Frage 21: wichtig zu beachten bei bibliolog …

Fragezeichengruppe 2… war eine der Suchanfragen im März. Am Häufigsten wird nach konkreten Bibliologbeispielen gesucht – und gleich danach geht es darum, was man bei der Durchführung von Bibliologen besonders beachten soll. Nur: So allgemein kann man das nicht sagen. Anregungen und Rückmeldungen können sich immer nur auf eine konkrete Person, die in einer bestimmten Situation mit einem bestimmten Text arbeitet, beziehen. Deshalb vermute ich, daß keine befriedigende Antwort auf diese Anfrage gefunden wurde und auch nicht gefunden werden kann.

Der eine spricht beim Echoing so leise, daß er kaum verstanden wird. Die andere stellt Fragen, die aus dem Text herausführen. Der Dritte stellt sich zu nah zu den sprechenden Personen und ignoriert alle körpersprachlichen Signale der Teilnehmenden, die deren Unbehagen deutlich machen. Die Vierte macht keine Hinführung, sondern erklärt wie Bibliolog geht und schlägt dann die Bibel auf. Der Fünfte stellt die Fragen in der falschen Zeitform und wundert sich, warum die Teilnehmenden irritiert sind. Der sechste macht eine weitschweifige Rollenzuschreibung und wundert sich, warum die Teilnehmenden nicht in die Rolle finden. Der siebte erfaßt nicht das Anliegen, das die Teilnehmenden äußern, sondern benutzt deren „Material“ als Ausgangspunkt für eigene kreative Gestaltungen. Die achte stellt geschlossene oder suggestive Fragen. Der neunte läßt Schlüsselworte unter den Tisch fallen. Die zehnte geht mit ihren Fragen hinter die Geschehnisse der Geschichte zurück. Der elfte erfaßt die emotionalen Anteile von Teilnehmeräußerungen nicht…

Das, was bei der Erarbeitung und Durchführung eines Bibliologs zu beachten ist, ist so unterschiedlich wie die Personen, die Bibliolog anleiten.

Jedes professionelle Handeln mit und an Menschen – sei es medizinisch, pflegerisch, beratend, lehrend, therapeutisch, seelsorgerlich – kann nicht durch Lektüre erlernt werden, sondern braucht Vermittlung, Begleitung und Rückmeldung (neudeutsch: Feedback) von jemand, der es bereits kann. Menschen sind keine Möbel vom blaugelben Möbelhaus, die man nach Montageanleitung zusammensetzen kann.

Bibliolog wirkt auf den ersten Blick einfach, ist aber ein hoch komplexes Geschehen, das eine gute Balance zwischen Text, Gruppe und Prozeß erfordert. Deshalb die sehr nachdrückliche Empfehlung, die dafür erforderlichen Fähigkeiten im Rahmen eines Bibliolog-Grundkurses zu erlernen.

Warum es im Internet keine Entwürfe oder Vorlagen für Bibliologe gibt

 

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Bibliolog-Grundkurs im Kloster Alexanderdorf

 

Alexanderdorf

Screenshot Kloster Alexanderdor

Von 15.- 19. Februar 2016 wird es wieder einen Bibliolog-Grundkurs im Benediktinerinnenkoster Alexanderdorf südlich von Berlin geben.

Die Arbeitszeiten werden so liegen, daß eine Teilnahme an den Stundengebeten möglich ist. Das Besondere an den Kursen im Kloster Alexanderdorf ist, daß das Spektrum der Teilnehmenden sehr groß ist (katholisch, evangelisch, freikirchlich, jüdisch, Haupt- und Ehrenamtliche aus unterschiedlichen Berufsgruppen).  Jede/r Teilnehmende erarbeitet einen Bibliolog für das eigene Handlungsfeld.

Wenn diese Bibliologe am Donnerstag vorgestellt werden, sind auch Schwestern und Gäste des Klosters dabei. Dies ermöglicht eine realistischere Einschätzung des eigenen bibliologischen Handelns als wenn die Kursteilnehmer bei der Vorstellung der Bibliologe unter sich bleiben.

