Emmaus-Bibliolog und Strassenexerzitien

Seit September letzten Jahres begleite ich immer wieder „Exerzitien auf der Strasse“, eine Form von Exerzitien, die vor 25 Jahren in der Jesuitenkommunität in Berlin-Kreuzberg entstanden ist. Mehr dazu findet man hier.

Eine Gruppe von bis zu zehn Menschen findet sich mit vier Begleitenden (2 Frauen und 2 Männer) für zehn Tage zusammen und lebt unter einfachen Bedingungen. Jede/r verbringt den größten Teil des Tages auf der Straße in Offenheit für das, was ihm / ihr begegnet. Am Abend gibt es einen Austausch in Kleingruppen mit einer Begleiterin und einem Begleiter. Dabei geht es darum, das Erlebte zu erschließen und einzuordnen. Immer wieder bewegend ist es, wie schnell die Teilnehmenden mit dieser Form an ihre Lebensthemen kommen.

Exerzitien auf der Straße fördern durch den Prozeß der Verlangsamung die gleichen Grundhaltungen wie das bibliologische Arbeiten. Schon öfter habe ich mich gefragt, wie es wäre bei den thematischen Impulsen mit Bibliolog zu arbeiten. Zum Grundgerüst der biblischen Geschichten, die dem Prozeß der Straßenexerzitien zugrunde liegen, gehört die Begegnung von Mosche (Moses) am brennenden Dornbusch, die Aussendung der Jünger zu zweit sowie in der Endphase die Geschichte von Emmaus.

Von Palmsonntag bis zum darauffolgenden Mittwoch habe ich wieder eine Gruppe begleitet. Dieses Mal war die Gesamtgruppe mit 17 Teilnehmenden und sechs Begleitenden besonders groß. Deshalb stellte sich die Frage, wie die Erfahrungen der Einzelnen während dieser Tage am Abschlußtag zur Sprache kommen können, was bei dieser Gruppengröße und dem zeitlichen Rahmen an einem Vormittag ausschließt, daß jede/r ausführlich die eigene Erfahrung in der Großgruppe thematisiert.

Wie könnte es möglich sein, Eigenes in einem größeren Rahmen einzubringen? In der Abschlußphase der Strassenexerzitien spielt die Emmausgeschichte eine besondere Rolle. Ich schlug vor, die Emmausgeschichte in Form eines Bibliologs so zu öffnen, daß die Teilnehmenden darin ihre eigenen Erfahrungen auf der Straße in diesem Textraum finden und wenn sie mögen zum Ausruck bringen können.

In meinen Bibliolog-Grundkursen, die in der Fasten- und Passionszeit stattfinden, habe ich schon zahlreiche Bibliologe zur Emmausgeschichte erlebt. Da der zeitliche Rahmen im Bibliolog-Grundkurs für die Teilnehmenden und ihren ersten Bibliolog auf 20 bis 25 Minuten beschränkt ist, können sie mit vier Fragen arbeiten und erarbeiten diese entweder zum Grundthema „Begegnung“ oder „Trauer“.

Für mich stellte sich für den Abschluß der Straßenexerzitien die Frage, wie ich die Fragen für den Bibliolog so entwickle, daß der Weg nach Emmaus mit dem Prozeßgeschehen der Straßenexerzitien parallelisiert wird und diesen spiegelt. Dabei werden andere Aspekte wichtig als wenn man die Emmausgeschichte unter den Schwerpunkten „Begegnung“ oder „Trauer“ thematisiert.

Für mich war es spannend, neue – also andere Fragestellungen zu erarbeiten. Durch die zahlreichen Bibliologe, die ich dazu erlebt habe, war es gar nicht so einfach, die bekannte „Schiene“ Trauer oder Begegnung hinter mir zu lassen.

Da ich Bibliolog meit mit Gruppen anleite, die ich wenig oder gar nicht kenne, war es für mich eine seltene Gelegenheit und schöne Erfahrung mit Menschen bibliologisch zu arbeiten, mit denen ich mehrere Tage zusammen war.

Eine besondere Prägung und Eindringlichkeit hatte dieser Bibliolog noch durch den Raum, in dem er stattfand. Es war der Kirchenraum im evangelischen Gemeindezentrum Plötzensee mit dem Plötzenseer Totentanz von Alfred Hrdlicka, der auch eine Emmausdarstellung enthält.

Zum Weiterlesen:
Mehr über Exerzitien auf der Straße steht hier.
Eine Einführung zum Plötzenseer Totentanz findet man hier
Die Bilder zu Plötzenseer Totentanz findet man auf der Seite des Evang. Gemeindezentrums Charlottenburg-Nord und zwar hier
Dort habe ich auch die Abbildung am Anfang dieses Beitrags entnommen.
Weitere Postings zu Bibliolog und Emmaus stehen hier.

