Frage 13: Einstieg in einen Bibliolog

In der letzten Zeit taucht ungewöhnlich oft als Anfrage durch Suchmaschinen „Einstieg in einen Bibliolog“ auf. Leider weiß ich nicht genau, um was es den suchenden Personen geht, denn da gibt es zwei Möglichkeiten:

1. Jemand möchte mit einer Gruppe einen Bibliolog durchführen und sucht nach verschiedenen Möglichkeiten, wie man einer Gruppe Bibliolog als etwas andere Art der Erschließung biblischer Texte nahebringen kann, also wie gestaltet der Bibliologe die „Werbung“ für das, was jetzt statt der Bibelarbeit oder dem Bibelgespräch wie es die Teilnehmenden gewöhnt sind, stattfinden soll so, daß die Teilnehmer sich gerne darauf einlassen und Lust bekommen mitzumachen – oder zumindest nicht stören – und nicht in der Haltung: das-kenne-ich-nicht / was-soll-das-denn / das-haben-wir-noch-nie-so-gemacht an diese für sie neue Form herangehen.

Das wäre eine Frage danach, wie man „die (innere) Bühne für den Bibliolog vorbereitet“, also den Teilnehmenden Mut macht, sie vorbereitet auf das, was statt des Gewohnten kommt und wie man die Spielregeln eines Bibliologs rüberbringt: Was man selber als Bibliologin macht und was sie tun sollen (sich mit Rollen, die man ausgewählt hat, identifizieren und wenn sie mögen sich in dieser Rolle äußern). Wie gestaltet man diesen „Einstieg“ so, daß es möglichst förderlich ist für das, was man mit der Gruppe vorhat und diejenigen, die Widerstände gegen dieses Neue / Andere haben, zumindest diese Widerstände für eine Weile zurückstellen?

Jeder Bibliologe hat seinen eigenen Stil und eine eigene Handschrift, und das ist gut so. Natürlich hängt es ganz wesentlich von der Gruppe und dem Thema ab und ob sie eher experimentierfreudig sind, was neue Formen betrifft oder lieber beim in ihren Augen Bewährtem bleiben. Auch das Alter mag eine Rolle spielen (eine Konfirmanden- oder Bar/Bat-Mizwa-Gruppe im jugendlichen Alter werde ich anders einstimmen und vorbereiten als eine Seniorengruppe mit vielleicht zum Teil dementiell veränderten Teilnehmern).

Ganz allgemein sind kurze und klare Sätze hilfreich um positiv zu beschreiben, was getan bzw. erwartet wird. („Sie brauchen keine Angst zu haben sich zu blamieren, denn alles ist richtig“ wäre wenig hilfreich, denn dadurch werden die Teilnehmenden erst auf die Idee gebracht, man könnte sich blamieren, was beim Bibliolog sowieso nicht der Fall ist.

2. Jemand hat beim Anleiten von Bibliologen die Erfahrung gemacht, daß nach dem Prolog (was ist das und wie geht das) und der Hinführung (vermitteln um welchen Text es geht, Hintergrundinfos, welche die Teilnehmenden brauchen und vorbereiten zum Eintauchen in diesen Text) es dann bei der ersten Frage, mit der der eigentliche Bibliolog beginnen sollte, hackt.

Vorausgesetzt, Prolog und Hinführung waren gut vorbereitet und es hängt an der ersten Frage, dann wäre zu schauen, ob diese erste Frage gut gewählt war. Wurde eine Rolle gewählt, die leicht zur Identifikation einlädt und wurde die erste Frage als Schlüsselfrage so formuliert, daß sie offen ist und unterschiedliche Ebenen anspricht und bündelt (zumindest zwei von den folgenden dreien: emotional / kognitiv / Handlungsebene) und zugleich gut in den Text und das Geschehen hineinführt?