Hier die Kontaktdaten:

15. Februar – 19. Februar 2016

Bibliolog-Grundkurs im Kloster Alexanderdorf (südlich von Berlin)
Infos und Anmeldung:
Abtei St. Gertrud
Kloster Alexanderdorf
Klosterstraße 1
15838 Am Mellensee

Telefon: (033703) 916-0
Fax: (033703) 916-214
http://www.kloster-alexanderdorf.de
email: gaestehaus (ät) kloster-alexanderdorf.de

Weihnachten: christlich und interreligiös mit Bibliolog

„Matthäus oder Lukas“ fragte mein buddhistischer Mitbewohner als wir uns bereit erklärt hatten, den zweiten Teil der jährlichen Weihnachtsfeier unserer internationalen, interkulturellen und interreligiösen Wohngemeinschaft vorzubereiten. Mit vielen Gästen würden wir an die dreißig Menschen aus vier Kontinenten (nur Australien fehlt) und unterschiedlichen religiösen und weltanschaulichen Traditionen sein (christlich, muslimisch, jüdisch, buddhistisch und säkular).

Zwei Mitbewohnerinnen (katholisch und evangelisch) würden uns eine Stunde auf Advent einstimmen: Sehnsucht und Erwartung. Dann wären wir dran mit Weihnachten. Schon in der letzten Woche haben zwei Mitbewohner die Koran-Suren vorgetragen, die sich auf die Geburt von Jesus (Isa) beziehen: Maria, die unter einer vertrockneten Dattelpalme Zuflucht findet, die dann zum Blühen kommt und Früchte abwirft: Was für ein schönes Bild.

Nun aber die Frage: „Lukas oder Matthäus“ – für mich bündelt sich darin die Frage: Eher die Perspektive von Maria (Lukas) oder von Josef (Matthäus)? Was ich nicht wollte, war ein Sammelsurium aus beidem, sondern die Geschichte verständlich(er) machen und vertiefen durch die Konzentration auf eine Perspektive und einen Raum eröffnen für Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen und Religionen – egal wie gut oder schlecht sie deutsch verstehen und sprechen.

Josef, der träumt und die Geschichte einer Flucht: Die Bilder aus den Nachrichten vergangener Monate legen für mich die Erzählung des Matthäus nahe und auch die Tatsache, daß ein großer Teil der mit uns Feiernden eigene Fluchterfahrungen hat. Auch Matthäus, dem das erste Evangelium zugeschrieben wird, soll ein Flüchtling in Syrien gewesen sein.

Im Adventskalender vom „Doppelblog“ fand ich einige Gedichte, die mich ansprachen und eines, das mir passend erschien als Hilfe zur Hinführung für den Bibliolog. Da ich nicht wußte, wer unter unseren Gästen sein würde und wie das deutsche Sprachverständnis sein würde, stellte ich mich darauf ein, eventuell den Bibliolog um zwei Fragen zu kürzen und zweisprachig anzuleiten.

Für die Hinführung entschloß ich mich, den Schwerpunkt auf Matthäus zu legen, der als Geflüchteter in Syrien lebt und einer Gruppe der Jesus-Bewegung, die dort lebt, das Leben von Jesus nahe bringen will. Es sind Juden, an die er sich wendet. Deshalb kann er die Kenntnis der Torah voraussetzen und nimmt Moses und das Exodusgeschehen als Modell für die Jesusgeschichte, die er niederschreiben will.

Durch einen Stammbaum vermittelt er die Herkunft von Jesus über Josef und erzählt dann die Geschichte von der Geburt. Im Traum erscheint dem Josef ein Engel, der ihm die Anweisung gibt Maria zu sich zu nehmen und das Kind, das sie gebären wird, Jesus zu nennen. Ich lade die Runde der Weihnachten feiernden in die Rolle des Josef ein, der nach diesem Traum aufwacht. Die Worte des Engels klingen in ihm nach. Wie hört er das in seiner Situation?

Die Geburt von Jesus wird kurz und knapp erzählt. Dann ist von gelehrten Männern, Sterndeutern aus dem Osten, die Rede. Sie machen sich auf einen langen Weg. Was bringt sie dazu, sich auf diesen weiten Weg zu machen, der mit vielen Strapazen verbunden ist? Die Atmosphäre in der Gruppe ist sehr konzentriert und dicht. Die Notwendigkeit zu übersetzen und in zwei Sprachen zu arbeiten stört überhaupt nicht. Was bewegt die besuchten Eltern angesichts der Fremden, die bei ihnen ankommen und der Gaben, die sie mitbringen?

Und wieder träumt Josef. Ein Engel gibt ihm die Anweisung mit Mutter und Kind nach Ägypten zu fliehen um das Kind zu retten. In diesen Aufbruch frage ich hinein. Bewegend ist, wie eigene Aufbruchserfahrungen von Geflüchteten hörbar werden können im Schutz der Geschichte.

