Aufbruch: Bibliolog in der Studentengemeinde – dreisprachig

Eigentlich ist ein Bibliolog mit Studierenden nichts besonderes im Sinne einer speziellen Herausforderung. Als Zielgruppe sind sie offen für neue ihnen unbekannte Formen des Umgangs mit der Bibel. Aber dieser Abend war auf eine ganz unerwartete Weise anders. Für das Semesterferienprogramm hatten sich die evangelische und die katholische Studierendengemeinde zusammengetan und miteinander sieben Abende zum Rahmenthema „Aufbruch“ geplant. Ich war eingeladen, einen Bibliolog zum Anfang der Abrahamsgeschichte zu halten: „Lech lecha -Zieh hinaus – geh zu dir – geh für dich!“

Durch eine relativ ausführliche Vorstellungsrunde wurde klar, daß die ausländischen Studierenden aus afrikanischen und asiatischen Ländern in der Mehrzahl waren und die Verteilung der Sprachkenntnisse und Sprachniveaus so war, daß wir uns nicht auf zwei Sprachen einigen können würden.

Glücklicherweise hatten wir einen Computerzugang, sodaß es möglich war, den Text, den ich auf deutsch mitgebracht hatte noch auf englisch und französisch auszudrucken. Und so ließ ich mich auf das Experiment ein, einen Bibliolog dreisprachig anzuleiten und spontan auf vier Rollen zu kürzen, was aufgrund der Übersetzungsarbeit dann doch auf eine Stunde hinauslief. Bis auf eine Person haben sich alle beim Bibliolog und auch beim Nachgespräch beteiligt.

Erstaunt hat mich, daß der skeptische Abraham überwog, der überlegte, ob er wirklich losgeht oder nicht. Mehrere ausländische Studierende äußerten sich in die Richtung, daß doch da irgendwas mit der Familie nicht in Ordnung ist, wenn jemand in diesem Alter noch weggeht. Ich hatte die Rolle einer Nachbarin angeboten, die mit anderen im Gespräch ist über Abram und Sarai, die vor zwei Wochen in ein neues Leben aufgebrochen sind.

Dass jeweils in zwei Sprachen übersetzt wurde, hat nicht gestört. Es wurde auch nicht als zu langsam erlebt sondern eher als Möglichkeit, durch die Unterschiedlichkeit der Sprachen mehr Nuancen wahrzunehmen. Etwa nach einer Viertelstunde des Nachgesprächs kam ich an meine persönliche Grenze: Ich konnte auf einmal nicht mehr übersetzen. Gut, daß ein Student da war, der auch in den drei Sprachen in der Lage war zu übersetzen.

Leider hatte ich die Tur-Sinai-Übersetzung dabei, die ich wegen ihrer Genauigkeit liebe. Besser wäre eine einfachere Übersetzung zugunsten der Verständlichkeit gewesen: Hoffnung für Alle zum Beispiel. Beim Echoing war es wichtig, daß es in einer Sprache erfolgt, die der Person, die sich geäußert hat, versteht. Wenn die Gruppe nicht zu groß ist und sich alle von der Lautstärke her verstehen können, dann muß man nicht unbedingt die Äußerung auch noch in der Ausgangssprache wiederholen, sondern kann gleich auf eine zweite Sprache gehen, muß sich aber durch Blickkontakt rückversichern können, daß man richtig verstanden hat. Deshalb ist es in der Vorstellungsrunde wichtg, im Gedächtnis zu behalten, wer welche Sprache versteht.

Insgesamt war der Abend sehr dicht und tief und die Freude, daß jede/r jeden Beitrag verstehen konnte, überwog obwohl wir „nur“ die ersten acht Verse miteinander erkundet hatten.

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Zu Gast bei Abraham und Sarah …

M. Chagall: Abraham und die drei Engel

M. Chagall: Abraham und die drei Engel

… war das Thema beim Treffen der interreligiösen Bibliolog-Werkstatt zum Jahresthema „Essen und Trinken in den religiösen Schriften von Juden, Christen und Muslimen“ am letzten Mittwoch. Die Geschichte von den drei Männern, die Abraham besuchen ((Bereschit / Genesis 18)) war der Ausgangspunkt unserer bibliologischen Erkundung. Unsere bibliologische Zeitreise führte uns dann zu einer Gemeinde der Jesusbewegung, die verfolgt wurde, weil sie sich weigerten, die römischen Götter anzubeten. In einer Gemeindeversammlung wird eine Predigt vorgelesen und Abraham und Sarah werden ihnen als Vorbilder vorgestellt (Hebräerbrief Kap. 11). Was bedeutet es, in dieser Situation Gastfreundschaft zu leben (Hebräer 13,1-2) und die Aufforderung zu hören: „Vergesst nicht, gastfrei zu sein. Durch ihre Gastfreundlichkeit haben einige, ohne es zu wissen, Engel bei sich aufgenommen.“

