin ist im Bibliolog sehr viel direktiver. Im Bibliolog wählt immer die Leitung den Text und die Rollen aus. Auch das sonstige Vorgehen ist deutlich strukturierter durch „Echoing“ und „Interviewing“. Beim Bibliolog ist auch das Zuhören eine mögliche Teilnahmeform.

Bibliolog in der Grundform ist ein verbales Geschehen bei dem sich die Teilnehmenden mit biblischen Rollen (Personen, Gegenständen, Eigenschaften, Tieren) identifizieren und als diese sprechen, ihnen quasi Gedanken und Gefühle „leihen“ und zur Sprache bringen. Beim Bibliodrama setzt man sich zu einem biblischen Text in Beziehung indem man ihn ins Spiel bringt und – je nach Bibliodramaansatz – mit unterschiedlichen kreativen Medien arbeitet. Zentraler Bestandteil bibliodramatischen Arbeitens ist auch die Körperarbeit. Im Nachgespräch wird auch die Interaktion in der Gruppe und die Selbsterfahrung thematisiert. Auch ist es möglich, Gegentexte zu spielen, wohingegen ein Bibliolog immer am biblischen Text entlang läuft.

Beim Bibliodrama wählen die Teilnehmenden ihre Rollen selber aus. Auch die Wahl der Gottesrolle ist im Bibliodrama möglich. Im Bibliolog werden wenn überhaupt, dann nur Teilaspekte der Gottesrolle vergeben (Barmherzigkeit Gottes).

Daraus ergibt sich, daß das Erlernen der Bibliodramaleitung zeitaufwendiger (3 Jahre) ist als Bibliolog, dessen Anleitung in der Grundform sich in einer Woche erlernen läßt, wenn man gelernt hat mit Texten zu arbeiten und auch mit schwierigen Gruppensituationen umgehen kann.

Der Dachverband für Bibliodrama ist in Deutschland die „Gesellschaft für Bibliodrama“ (GfB) und für Bibliolog das „Europäische Netzwerk Bibliolog“ (siehe Blogroll). Die Zeitschrift „Textraum“ der GFB, die halbjährlich erscheint, publiziert auch zahlreiche Artikel zum Themenbereich Bibliolog. Es gibt auch ein Themenheft (32/1 aus dem Jahr 2010) zum „Nachdenken über das Verhältnis von Bibliolog und Bibliodrama“, das bei der GfB als Einzelheft bestellt werden kann.

Zum Sprachgebrauch noch ein Hinweis: Was in Deutschland „Bibliolog“ genannt wird, heißt in Amerika Bibliodrama. Das deutsche „Bibliodrama“ läuft in Amerika unter „bibliotherapy“.

Im Deutschlandradio gibt es einen Kurzbeitrag über Bibliodrama (ca 9. Minuten) von Thomas Klatt und zwar hier zum Hören und Nachlesen. Einen Magazinbeitrag von 8 Minuten über den Bibliolog unter dem Titel „in die Lücken des Textes gucken“ findet man auf der Seite vom Deutschlandradio hier

Frage 13: Einstieg in einen Bibliolog

In der letzten Zeit taucht ungewöhnlich oft als Anfrage durch Suchmaschinen „Einstieg in einen Bibliolog“ auf. Leider weiß ich nicht genau, um was es den suchenden Personen geht, denn da gibt es zwei Möglichkeiten:

1. Jemand möchte mit einer Gruppe einen Bibliolog durchführen und sucht nach verschiedenen Möglichkeiten, wie man einer Gruppe Bibliolog als etwas andere Art der Erschließung biblischer Texte nahebringen kann, also wie gestaltet der Bibliologe die „Werbung“ für das, was jetzt statt der Bibelarbeit oder dem Bibelgespräch wie es die Teilnehmenden gewöhnt sind, stattfinden soll so, daß die Teilnehmer sich gerne darauf einlassen und Lust bekommen mitzumachen – oder zumindest nicht stören – und nicht in der Haltung: das-kenne-ich-nicht / was-soll-das-denn / das-haben-wir-noch-nie-so-gemacht an diese für sie neue Form herangehen.

Das wäre eine Frage danach, wie man „die (innere) Bühne für den Bibliolog vorbereitet“, also den Teilnehmenden Mut macht, sie vorbereitet auf das, was statt des Gewohnten kommt und wie man die Spielregeln eines Bibliologs rüberbringt: Was man selber als Bibliologin macht und was sie tun sollen (sich mit Rollen, die man ausgewählt hat, identifizieren und wenn sie mögen sich in dieser Rolle äußern). Wie gestaltet man diesen „Einstieg“ so, daß es möglichst förderlich ist für das, was man mit der Gruppe vorhat und diejenigen, die Widerstände gegen dieses Neue / Andere haben, zumindest diese Widerstände für eine Weile zurückstellen?