Schade ist, wenn jemand gut in den Text und in die biblische Welt hineinführt und die erste Frage dann völlig gegen den Text und dessen Erzählstruktur läuft: Bei einem Bibliolog über Samuel und Eli im Heiligtum von Schilo befragt jemand nach der anschaulichen Schilderung der Situation von Samuel im Schilo als erstes Hanna, die Mutter von Samuel, die bei der Geschichte gar nicht dabei ist, sondern weit weg wohnt, wie sie es findet, daß ihr Sohn Samuel so weit weg von ihr bei Eli im Heiligtum von Schilo ist.

Zum Abschluß bietet sich noch die Frage an: Woran scheitern die meisten Bibliologe, wenn sie nicht gut laufen? oder: Warum wird Bibliolog in manchen Gruppen nicht gut angenommen und kann man da was tun? Das wäre nochmal ein eigenes Posting wert.

Wenn Bibliologe total schief laufen, hängt es meiner Erfahrung nach meist damit zusammen, daß die Anleitenden nicht sehen, wie komplex ein Bibliolog ist, daß und was genau man intensiv vorbereiten muß und davon ausgehen, man kann das eben mal so nach eigenem Erleben und Lektüre machen ohne es gelernt zu haben. Möglicherweise wurde auch ein Text ausgewählt, der nicht für einen Bibliolog geeignet ist oder zumindest zu diesem Zeitpunkt für diese Gruppe nicht geeignet ist. Das würde zum Stichwort „Textauswahl“ gehören.

Eine weitere Möglichkeit: Der Text paßt – in dieser Situation – nicht zum Bibliologen. Beispiel: Eine Bibliologin hat einen Bibliolog zu einer Heilungsgeschichte vorbereitet. Einige Stunden vor der Durchführung des Bibliologs hat sie von der Krebsdiagnose ihres Partners erfahren. Einen Plan B für ihre Veranstaltung hatte sie nicht. In dieser Situation war sie mit der Durchführung eines Bibliologs überfordert, weil sie gar nicht in der Lage war, sich gut in die Teilnehmeräußerungen einzufühlen, sie wahrzunehmen und wiederzugeben.

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Frage 12: Warum gibt man beim Bibliolog das Gesagte wieder?

Das wiederholende Aufnehmen der Beiträge der Teilnehmer während des Bibliologs, genannt „Echoing“ hat drei Gründe:
Verlangsamung, Verständlichkeit und Wertschätzung.

1. Verlangsamung:
Wie beim Bibliodrama so ist auch beim Bibliolog die Verlangsamung ein wichtiges Moment. Die Verlangsamung eröffnet andere Räume und ermöglicht so andere Formen des Wahrnehmens, die beim gewöhnlichen Lesen – ob alleine oder in der Gruppe – oft in den Hintergrund treten. Ein biblischer Text ist wie eine Landschaft. Wenn ich mit einem Flugzeug über eine Landschaft fliege, nehme ich anders und anderes wahr, als wenn ich die gleiche Landschaft mit einem Heißluftballon überquere, mit einem Auto, mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs bin. Jede Fortbewegungsart eröffnet andere Wahrnehmungen. Bibliolog ist ein Erschließen biblischer Texte im Schneckentempo-Modus. Die Verlangsamung ist eine Form der Vertiefung schon allein durch die Möglichkeit des Nachklingen lassens beim zweiten hören. In dieser Vertiefung und Verlangsamung eröffnet sich auch die Möglichkeit den Text als Raum wahrzunehmen, also nicht über die biblische Geschichte zu sprechen oder zu diskutieren, sondern in sie gleichsam einzutauchen.