Der nächste Haltepunkt auf unserer Zeitreise ist in Jerusalem. Nach der Zerstörung des zweiten Tempels (70. d. Z.) fragen sich die Rabbinen, was der Grund für die Zerstörung des Tempels durch die Römer ist. Ein Versuch EINER Antwort ist die Geschichte von einem Gastgeber (Talmud, b. Git. 55-56), der ein großes Festmahl ausrichtet. Der Diener soll seinen Freund Kamtza einladen und überbringt die Einladung versehentlich an den Feind Bar Kamtza. Dieser kommt zum Festmahl und wird vom Gastgeber rausgeworfen, obwohl er anbietet sein Essen, nein sogar die Hälfte der Kosten des Festessens und dann sogar die ganzen Kosten zu übernehmen. Der zurückgewiesene Gast bekommt eine Audienz beim römischen Kaiser und berichtet diesen von einer Verschwörung der Juden in Jerusalem gegen Rom. Kurz darauf – so endet die Geschichte – beschließt der römische Kaiser die Zerstörung von Jerusalem.

Auch der Koran kennt die Begegnung von Abraham mit den drei Engeln (Sure 51 Vers 24 – 30) und ist die letzte Station an diesem Abend. Eine muslimische Teilnehmerin hat einige Gedanken zu „Engeln im Islam“ vorbereitet, die unsere Runde bereicherten. Die Teilnehmenden waren sich einig, daß über den Blick auf die Wahrnehmung der jeweils anderen Traditionen neue Facetten für das eigene Verständnis erlebbar und sichtbar wurden.

Schon bei der Vorbereitung wurde deutlich, daß es im Rahmen einer Abendveranstaltung nur möglich ist, dieses Thema anzureisen. Für viele Midraschim über die außerordentliche Gastfreundschaft Abrahams wie sie etwa im Midrasch Bereschit Rabba erzählt werden, hatten wir keine Zeit. Deshalb wird es eine Fortsetzung und Vertiefung im Rahmen der Langen Nacht der Religionen am Samstag den 6. September geben. Unter dem Motto: „Bibliolog meets Scriptural Reasoning“ werden wir diese beiden Zugänge für das interreligiöse Gespräch fruchtbar machen und verschiedene Aspekte weiterführen und vertiefen. Wer dazu kommen möchte ist herzlich eingeladen. Man kann immer zur vollen Stunde dazukommen.

Sa 6. September 2014 um 18.30 h:
Lange Nacht der Religionen
Bibliolog meets Scriptural Reasoning
Zu Besuch bei Abrahams und Sarah: Was Torah, Midrasch, Neues Testament und der Koran erzählen
((Bereschit / Genesis 18 / Hebräer 11 / Sure 11 + 51))
Hephatha Gemeinde, Fritz-Reuter-Allee 130, 12359 Berlin (Neukölln)

interreligiöse Bibliolog-Werkstatt 2014: Essen und Trinken in Heiligen Schriften

In kleiner Runde – vermutlich durch das winterliche Wetter bedingt – trafen wir uns gestern zur ersten interreligiösen Bibliolog-Werkstatt 2014 machten wir eine Zeitreise über 2600 Jahre zurück ins babylonische Exil, trafen Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen und erkundeten, welche Bedeutung Psalm 104 für sie gehabt haben könnte. Die nächste Station unserer Zeitreise war bei Rabbi Meir und seiner Frau Beruriah, die im zweiten Jahrhundert unserer Zeit unter römischer Besatzung lebten. Von ihnen wird folgende Geschichte erzählt:

In der Nachbarschaft von Rabbi Meir und Brurja gab es sittenlose Gesellen, über die sich Meir sehr ärgerte. Deshalb betete er darum, dass Gott diese bösen Nachbarn verflucht und sterben lässt. Er denkt dabei an einen Psalmvers, in dem es heißt, dass die Frevler von der Erde verschwinden sollen (Psalm 104 Vers 35) Brurja aber sagt zu ihm: “Bete nicht, dass sie sterben, bete nicht gegen sie, sondern bete für sie, bete darum, dass sie sich bekehren. Denn so ist es gemeint, wenn der Psalm sagt: Die Frevler sollen verschwinden von der Erde.” Da betete Meir für sie und sie kehrten in Reue um. (nach Berachot 10a)

© Werner Bühler / 54516 Wittlich

© Werner Bühler / 54516 Wittlich

Anschließend besprachen wir noch, was ein Rahmenthema für die Bibliolog-Werkstatt in diesem Jahr sein könnte. „Psalmen“ war ein Votum, „aber nicht immer“ ein anderes. „Essen und Trinken in der Heiligen Schriften“ wurde genannt. So verbinden wir beides beim nächsten Treffen:

Mi 26. Februar 19.30 h: Vom gefüllten Becher und dem gedeckten Tisch im Angesicht der Feinde (Psalm 23)

