Neues Aufbaukurs-Modul: Bibliolog mit biblischen Erzählfiguren

Im November hat die Konferenz der Bibliolog-Trainerinnen und Trainer beschlossen, daß ein neues Aufbaukursmodul eingeführt wird. Neben „Bibliolog mit nicht-narrativen Texten“, „Bibliolog mit Objekten“, „Encounter“ und „Sculpting“ wird als fünfte Variante „Bibliolog mit biblischen Erzählfiguren“ angeboten.

Vor zwei Jahren war ich eingeladen auf drei Fortbildungswochenenden für Gottesdienstbeauftragte der Diözese Berlin mitzuwirken. Das Rahmenthema waren die Begegnungen im Advent, wie sie im Lukasevangelium in den ersten beiden Kapiteln erzählt werden. Sie sollten erschlossen werden mit Bibliolog und biblischen Erzählfiguren. Den Teilnehmenden waren biblische Erzählfiguren bekannt, weil die zuständige Referentin aus dem Ordinariat immer wieder damit arbeitet. Bibliolog war für alle neu, wobei einige Bibliodrama-Vorerfahrung hatten.

Mich hat sehr beeindruckt, welche Differenzierungsmöglichkeiten die Kombination von Bibliolog und Erzählfiguren ermöglicht. Beim „Bibliolog mit Objekten“ kann durch Stühle Nähe und Distanz dargestellt werden, ob Menschen einander zugewandt oder abgewandt sind. Durch die Erzählfiguren wird noch eine zusätzliche, eine Tiefendimension eröffnet: Blickrichtungen, Berührungen, Gesten und Hierarchien können dargestellt werden und so können die unterschiedlichen Bilder, die Teilnehmende von einer biblischen Situation haben, thematisiert werden. Das emotionale Ausdruckspotential, das die Erzählfiguren ins Spiel bringen, erweitert das bibliologische Repertoire enorm. Diese Arbeitsform ist in der Gesamtgruppe möglich, aber auch in Teilgruppen kann gut mit diesem Zugang gearbeitet werden.

Manchmal sagen Bilder mehr als Worte. Deshalb stelle ich einige Fotos ein, die ich an diesen Wochenenden gemacht habe. Die Begegnungsgeschichten, die dazu gehören (Lukasevangelium Kapitel 1 und 2) können hier nachgelesen werden.

Zacharias Engel 1Zacharias Engel 2
Zwei Sichtweisen: Verheißung der Geburt Johannes des Täufers an Zacharias

Verkündigung 1Verkündigung 2
Zwei Sichtweisen: Die Ankündigung der Geburt von Jesus an Maria durch den Engel

Maria Elisabeth 2Maria Elisabeth2
Zwei Sichtweisen: Begegnung von Maria und Elisabeth

Anschließend wurden die einzelnen Szenen, die in verschiedenen Kleingruppen erarbeitet worden waren, zu einem Adventsweg gestellt:

Begegnungsgeschichten: Weg durch den Advent

Bibliolog und biblische Erzählfiguren: Weg durch den Advent


Danach hatten die Teilnehmenden Zeit, im Tagungshaus und der Umgebung unterwegs zu sein und wahrzunehmen, ob es einen Gegenstand gibt, der sie besonders anspricht in dem, was sie gerade bewegt und den sie dann dazulegen möchten.

Davon habe ich keine Fotos gemacht, was ich nachträglich interessant finde. Ich erinnere mich, daß ich die Teilnehmenden sehr als „bei sich“ erlebt habe als sie Orte für ihre Gegenstände und Symbole suchten und sich das, was sie bewegte, in der anschließenden Austauschrunde mitteilten. In den Gegenständen kam sehr viel katholische Volksfrömmigkeit speziell Marienfrömmigkeit zum Ausdruck.

Ich erinnere mich, daß ich es als schmerzhaft empfand und sehr ambivalent war, weil es sich – für mein Empfinden – vom Text weg bewegte. Man könnte es genauso als katholischen Midrasch interpretieren. Es wurde ganz handfest und konkret durch die Gegenstände deutlich, wie spätere kirchliche Traditionsbildungen die Wahrnehmung der biblischen Geschichte prägen und beeinflussen.

Ich erinnere mich an eine ältere Frau, die mir gegenüber stellenweise sehr aggressiv reagierte, weil sie ihr Bild von Maria in Frage gestellt sah. Sie hatte sich viel mit einer italienischen Mystikerin beschäftigt, deren elfbändiges Werk ihr sehr wichtig war und das sie besser kannte als die neutestamentlichen Texte. Nach ihrer Vorstellung hat Maria immer in der Nähe des Tempels gelebt. Deshalb könne das, was ich über Maria sage, nicht der Wahrheit entsprechen. Keine intellektuelle Diskussion hätte diese Frau, die von der italienischen Mystikerin geprägt war, erreicht. Durch die Bibeltexte, Bibliolog und die Erzählfiguren wurde deutlich, wie sehr sie ins Nachdenken kam.

Noch jetzt zwei Jahre später denke ich gerne an diese drei Wochenenden zurück.

Zum Weiterlesen::
Ein Beispiel, wie im Unterricht mit Erzählfiguren gearbeitet werden kann – ohne Bezug zu Bibliolog – ist hier.

