Alle Jahre wieder …

Logo vom Sprengelkiez für das Faltblatt vom lebendigen Adventskalender … und dieses Jahr zum 11. Mal gibt es im Sprengelkiez den LEBENDIGEN ADVENTSKALENDER, der interkulturell und interreligiös ist. Jeden Tag öffnen sich an ein oder zwei Orten im Kiez die Türen. Das Gesamtprogramm mit allen Veranstaltungen findet man hier.

Am Mittwoch, den 4. Dezember um 19.30 h wird es wieder einen Abend zum jüdischen Lichterfest Chanukka mit Geschichten, Kulinarischem und einem Bibliolog geben. Wir zünden acht Kerzen an.

Wer schon weiß, dass er / sie kommen möchte, möge eine kurze Mail an bibliologberlin (klammeraffe) googlemail (punkt) com schreiben. Das erleichtert die Essensplanung. Wer spontan kommt, ist genauso willkommen. Wer mag, kann sich an der kulinarischen Vorbereitung beteiligen (Obst, Säfte …).

Chanukka beim lebendigen Adventskalender
Mi 4. Dezember 19.30 h
Sprengelhaus
Sprengelstraße 15 (2. Hof, Veranstaltungsraum 2.OG)

Sufganiot

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Aschura: das Festmahl von Noach

Asure

Asure

Gestern haben Muslime das Aschura-Fest gefeiert. Aus diesem Anlaß haben wir uns bei der interreligiösen Bibliolog-Werkstatt mit Noach (im Islam: Nuh) beschäftigt.

Aschura kommt vom Wort „zehn“, bezieht sich auf den 10. Tag des Monats Muharrem, an dem Allah zehn Propheten seine Gnade erwiesen hat. Noach (islam. Nuh) landete an diesem Tag mit der Arche auf dem Berg Ararat. Aus den Resten an Körnern und Trockenfrüchten, die sich in der Arche befanden, wurde ein Festmahl bereitet und unter den Bewohnern der Arche geteilt. Diese Speise – Asure genannt (Foto links) – hat sich auf wundersame Weise vermehrt. Sie wird von Muslimen am Aschura-Tag zubereitet. Auch am Ende unseres Bibliologs zur Noach-Geschichte gab es eine Kostprobe davon. Übrigens kennen auch armenische Christen dieses Gericht, bringen es aber nicht mit Noah in Verbindung. Bei ihnen gibt es diese Süßspeise aus Weizen, weißen Bohnen, Kichererbsen, Reis, Zucker, Orangenschale, Milch und verschiedenen Trockenfrüchten und Nußsorten an Neujahr bzw. zum armenischen Weihnachtsfest am 6. Januar.

Die Geschichte von Noah ist sehr bekannt und so prägen ganz unterschiedliche Bilder unsere Wahrnehmung. Bibliolog bietet die Chance, genau zu schauen, was im Text steht und welche Vorstellungen wir in den Text eintragen bzw. wie unterschiedlich die Sichtweisen in den verschiedenen religiösen Traditionen sind. Der Imam, der sein Interesse bekundet hatte, kam leider nicht. So haben wir mit der Textvorlage gearbeitet, wie sie sich im ersten Buch Mose (Bereschit) findet und einige Elemente aus den Midraschim rund um die Noach-Geschichte herangezogen.

So legt jüdische Schriftauslegung einen Schwerpunkt darauf, daß Noach – im Gegensatz zu Abraham – nicht mit Gott verhandelt hat sondern geschwiegen hat. Es war ein langes Schweigen, denn der Bau der Arche dauerte 120 Jahre, wobei diese Zeitdauer auch als Chance für die Bewohner der Erde gesehen wird, von ihrem schlechten Lebenswandel abzulassen. Wir sind diesem Schweigen des Noach nachgegangen und wollten wissen, was es zu sagen hat. Die Anweisung an Noah „fruchtbar zu sein“ und sich „zu mehren“ (Kap. 8,16) hat eine Parallele zu den Worten am Garten Eden „fruchtet und mehret euch“ – übrigens das erste Gebot in der Torah. Was bedeutet es für Noach, dass Gott mit diesen Worten zu ihm spricht?

Interessant war für mich die Reaktion einer säkularen Teilnehmerin, die meinte: „Damit dieser Neuanfang gelingen kann und es nicht wieder schief geht, wäre es gut, wenn wir einige Gebote hätten.“ Mit diesem Gedanken lag sie ganz auf der Linie der traditionellen rabbinischen Auslegung, die in den sieben noachidischen (Geboten Verbot von Mord, Verbot von Diebstahl, Verbot von Götzenanbetung, Verbot von Unzucht, Verbot von Grausamkeit gegen Tiere, Verbot von Gotteslästerung, Gebot der Einführung von Gerichten als Ausdruck der Wahrung des Rechtsprinzips) eine Grundlage sieht. Jeder Nichtjude, der diese sieben Gebote einhält, wird – aus jüdischer Sicht – Anteil an der kommenden Welt haben.