26. März 19.30 h: Zu Gast bei Abraham und Sarah: Was Torah, Midrasch, Neues Testament und Koran erzählen (Bereschit / Genesis 18 / Hebräer 11 / Sure 11 + 51)
Mi 23. April 19.30 h: Geschwisterneid – Geschwisterstreit: Jakob und Esau
Mi 21. Mai 19.30 h: Elia wird versorgt von Raben und von der Witwe von Zarpat
Mi 25. Juni 19.30 h: „Ich muß heute in deinem Haus zu Gast sein“ -Jesus zu Gast beim Zolleintreiber Zachäus (Lukas 17)
Sommerpause
25. – 29. August: interreligiöser Bibliolog-Grundkurs im Sprengelhaus

Mi 17. September 19.30 h: Vom Hunger im Exil (Jesaja 55)
29. Oktober: Thema noch offen
Mi 19. November 19.30 h: Hungersnot, Flucht und Heimkehr: Noemi und ihre Schwiegertöchter
Mi 17. Dezember 19.30 h: Ein Ölwunder und das jüdische Lichterfest Chanukka

interkulturelles Stadtteilzentrum Sprengelhaus
Sprengelstrasse 15
13353 Berlin (Wedding);
Kostenbeitrag für Raumnutzung nach Selbsteinschätzung erbeten

Wo einst der Tempel in Jerusalem stand …

Screenshot: Videoblog tagesschau.de

Screenshot: Videoblog tagesschau.de

… steht heute der Felsendom. Dort, wo der Felsen ist, ist nach jüdischem Verständnis der Ort, an dem G-tt die Welt erschaffen hat und Abraham seinen Sohn Isaak opfern wollte. Von dort aus soll Mohammed nach der muslimischen Tradition in den Himmel aufgefahren sein.

Ein Videoblog der Tagesschau-Redaktion „Zwischen Mittelmeer und Jordan“ erschließt diesen Ort oberirdisch, unterirdisch und mit Videoanimationen sowie seine Bedeutung in Judentum Christentum und Islam.

Unterirdisch kann man noch Orginalsteine vom Tempel in voller Größe sehen. Dort war an der Westmauer auch der Marktplatz, wo Jesus die Händler vertrieb. Das Video ist sehr informativ und dauert etwa siebeneinhalb Minuten.

Frage 2: beliebteste Texte für Bibliologe

Seit ich diesen Beitrag gepostet habe, kommen 80 Prozent der Suchanfragen, die auf diesem Weblog landen, von Leuten, die anscheinend nach Bibliolog-Entwürfen suchen. Warum solche Bibliolog-Vorlagen im Internet nicht zu finden sind, habe ich hier beschrieben.

Was sind die beliebtesten Texte für Bibliolog-Anfänger?
Die folgenden Texte werden am häufigsten für erste Bibliologe gewählt:

aus der Hebräischen Bibel:
Eva und die Schlange (Genesis 3)
Noah baut eine Arche und die Flut kommt
Ruth, Noemi und Orpa (Ruth 1)
Jona und seine Berufung (Jona 1)
Jona in Ninive (Jona 3)
Abraham und Sarah ziehen nach Kanaan
Abraham und Lot trennen sich
Eliezer sucht für Isaak eine Frau und begegnet Rebekka am Brunnen
Esau verkauft sein Erstgeburtsrecht
Jakobs Kampf am Jabok
https://bibliologberlin.wordpress.com/2011/03/30/warum-es-im-internet-keine-vorlagen-oder-entwurfe-fur-bibliologe-gibt/
Jakob und Esau
die mutigen Hebammen Schifra und Puah und die Geburt von Moses
– Moses und sein Schwiegervater Jitro
der Auszug aus Ägypten (Passafest – Pessach)
– Samuels Berufung im Heiligtum von Silo (Schilo)
– Elia und die Witwe von Sarepta / Zarpat

aus dem Neuen Testament:
Maria besucht ihre Kusine Elisabeth
– der Besuch der drei Weisen aus dem Morgenland zur Geburt von Jesus
der zwölfjährige Jesus im Tempel
die Hochzeit von Kana
Berufung der Jünger
Jesus bei Martha und Maria in Bethanien
die Kindersegnung
– die Salbung in Bethanien von Jesus durch die Frau
– der Verrat von Petrus
zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus
– Heilung des blinden Bartimäus und andere Blindenheilungen
die Heilung der zehn Aussätzigen
– Heilung des Gelähmten, der von seinen Freunden zu Jesus gebracht wird und durch das Dach gelassen wird
– Heilung der gekrümmten Frau
– Heilung des fallsüchtigen Knaben / Jungen
Heilung am Teich Bethesda
– Speisung der 4000 bzw 5000 – wunderbare Brotvermehrung
– – der Fischzug des Petrus
Einzug von Jesus in Jerusalem
– die drei Frauen am leeren Grab von Jesus
Jesus beruft den Zöllner Levi
– der Vater und die beiden Söhne (der verlorene Sohn)
– das Gleichnis vom großen Gastmahl
das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg
Jesus zu Gast beim Zöllner Zachäus
– die Stillung des Sturmes
– Jesus und seine wahren Verwandten
Paulus und Silas im Gefängnis
– die Purpurhändlerin Lydia läßt sich taufen
der Hauptmann von Kaparnaum