Suchbegriffe im April

Bibliolog ab welchem Alter
Hier verweise ich auf meinen Artikel Ab welchem Alter geht Bibliolog mit Kindern

Bibliodrama Anleitung
ist im Internet nicht möglich – was auch für Bibliolog gilt. Warum beschreibe ich in dem Artikel Warum es im Internet keine Vorlagen, Entwürfe, Anleitungen für Bibliologe gibt

Esaus Linsengericht Rezept
Aus der Bibel kann man keine Rezepte ableiten, aber eine Annäherung ist hier zu finden mit Zutaten, die es zu biblischen Zeiten gab

Altes Testament hebräisch mp3
findet man kapitelweise bei Mechon Mamre. Zu beachten ist, daß der Aufbau der hebräischen Bibel (Tanach) anders ist als bei christlichen Bibeln.

 

Bibliolog und Bibliodrama auf dem evangelischen Kirchentag in Stuttgart


Kirchentagslosung 2015

Auf dem evangelischen Kirchentag in Stuttgart 2015 gibt es ein gemeinsames Bibliodrama-Bibliolog-Zentrum. Ich bin an der Eröffnungsveranstaltung des Zentrums beteiligt:

Do 4. Juni 11.00 – 13.00 h

Zukunftsweisende interkulturelle Erfahrungen
Bibliodrama und Bibliolog in Europa
Impuls
Dr. Krystyna Sztuka, Psychologische Therapeutin, Czestochowa/Polen

Podium mit der Vortragenden und
Ewa Alfred, Feldenkraispädagogin und Paartherapeutin, Berlin
Dr. Claudete Beise Ulrich, Gastdozentin, Brasilien – Hamburg
Corinna Friedl, Krankenhauspfarrerin und Gestalttherapeutin, Malmö/Schweden
Hilâl Kurt, Islamische Theologin und Konflikttrainerin, Langendorf
Iris Weiss, Bildungsreferentin und Bibliologausbilderin, Berlin

Moderation: Leony Renk, Pfarrerin i.R. und Bibliodramaausbilderin, Langendorf
Musik: Henning Olschowsky, Musiker und Pfarrer, Mutzschen

Paul-Gerhardt-Kirche, Rosenbergstr. 194
Kirchentags-Stadtplan: 606 | K29

Außerdem wird es von Donnerstagnachmittag bis Samstagabend 37 Bibliolog- und Bibliodrama-Veranstaltungen geben. Mehr dazu in der Suchmaske der Programmdatenbank von http://www.kirchentag.de

Relaunch der Internet-Site von Susan und Peter Pitzele

Screenshot bibliodrama.com

Screenshot bibliodrama.com

Peter und Susan Pitzele haben ihre Website erweitert und aktualisiert. Neben vielen Infos, biografischen Hintergründen, dem Gründungsmythos des Bibliolog sind auch einige Aufsätze und Zeitschriftenartikel rund um den Bibliolog dazugekommen. Mehr zur künstlerischen Arbeit von Peter Pitzele findet man hier (visual art d.h. Collagen, Fotos, Bilder, Reflexionen über Hospizarbeit …). Seine Biblioartist-Seite ist hier.

Midrasch zum Anfassen – Bibliolog verbindet Bibliodrama und jüdische Hermeneutik

…ist der Titel des 4minütigen Magazinbeitrags von Thomas Klatt über die interreligiöse Bibliolog-Werkstatt, der in der Sendung „Schalom – jüdisches Leben heute“ ausgestrahlt wurde. Leider kann man das nicht in der Mediathek nachhören. Wer den Beitrag nachhören möchte (mit Windows-Mediaplayer problemlos möglich), dem schicke ich auf Anfrage das Soundfile für den privaten Gebrauch zu. (bibliologberlin ä t googlemail.com oder über die Kommentarfunktion bescheid geben).

zum Weiterlesen oder Weiterhoeren ein Video bei Youtube, das mit Comiczeichnungen erklaert, was Hermeneutik ist.