Bibliolog ist – auch aber nicht nur – durch die Verlangsamung „inklusiv“ und ermöglicht, daß Menschen, die normalerweise beim verbalen Austausch am Rande stehen, sich beteiligen können auch wenn sie sprachlich reduzierte Möglichkeiten haben. Bibliolog ist deshalb auch mit geistig Behinderten, dementiell veränderten Menschen und Migranten mit geringen Deutschkenntnissen möglich. Bibliologen erzählen oft von der Erfahrung, daß beim Bibliolog sich oft Menschen zu Wort melden, die sonst eher still am Gruppengeschehen teilhaben und diejenigen, die sonst stark verbal beteiligt sind, sich beim Bibliolog eher zurücknehmen. Das ermöglicht auch den Gruppenmitgliedern ein neues Erleben der anderen Teilnehmenden.

2. Verständlichkeit:
Das Echoing verhilft zur Verständlichkein und zwar auf mehreren Ebenen. Nicht jede/r Mensch hat ein Stimmvolumen, das auf größere Räume ausgelegt ist. Für schüchterne Menschen sinkt die Hemmschwelle zur Beteiligung deutlich, wenn sie merken, daß sie ihren Beitrag leise sagen können und das dann für alle durch das Echoing hörbar wird. Beim Bibliolog im Kirchenräumen oder im Rahmen von Tagungen und Konferenzen hat der Bibliologe/ die Bibliologin ein Mikrofon. Hier dienst das Echoing auch dazu, für alle hörbar zu machen, was von Teilnehmenden gesagt wurde.

Für sprachlich weniger gewandte Menschen ist das Echoing eine Sprachhilfe. Und für alle, die sich äußern ist es eine Rückmeldung, was von der Äußerung und wie sie verstanden worden ist. Damit ist für den sich Äußernden die Möglichkeit verbunden, sich noch ein wenig besser zu verstehen. Dem Bibliologen wird durch Beobachten der nonverbalen Reaktion auf das Echoing (Nicken, Stirnrunzeln, Kopfschütteln) auf sein Echoing auch deutlich, ob er das Anliegen erfaßt hat.

Für Teilnehmende, die keine Muttersprachler sind, ist es oft leichter, sich auf eine Stimme zu konzentrieren – die der Anleitenden – als auf die unterschiedlichen Dialekte, Sprachmelodien und Sprechgeschwindigkeiten sowie andere sprachliche Eigenheiten (Nuscheln, Endsilben verschlucken, piepsige Stimme) sehr unterschiedlich sprechender Menschen.

3. Wertschätzung:
Da jede Teilnehmeräußerung im Echoing aufgenommen wird, wird dadurch signalisiert: Alles, was gesagt wird, ist wichtig, wird angesehen, gehört und trägt zur Auslegung des Textes bei. In jeder Gruppe gibt es Hierarchien d.h. Menschen und ihre Beiträge werden unterschiedlich gesehen und bewertet. Durch das Echoing wird eine Gleichwertigkeit aller Beiträge hergestellt, weil der Bibliologe alle Teilnehmerbeiträge aufnimmt. Dabei ist es wichtig, auch Angedeutetes aufzunehmen. Das Echoing beschränkt sich nicht auf die sprachliche Ebene von Äußerungen. Besonders bei Menschen mit reduzierten sprachlichen Möglichkeiten ist es wichtig, auch non-verbale Signale und Äußerungen im Echoing zu versprachlichen.

Das Echoing ist NICHT dazu da:
– Teilnehmeräußerungen zu korrigieren, zu glätten oder zu harmonisieren
– eigene Anliegen, Meinungen oder Bewertungen der Bibliologin einzutragen
Das Echoing ist auch kein „Spiegeln“ im Sinn der nicht-direktiven Gesprächsführung

Weil das Echoing ein sehr komplexes Geschehen ist und hohe Anforderungen an die Anleitenden stellt, wird dem Echoing entsprechend viel Zeit im Grundkurs eingeräumt. Dort werden die theoretischen Grundlagen, das erforderliche Handwerkszeug (was nehme ich auf, und wie mache ich das) und die damit verbundene Grundhaltung vermittelt, in der Kleingruppe eingeübt. Jede/r bekommt ein ausführliches Feedback von den anderen Teilnehmenden und der Kursleitung.

