Frage 20: Zielgruppen für Bibliolog?

Mit welchen Zielgruppen geht Bibliolog? Ich habe mal in einer Wortwolke zusammengestellt, mit welchen Zielgruppen bzw. an welchen Orten und in welchen Situationen ich Bibliolog angeleitet habe
wordcloud
Aschura – das Festmahl von Noach (muslimisches Fest)
Ausstellung Lebensmuster mit Quilts der ökumenischen Frauengruppe Hameln
Bibelgarten: Schawuot und Pfingsten im Bibelgarten Labyrinth des Lebens
Buchladen
Chanukka
christlich-jüdischer Dialog
Demenz-Wohngruppe
Europäische Bibeldialoge: Psalmen begleiten durchs Leben
Exerzitien auf der Straße
Familiengottesdienst
Fortbildung (kirchliche Mitarbeiter hauptamtlich und ehrenamlich, Erzieherinnen)
Frauenzentrum
Galerie
Geburtstag
Gedenkstätte
Gottesdienst
Grundschule
Hospiz
interkulturelles Stadtteilzentrum
interkulturelle Woche
interreligiöse Bibliolog-Werkstatt
interreligiöse Weihnachtsfeier
Karneval der Kulturen
Kindergottesdienst einer freikirchlichen Gemeinde
Kirche
Kirchentag: Bibliolog im Gürzenich
Kloster
Labyrinth des Lebens
Laubhüttenfest
Lange Nacht der Religionen zum Thema Gastfreundschaft
lebendiger Adventskalender
Limmud-Konferenz
Mädchenzentrum
Museum
Notschlafstelle für Obdachlose
Oasentag zu Karsamstag
Ordinationsjubiläum
Pessach-Seder
Regionalgruppe Bibliolog
Rüstzeit für Mitarbeiter
Seniorenheim
Spielmarkt Potsdam
Stadtteilcafe
Stadtrundgang
Straßen-Exerzitien
Studierendengemeinde (Bibliolog dreisprachig)
Synagoge
Tagungshaus
Taize-Treffen
Tikkun leil Schawuot
Universität: Bibliolog zweisprachig mit Peter Pitzele an der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Basel
Weltgebetstagsvorbereitung
Woche der Brüderlichkeit
Wohngruppe für geistig Behinderte

 

 

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Frage 19: Warum machen Sie eigentlich nur Bibliolog

Fragezeichengruppe 2… im jüdischen, säkularen und interreligiösen Bereich. So oder ähnlich werde ich immer wieder gefragt und staune darüber, wie es zu diesem Mißverständnis kommt. Sicher – ich habe einen Buchbeitrag zu diesem Thema im Bibliolog-Buch von Uta Pohl-Patalong geschrieben. Aber da gibt es auch einen Beitrag über „Bibliolog im Kindergottesdienst“ oder „Bibliolog und Exerzitien“. Niemand würde deshalb davon ausgehen, daß die Autorinnen Bibliolog „nur“ im Kindergottesdienst oder nur im Rahmen von Exerzitien anleiten. Genauso ist es bei mir.

Ich habe besonders viele Erfahrungen mit jüdischen, interreligiösen und säkularen Kontexten und finde gerade Bibliolog mit Menschen, die nicht vorgeprägt sind (egal ob man sie säkular, religionslos oder wie auch immer nennt) besonders reizvoll. Im interreligiösen und interkulturellen Bereich ist Bibliolog deshalb aus meiner Sicht besonders reizvoll, weil er ein Instrumentarium anbietet, Unterschiede wahrzunehmen, sichtbar zu machen und zu benennen.

Viele Arbeitsfelder bibliologischen Arbeitens habe ich schon kennengelernt und bekomme immer wieder die Möglichkeit, Bibliolog in für mich neuen Kontexten auszuprobieren und Neues zu entwickeln. Ich freue mich immer wieder, wenn ich in einem anderen Bereich eingeladen werde und ausprobieren kann, wie Bibliolog in der jeweiligen Situation zum Einsatz kommen kann, egal ob das in einem evangelischen Gottesdienst zum Karneval der Kulturen, an einem Fortbildungswochenende für katholische Gottesdienstbeauftragte, einer jüdischen Konferenz, dem evangelischen Kirchentag, einem freikirchlichen Kindergottesdienst, im Museum, im Hospiz, bei einer Vorbereitungsgruppe für den Weltgebetstag der Frauen, dem Gemeinschaftstag einer evangelischen Ordensgemeinschaft, einer katholischen Grundschule, mit dementiell veränderten oder geistig behinderten Menschen, mit jüdischen Emigranten aus der ehemaligen Sowjetunion, bei der langen Nacht der Religonen, dem Spielmarkt in Potsdam, dem lebendigen Adventskalender im Sprengelkiez, die Rüstzeit für die hauptamtlichen Mitarbeiter eines evangelischen Kirchenkreises, mit alt gewordenen jüdische Menschen, die als Kinder im Versteck überlebt haben (child survivors)… All diese und viele andere Erfahrungen haben mir gezeigt, wie vielfältig Bibliolog einsetzbar ist. Ich denke, daß das Potential von Bibliolog noch lange nicht ausgereizt ist.