Bibliolog auf dem evangelischen Kirchentag im Hamburg

Screenshot: Bibliolog Center

Screenshot: Bibliolog Center

Erstmals wird es auf dem evangelischen Kirchentag ein eigenes Bibliolog-Zentrum geben und zwar in der
Kreuzkirche (Elmsbüttel)
Tresckowstraße 7
20259 Hamburg

Donnerstag 2. Mai

11-13 Uhr: Bei dir ist die Fülle des Lebens – Psalmen
Uta Pohl-Patalong

11-13 Uhr: Ein Schlag ins Gesicht – Die Witwe und der Richter
Maria Elisabeth Aigner und Johanna Raml-Schiller

15-16 Uhr: Wie viel Männer so brauchen?! – David und Gotiath
Jens Uhlendorf

15-16 Uhr: Vom Umgang mit dem Erben – Zelofchads Töcher
Iris Weiss

16.30-17.30 Uhr: Bitte drängeln! Die bittende Witwe
Vera Kolbe

16:30-17:30Uhr: Saure Trauben oder süße Arbeit in Gottes Weinberg?
Carola Holtin

19-22 Uhr: Bibliolog – Playing With White Fire (englisch)
Peter und Susan Pitzele

Freitag 3. Mai

11-13 Uhr: Alles ist möglich! Steh auf! – Heilungsgeschichten
Rainer Brandt und Gerborg Drescher

11-13 Uhr: Die Sprinner im Einsatz – Das Erlassjahr
Susanne Wolf-Witthöft und Michaela Langenheim

15-16 Uhr: Als Mitarbeiter ungeeignet? – Speisung der 5000
Andrea Schwarz

15-16 Uhr: Wohin du gehst, dahin gehe auch ich – Rut
Heidi Kohl und Kilian Stark

16.30-17.30 Uhr: Entschuldigung, aber Ihr Herz brennt! – Emmaus
Anja Neu-Illg

16.30-17.30: Leben unter Fremdherrschaft – Israel in Ägypten
Monika Karpa

Samstag 4. Mai

10-13 Uhr: Die Liebe seines Lebens – David und Batseba
Frank Muchlinsky und Michael Ellendorff

11-13 Uhr: Gefüllt reicht’s zum Leben – Elisa und die Witwe
Friederike Eriksen-Wendt und Marianne Bauer

15-16 Uhr: Mit weiblicher List zum Erfolg – Tamar
Edeltraud Kohlmann-Lier

15-16 Uhr: Ich habe genug – Die Versöhnung von Jakob und Esau
Katja Korf

16.30-17.30 Uhr: Bin ich’s wert? – Der Hauptmann von Kapernaum
Elke Meinhardt

16.30-17.30 Uhr: Mehr als alles – Die Speisung der 5000
Dagmar Wegener

19-21 Uhr: More Bibliolog With The Pitzeles (englisch)
Peter und Susan Pitzele

Es wird auch Bibliologe auf der Straße geben. Die Internetseite vom Bibliolog-Center ist hier. In anderen Bereichen des Kirchentages werden keine Bibliologe angeboten außer im Zentrum Bibliodrama. Dort werde ich am Samstag von 15.00 bis 18.00 h einen jüdisch-christlichen Bibliolog zum Tagestext anleiten. Am Freitag von 15.00 – 18.00 h wird ein christlich-jüdisches Bibliodrama von Ewa Alfred und Gabriele Zander angeboten. Das Zentrum Bibliodrama befindet sich im Rauhen Haus, Beim Rauhen Haus 21. Wegen des großen Andrangs werden beim Zentrum Bibliodrama Teilnehmerkarten in der Stunde vor Workshopbeginn ausgegeben.

ein Pessach-Seder mit Bibliolog

ein besonderer Pessach-Seder mit Susan und Peter Pitzele 2008

ein besonderer Pessach-Seder mit Susan und Peter Pitzele 2008

Heute sind die Erinnerungen an einnen Pessach-Seder sehr präsent, den ich vor fünf Jahren erlebt habe. Schon einige Tage vorher war ich nach Hofgeismar gefahren, um an einem Workshop „Bibliolog mit Masken“ mit Peter und Susan Pitzele teilzunehmen.