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Emmaus – Postings

Kirchenfenster zu Emmaus von Evelyn Körber im St. Anna Hospital in Wanne Eickel

Kirchenfenster zu Emmaus von Evelyn Körber im St. Anna Hospital in Wanne Eickel

(Copyright: Nepomuk von hier)

Aufgrund der häufigen Suchanfragen nach Bibliologen zu Emmaus ist das einen eigenen Blogeintrag wert. Hier also alle Postings, in denen „Emmaus“ eine Rolle spielt

Unterwegs nach Emmaus – ein interreligiöser Dialog (Teil 1) ist hier zu finden. Ich benenne einige Vorüberlegungen bei der Vorbereitung einer interreligiösen Bibliolog-Werkstatt zu diesen Text. Weiterführende Überlegungen, sprachlich interessante Details zu dieser Geschichte und einige Rückmeldungen von Teilnehmenden sind im Posting Unterwegs nach Emmaus – ein interreligiöser Dialog (Teil 2) hier nachzulesen.

Weil „Emmaus“ (in Kombination mit Jünger – Gang nach – Emmausgeschichte) ein beliebter Suchbegriff ist, taucht Emmaus auch in einigen Wortwolken auf. Das sieht dann so oder so oder so oder im März 2013 so aus.

Mein Blog-Experiment „Bibliolog zu Emmaus„, in dem ich den Leserinnen und Lesern das Angebot mache, deren Bibliologe offline zu kommentieren, ist hier zu finden.

Auch in der Liste über „beliebteste Texte für Bibliolog-Anfänger“ findet sich die Emmausgeschichte, wobei ich finde, daß sie für Anfänger nicht ganz einfach – also schon gehobenes Niveau ist, weil wegen der Textlänge einiges erzählt werden muss. Das tut der Beliebtheit aber keinen Abbruch. Ich habe in jedem Grundkurs, der in der Passionszeit statfindet, mindestens eine Person, die einen Bibliolog zu dieser Geschichte entwickelt, wobei ein Kurs, in dem drei Bibliologe zu Emmaus stattfanden, mir deswegen besonders in Erinnerung geblieben ist.

Die Terminankündigungen zur interreligiösen Bibliologwerkstatt liste ich hier nicht auf.

Eine Suchanfrage in den letzten Tagen fand ich noch interessant: Bibliolog – Emmaus – mit Grundschulkindern. Davon würde ich eher abraten. Wer nach „Grundschulkindern“ fragt, denkt meist an Religionsunterricht oder einen Schulgottesdienst. Bei der Emmausgeschichte spielt das Thema „Begegnung“ und das Thema „Trauer“ eine zentrale Rolle. Beim Bibliolog werden immer auch biografische Erfahrungen der Teilnehmenden wachgerufen. Bei einer Religionsstunde, in der die Möglickeit zum Nachgespräch nur sehr eingeschränkt gegeben ist und in einem Schulgottesdienst, in dem überhaupt keine Möglichkeit zum Nachgespräch zur Verfügung steht, finde ich es theologisch, religionspädagogisch und seelsorgerlich nicht zu verantworten, wenn ein so massives Thema auf dieser persönlichen Ebene angesprochen wird. Wir wissen nicht, welche Kinder mit welchen Verlusten von nahen Menschen im Unterricht bzw. im Gottesdienst sitzen.

Vor vielen Jahren habe ich ein Grundschulkind erlebt, dessen Vater vor drei Jahren verstorben war und das im Bereich Sachkunde einen Übertrittstest für das Gymnasium zu einer Geschichte „Elefantenjagd in Sumatra“ absolvieren sollte. Die Geschichte war aus der Perspektive eines kleinen Elefanten erzählt, der bei einer solchen Elefantenjagd erlebt, wie seine Mutter getötet wird. Diese Geschichte brachte die eigene Trauer des Kindes so intensiv hervor, daß es bei diesem Test – obwohl es sonst in Sachkunde und Deutsch gut war -, die Fragen nicht beantworten konnte.

Einige Übersetzungen der Emmaus-Geschichte: Volxbibel, NGÜ (Neue Genfer Übersetzung), Hoffnung für alle,Gute Nachricht, Basisbibel (mit Worterklärungen im Text

Eine Aktualisierung der Emmausgeschichte findet man im Lectio-Brevior-Blog.

Eine sehr eindrücklich Emmaus-Darstellung fand ich in einem Glasmalereizyklus von Evelyn Körber und zwar hier im Rahmen eines modernen Kreuzweges.

Im März 2015 habe ich im Rahmen von Exerzitien auf der Straße einen Bibliolog zur Emmaus-Geschichte durchgeführt. Mehr dazu hier

Zum Weiterlesen:
Warum es im Internet keine Vorlagen oder Entwürfe für Bibliologe gibt