Frage 18: Bibliolog Jesus

Fragezeichengruppe 2… war eine Suchanfrage in den letzten Tagen.

Ich vermute, daß es um die Fragestellung geht, ob man im Bibliolog die Jesus-Rolle vergeben kann. Die Jesus-Rolle kann vergeben werden, wenn die menschlichen Aspekte im Mittelpunkt stehen (Jesus als Lehrer, Heiler …). Teilnehmende aus konservativen Gemeinden oder PfarrerINNEN fällt die Jesus-Rolle erfahrungsgemäß schwerer. Deshalb sollte man bei diesem Personenkreis besonders gut überlegen, ob man Jesus befragt oder nicht. Wenn man sie dennoch wählt, dann nicht als erste Rolle.

Wichtig ist auch, dass die Teilnehmenden eine Erfahrungsanalogie herstellen können, deshalb kann weder Jesus am Kreuz noch der auferstandene Jesus befragt werden. Wichtig ist auch, die Frage so zu stellen, dass sie nicht auf theologische Richtigkeiten abzielt (Jesus, was willst du deinen Jüngern damit sagen?).

Frage 17: Copyright Bibliolog

Copyright Zeichen… lautet eine Suchanfrage.

Wenn ich etwas erarbeitet habe und das öffentlich darbiete – egal ob in schriftlicher oder mündlicher Form – so ist das mein geistiges Eigentum. Das kann ein Vortrag sein, ein Unterrichtsentwurf, eine Stadtführung oder auch ein Bibliolog. Im Zeitalter von Internet und Copy & Paste (ich-mache-mir-zueigen-was-ich-mir-zu-eigen-machen-kann) ist das Bewußtsein dafür sehr gering entwickelt wenn nicht gar ganz verschwunden.

Manchmal passiert es – gern in kirchlichen Mitarbeiterkreisen aber nicht nur da – dass Leute bei Bibliologen mitschreiben wollen, um „die Fragen zu haben“. Sie denken, daß sie dann selber damit starten können, Bibliologe anzuleiten. Das wird aus zwei Gründen nicht klappen: Beim Bibliolog anleiten kommt es auf Haltungen und Grundfertigkeiten an, die nicht darüber erlernt und eingeübt werden, daß man ein paar Fragen mitschreibt, die ja wohl besonders gut sein müssen, weil der Bibliolog von einer Bibliolog-Trainerin angeleitet wird. An anderer Stelle habe ich schon geschrieben, daß Fragen zu einem Text auch von Gruppe zu Gruppe und von Situation zu Situation variieren. Aber der Hauptgrund, warum ich während eines Bibliologs niemals mitschreiben lasse, ist ein anderer: Wer mit Stift und Papier als Mitschreibender im Kreis sitzt, begibt sich in eine Beobachtersituation. Er / sie taucht nicht in den Text ein und bekommt so die wesentliche Dynamik eines Bibliologs nicht mit. Außerdem ist eine solche Beobachterposition auch für viele Teilnehmende störend. Die Folge kann sein, daß ein Bibliolog nicht richtig in Gang kommt.

Vielleicht zielt die Frage aber auch darauf ab, ob die Bezeichnung „Bibliolog“ geschützt ist im Sinne eines Markenbegriffes (Textmarke bzw. Wortmarke). Nein, Bibliolog ist nicht geschützt. Darüber gab es in den Anfängen der Bibliologbewegung unter Trainern und Trainerinnen eine kontroverse Diskussion. Die Mehrheit befand, daß doch in kirchlichen Kreisen die Menschen so sind, daß sie verantwortungsvoll damit umgehen und Bibliolog nicht anleiten bevor sie das solide gelernt und eingeübt haben werden. Dass diese Sichtweise zu optimistisch war, war damals – für die meisten – nicht vorauszusehen.

