Bibliolog in Neukoelln 2015

Hephatha Kirche 2 - KopieAm 2. Februar um 16.30 treffen wir uns im Gemeindesaal zum Bibliolog! Wir stimmen uns ein auf das Thema des Weltgebetstages „Begreift ihr meine Liebe?“ Die Frauen, die die Texte erarbeitet haben, schlagen als Bibelarbeit den Text von der Fußwaschung Jesu (Joh. 13,1-17) vor. Wir werden uns diesem Text bibliologisch annähern.

7 Wochen MIT Bibliolog

Die Evangelisten stellen die Geschehnisse um Jesus aus Nazareth in unterschiedlicher Weise dar. In den 7 Wochen werden wir mit der Darstellung des Matthäus ins Gespräch gehen.
16. Februar – Todesbeschluss (Matthäus 26,1-5)
23. Februar – Salbung Jesu in Bethanien (Matthäus 26,6-13)
2. März – Jesu letztes Mahl mit den Seinen (Matthäus 26,17-29)
9. März – Judas (Matthäus 26,14-16 +27,3-10)
16. März – Ölberg und Gethsemane (26,30-46)
23. März – Verhaftung (Matthäus 26,47-56)
30. März – Verhöre und Verspottung (Matthäus 26,57-27,31a)

Jeweils am Montag um 18.00 Uhr im Kirchraum der Hephathagemeinde.

Wegbeschreibung

Hephatha Gemeinde
Fritz-Reuter-.Allee 130-136

12359 Berlin (Britz)
U Bahn Parchimer Allee (Ausgang Gielower Straße)
für Rollstuhlfahrer: U Bahn Britz -Süd – (rechts aus dem Bahnhof herausfahren / dann rechts in die Fritz – Reuter – Allee fahren / immer gradeaus (am Zebrastreifen die Straßenseite wechseln ( bis zur Nr.130 /136 fahren)

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Wo einst der Tempel in Jerusalem stand …

Screenshot: Videoblog tagesschau.de

Screenshot: Videoblog tagesschau.de

… steht heute der Felsendom. Dort, wo der Felsen ist, ist nach jüdischem Verständnis der Ort, an dem G-tt die Welt erschaffen hat und Abraham seinen Sohn Isaak opfern wollte. Von dort aus soll Mohammed nach der muslimischen Tradition in den Himmel aufgefahren sein.

Ein Videoblog der Tagesschau-Redaktion „Zwischen Mittelmeer und Jordan“ erschließt diesen Ort oberirdisch, unterirdisch und mit Videoanimationen sowie seine Bedeutung in Judentum Christentum und Islam.

Unterirdisch kann man noch Orginalsteine vom Tempel in voller Größe sehen. Dort war an der Westmauer auch der Marktplatz, wo Jesus die Händler vertrieb. Das Video ist sehr informativ und dauert etwa siebeneinhalb Minuten.

Neues Aufbaukurs-Modul: Bibliolog mit biblischen Erzählfiguren

Im November hat die Konferenz der Bibliolog-Trainerinnen und Trainer beschlossen, daß ein neues Aufbaukursmodul eingeführt wird. Neben „Bibliolog mit nicht-narrativen Texten“, „Bibliolog mit Objekten“, „Encounter“ und „Sculpting“ wird als fünfte Variante „Bibliolog mit biblischen Erzählfiguren“ angeboten.

Vor zwei Jahren war ich eingeladen auf drei Fortbildungswochenenden für Gottesdienstbeauftragte der Diözese Berlin mitzuwirken. Das Rahmenthema waren die Begegnungen im Advent, wie sie im Lukasevangelium in den ersten beiden Kapiteln erzählt werden. Sie sollten erschlossen werden mit Bibliolog und biblischen Erzählfiguren. Den Teilnehmenden waren biblische Erzählfiguren bekannt, weil die zuständige Referentin aus dem Ordinariat immer wieder damit arbeitet. Bibliolog war für alle neu, wobei einige Bibliodrama-Vorerfahrung hatten.

Mich hat sehr beeindruckt, welche Differenzierungsmöglichkeiten die Kombination von Bibliolog und Erzählfiguren ermöglicht. Beim „Bibliolog mit Objekten“ kann durch Stühle Nähe und Distanz dargestellt werden, ob Menschen einander zugewandt oder abgewandt sind. Durch die Erzählfiguren wird noch eine zusätzliche, eine Tiefendimension eröffnet: Blickrichtungen, Berührungen, Gesten und Hierarchien können dargestellt werden und so können die unterschiedlichen Bilder, die Teilnehmende von einer biblischen Situation haben, thematisiert werden. Das emotionale Ausdruckspotential, das die Erzählfiguren ins Spiel bringen, erweitert das bibliologische Repertoire enorm. Diese Arbeitsform ist in der Gesamtgruppe möglich, aber auch in Teilgruppen kann gut mit diesem Zugang gearbeitet werden.

Manchmal sagen Bilder mehr als Worte. Deshalb stelle ich einige Fotos ein, die ich an diesen Wochenenden gemacht habe. Die Begegnungsgeschichten, die dazu gehören (Lukasevangelium Kapitel 1 und 2) können hier nachgelesen werden.