Der Koran hingegen geht davon aus, daß Noah sehr viel unternommen hat, um seine Mitmenschen zur Änderung ihres ungerechten Lebenswandels zu bewegen. Sieht das Christentum Noah als Schweigenden oder als Sprechenden?

Das nächste Treffen der interreligiösen Bibliolog-Werkstatt findet am Mittwoch den 4. Dezember um 19.30 h zu Chanukka statt.

interreligiöse Bibliolog-Werkstatt November 2013: Noach und das Aschura-Fest

Regenbogen Das nächste Treffen der interreligiösen Bibliolog-Werkstatt findet am Mittwoch 13. November um 19.30 h im Sprengelhaus statt.

An diesem Tag, dem 10. im ersten Monat des muslimischen Jahres, feiern Muslime das Aschura-Fest. Es erinnert an die Landung der Arche auf dem Berg Ararat und die Errettung Noachs. An diesem Tag wird eine besondere Süßspeise „Aschure“ zubereitet.

Als Noachs Arche auf dem Berg Ararat landete, sollte es ein Festessen geben, um die Errettung zu feiern. Da es nach der langen Zeit in der Arche nur noch wenige Lebensmittelvorräte gab, mischten die Bewohner der Arche alles, was sie noch hatten, zusammen und kochten so ein Festessen, das sich durch die Gnade Gottes vermehrte. Das Besondere an diesem Essen ist, dass viele verschiedene Zutaten, wie Sultaninen, Walnüsse, Feigen, Weizen, Orangen, Bohnen, Granatäpfel, Kichererbsen, Datteln und getrocknete Aprikosen verarbeitet werden.

Wir werden bibliologisch die Noach-Geschichte erschließen wie sie in der Torah (1. Buch Mose / Bereschit) steht. Jede/r Interessierte ist eingeladen. Auch eine kulinarische Kostprobe wird es geben. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich aber auch nicht hinderlich. Eine Spende für die Raumnutzung wird erbeten. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Das interkulturelle Stadtteilzentrum Sprengelhaus befindet sich im Wedding in der Sprengelstrasse 15 (U 9 Amrumer Strasse / U 6 Leopoldplatz).

Zum Weiterlesen und -hören:
Interreligiöse Bibliolog-Werkstatt im Deutschlandradio

interreligiöse Bibliolog-Werkstatt im Deutschlandradio Kultur

Signet Deutschlandradio„In die Lücken des Textes gucken – Bibelauslegung mit jüdischen Wurzeln“ hat Thomas Klatt seinen Beitrag für die Sendung „… aus der jüdischen Welt“ genannt, der am 16. August ausgestrahlt wurde. Hier kann man den Sendetext nachlesen und den Beitrag (8 Minuten) hören.

Lange Nacht der Religionen 2013

Achtung: Im Gemeindebrief der Kirchengemeinde Gropiusstadt-Süd ist leider ein falsches Datum reingerutscht. Deshalb hier die Ausschreibung mit dem richtigen Datum:

Screenshot

Screenshot

Das Programm der „Langen Nacht der Religionen“ am Samstag 17. August 2013 mit 99 Veranstaltungsorten ist online.

Auch die interreligiöse Bibliolog-Werkstatt wird sich daran beteiligen – diesmal in Neukölln.

Programm ab 19.00 Uhr:
Familienkonflikte im Haus von Abraham / Ibrahim, Sarah und Hagar

Bibliolog mit Objekten Abraham Sarah Hagar Jischmael

Bibliolog mit Objekten

Mit einer bibliologischen Familienerkundung gehen wir an einzelnen Lebensstationen und Konflikten entlang und versuchen herauszufinden, was dieses religiöse und kulturelle Erbe für uns heute bedeutet, und wie wir seine Potenziale für ein friedliches Miteinander fruchtbar machen können.

Immer zur vollen Stunde – zuletzt um 21.00 Uhr – beginnt ein Bibliolog. Der letzte Bibliolog um 21.00 Uhr wird etwa 1 1/2 Stunden sein und ist ein „Bibliolog mit Objekten“.

Evangelisches Gemeindezentrum Gropiusstadt-Süd (Apfelsinenkirche)
Joachim-Gottschalk-Weg 41
12353 Berlin

Anfahrtsmöglichkeit
U7 Wutzkyallee

Besuch vom Deutschlandradio Kultur

Signet Deutschlandradio Vorgestern hatten wir bei der interreligiösen Bibliolog-Werkstatt Besuch von Deutschlandradio Kultur. Thomas Klatt, der vor einiger Zeit eine sehr informative Sendung über Bibliodrama gemacht hat, war gekommen.