Da Bibliolog derzeit sehr populär ist, wird diese Bezeichnung immer wieder für anderes verwendet. Nicht überall wo „Bibliolog“ draufsteht, ist auch „Bibliolog“ drin. Das geht so weit, daß ich schon Teilnehmende in Grundkursen hatte, die Bibliolog anleiten lernen wollten und nach meinem Anfangsbibliolog feststellten, daß das, was ihnen als Bibliolog vermittelt worden war, was ganz anderes ist.

Wenn jemand durch Bibliolog inspiriert wird, noch mal eine eigene Form des Umgangs mit biblischen Texten zu entwickeln, dann finde ich das eine tolle Sache. Um der Klarheit willen sollte dafür eine andere Bezeichnung verwendet werden wie etwa „Bibel interaktiv“, inspieriert von Bibliodrama und Bibliolog und sehr geeignet besonders für die Arbeit mit Jugendlichen und Konfirmanden – zu finden auf der Seite des RPZ (religionspädagogischen Zentrum) Heilsbronn.

Frage 16: Bibliolog und Bibelübersetzungen

Hinter dieser Überschrift verbirgt sich die Fragestellung, ob es Bibelübersetzungen gibt, die besonders geeignet im Rahmen der Arbeit mit dem Bibliolog sind und anders herum gefragt: Gibt es auch Bibelübersetzungen, von denen (eher) abzuraten ist?

Folgende Leitfragen könnten bei der Entscheidung weiterhelfen:
-Was dient der Verständlichkeit des Textes, den ich mit einer Gruppe auslegen möchte möchte und zwar im Blick auf die spezielle (Ziel-)Gruppe, mit der ich den Bibliolog durchführe?
– Was sind meine eigenen Vorlieben?

1. Eigene Vorlieben:
Tur Sinai coverIch verwende sehr gern die Übersetzung von Naftali Herz Tur-Sinai, die in den 1920iger Jahren an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin entstanden ist. Sie ist für heutige Zuhörende, auch wenn sie nicht in einer religiösen Tradition geprägt sind, gut verständlich und sie ist gleichzeitig ganz nah am hebräischen Text dran auch was den Sprachrythmus betrifft. Bei der Arbeit mit christlichen Gruppen ist mir aufgefallen, daß die Tur-Sinai-Übersetzung als Übersetzung, die von jüdischen Übersetzern angefertigt wurde, sehr für sprachliche Eigenheiten sensibilisiert. Bei den Grundkursen werde ich sehr oft von den Teilnehmenden gefragt, was das denn für eine Übersetzung sei, die ich verwende und empfehle sie wärmstens.

Nur bei Bibliologen mit Psalmen mit christlichen Gruppen bin ich sehr vorsichtig mit der Tur-Sinai-Übertragung, denn besonders im evangelischen Bereich sind die Teilnehmenden sehr stark von der Übersetzung von Martin Luther geprägt. Da löst es oft große Irritationen aus, wenn die Textgestalt eine andere ist als die den Teilnehmern bekannte. Wenn es mir aber genau darauf ankommt, das Bekannte zu durchbrechen und die Teilnehmer durch eine andere Übersetzung zu neuen Wahrnehmungen anzuregen, dann umgehe ich mögliche Irritationen indem ich am Beginn der Hinführung darauf hinweise, warum ich heute eine andere als für die meisten gewohnte Bibelübersetzung mitgebracht habe und verwende und welche Chance darin liegen kann, einen Text durch eine andere Übersetzung noch einmal anders und neu zu hören und zu schmecken.

Buber-Rosenzweig schätze ich sehr und verwende ich gern zur Vorbereitung. Den Einsatz dieser Übertragung finde ich allerdings beim Bibliolog schwierig, denn Buber-Rosenzweig versteht man dann, wenn man schon weiß, was der Inhalt ist. Mit Zielgruppen, mit denen man philologisch am Text Bibliolog machen will und die entsprechend vorgebildet sind (Pfarrpersonen, Theologiestudierende) kann es durchaus reizvoll sein, mit der Buber-Rosenzweig-Übersetzung zu arbeiten, aber diese Zielgruppe dürfte eher der Ausnahmefall bibliologischen Arbeitens sein.

NGÜ CoverWenn ich Bibliologe zu Texten aus dem Neuen Testament (Evangelien oder Paulusbriefe) mache, was bei mir als Jüdin nur gelegentlich vorkommt, dann ist meine Lieblingsübersetzung die NGÜ (Neue Genfer Übersetzung). Ich finde sie gut verständlich, sprachlich brilliant und frisch. Da ich kein Griechisch kann, hilft mir der Anmerkungsapparat, der neben dem Bibeltext mitläuft, sehr und hat mich schon zu mancher Frage inspiriert.