Unterwegs nach Emmaus – ein interreligiöser Dialog (Teil 2)

Fortsetzung von hier

An diesem Abend der interreligiösen Bibliolog-Werkstatt interessierte mich besonders, wie sich die Wahrnehmung und Auslegung des Textes verändert, wenn man das Narrativ so interpretiert, daß es eine Frau und ein Mann waren, die miteinander auf dem Weg nach Emmaus waren. Außer mir und einer jüdischen Teilnehmerin waren alle anderen Teilnehmenden an diesem Abend aus unterschiedlichen christlichen Gemeinden und kannten die Emmausgeschichte.

Emmaus modern

moderne Darstellung von Sieger Köder: Brannte uns nicht das Herz

Die meisten Übersetzungen sprechen bei Lk 24,13 von „zwei Jüngern“ und interpretieren damit. Die Elberfelder Übersetzung, Schlachter und die Bibel in gerechter Sprache übersetzen „zwei von ihnen“. Damit ist keine Aussage über das Geschlecht der beiden getroffen. Direkt im Abschnitt davon werden Reaktionen auf die Auferstehung von Jüngerinnen und Jüngern erzählt. „Zwei von ihnen“ lässt also von der Sprachlogik her verschiedene Interpretationen zu. Im weiteren Fortgang der Geschichte wird dem Leser der Namen einer der beiden Personen berichtet, nämlich in Vers 18 wird ein – männlicher – Name genannt: Kleopas. Von der Person, die mit Kleopas unterwegs ist, erfahren wir den Namen nicht. Das ist merkwürdig.
Wenn männliche Jünger mit Jesus unterwegs sind, gibt es immer wieder bestimmte Namen, die in Kombination vorkommen: Petrus und Andreas, Petrus, Johannes und Jakobus etc. Könnte diese Anonymisierung der zweiten Person ein Hinweis darauf sein, daß es sich hier um eine weibliche Person handelt?

Die Evangelien sind Jahrzehnte nach den Geschehnissen zusammengestellt und niedergeschrieben worden. Gibt es ein Interesse aus dieser späteren Zeit, Frauen eher einen Platz im Hintergrund zuzuweisen? Dazu kommt noch, daß im Johannesevangelium von mehreren Frauen erzählt wird, die unter dem Kreuz in der Nähe von Jesus blieben. Eine wird als Maria, Frau des Kleopas bezeichnet. Was läge nun näher nach diesen Pessachtagen in Jerusalem als alle wieder die Stadt verlassen, daß ein Ehepaar sich gemeinsam auf den Weg macht. Der Text lässt hier eine Lücke, und wenn ich beim Bibliolog von der Annahme ausgehe, daß es sich bei den beiden Personen, die nach Emmaus gehen, um das Ehepaar Kleopas und Maria handelt, dann muß ich das als meine Setzung in narrativer Form bei der Hinführung deutlich machen. Dies wäre eine Form von christlichem Midrasch (siehe dazu den Beitrag schwarzes Feuer – weißes Feuer im Bibliolog )

Auch erfahren wir nicht, was die beiden dazu bringt nach Emmaus zu gehen. War das ihr Wohnort – heute würde man sagen „Lebensmittelpunkt“ – bevor sie mit Jesus gingen? Es gibt mehrere Orte dieses Namens, aber eine mögliche Deutung aufgrund der angegebenen Entfernung ist, daß es sich um einen Ort handelt, dessen hebräische Namensform „chammath“ auf heiße (Heil-)Quellen hinweist. Auch dies kann ich in meine vorbereitenden Überlegungen einbeziehen und deutlich machen und daraus unterschiedliche Fragen an beide entwickeln, denn ich stelle mir vor, daß Maria, die unter dem Kreuz dabei war als Jesus hingerichtet wurde, etwas anderes erlebt hat als Kleopas, der nicht dabei war.

