Bibliolog meets Enneagramm

enneagramDas Enneagram ist als Persönlichkeitsmodell (Neun Gesichter der Seele) in den letzten dreißig Jahren im deutschsprachigen Raum populär geworden. Ein Enneagramm-Seminarleiter hat mir letzte Woche erzählt, daß er bei seinen Enneagramm-Workshops gerne auch mit Bibliolog arbeitet. Seine Lieblingsgeschichte in diesen Seminaren ist die von der Heilung der zehn Aussätzigen (Lukas 17,11 ff).

Er bittet die Teilnehmenden sich nach den Persönlichkeitstypen, denen sie sich zuordnen in Gruppen zusammenzusetzen. Dann befragt er sie als Geheilten, der weggeht, sich den Priestern zeigt und nicht zu Jesus zurückkehrt, was ihn dazu bewegt, so zu handeln. Danach werden die Teilnehmenden als der eine Geheilte befragt, der zu Jesus zurückkehrt. Eine schöne Form, diese beiden Zugänge miteinander zu verbinden.

 

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Kollege Kamel: Bibliolog mit geistig behinderten Menschen

4E6A8295Zwei Jahre habe ich gelegentlich eine Wohngruppe geistig behinderter Erwachsener besucht und dabei auch die Gelegenheit gehabt Bibliolog anzuleiten. Der Grad der Behinderung und die Sprachfähigkeit war sehr unterschiedlich. Da ich nur gelegentlich da war, half es mir sehr, daß immer eine Mitarbeiterin dabei war, die dann, wenn ich die sprachlichen Äußerungen nicht verstanden habe, dolmetschen konnte.

Ganz wichtig war ein flauschiges Steiftierkamel, das ich vor einigen Jahren im Basar von Istanbul gekauft hatte. Das Kamel liebten die Teilnehmenden sehr. „Wie heißt der?“ war eine der ersten Fragen, die mich in Verlegenheit brachte. „Gimel“ sagte ich spontan, weil mir nichts besseres einfiel – der dritte Buchstabe im hebräischen Alpabeth. Gimel wurde sehr geliebt und mußte immer eine ausführliche Begrüßungsrunde machen. Da Gimel als Kamel ein Tier aus der Bibel war, war klar, daß er bei allen biblischen Geschichten dabei war und sie miterlebt hat. Alles wurde aus seiner Perspektive erzählt: Egal ob Gimel hinter Abrahams Zelt graste oder mit den Weisen aus dem Osten auf dem Weg nach Jerusalem war oder gerade in Jericho genau von dem Baum Blätter naschte, in dem Zachäus saß als Jesus vorbei kam.. Wer dann auf eine Frage antworten wollte, durfte Gimel nehmen. So war auch immer klar, wer gerade dran war. Am Schluß mußte Gimel eine ausführliche Abschlußrunde drehen und versprechen bald wiederzukommen.

Bibliolog zu Fronleichnam

10 Tage nach Pfingsten feiert die katholische Kirche das Fronleichnamsfest. Wer in einer katholisch geprägten Gegend lebt, kennt wahrscheinlich die Fronleichnamsprozessionen. Die Bibel-teilen-Gruppe der Canisiuskirche hat mich am Vorabend zu Fronleichnam zu einem Bibliolog eingeladen.
Wir werden einen Bibliolog zum Evangelium des Tages, der Speisung der Fünftausend machen und diesen Text zum vorgegebenen Text aus dem ersten Testament in Verbindung bringen, nämlich Genesis 14,18-20 dem Segen Melchisedeks an Abraham.
Diese Bezugnahme hat eine antijudaistische Auslegungstradition, der wir uns widmen werden.
Die Bibel-teilen-Gruppe ist eine offene Gruppe. Wer Interesse hat, kann auch gerne einmalig zu diesem Treffen dazukommen.
Mittwoch 25. Mai um 19.45 beginnt der Bibliolog – also direkt nach der Abendmesse (Beginn 19.00 h). Der Bibliolog findet im Kinderraum statt. Der Zugang ist vom Kirchenraum aus – direkt hinter der Orgel.
 Die Canisiuskirche befindet sich in der Witzlebenstraße 30
(U 7 Sophie Charlotte Platz)

Blogparade: Fastenzeit, die plurale Gesellschaft und ich

Wortwolke Fastenzeit via wordle.net

Am Aschermittwoch hat für Christen die Fastenzeit / Passionszeit / österliche Bußzeit begonnen. Das DURCHGEDACHT-Blog ruft deshalb zur Blogparade auf. Um folgende Fragestellungen soll es gehen:

– Was bedeutet die Fastenzeit für mich?
– Wie begehe ich selbst die Fastenzeit? Aus welcher Motivation tue ich dies?
– Ist die Fastenzeit für mich in jedem Jahr dasselbe oder setze ich immer wieder einen neuen Fokus?
– Habe ich durch die Pluralisierung der Gesellschaft bereits Veränderungen in meinem persönlichen Empfinden und Verständnis der Fastenzeit bemerkt?
– Ist die Fastenzeit auch heute in einer pluralen Gesellschaft von Relevanz? Wenn ja, in welcher Form? Wenn nicht, warum?

Wenn euch diese Fragen ansprechen und ihr euch Gedanken zum Thema „Fastenzeit in säkularer, pluraler Gesellschaft“ machen wollt, möchte ich euch sehr gerne dazu einladen, an meiner Blogparade teilzunehmen! Ihr dürft dabei auch gerne von den Fragen abweichen – die Fragen sind nicht verpflichtend, sondern sollen nur eine Hilfe zur Strukturierung sein.