Direkt an dieses Seminar schloß sich eine große Tagung über „Heilung und Spiritualität“ an. Es gab ganztägige Workshops, an denen unterschiedliche Ansätze vorgestellt wurden. Peter und Susan Pitzele waren eingeladen worden, ihren Bibliotherapy-Ansatz vorzustellen. Bibliotherapy bezieht – im Unterschied zu Bibliolog – Selbsterfahrung in den Gruppenprozeß ein, ist aber im Unterschied zu den meisten Formen des Bibliodramas in Deutschland – näher am biblischen Text. Jede/r Teilnehmende identifiziert sich über einen längeren Prozeß mit einer selbst gewählten biblischen Figur. Dieser Identifikationsprozeß wird über unterschiedliche kreative Zugänge (Masken, Bilder, Schreiben etc.) in der Form von Einzelarbeit angeleitet und gefördert und später in einem Gruppenprozeß zusammengeführt. Da am Abend dieses Workshoptages das Pessachfest beginnen sollte, bot es sich an, den Anfang der Exodus-Geschichte vom Auszug aus Ägypten zugrundezulegen.

Ich kenne Peter und Susan seit 2003 und bin mit beiden befreundet. Mir war deswegen klar, daß Peter bei der Anfrage aus Hofgeismar nicht im Blick hatte, daß das Seminar genau zu Pessach liegen würde. Der Workshop endete früh genug um in eine nahe gelegene jüdische Gemeinde zu fahren um dort am Seder teilzunehmen. Die Workshop-Gruppe war sehr klein – wahrscheinlich weil der Workshop auf englisch lief. Überraschend schnell – wie ich fand – war eine Offenheit und Vertrautheit in der Gruppe wie ich sie nicht in dieser kurzen Zeit des Kennens erwartet hätte.

Schon am Morgen hatten Peter und Susan gemeint, daß sie sich nicht sicher seien, ob sie am Abend weg wollten aus Hofgeismar. Sollen wir vielleicht versuchen zu Dritt für uns in Hofgeismar einen Seder zu machen? Am Ende des Vormittags stimmten wir uns ab, daß wir den Teilnehmerinnen an der Gruppe (es waren lauter Frauen) anbieten wollten – soweit sie wollten – nach dem Workshop den Seder miteinander vorzubereiten und zu feiern. Die Küche konnte uns vegetarisches Essen zur Verfügung stellen und durch die recht lange Mittagspause konnte ich alles besorgen, was sonst noch benötigt wurde (Mazzen, Zutaten für Charosset …).

Die Teilnehmerinnen wollten alle dabei sein und halfen den Raum vorzubereiten. Wir bekamen die Bibliothek, in der wir schon den ganzen Tag gearbeitet hatten. Susan hatte eine englischsprachige und ich eine deutschsprachige Haggada. Abgesprochen war, daß wir die Erzählung vom Auszug aus Ägypten als Bibliolog gestalten würden. Besser gesagt war ich davon ausgegangen, daß Peter dies tun würde. Von daher war ich völlig perplex als wir am Tisch saßen und Peter ankündige, daß wir beide jetzt zusammen mit der Gruppe einen Bibliolog zum Auszug aus Ägypten machen würden. Wir saßen an dem langen Tisch an den beiden weit voneinander entfernten Enden gegenüber und verständigten uns über Blickkontakt, wer wann eine Frage stellt, erzählt und weitergeben oder übernehmen möchte. Durch die Vergegenwärtigung im Bibliolog kam uns die Geschichte unglaublich nahe. Es war eine sehr intensive Erfahrung mit Bibliolog in dieser Gruppe, die sich nur schwer in Worte fassen läßt. Wie nie zuvor wurde mir deutlich, was es bedeutet, daß wir Pessach nicht nachfeiern, weil unsere Vorfahren aus Agypten ausgezogen sind, sondern daß wir selber aufbrechen, daß es um eine Befreiung aus der Sklaverei geht (welche auch immer – das definiert jede/r für sich) und der Beginn eines Transformationsprozesses ist.

Ich habe nie zuvor und nie danach einen so intensiven Pessach-Seder erlebt. Wahrscheinlich war diese Erfahrung nur möglich, weil alles so spontan lief und wir nicht tage- und wochenlang die einzelnen Details planen und vorbereiten konnten. Der Auszug aus Ägypten war aus der Sicht und dem Erleben der Israeliten ja auch sehr spontan und abrupt, so abrupt, daß sie den Brotteig nicht gehen lassen und backen konnten. Dieser spezielle Geschmack des Seders von Hofgeismar wirkt bei mir in allen Pessach-Erfahrungen danach weiter. Und jedes Jahr, wenn wir uns zu Pessach Feiertagsgrüße schicken, erinnern wir uns an „our very special and meaningful Pessach experience in Hofgeismar“.