Interessant finde ich noch ein sprachliches Detail, mit dem es sich meiner Meinung nach lohnt, bei diesem Bibliolog zu arbeiten:

In Vers 25 sagt Jesus zu den beiden nachdem sie ihm erzählt haben, was passiert war:
»Ihr unverständigen Leute! Wie schwer fällt es euch8, all das zu glauben, was die Propheten gesagt haben! (Neue Genfer Übersetzung)
Und er sprach zu ihnen: Ihr Unverständigen und im Herzen zu träge, an alles zu glauben, was die Propheten geredet haben! (Elberfelder Übersetzung)
How foolish you are, and how slow of heart to believe all that the prophets have spoken! (New international Version). Auch einige andere englische Übersetzungen sprechen von “slow of heart”.

In der NGÜ weist eine Anmerkung darauf hin, daß es im Originaltext wörtlich heißt: „Euer Herz ist zu träge“. Das macht den Gegensatz zu Vers 32 umso deutlicher, in dem es heißt:

Brannte nicht unser Herz in uns, wie er auf dem Weg zu uns redete … (Elberfelder Übersetzung)
War uns nicht zumute, als würde ein Feuer in unserem Herzen brennen, während er unterwegs mit uns sprach (Neue Genfer Übersetzung)
Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete (Einheitsübersetzung)

Im traditionellen Midrasch wird sehr stark auf sprachliche Eigenheiten des Textes eingegangen. Dies könnte man im Bibliolog aufgreifen durch den Vergleich des „trägen Herzens“ und des „brennenden Herzens“.

Beim Nachgespräch fragte ich danach, was sich in der Wahrnehmung der Emmausgeschichte dadurch verändert hat, daß ich Fragen an Maria, an Kleopas oder an sie als Paar gestellt habe und die traditionelle Wahrnehmung der zwei als Männer verändert habe.

Einige Stimmen:
– die Geschichte ist vielfältiger und vielschichtiger geworden
– ich habe die Geschichte immer als Trauergeschichte gesehen und gepredigt. In dieser Variante verliert die Trauer etwas von ihrer Schwere und bekommt durch die männlichen und weiblichen Reaktionen eine größere Vielfalt
– Es kommen mehr bunte Facetten des Lebens in diese Trauergeschichte rein
– Es gibt eine Parallele im Nichterkennen: So wie die beiden auf dem Weg nach Emmaus Jesus zuerst nicht erkennen, so erkennt ihn auch Maria von Magdala nicht, die ihn für den Gärtner hält (Anmerkung von mir: Bei einer Bibelgesprächsreihe zu Begegnungen nach der Auferstehung könnte ein Encounter zwischen Maria von Magdala und Maria und Kleopas über ihre Erfahrung des Nichterkennens sein).
– Ich habe bis jetzt immer überlesen, daß die beiden direkt nach der Begegnung mit Jesus, also in der Dunkelheit, nach Jerusalem zurückgekehrt sind. Eigentlich ist das logisch, denn biblische Nächte sind Heilsnächte
(Anmerkung von mir: In Israel gibt es keine so lange Dämmerungsphase wie bei uns in Mitteleuropa. Die Nacht bricht sehr schnell herein. Wenn also ein/e Jünger/in zu Jesus sagt: „Bleibe bei uns, denn es will Abend werden“ und die drei bleiben dann zusammen, dann ist von den geografischen Gegebenheiten davon auszugehen, daß sich die Rückkehr nach Jerusalem in der Dunkelheit der Nacht abspielte).

Am Ende hatte eine Teilnehmerin noch eine Karte einer modernen Emmaus-Ikone von Bruder Ansgar aus der Abtei Nütschau bei Hamburg dabei, in der die beiden, die mit Jesus am Tisch sitzen ein Mann und eine Frau sind. Christian Herwartz hat in seinem Kommentar zu Teil 1 dieses Beitrags Erhellendes dazu geschrieben.