Jeder Bibliologe hat seinen eigenen Stil und eine eigene Handschrift, und das ist gut so. Natürlich hängt es ganz wesentlich von der Gruppe und dem Thema ab und ob sie eher experimentierfreudig sind, was neue Formen betrifft oder lieber beim in ihren Augen Bewährtem bleiben. Auch das Alter mag eine Rolle spielen (eine Konfirmanden- oder Bar/Bat-Mizwa-Gruppe im jugendlichen Alter werde ich anders einstimmen und vorbereiten als eine Seniorengruppe mit vielleicht zum Teil dementiell veränderten Teilnehmern).

Ganz allgemein sind kurze und klare Sätze hilfreich um positiv zu beschreiben, was getan bzw. erwartet wird. („Sie brauchen keine Angst zu haben sich zu blamieren, denn alles ist richtig“ wäre wenig hilfreich, denn dadurch werden die Teilnehmenden erst auf die Idee gebracht, man könnte sich blamieren, was beim Bibliolog sowieso nicht der Fall ist.

2. Jemand hat beim Anleiten von Bibliologen die Erfahrung gemacht, daß nach dem Prolog (was ist das und wie geht das) und der Hinführung (vermitteln um welchen Text es geht, Hintergrundinfos, welche die Teilnehmenden brauchen und vorbereiten zum Eintauchen in diesen Text) es dann bei der ersten Frage, mit der der eigentliche Bibliolog beginnen sollte, hackt.

Vorausgesetzt, Prolog und Hinführung waren gut vorbereitet und es hängt an der ersten Frage, dann wäre zu schauen, ob diese erste Frage gut gewählt war. Wurde eine Rolle gewählt, die leicht zur Identifikation einlädt und wurde die erste Frage als Schlüsselfrage so formuliert, daß sie offen ist und unterschiedliche Ebenen anspricht und bündelt (zumindest zwei von den folgenden dreien: emotional / kognitiv / Handlungsebene) und zugleich gut in den Text und das Geschehen hineinführt?

Schade ist, wenn jemand gut in den Text und in die biblische Welt hineinführt und die erste Frage dann völlig gegen den Text und dessen Erzählstruktur läuft: Bei einem Bibliolog über Samuel und Eli im Heiligtum von Schilo befragt jemand nach der anschaulichen Schilderung der Situation von Samuel im Schilo als erstes Hanna, die Mutter von Samuel, die bei der Geschichte gar nicht dabei ist, sondern weit weg wohnt, wie sie es findet, daß ihr Sohn Samuel so weit weg von ihr bei Eli im Heiligtum von Schilo ist.

Zum Abschluß bietet sich noch die Frage an: Woran scheitern die meisten Bibliologe, wenn sie nicht gut laufen? oder: Warum wird Bibliolog in manchen Gruppen nicht gut angenommen und kann man da was tun? Das wäre nochmal ein eigenes Posting wert.

Wenn Bibliologe total schief laufen, hängt es meiner Erfahrung nach meist damit zusammen, daß die Anleitenden nicht sehen, wie komplex ein Bibliolog ist, daß und was genau man intensiv vorbereiten muß und davon ausgehen, man kann das eben mal so nach eigenem Erleben und Lektüre machen ohne es gelernt zu haben. Möglicherweise wurde auch ein Text ausgewählt, der nicht für einen Bibliolog geeignet ist oder zumindest zu diesem Zeitpunkt für diese Gruppe nicht geeignet ist. Das würde zum Stichwort „Textauswahl“ gehören.

Eine weitere Möglichkeit: Der Text paßt – in dieser Situation – nicht zum Bibliologen. Beispiel: Eine Bibliologin hat einen Bibliolog zu einer Heilungsgeschichte vorbereitet. Einige Stunden vor der Durchführung des Bibliologs hat sie von der Krebsdiagnose ihres Partners erfahren. Einen Plan B für ihre Veranstaltung hatte sie nicht. In dieser Situation war sie mit der Durchführung eines Bibliologs überfordert, weil sie gar nicht in der Lage war, sich gut in die Teilnehmeräußerungen einzufühlen, sie wahrzunehmen und wiederzugeben.