Mein Mitbewohner hatte sich mit der Person des Josef befaßt, der in der christlichen Tradition neben Maria eher blass und unscheinbar wegkommt, was von seiner Darstellung im Matthäusevangelium nicht abgedeckt ist. Er hört auf seine Träume und tut im Alltag, was dran ist. Der biblische Josef als „Nährvater“ von Jesus könnte für heutige Männer anregend sein. Dann bekamen wir noch eine Geschichte aus der Zen-Tradition erzählt, in der ein Zen-Meister sich in einer ähnlichen Situation wie Josef befand.

Da die Zeit schon fortgeschritten war, verschoben wir die Koran-Sure, in der die Geburt von Jesus erzählt wird, auf einen späteren Zeitpunkt. Eine Lied-Rezitation, die von dieser Sure inspiriert ist, findet sich auf dem Blicktausch-Blog.

Zum Weiterlesen:
Der Doppelblog-Adventskalender ist hier
Einen Radio-Beitrag über die WG gibt es hier

 

 

 

 

Aufbaukurs: Bibliolog mit nicht-narrativen Texten

Kurzfristig für nächste Woche – also vom 26. bis 30. Oktober 2015 -sind im Kloster Alexanderdorf südlich von Berlin zwei Plätze für die Teilnahme am Aufbaukurs Bibliolog mit nicht-narrativen Texte frei geworden. Vielleicht hat eine/r Zeit und Lust einzusteigen.

Bibliolog ist ein Weg in Gemeindegruppen, im Religionsunterricht, im Gottesdienst oder in der Erwachsenenbildung gemeinsam einen biblischen Text auszulegen. Im Gruindkurs werden die elementaren Methoden vermittelt und mit erzählenden Texten geübt. Der Bibliolog hält allerdings noch mehr Möglichkeiten bereit.

Im Aufbaukurs „Bibliolog mit nicht-narrativen Texten“ werden wir die Grundfertigkeiten vertiefen und dazu anregen, den Bibliolog durch weitere Elemente noch reicher zu gestalten.

Dieser Kurs eignet sich für alle, die bereits einen Grundkurs „Bibliolog“ erfolgreich (mit Zertifikat) absolviert haben und Erfahrungen mit dem Bibliolog in der eigenen Praxis gesammelt haben.

Anhand von anschaulichen Beispielen, Kurzvorträgen und vielen praktischen Übungen werden wir die folgenden Schwerpunkte behandeln:

– Bibliolog mit Psalmen, Briefen, prophetischen Texten, Weisheitsliteratur, Gesetzestexten (Levitikus), Reden (Bergpredigt) und Gleichnisworten
– Vertiefung der eigenen Bibliologpraxis
– Erschließung jüdischer Perspektiven zu einzelnen Texten


Nähere Infos bei Schwester Ruth Lazar (OSB)
ruth.lazar (at) kloster-alexanderdorf.de
Abtei St. Gertrud, Alexanderdorf
Klosterstraße 1
15838 Am Mellensee
Telefon: (033703) 916-256
Mobil: (0176) 99038585 oder (0151) 25883318
Fax: (033703) 916-214
http://www.kloster-alexanderdorf.de

Bibelsprengeltag: Blicke wechseln – biblische Bilder von Juden und Christen

Nach einem längeren Diskussionsprozeß hat die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers auf der Landessynode 2013 beschlossen, ihre Verfassung zu ergänzen. Dies bedeutet eine Neubestimmung im Verhältnis zum Judentum.

Im Artikel 1 Absatz 1 heißt es:
Für die Erhaltung und Förderung der rechten Verkündigung des Wortes Gottes und der stiftungsgemäßen Darreichung der Sakramente sind die Landeskirche und die Kirchengemeinden mit ihren Gliedern, Amtsträgern und Organen verantwortlich.

Dies wird in Absatz 2 konkretisiert:
Diese Verantwortung verpflichtet zum Zeugnis in der Öffentlichkeit, zur Wahrnehmung des Missionsauftrages der Christenheit in aller Welt und zum Dienst der helfenden Liebe.

Die Synode hat nun Absatz 2 um den folgenden Zusatz erweitert:
Zeugnis, Mission und Dienst erfolgen in Gemeinschaft mit anderen christlichen Kirchen und im Zeichen der Treue Gottes zum jüdischen Volk.

Im Artikel 4, in dem es in den ersten drei Absätzen um die strukturelle Einbindung in die EKD und die Zusammenarbeit mit christlichen Kirchen in aller Welt und die Mitgliedschaft im Ökumenischen Rat der Kirchen geht, wurde Absatz 4 hinzugefügt:

Die Landeskirche ist durch Gottes Wort und Verheißung mit dem jüdischen Volk verbunden. Sie achtet seine bleibende Erwählung zum Volk und Zeugen Gottes. Im Wissen um die Schuld unserer Kirche gegenüber Juden und Judentum sucht die Landeskirche nach Versöhnung. Sie fördert die Begegnung mit Juden und Judentum.