Weitere Infos und Beitrag auf dem DURCHGEDACHT-Blog und zwar hier

Blogevent Linsen: Jakobs und Esaus Linsengericht mit Spinat und Granatapfelkernen

Blog-Event XCVI - Linsen (Einsendeschluss 15. März 2014)

1 x umrühren bitte hat zum „Blogevent Linsen“ aufgerufen, das heißt es werden in der gut vernetzten Foodblogger-Szene Linsengerichte in allen Varianten und Schattierungen gesammelt. Weil wir uns im Rahmen der interreligiösen Bibliolog-Werkstatt gerade mit „Essen und Trinken in der Bibel“ (mit vergleichenden Abstechern in den Koran) beschäftigen hoffe ich auf Verständnis bei der Leserschaft, daß ich quasi fremd gehe unter die Foodblogger.

Das erste Buch Mose (Bereschit) erzählt uns im 25. Kapitel, wie es dazu kam, daß Esau, der erstgeborene Sohn Jakobs seinem jüngeren Zwilling Jakob das Erstgeburtsrecht abgibt:

Als Esau einmal erschöpft nach Hause kam, hatte Jakob gerade Linsen gekocht. »Gib mir schnell etwas von dem roten Zeug da, dem roten«, rief Esau, »ich bin ganz erschöpft!« Daher bekam Esau den Beinamen Edom. Jakob sagte: »Nur wenn du mir vorher dein Erstgeburtsrecht abtrittst!« »Ich sterbe vor Hunger«, erwiderte Esau, »was nützt mir da mein Erstgeburtsrecht!« »Das musst du mir zuvor schwören!«, sagte Jakob. Esau schwor es ihm und verkaufte so sein Erstgeburtsrecht an seinen Bruder. Dann gab ihm Jakob eine Schüssel gekochte Linsen und ein Stück Brot. Als Esau gegessen und getrunken hatte, stand er auf und ging weg. Sein Erstgeburtsrecht war ihm ganz gleichgültig. (Gute Nachricht Übersetzung)

Ich haßte als Kind Linsen, die es nur als braune Tellerlinsen gab. Ich verstand nie, wie Esau so bescheuert sein konnte, sein Erstgeburtsrecht für ein Linsengericht sausen zu lassen. Als vor einigen Jahren das Linsensortiment in den Läden immer größer wurde, wollte ich noch einen Versuch starten, ob es irgendeine Sorte gibt, die mir schmeckt. Und rote Linsen gehören inzwischen zu meinen Favoriten, auch weil man sie nicht einweichen muß und sie eine kurze Kochdauer haben.

Aus der Bibel wissen wir nichts über die genauen Zutaten und wie Jakob das Linsengericht zubereitet hat. Aus der Erzählung von Jakob und Esau kann man keine Rezepte ableiten. Dazu sind die Angaben zu sparsam. Ich habe mich für ein Projekt einmal ausführlich mit Pflanzen in der Torah beschäftigt. Daraus resultiert das Wissen um die botanischen Gegebenheiten und welche Pflanzen in der Lebenswelt von Jakob und Esau vorkamen.

Folgende Zutaten werden für zwei reichliche Portionen benötigt:

160 g rote Linsen (1 große Tasse)
2 – 2 ½ Tassen Gemüsebrühe
250 g Blattspinat TK
½ Bund Lauchzwiebel
½ Zwiebel
2 EL Olivenöl
100 g saure Sahne
100 g Hirtenkäse (Feta / Schafskäse)
4 EL Granatapfelkerne
Salz
Pfeffer
1 ½ – 2 TL Za’atar (Gewürzmischung aus Ysop, Sumach, Sesam und Salz; gibt es im Weltladen oder libanesischen Lebensmittelgeschäften)

Zubereitung:

Linsen in der Gemüsebrühe bißfest kochen kochen und zur Seite stellen.

Blattspinat ausdrücken und grob hacken.

Lauchzwiebel und Zwiebel fein würfeln. Hirtenkäse zerbröseln oder würfeln.

Saure Sahne und den zerbröckelten Fetakäse gründlich vermischen. Mit Salz, Pfeffer und Za’atar würzen.

Olivenöl in einem Topf erhitzen. Lauchzwiebeln und Zwiebeln leicht anbraten bis sie glasig sind und. Linsen, Spinat und das saure Sahne- Hirtenkäse-Gewürze-Gemisch zu den (Lauch-)Zwiebeln geben und unterrühren, erhitzen und evtl. nachwürzen.

Soviel Gemüsebrühe hinzufügen, daß man die Konsistenz hat, die man bevorzugt im Spektrum zwischen Suppe und Eintopf

Mit Granatapfelkernen bestreuen und servieren.

Variante 2:
Za’atar durch (getrocknete) Minze und die Granatapfelkerne durch kleine Würfel getrockneter Aprikosen (6 – 8 Stück) ersetzen: Nach Zufügen der Aprikosen das Gericht noch einige Minuten durchziehen lassen. Guten Appetit!

Linsengericht

Linsengericht von Jakob und Esau


Food-Fotografie ist definitiv nicht meine Stärke. Deshalb gibt’s das Bild erst nach der Beschreibung.

Wenn es Ende April in der interreligiösen Bibliolog-Werkstatt um den „Geschwisterneid und Geschwisterstreit von Esau und Jakob“ geht, werden wir den Abend wahrscheinlich mit diesem Essen beginnen.

Warum die meisten biblischen Kochbücher, die derzeit im Buchhandel erhältlich sind, untauglich sind, habe ich in zwei Rezensionen hier und hier beschrieben.