Eine moderne Darstellung habe ich auf einem Weblog irischer Ordenleute, die über biblische Themen und christlich-keltische Spiritualität schreiben, gefunden, nämlich hier. Leider gibt es keine Quellenangabe dazu und keine/n Künstler/in.

Moderne Darstellung der Emmaus Geschichte vom irischen Sacred Space Weblog.

Road to Emmaus

Nach diesem Abend habe ich noch im Internet gesucht, ob es andere traditionelle oder moderne Ikonendarstellungen eines Jüngers und einer Jüngerin bei der Emmausgeschichte gibt. Dabei habe ich im deutschsprachigen Internet nichts gefunden, im englisch- und französisch sprachigen Internet gibt es einige Darstellungen, die eine männliche Person darstellen und bei der zweiten offen lassen, ob sie weiblich oder männlich ist.

Fündig bin ich auf dem Weblog von Patrick Comerford, einem anglikanischen Priester aus Irland geworden. Er schreibt über „my thoughts on spirituality, theology, history, architecture, travel, poetry and beach walks” und hat einen sehr starken Bezug zu ostkirchlicher Spiritualität und Ikonen (hier )

Emmaus-Ikonendarstellung von Sr. Marie-Paul OSB

Vielleicht hat jemand Hinweise auf traditionelle Ikonen-Darstellungen mit diesem Motiv, also Jesus mit Mann und Frau auf dem Weg nach Emmaus.

Zum Weiterlesen:
Christian Herwartz: Spiritualität und Gegenwart auf der Straße

Warum es im Internet keine Vorlagen oder Entwürfe für Bibliologe gibt

Seit ich den Beitrag beliebteste Texte für Bibliologe eingestellt habe, landen über Suchmaschinen immer mehr Anfragen hier, die anscheinend Vorlagen für Bibliologe suchen. Es sind etwa 80 % der Anfragen und vermutlich wären es mehr, wenn ich noch mehr Schlagworte zu Bibeltexten hinzufügen würde. Renner sind die Predigttexte vom kommenden Sonntag nach der Ordnung der evangelischen Kirche. Den Suchenden sei gesagt: Das werden Sie weder hier noch an anderer Stelle im Internet finden.

Abgesehen von den drei Beispielen auf der Bibliolog-Netzwerk-Seite gibt es im Internet keine zum Einsatz in der Praxis tauglichen Bibliologe. Wer Bibliolog gelernt hat, weiß um die Komplexität dieses Zugangs und damit verbunden die Herausforderungen, die im Anleiten von Bibliologen und wird deshalb nicht mal so eben Bibliologe ins Netz stellen, abgesehen von einigen wenigen Beispielsequenzen in Fachzeitschriften (z.B. unter dem Headerbild die Rubrik „Texte“).

Wer Bibliolog gelernt hat, weiß, daß es beim Bibliolog um eine Grundhaltung des Respekts sowie handwerkliche Fähigkeiten geht, die eine gewisse Einübung und ein Feedback brauchen. Mit einigen Fragen allein ist kein Bibliolog handwerklich gut und solide durchzuführen. Jeder Bibliolog wird mit Blick auf eine bestimmte Gruppe, deren Themen und Situation vorbereitet. So ist ein Bibliolog über den Besuch von Jesus bei Martha und Maria für eine Religionsstunde in einer Grundschulklasse völlig anders als für einen Familiengottesdienst, eine Frauengruppe oder eine Wohngruppe für geistig behinderte Erwachsene. Wer das Anleiten von Bibliologen gelernt hat, bekommt in diesem Prozess ziemlich schnell mit, welche Verantwortung damit verbunden ist, und zwar gegenüber dem Text, den Teilnehmenden und dem Prozeß.