Um diesen Änderungen in der kirchlichen Praxis Rechnung zu tragen, veranstaltete der Sprengel Hannover am 10. Oktober den Workshoptag „Blicke wechseln – biblische Bilder von Juden und Christen„, der sich an Ehrenamtliche und Hauptamtliche der unterschiedlichen Berufsgruppen (ReligionslehrerINNEN, DiakonINNEN, ErzieherINNEN, PastorINNEN …) richtete.

Im Ausschreibungstext heißt es:
Die Bibel ist eine Quelle des Miteinanders und zugleich schärfster Auseinandersetzung von Juden und Christen.
Die hannoversche Landeskirche hat ihre Verfassung ergänzt:
„Gottes Wort verbindet Juden und Christen unauflösbar.“
Was hat das für Auswirkungen
– auf unser Verständnis der Bibel?
– auf unser christlich-jüdisches Miteinander?
– auf unsere Bewertung aktueller Konflikte um Israel?
Der BibelSprengelTag soll im Gedankenaustausch mit VertreterInnen des Judentums Anregungen und Gelegenheiten zum Gespräch und für die eigene Arbeit mit der Bibel in Gemeinden, Kindergärten und Schulen geben.

Am Nachmittag gab es dreizehn Workshop-Angebote wie etwa biblische Motive in Spielfilmen, antijudaistische Motive in Kinderbibeln, jüdische Liturgie an Feiertagen, Christentum und Judentum in Theologie und Kunstgeschichte … (weitere Workshop-Beschreibungen sind hier)

Ich war eingeladen worden, zwei Workshops anzubieten, die zeigen sollten, wie Bibliolog unterschiedliche Zugänge zu heiligen Texten sichtbar machen und so zum gegenseitigen Verständnis beitragen kann.

Im ersten Workshop bot ich eine bibliologische Familienerkungung an: Familienkonflikte im Haus Abrahams, Sarahs und Hagars

Abraham - Hagar - Jischmael - Sarah

Abraham – Hagar – Jischmael – Sarah

Mit einer bibliologischen Familienerkundung gehen wir an einzelnen Lebensstationen und Konflikten entlang und versuchen herauszufinden, was dieses religiöse und kulturelle Erbe für uns heute bedeutet, und wie wir seine Potenziale für ein friedliches Miteinander fruchtbar machen können. lautete mein Ausschreibungstext.

Als die Anfrage vor einigen Monaten kam, konnte ich noch nicht wissen, wie aktuell das zweite Thema – Gastreundschaft – zum Zeitpunkt des Workshops sein würde:

Im Zelt von Abraham und Sarah: Was Torah (Genesis 18), Midrasch, Neues Testament und Koran erzählen.

Mit Bibliolog lernen wir die unterschiedlichen Sichtweisen der verschiedenen Religionen kennen und loten aus, was dieses religiöse und kulturelle Erbe für uns heute bedeutet, und wie wir seine Potenziale für ein friedliches Miteinander fruchtbar machen können

Bei beiden Workshops waren die Teilnehmerinnen (es waren keine Männer gekommen) sehr engagiert dabei und brachten sich beim anschließenden Austausch sehr persönlich ein. Ich war erstaunt, was in dieser einen Stunde möglich war. Dennoch war die einhellige Meinung der Teilnehmenden, daß es – auch für die anderen Workshops – besser gewesen wäre, mindestens 1 1/2 Stunden zur Verfügung zu haben.

Bibliolog und Exerzitien auf der Straße in Flensburg


In der zweiten Augusthälfte hatte ich die Gelegenheit 10tägige Exerzitien auf der Straße mit Christian Herwartz (SJ), Klaus Mertes (SJ) und Beatrix Jessberger, einer reformierten Pfarrerin aus der Schweiz zu begleiten, weil eine andere Begleiterin krank geworden war. Der Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit hat über diese Straßenexerzitien einen Artikel verfaßt, der mir gut gefällt.

Für mich waren diese Tage eine besondere Erfahrung, weil Flensburg der Ort ist, an dem ich im letzten Jahr selbst erstmals an 10tägigen Straßenexerzitien teilgenommen habe und danach inzwischen mehrmals Exerzitien auf der Straße begleitet habe. In Plötzensee konnte ich dann im Frühjahr erstmals zum Abschluß der Straßenexerzitien einen Bibliolog durchführen und zwar zur Emmausgeschichte. Die Fragen habe ich dabei so entwickelt, daß sie den Prozeß der Straßenexerzitien in den Blick genommen und verdichtet haben (mehr dazu hier).