Neue Rubrik „Texte“

Textraum Titelbild

Textraum Titelbild

In den letzten Jahren habe ich einige Artikel über Bibliolog in der Zeitschrift „Textraum“, die von der Gesellschaft für Bibliodrama halbjährlich herausgegeben wird, veröffentlicht. Leider waren die Beiträge immer nur zeitlich befristet auf der Textraum-Internetseite abrufbar und so laufen einige Links in diesem Blog ins Leere. Deshalb richte ich eine neue Rubrik „Texte“ unter dem Headerbild ein. Wenn man mit dem Mauszeiger auf „Texte“ geht, dann werden die Titel der einzelnen Texte gelistet und man kann den gewünschten Beitrag anklicken.

Als erstes stelle ich den Artikel „Jonas, der Midrasch und G-tt im Bibliolog“ ein, der auf eine überraschende Erfahrung zurückgeht, die ich bei einem Bibliologabend im Rahmen eines christlich-jüdischen Dialogs machte, zu der ein – nach gängigen Maßstäben geistig-behinderter – junger Mann namens Jonas kam. Dieser Abend ist ein eindrückliches Beispiel wie „inklusiv“ Bibliolog ist. Viel Spaß beim Lesen – auch der anderen Beiträge, die ich nach und nach einstellen werde.

Frage 14: Unterschied zwischen Bibliolog und Bibliodrama

Die Bibel ist ein Drehbuch.
Du versteht sie nur, wenn du mitspielst.
Es ist egal, welche Rolle du übernimmst:
ob du an der Rampe spielst
oder im Hintergrund, ob du Held bist
oder Gefangene, ob du Prophetin bist
oder Feldherr, ob du schweigst oder
redest, ob du deine Sätze
hinaussprudelst oder stotterst,
ob du deine Rolle kennst oder
an den Souffleurkasten gehst…

so beginnt ein Gedicht von Wilhelm Bruners, einem katholischen Priester und Bibliodramatiker. Ursprünglich hat er es über „Bibliodrama“ geschrieben, ich finde aber, daß es bis zu dieser Stelle auch für Bibliolog stehen kann. Bibliodrama und Bibliolog stehen in einem verwandtschaftlichen Verhältnis zueinander.

Bei beiden Zugaängen geht es darum, in den Text als Raum zu verstehen, in diesen Textraum einzutauchen und so Teil der Geschichte zu werden statt – wie in vielen anderen Ansätzen – ÜBER den Text zu sprechen, also in einer Außenperspektive zu bleiben. Eine zweite Gemeinsamkeit zwischen Bibliolog und Bibliodrama wäre, daß es bei beiden um Verlangsamung geht.

Beim Bibliodrama geht es um Texterschließung UND Selbsterfahrung, was längere Zeiträume und kleinere Gruppengrößen bedingt. Beim Bibliolog wird Selbsterfahrung nicht intendiert und thematisiert – außer die Teilnehmenden tun dies von sich aus. Deshalb ist Bibliolog auch in großen Gruppen (auch mit mehreren hundert Teilnehmern) und kürzeren Zeiträumen (zwanzig Minuten) möglich. Ich habe schon mit 180 Teilnehmenden bibliologisch gearbeitet.

Die Rolle des Leiters / der Leiterin ist im Bibliolog sehr viel direktiver. Im Bibliolog wählt immer die Leitung den Text und die Rollen aus. Auch das sonstige Vorgehen ist deutlich strukturierter durch „Echoing“ und „Interviewing“. Beim Bibliolog ist auch das Zuhören eine mögliche Teilnahmeform.