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Aufbaukurs nicht-narrative Texte in Köln

Von Mo 12. November bis Fr 16. November 2012 biete ich in Köln an der Melanchthon-Akademie einen Bibliolog-Aufbaukurs nicht-narrative Texte an.

Ich habe vor vier Jahren mit dieser viertägigen Kursform begonnen. Meist werden Aufbaukurse über zwei Tage angeboten. Bei den nicht-narrativen Texten läuft das darauf hinaus, daß die Arbeit mit Briefen und mit Psalmen vermittelt wird.

In der viertägigen Form ist es außerdem möglich, mit Reden, prophetischen Texten und Bildern, Weisheitsliteratur und Gesetzestexten zu arbeiten und verschiedene Varianten zu zeigen, wie mit diesen Textformen gearbeitet werden kann, sodaß sie eine ganz neue Lebensnähe und Dynamik entfalten Außerdem ist auch der Raum dazu da, über die bisherige eigene Bibliolog-Praxis seit dem Grundkurs zu reflektieren, auszutauschen und sich Anregungen zu holen. Am Ende nimmt jede/r Teilnehmende einen Bibliolog für das eigene Arbeisfeld mit.

Voraussetzung für die Teilnahme ist der Bibliolog-Grundkurs und eigene Erfahrungen im Anleiten von Bibliologen. Ein guter Anhaltspunkt ist, ob man beim Anleiten flüssig das Interviewing umsetzen kann.

Besonders angesprochen sind natürlich Leute aus Köln und Umgebung. Da außer Montag alle Abende frei sind, können auch gut Menschen teilnehmen, die aufgrund ihrer familiären Situation nicht über eine Woche wegfahren können. Wer von weiter her kommt, kann in der Melanchthon-Akademie nach Gästezimmern fragen.

Weitere Informationen und Anmeldungen:
info (at) melanchthon-akademie.de
Telefon 0221 / 931803-0
Fax 0221 / 931803-20

Frage 3: Was ist der Unterschied zwischen einem Aufbaukurs und einem Vertiefungskurs?

Ein Bibliolog-Aufbaukurs richtet sich an Menschen, die einen Bibliolog-Grundkurs absolviert haben, dann mit diesem Zugang gearbeitet haben und sicher in den im Grundkurs erlernten Fertigkeiten (echoing, interviewing) sind und ihr Spektrum bibliologischer Arbeitsformen erweitern möchten.

Als erstes bietet sich der Aufbaukurs „Bibliolog mit nicht-narrativen Texten“ an, denn dort erlernt man zusätzliche Fertigkeiten, die das Arbeiten mit Psalmen, Brieftexten, Weisheitsliteratur, Reden, prophetischen Texten und Gesetzestexten (Levitikus) ermöglichen. Es gibt ein zweitägiges Modul und ein viertägiges Modul. Das zweitägige Modul vermittelt den Umgang mit Psalmen, Brieftexten und Reden (Bergpredigt, Schir haSchirim / Hohes Lied etc.). Beim viertägigen Modul werden auch prophetische Texte, Weisheitsliteratur, und Levitikus in den Blick genommen.

Beim Aufbaukurs „Bibliolog mit Objekten“ werden meist Stühle, Tücher oder andere Alltagsgegenstände als Platzhalter verwendet um Genealogien, Beziehungen oder Familienkonstellationen sichtbar zu machen. Entweder stellt der Bibliologe die Stühle oder die Teilnehmenden werden angeleitet, ihre Bilder von einer Situation zu stellen – wie hier:.

Bibliolog mit Objekten Abraham Sarah Hagar Jischmael

Bibliolog mit Objekten

„Bibliolog mit Objekten“ ist die Voraussetzung um mit „Encounter“ oder „Sculpting“ arbeiten zu können. Bei diesen drei Formen geht es darum, daß Körper und Raum mit ins Spiel kommen. Beim „Encounter“ werden Begegnungen inszeniert: Zwei oder mehrere biblische Gestalten treten in einen Dialog. Beim „Sculpting“ wird eine biblische Szene aufgestellt, wobei die Teilnehmenden das Material sind.

Im Gegensatz dazu werden beim Vertiefungskurs keine neuen bibliologischen Fertigkeiten vermittelt. Ein Vertiefungskurs richtet sich hauptsächlich – wenn auch nicht nur – an Menschen, die nach einem Grundkurs – aus welchen Gründen auch immer – nicht oder nur wenig ins bibliologische Arbeiten hineingefunden haben. Interviewing, Hinführung oder andere Aspekte, die den Teilnehmenden wichtig sind, können aufgegriffen und bearbeitet werden. Sehr reizvoll ist auch die Verbindung mit einer theologischen Fragestellung, wie etwa „Bibliolog aus den Quellen des Midrasch“ in Verbindung mit der Geschichte von Abraham, Sarah und Hagar.

In manchen Regionen gibt es auch „Vertiefungstage“ (gelegentlich auch „Thementag“ genannt), die dann eine Zielgruppe in den Blick nehmen (Bibliolog mit Konfirmanden) oder eine spezielle Situation und deren Rahmenbedingungen (Bibliolog im Gottesdienst).

Kurs-Termine für Bibliolog-Brundkurse, Aufbaukurse und Vertiefungskurse