Seitdem hat mich die Frage beschäftigt, wie es wäre und welche Auswirkungen es hätte, wenn mehrere Impulse auch in bibliologischer Form von den Teilnehmenden aufgenommen werden würden. Bei den Straßenexerzitien ist der erste Impuls, der von der Leitung gegeben wird ein Vers aus der Geschichte von der Aussendung der Jünger (Lk 10 Vers 4):

„Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Sandalen. Haltet euch unterwegs nicht mit langen Begrüßungen auf“.

Verbunden wird diese Anweisung von Jesus an seine Jünger mit der Empfehlung an die ExerzitienteilnehmerINNEN zu schauen, wie sie mit ihrem Geldbeutel, ihren Vorratstaschen umgehen wollen, was ihnen gut tut zurückzulassen (Handy, Bücher etc.) und welche Schuhe sie ausziehen müssen, um offen für die Berührung mit dem heiligen Boden zu werden (Schuhe des Weglaufens, des Herabsehens auf andere …) und welche Höflichkeitsgebote (grüßt niemand) sie beiseite lassen wollen.

In der zweiten Phase der Straßenexerzitien wird die Geschichte von Moses am brennenden Dornbusch (Exodus 3 / Schemot Kap 3) eingeführt um den eigenen G-ttesnamen zu finden. In der Schlußphase beim Übergang in den Alltag wird die Emmausgeschichte (Lukasevangelium Kap 21) entfaltet. Neben diesen drei Impulsen, die immer vorkommen, ist es von den Prozessen in der Gruppe abhängig, welche anderen Texte noch zur Sprache gebracht werden.

Meine Überlegung war, daß es wenig sinnvoll ist, wenn die Texte erstmals den Teilnehmenden vorgestellt werden dies in Form eines Bibliologs zu tun, denn der Bibliolog setzt auf Diversität. Und was ansonsten seine Stärke ist, könnte hier die Teilnehmenden von ihren eigenen Themen, die von den Geschichten berührt werden, ablenken. Aber abends, wenn es vor dem Abendessen einen spirituellen Impuls in unterschiedlichen Formen gibt, könnte der biblische Impuls nochmals über einen Bibliolog aufgenommen werden. An dieser Stelle würde durch die Unterschiedlichkeit der Teilnehmenden und ihres Erlebens durch die biblische Rolle, in der sie sprechen, die Wahrnehmeng des Textes für die Einzelnen eine Vertiefung und Erweiterung erfahren.

So habe ich die Geschichten vom brennenden Dornbusch, von Hagar, die in die Wüste flieht (Genesis 16 / Bereschit Kap 16) und den Weg nach Emmaus bei abendlichen Treffen als Bibliolog eingebracht. Die gemeinsame Auslegung der Texte auf diese Weise, die von den Erfahrungen, die die einzelnen tagsüber auf ihren Wegen durch Flensburg gemacht hatten, war von einer außergewöhnlichen Dichte und Tiefe. Einige, die schon mehrmals an Straßenexerzitien teilgenommen hatten, erzählten mir, daß – so nahmen sie es wahr – auch der Austausch in den abendlichen Kleingruppen durch die Bibliologe noch andere Zugänge und Facetten anschaubar und besprechbar machten und so der Austausch insgesammt durch die Bibliologe gewonnen habe.

Mich hat es jedenfalls ermutigt, auf dieser Strecke weiterzumachen.

Mehr zu Exerzitien auf der Straße steht hier.

interreligiöse Bibliolog-Werkstatt nach der Sommerpause

Auch in Berlin hat die Schule wieder angefangen. Nächste Woche geht es weiter mit den monatlichen Treffen der interreligiösen Bibliolog-Werkstatt. Das Jahresthema „Geschichten von Scheitern und Neubeginn“ werden wir mit der Geschichte des Brüderpaares Jakob und Esau weiterführen.

9. September 19.30 h: Jakob und Esau (Gen 32 / 1 BM Kpitel 32)
14. Oktober 19.30 h: entfällt
11.November 19.30 h: Miriam und Aaron im Konflikt mit Moses – Miriams Aussatz (4 Mose / Numeri 12 )
9. Dezember 19.30 h: Chanukka-Feier mit Bibliolog

interkulturelles Stadtteilzentrum Sprengelhaus, Sprengelstraße 15, 13353 Berlin
Der Veranstaltungsraum befindet sich im 2. Hof in der 2. Etage

Die nächsten Termine sind dann am:
14. Oktober, 11. November, 9. Dezember