Bibliolog in der Grundform ist ein verbales Geschehen bei dem sich die Teilnehmenden mit biblischen Rollen (Personen, Gegenständen, Eigenschaften, Tieren) identifizieren und als diese sprechen, ihnen quasi Gedanken und Gefühle „leihen“ und zur Sprache bringen. Beim Bibliodrama setzt man sich zu einem biblischen Text in Beziehung indem man ihn ins Spiel bringt und – je nach Bibliodramaansatz – mit unterschiedlichen kreativen Medien arbeitet. Zentraler Bestandteil bibliodramatischen Arbeitens ist auch die Körperarbeit. Im Nachgespräch wird auch die Interaktion in der Gruppe und die Selbsterfahrung thematisiert. Auch ist es möglich, Gegentexte zu spielen, wohingegen ein Bibliolog immer am biblischen Text entlang läuft.

Beim Bibliodrama wählen die Teilnehmenden ihre Rollen selber aus. Auch die Wahl der Gottesrolle ist im Bibliodrama möglich. Im Bibliolog werden wenn überhaupt, dann nur Teilaspekte der Gottesrolle vergeben (Barmherzigkeit Gottes).

Daraus ergibt sich, daß das Erlernen der Bibliodramaleitung zeitaufwendiger (3 Jahre) ist als Bibliolog, dessen Anleitung in der Grundform sich in einer Woche erlernen läßt, wenn man gelernt hat mit Texten zu arbeiten und auch mit schwierigen Gruppensituationen umgehen kann.

Der Dachverband für Bibliodrama ist in Deutschland die „Gesellschaft für Bibliodrama“ (GfB) und für Bibliolog das „Europäische Netzwerk Bibliolog“ (siehe Blogroll). Die Zeitschrift „Textraum“ der GFB, die halbjährlich erscheint, publiziert auch zahlreiche Artikel zum Themenbereich Bibliolog. Es gibt auch ein Themenheft (32/1 aus dem Jahr 2010) zum „Nachdenken über das Verhältnis von Bibliolog und Bibliodrama“, das bei der GfB als Einzelheft bestellt werden kann.

Zum Sprachgebrauch noch ein Hinweis: Was in Deutschland „Bibliolog“ genannt wird, heißt in Amerika Bibliodrama. Das deutsche „Bibliodrama“ läuft in Amerika unter „bibliotherapy“.

Im Deutschlandradio gibt es einen Kurzbeitrag über Bibliodrama (ca 9. Minuten) von Thomas Klatt und zwar hier zum Hören und Nachlesen. Einen Magazinbeitrag von 8 Minuten über den Bibliolog unter dem Titel „in die Lücken des Textes gucken“ findet man auf der Seite vom Deutschlandradio hier

Frage 13: Einstieg in einen Bibliolog

In der letzten Zeit taucht ungewöhnlich oft als Anfrage durch Suchmaschinen „Einstieg in einen Bibliolog“ auf. Leider weiß ich nicht genau, um was es den suchenden Personen geht, denn da gibt es zwei Möglichkeiten:

1. Jemand möchte mit einer Gruppe einen Bibliolog durchführen und sucht nach verschiedenen Möglichkeiten, wie man einer Gruppe Bibliolog als etwas andere Art der Erschließung biblischer Texte nahebringen kann, also wie gestaltet der Bibliologe die „Werbung“ für das, was jetzt statt der Bibelarbeit oder dem Bibelgespräch wie es die Teilnehmenden gewöhnt sind, stattfinden soll so, daß die Teilnehmer sich gerne darauf einlassen und Lust bekommen mitzumachen – oder zumindest nicht stören – und nicht in der Haltung: das-kenne-ich-nicht / was-soll-das-denn / das-haben-wir-noch-nie-so-gemacht an diese für sie neue Form herangehen.

Das wäre eine Frage danach, wie man „die (innere) Bühne für den Bibliolog vorbereitet“, also den Teilnehmenden Mut macht, sie vorbereitet auf das, was statt des Gewohnten kommt und wie man die Spielregeln eines Bibliologs rüberbringt: Was man selber als Bibliologin macht und was sie tun sollen (sich mit Rollen, die man ausgewählt hat, identifizieren und wenn sie mögen sich in dieser Rolle äußern). Wie gestaltet man diesen „Einstieg“ so, daß es möglichst förderlich ist für das, was man mit der Gruppe vorhat und diejenigen, die Widerstände gegen dieses Neue / Andere haben, zumindest diese Widerstände für eine Weile zurückstellen?