2. Zielgruppe

Eine Leitfrage für mich wäre, welche Bibelübersetzung für die Zielgruppe besonders leicht zugänglich im Sinne von „Verständlichkeit“ ist und damit „niedrigschwellig“ ist. Das kann dann bei der Vorbereitung eines Bibliologs dazu führen, daß ich für eine evangelische Gemeindegruppe die Lutherübersetzung nehme, für eine katholische Fortbildungsgruppe die Einheitsübersetzung, bei einem Frauenseminar die „Bibel in gerechter Sprache“, für Jugendliche die „Gute Nachricht“ oder „Hoffnung für Alle“ – Übersetzung. Wenn eine Gruppe dann schon etwas Bibliolog-Erfahrung hat und ich bewußt nicht mit der ihr vertrauten Textgestalt arbeite, dann – siehe oben – erkläre ich das in der Hinführung als eine Chance, durch eine andere Übersetzung neue Nuancen zu entdecken.

Außerdem gibt es Spezialfälle, auf die ich so gut wie möglich einzugehen versuche. Wenn ich weiß, daß bei einer Seniorengruppe auch Menschen mit dementieller Veränderung dabei sein werden, dann ist es wichtig, die diesen Menschen vertraute Übersetzung zu nehmen oder die speziell für Menschen mit dementieller Veränderung entwickelte Bibelausgabe Getröstet und Geborgen-Bibel.

Kinderbibel Esben Hanefelt KristensenEin anderer Spezialfall sind Kinderbibeln für Kinder im Grundschulalter. Kinderbibeln sind dann bibliologtauglich, wenn sie möglichst viel weißes Feuer lassen, also möglichst wenig interpretieren und ausmalen, denn das schränkt den Raum der Auslegung ein. Auch sind Übertragungen nicht geeignet, in denen ein Tier (Esel) oder eine dritte Person eingeführt wird, die die biblische Geschichte erzählt. In christlichen Kindergruppen arbeite ich deshalb gern mit der Neukirchner Kinderbibel und bei älteren Grundschulkindern und auch mit geistig Behinderten – egal ob Kinder oder Erwachsene – noch lieber mit der – leider wenig bekannten – „Bibel – mit Bildern von Esben Hanefelt Kristensen“, die von Klaus Knoke ins Deutsche Übersetzt wurde und von der Deutschen Bibelgesellschaft herausgegeben wurde (Bild links). In jüdischen Kindergruppen oder beim Vertiefungskurs Midrasch arbeite ich mit einer jüdischen Kinderbibel von Abascha Stutschinsky (die Bibel für Kinder erzählt), die auch Material aus dem Midrasch enthält, aber leider nicht mehr im Buchhandel erhältlich ist. Außerdem gibt es im Internet eine neue Ausgabe der Tora für Kinder von Bruno Landthaler und Hanna Liss mit Pop-Up-Fenstern aus dem Raschi-Kommentar (die Seite ist noch in Entwicklung)

Bei zweisprachigen Gruppen, bei denen nicht alle Mitglieder gleichermaßen mit beiden Sprachen vertraut sind, verwende ich Übersetzungen beider Sprachen.

Bibliolog mit Objekten zu Genesis 16

Bibliolog mit Objekten zu Genesis 16

Kann man beim Bibliolog auch mit verschiedenen Bibelübersetzungen arbeiten? Beim Normalfall bibliologischen Arbeitens legt man mit einer Gruppe einen Text aus. Um gut in der Geschichte „drin“ zu bleiben, empfehle ich, es bei einer Übersetzung und damit bei einem Duktus zu belassen. Wenn man jedoch verschiedene Übersetzungsvarianten ins Spiel bringen will um Bedeutungsunterschiede zu thematisieren, sollte man sich einen besonders signifikanten Satz am Ende des Textes auswählen und dann die Verschiedenen Übersetzungsvarianten durch Stühle (Aufbauform Bibliolog mit Objekten) visualisieren, wobei man sich die Überleitung und die Frage sehr genau überlegen muß, damit die Teilnehmenden „im Text“ bleiben und nicht ÜBER den Text oder Übersetzungsvarianten reden.