Deshalb ist meine Empfehlung an diejenigen, die über Suchmaschinen hier landen in der Hoffnung fertige Bibliologe zu finden, sich auf einen Bibliolog-Grundkurs einzulassen, obwohl sich hier vermutlich die Katze in den Schwanz beißt, denn wer fertige Bibliologe im Netz sucht, tut dies vermutlich gerade, weil er / sie keinen Grundkurs machen will oder kann.

Zum Weiterlesen:
Was passiert in einem Bibliolog-Grundkurs?

Nachtrag August 2011:
Nachdem täglich mehrere Nutzer auf das Weblog kommen, die Bibliolog-Beispiele suchen, habe ich mir angeschaut, was unter diesen Schlagwort (oder auch Entwurf, Vorlage) im Internet inzwischen zu finden ist, und bleibe bei meiner Einschätzung. Die Fragen, die in manchen „Arbeitshilfen“ vorgeschlagen werden, sind teilweise haarsträubend, weil sie nicht in den Text hineinführen oder Antworten vorweg nehmen, die der weitere Verlauf des Textes anders erzählt. Eine solide Kenntnis der Grundlagen bibliologischen Arbeitens kann ich aus solchen Beiträgen nicht ersehen und rate deshalb von der Verwendung ab.

Nachtrag Januar 2012:
So findet sich auf einem Weblog ein Bibliolog zur Weihnachtsgeschichte in Lukas 2 vorgestellt. Die besondere Qualität eines Bibliologs liegt darin, daß nicht ÜBER einen Text gesprochen wird, sondern die Teilnehmenden in einen Text eintauchen. Dazu ist eine anschauliche erzählende Hinführung nötig. Bei diesem „Bibliolog“-Beispiel werden den Teilnehmenden belehrend und referierend einige Informationen geliefert. Ein Eintauchen in den Text ist so nicht möglich, deshalb bleibt dieses Beispiel auf der Ebene des Darüberredens hängen – nur dass das in Rollen passiert, wobei die Rollenzuweisungen an die Teilnehmenden nicht sauber gestaltet sind. Eine Rolle „ALLE“ gibt es beim soliden bibliologischen Arbeiten nicht, denn „ALLE“ ist zu diffus, als dass es eine konkrete Rollenidentifikation zulassen könnte. Abgesehen davon führen die beiden Fragen an „ALLE“ nicht in den Text hinein, sondern daran vorbei. Sie eröffnen eine Projektionsfläche für alle möglichen Spekulationen und Assoziationen, aber leiten keine solide Arbeit am Text entlang ein. Da die Hirten und Hirtinnen beschließen, nach Bethlehem gehen zu wollen – so sagt es der Text – trägt die Frage, was sie da genau wollen wenig bis nichts für die Textauslegung aus. Im Extremfall kann es darauf hinauslaufen, dass die Teilnehmenden etwas anderes sagen, als das, was später im Text erzählt wird.

Dieser „Bibliolog“ wäre sehr geeignet für die Arbeit in einer Regionalgruppe, in der sich Menschen treffen, die einen Bibliolog-Grundkurs gemacht haben, denn man kann mit diesem Entwurf sehr schön (fast) alle Anfängerfehler aufzeigen. Ähnliches gilt für die Heilung des Aussätzigen auf dem gleichen Weblog. Auch bei dem Bibliolog zu einem nicht-narrativen Text aus dem 1. Korintherbrief sieht es katastrophal nicht besser aus: Es gibt keine Hinführung, sondern eine Instruktion bzw. Belehrung. Auch hier gibt es keine sauberen Rollenzuweisungen, weshalb der Schutz durch die Rolle nicht gewährleistet ist. Es ist klar, daß die in der Rolle geäußerte Beitrag der Meinung des Gottesdienstbesuchers heute ist. Die Fragen zielen vorwiegend auf theologische Richtigkeiten – an einer Stelle wird deutlich antijüdischen Stereotypen Vorschub geleistet.
Fazit: Nicht jede Übung, die durch einen Fragestil vorgibt, Bibliolog zu sein, ist auch Bibliolog.