Jeder Bibliologe hat seinen eigenen Stil und eine eigene Handschrift, und das ist gut so. Natürlich hängt es ganz wesentlich von der Gruppe und dem Thema ab und ob sie eher experimentierfreudig sind, was neue Formen betrifft oder lieber beim in ihren Augen Bewährtem bleiben. Auch das Alter mag eine Rolle spielen (eine Konfirmanden- oder Bar/Bat-Mizwa-Gruppe im jugendlichen Alter werde ich anders einstimmen und vorbereiten als eine Seniorengruppe mit vielleicht zum Teil dementiell veränderten Teilnehmern).

Ganz allgemein sind kurze und klare Sätze hilfreich um positiv zu beschreiben, was getan bzw. erwartet wird. („Sie brauchen keine Angst zu haben sich zu blamieren, denn alles ist richtig“ wäre wenig hilfreich, denn dadurch werden die Teilnehmenden erst auf die Idee gebracht, man könnte sich blamieren, was beim Bibliolog sowieso nicht der Fall ist.

2. Jemand hat beim Anleiten von Bibliologen die Erfahrung gemacht, daß nach dem Prolog (was ist das und wie geht das) und der Hinführung (vermitteln um welchen Text es geht, Hintergrundinfos, welche die Teilnehmenden brauchen und vorbereiten zum Eintauchen in diesen Text) es dann bei der ersten Frage, mit der der eigentliche Bibliolog beginnen sollte, hackt.

Vorausgesetzt, Prolog und Hinführung waren gut vorbereitet und es hängt an der ersten Frage, dann wäre zu schauen, ob diese erste Frage gut gewählt war. Wurde eine Rolle gewählt, die leicht zur Identifikation einlädt und wurde die erste Frage als Schlüsselfrage so formuliert, daß sie offen ist und unterschiedliche Ebenen anspricht und bündelt (zumindest zwei von den folgenden dreien: emotional / kognitiv / Handlungsebene) und zugleich gut in den Text und das Geschehen hineinführt?

Schade ist, wenn jemand gut in den Text und in die biblische Welt hineinführt und die erste Frage dann völlig gegen den Text und dessen Erzählstruktur läuft: Bei einem Bibliolog über Samuel und Eli im Heiligtum von Schilo befragt jemand nach der anschaulichen Schilderung der Situation von Samuel im Schilo als erstes Hanna, die Mutter von Samuel, die bei der Geschichte gar nicht dabei ist, sondern weit weg wohnt, wie sie es findet, daß ihr Sohn Samuel so weit weg von ihr bei Eli im Heiligtum von Schilo ist.

Zum Abschluß bietet sich noch die Frage an: Woran scheitern die meisten Bibliologe, wenn sie nicht gut laufen? oder: Warum wird Bibliolog in manchen Gruppen nicht gut angenommen und kann man da was tun? Das wäre nochmal ein eigenes Posting wert.

Wenn Bibliologe total schief laufen, hängt es meiner Erfahrung nach meist damit zusammen, daß die Anleitenden nicht sehen, wie komplex ein Bibliolog ist, daß und was genau man intensiv vorbereiten muß und davon ausgehen, man kann das eben mal so nach eigenem Erleben und Lektüre machen ohne es gelernt zu haben. Möglicherweise wurde auch ein Text ausgewählt, der nicht für einen Bibliolog geeignet ist oder zumindest zu diesem Zeitpunkt für diese Gruppe nicht geeignet ist. Das würde zum Stichwort „Textauswahl“ gehören.

Eine weitere Möglichkeit: Der Text paßt – in dieser Situation – nicht zum Bibliologen. Beispiel: Eine Bibliologin hat einen Bibliolog zu einer Heilungsgeschichte vorbereitet. Einige Stunden vor der Durchführung des Bibliologs hat sie von der Krebsdiagnose ihres Partners erfahren. Einen Plan B für ihre Veranstaltung hatte sie nicht. In dieser Situation war sie mit der Durchführung eines Bibliologs überfordert, weil sie gar nicht in der Lage war, sich gut in die Teilnehmeräußerungen einzufühlen, sie wahrzunehmen und wiederzugeben.