Ich war sehr gespannt, wie sich das Mikrofon und die Aufnahmetechnik auf den Prozeß des bibliologischen Arbeitens auswirken würde. Die Technik wurde so diskret gehandhabt, daß sie für mich während des Bibliologs in den Hintergrund trat. Das Nachgespräch wurde nicht aufgenommen, denn dort werden oft sehr persönliche Gedanken und Einsichten formuliert und miteinander geteilt. Zum Abschluß gab es kurze Statements von Teilnehmenden, warum sie an der interreligiösen Bibliolog-Werkstatt teilnehmen und was das Besondere für sie daran ist.

Der Text für unser gemeinsames Arbeiten war das erste Kapitel aus dem Buch Ruth, der sich an diesem Abend in dieser Gruppe als Text über den Prozeß des Trauerns der drei Frauen und wie unterschiedlich sie mit dieser Trauer umgehen, entfaltete.

Die Erstausstrahlung ist für Freitag 14. Juni um 18.07 im Rahmen der Sendung „jüdisches Leben“ geplant, kann aber aus aktuellen Gründen verschoben werden.

Gewalt-Texte im Bibliolog

Im Nachgespräch der interreligiösen Bibliolog-Werkstatt zu den „drei Jünglingen im Feuerofen“ (Daniel Kap. 3) kam die Frage auf, ob dieser Text überhaupt bibliologtauglich ist wegen der doch sehr gewalttätigen Bilder von der Szene im Feuerofen und den Wächtern, die dabei umkommen.

Die Frage ist sehr berechtigt und ich denke, daß dieser Text nur in sehr speziellen Situationen angeleitet werden sollte. Meist ist es ja im kirchlichen Kontext so, daß Bibliolog gemacht wird um ein Thema zu eröffnen und in den wenigsten Fällen angekündigt wird. Da Bibliolog davon lebt, daß die persönliche Erfahrungsebene bei den Teilnehmenden angesprochen wird, muß die Leitung immer im Blick haben, daß bei Teilnehmenden mit entsprechenden Vorerfahrungen Erinnerungen und Gefühle aktiviert werden, die im Rahmen des bibliologischen Geschehens nicht bearbeitet werden können – weil der Rahmen dafür fehlt.

Die interreligiöse Bibliolog-Werkstatt unterschiedet sich davon, weil hier schon immer im Voraus das Thema angekündigt ist und sich die Teilnehmenden bewußt entscheiden, an diesem Abend zu kommen.

Die Verantwortung der Leitung im Prozeß des bibliologischen Geschehens hat Peter Pitzele folgendermaßen beschrieben:

„Bibliolog entwickelt einen Teil seiner Kraft aus dem Nährboden der persönlichen Geschichte, die unterhalb unserer aktiven Interpretation liegt. Es ist weder meine Aufgabe als Leitung, diese tieferen Schichten der Erinnerung und der persönlichen Geschichte an die Oberfläche zu zerren, noch, sie deutlicher zu machen, als die Betreffenden es freiwillig anbieten. Es ist aber auch nicht meine Aufgabe, diese Informationen zu unterdrücken. Meine Aufgabe ist es, dem Prozess zu vertrauen und durch meine Leitung und die von mir gesetzten Schranken sicherzustellen, dass diese Arbeit in interpretativem Spiel, die den Text und die Person miteinander verwebt, weder den Text noch die Person verletzt.“ (Scripture Windows, Übersetzung: Iris Weiss)

Wenn in einer besonderen Situation ein solcher Text bearbeitet wird, ist es wichtig die Fragen so zu formulieren, daß nicht in die Gewaltszene hinein gefragt wird, sondern die Gewaltszene wird erzählend zusammengefaßt oder vorgelesen. Sie bildet keinesfalls den Schwerpunkt des Bibliologs. In unserem Bibliolog ging es um Identität, Widerstand, Macht, Zivilcourage und Mitmachen gegen bessere Überzeugung. Ich hatte diesen Bibliolog nicht bewußt für den 30. Januar geplant, aber da er an diesem Tag stattfand, spielte in unserem Nachgespräch die Machtübernahme von Adolf Hitler und wie man nach der Schoah diesen Text lesen und verstehen kann, eine zentrale Rolle.

Texte, in denen ein Gewaltgeschehen eine zentrale Rolle spielt, sind nicht bibliolog-tauglich (z.B. „Opferung“ Isaaks, Kain und Abel (Brudermord), Vergewaltigung der Dinah oder Jephthas Tochter)