Zum Weiterlesen:
Ab welchem Alter geht Bibliolog mit Kindern?
Schwarzes Feuer und weißes Feuer im Bibliolog

Frage 15: Bibliolog und Kasualien

Fragezeichengruppe 2Da ich mich für diese Frage nicht ausreichend kompetent fühle, war ich froh, sie im Rahmen des letzten Treffens der Berliner Regionalgruppe einbringen zu können. Deshalb hat es mit der Beantwortung auch etwas länger gedauert.

„Es gibt im Leben der meisten Menschen vier Ereignisse, bei denen sie mit Kirche in Berührung kommen können: Taufe, Konfirmation, Trauung und Bestattung. Zum einen werden diese Anlässe als so genannte Kasualien bzw. Kasualhandlungen bezeichnet (lat.: Kasus = Fall). Im Hintergrund steht ein Ereignis, die spezifische Lebenssituation. Zum anderen wird aber auch von „Amtshandlungen“ gesprochen. Darin kommt die Perspektive des Pastors/der Pastorin zum Ausdruck, wenn von ihm/ihr eine pfarramtliche, kirchliche Dienstleistung erbeten wird.“

heißt es auf der Seite der EKD unter Glaubens-ABC: Kasualien.

Ich weiß von einigen evangelischen Teilnehmenden von Grundkursen, daß sie Bibliolog im Rahmen von Gemeindegottesdiensten, in denen eine Taufe stattfand, angeleitet haben. Gern wird dann der Text von der Kindersegnung genommen. Mir wurde berichtet, daß das Echo der Familien der getauften Kinder darauf positiv war. Eine katholische Theologin wies beim Regionalgruppentreffen darauf hin, daß aufgrund des kirchlichen Rituals im katholischen Kontext ein Bibliolog während einer Taufe nicht vorstellbar sei.

Bei Trauungen und Bestattungen kann ich mir einen Bibliolog überhaupt nicht vorstellen, weil das Situationen sind, in denen Menschen gefühlsmäßig sehr aufgewühlt sind und den Zuspruch sowie die Unterstützung durch das Ritual brauchen und eigene kreative Erarbeitungen eine Überforderung wären.

Für mich war interessant, daß sich die anwesenden Pfarrerinnen und kirchlichen Mitarbeitenden darüber einig waren, daß bei Trauungen und Beerdigungen Bibliolog nicht geht. Es sind Übergangssituationen im Leben, bei denen es wichtig ist, daß die Pfarrperson die Betroffenen hindurch geleitet. Der Anlaß und die damit verbundene eigene Lebenssituation steht im Mittelpunkt. Deswegen kommen die Menschen und nicht wegen der Schriftauslegung.

Daran schloß sich noch ein Gespräch an, ob im normalen Sonntagsgottesdienst die Menschen wegen der Schriftauslegung kommen – wie im evangelischen Kontext idealtypisch angenommen wird. Plädiert wurde dafür, immer anzukündigen, wenn im Gottesdienst ein Bibliolog stattfindet, denn die Erwartungen der Gottesdienstbesucher an einen Sonntagsgottesdienst ist sehr unterschiedlich. Wer durch eine Predigt etwas gesagt bekommen und mitnehmen möchte oder auch wer die Predigtzeit als Raum sieht, den eigenen Gedanken nachzugehen, wird enttäuscht sein, wenn ein Bibliolog stattfindet. Interessant und neu war für mich der Hinweis, daß im evangelischen Sonntagsgottesdienst der Trend derzeit zu traditionellen Formen und Abläufen geht. Interaktive und andere kreative Formen, mit denen in den 1970iger Jahren und später experimentiert worden sei, seien nicht mehr gefragt. Wer danach sucht, nimmt eher andere Formen des Gottesdienstes wahr (Thomasmesse).

Auch im Hinblick auf den Konfirmationsgottesdienst herrschte Konsens, daß dieser nicht der geeignete Ort für einen Bibliolog sei im Gegensatz zu einem Konfirmandenvorstellungsgottesdienst und in anderen Formen der Konfirmandenarbeit (Gruppenstunden, Konfirmanden-Camps etc.)

Frage 14: Unterschied zwischen Bibliolog und Bibliodrama

Die Bibel ist ein Drehbuch.
Du versteht sie nur, wenn du mitspielst.
Es ist egal, welche Rolle du übernimmst:
ob du an der Rampe spielst
oder im Hintergrund, ob du Held bist
oder Gefangene, ob du Prophetin bist
oder Feldherr, ob du schweigst oder
redest, ob du deine Sätze
hinaussprudelst oder stotterst,
ob du deine Rolle kennst oder
an den Souffleurkasten gehst…

so beginnt ein Gedicht von Wilhelm Bruners, einem katholischen Priester und Bibliodramatiker. Ursprünglich hat er es über „Bibliodrama“ geschrieben, ich finde aber, daß es bis zu dieser Stelle auch für Bibliolog stehen kann. Bibliodrama und Bibliolog stehen in einem verwandtschaftlichen Verhältnis zueinander.

Bei beiden Zugaängen geht es darum, in den Text als Raum zu verstehen, in diesen Textraum einzutauchen und so Teil der Geschichte zu werden statt – wie in vielen anderen Ansätzen – ÜBER den Text zu sprechen, also in einer Außenperspektive zu bleiben. Eine zweite Gemeinsamkeit zwischen Bibliolog und Bibliodrama wäre, daß es bei beiden um Verlangsamung geht.

Beim Bibliodrama geht es um Texterschließung UND Selbsterfahrung, was längere Zeiträume und kleinere Gruppengrößen bedingt. Beim Bibliolog wird Selbsterfahrung nicht intendiert und thematisiert – außer die Teilnehmenden tun dies von sich aus. Deshalb ist Bibliolog auch in großen Gruppen (auch mit mehreren hundert Teilnehmern) und kürzeren Zeiträumen (zwanzig Minuten) möglich. Ich habe schon mit 180 Teilnehmenden bibliologisch gearbeitet.

Die Rolle des Leiters / der Leiterin ist im Bibliolog sehr viel direktiver. Im Bibliolog wählt immer die Leitung den Text und die Rollen aus. Auch das sonstige Vorgehen ist deutlich strukturierter durch „Echoing“ und „Interviewing“. Beim Bibliolog ist auch das Zuhören eine mögliche Teilnahmeform.

Bibliolog in der Grundform ist ein verbales Geschehen bei dem sich die Teilnehmenden mit biblischen Rollen (Personen, Gegenständen, Eigenschaften, Tieren) identifizieren und als diese sprechen, ihnen quasi Gedanken und Gefühle „leihen“ und zur Sprache bringen. Beim Bibliodrama setzt man sich zu einem biblischen Text in Beziehung indem man ihn ins Spiel bringt und – je nach Bibliodramaansatz – mit unterschiedlichen kreativen Medien arbeitet. Zentraler Bestandteil bibliodramatischen Arbeitens ist auch die Körperarbeit. Im Nachgespräch wird auch die Interaktion in der Gruppe und die Selbsterfahrung thematisiert. Auch ist es möglich, Gegentexte zu spielen, wohingegen ein Bibliolog immer am biblischen Text entlang läuft.

Beim Bibliodrama wählen die Teilnehmenden ihre Rollen selber aus. Auch die Wahl der Gottesrolle ist im Bibliodrama möglich. Im Bibliolog werden wenn überhaupt, dann nur Teilaspekte der Gottesrolle vergeben (Barmherzigkeit Gottes).

Daraus ergibt sich, daß das Erlernen der Bibliodramaleitung zeitaufwendiger (3 Jahre) ist als Bibliolog, dessen Anleitung in der Grundform sich in einer Woche erlernen läßt, wenn man gelernt hat mit Texten zu arbeiten und auch mit schwierigen Gruppensituationen umgehen kann.

Der Dachverband für Bibliodrama ist in Deutschland die „Gesellschaft für Bibliodrama“ (GfB) und für Bibliolog das „Europäische Netzwerk Bibliolog“ (siehe Blogroll). Die Zeitschrift „Textraum“ der GFB, die halbjährlich erscheint, publiziert auch zahlreiche Artikel zum Themenbereich Bibliolog. Es gibt auch ein Themenheft (32/1 aus dem Jahr 2010) zum „Nachdenken über das Verhältnis von Bibliolog und Bibliodrama“, das bei der GfB als Einzelheft bestellt werden kann.

Zum Sprachgebrauch noch ein Hinweis: Was in Deutschland „Bibliolog“ genannt wird, heißt in Amerika Bibliodrama. Das deutsche „Bibliodrama“ läuft in Amerika unter „bibliotherapy“.

Im Deutschlandradio gibt es einen Kurzbeitrag über Bibliodrama (ca 9. Minuten) von Thomas Klatt und zwar hier zum Hören und Nachlesen. Einen Magazinbeitrag von 8 Minuten über den Bibliolog unter dem Titel „in die Lücken des Textes gucken“ findet man auf der Seite vom Deutschlandradio hier