Zacharias Engel 1Zacharias Engel 2
Zwei Sichtweisen: Verheißung der Geburt Johannes des Täufers an Zacharias

Verkündigung 1Verkündigung 2
Zwei Sichtweisen: Die Ankündigung der Geburt von Jesus an Maria durch den Engel

Maria Elisabeth 2Maria Elisabeth2
Zwei Sichtweisen: Begegnung von Maria und Elisabeth

Anschließend wurden die einzelnen Szenen, die in verschiedenen Kleingruppen erarbeitet worden waren, zu einem Adventsweg gestellt:

Begegnungsgeschichten: Weg durch den Advent

Bibliolog und biblische Erzählfiguren: Weg durch den Advent


Danach hatten die Teilnehmenden Zeit, im Tagungshaus und der Umgebung unterwegs zu sein und wahrzunehmen, ob es einen Gegenstand gibt, der sie besonders anspricht in dem, was sie gerade bewegt und den sie dann dazulegen möchten.

Davon habe ich keine Fotos gemacht, was ich nachträglich interessant finde. Ich erinnere mich, daß ich die Teilnehmenden sehr als „bei sich“ erlebt habe als sie Orte für ihre Gegenstände und Symbole suchten und sich das, was sie bewegte, in der anschließenden Austauschrunde mitteilten. In den Gegenständen kam sehr viel katholische Volksfrömmigkeit speziell Marienfrömmigkeit zum Ausdruck.

Ich erinnere mich, daß ich es als schmerzhaft empfand und sehr ambivalent war, weil es sich – für mein Empfinden – vom Text weg bewegte. Man könnte es genauso als katholischen Midrasch interpretieren. Es wurde ganz handfest und konkret durch die Gegenstände deutlich, wie spätere kirchliche Traditionsbildungen die Wahrnehmung der biblischen Geschichte prägen und beeinflussen.

Ich erinnere mich an eine ältere Frau, die mir gegenüber stellenweise sehr aggressiv reagierte, weil sie ihr Bild von Maria in Frage gestellt sah. Sie hatte sich viel mit einer italienischen Mystikerin beschäftigt, deren elfbändiges Werk ihr sehr wichtig war und das sie besser kannte als die neutestamentlichen Texte. Nach ihrer Vorstellung hat Maria immer in der Nähe des Tempels gelebt. Deshalb könne das, was ich über Maria sage, nicht der Wahrheit entsprechen. Keine intellektuelle Diskussion hätte diese Frau, die von der italienischen Mystikerin geprägt war, erreicht. Durch die Bibeltexte, Bibliolog und die Erzählfiguren wurde deutlich, wie sehr sie ins Nachdenken kam.

Noch jetzt zwei Jahre später denke ich gerne an diese drei Wochenenden zurück.

Zum Weiterlesen::
Ein Beispiel, wie im Unterricht mit Erzählfiguren gearbeitet werden kann – ohne Bezug zu Bibliolog – ist hier.

Frage 18: Bibliolog Jesus

Fragezeichengruppe 2… war eine Suchanfrage in den letzten Tagen.

Ich vermute, daß es um die Fragestellung geht, ob man im Bibliolog die Jesus-Rolle vergeben kann. Die Jesus-Rolle kann vergeben werden, wenn die menschlichen Aspekte im Mittelpunkt stehen (Jesus als Lehrer, Heiler …). Teilnehmende aus konservativen Gemeinden oder PfarrerINNEN fällt die Jesus-Rolle erfahrungsgemäß schwerer. Deshalb sollte man bei diesem Personenkreis besonders gut überlegen, ob man Jesus befragt oder nicht. Wenn man sie dennoch wählt, dann nicht als erste Rolle.

Wichtig ist auch, dass die Teilnehmenden eine Erfahrungsanalogie herstellen können, deshalb kann weder Jesus am Kreuz noch der auferstandene Jesus befragt werden. Wichtig ist auch, die Frage so zu stellen, dass sie nicht auf theologische Richtigkeiten abzielt (Jesus, was willst du deinen Jüngern damit sagen?).

Darf DER das? Darf DIE das?

Buchcover Zealot

Buchcover Zealot

oder genauer gefragt: Darf ein Muslim (DER) das? beziehungweise: Darf eine Jüdin (DIE) das? Derzeit ist ein Jesus-Buch auf Platz 1 der Sachbuchbestsellerlisten in den USA. Geschrieben hat es Reza Aslan, ein Religionswissenschaftler und Muslim. Letzte Woche wurde er in Fox-News, einer wichtigen Nachrichtensendung dazu interviewt. Die Interviewerin hatte – wenn überhaupt – das Buch nur flüchtig gelesen. Sie unterstellte dem Verfasser er könne ein solches Buch als Muslim nur aufgrund von Vorurteilen gegen das Christentum schreiben. Von ihrer Linie ließ sie sich nicht abbringen. Es sei das peinlichste Interview von Fox-News gewesen, das jemals gesendet wurde, sind sich die wichtigen amerikanischen Medien einig. Auch in der deutschen Presse fand der Vorfall bereits einige Echos. So schrieb die Frankfurter Rundschau unter der Überschrift „darf ein Muslim das?“ am 2. August:

Das Jesus-Buch des Religionssoziologen Reza Aslan bringt Amerikas Konservative auf – immerhin äußert sich da ein Muslim über den Inbegriff des Christentums. Dass er dies äußerst fundiert tut, ist offenbar egal. Warum sollte ein Muslim ein Buch über Jesus schreiben? Ja, darf er das überhaupt? Ist er nicht zu beladen mit Vorurteilen? Mit solchen Fragen muss sich derzeit der angesehene Religionssoziologe Reza Aslan auseinandersetzen, dessen Buch „Zealot. The Life and Times of Jesus of Nazareth“ diese Woche in den USA erschienen ist. Ausgangspunkt der Kontroverse ist ein kurzer Text auf der Website des erzreaktionären Fernsehsenders FoxNews, in dem der Reporter John S. Dickerson kurzerhand fälschlich behauptet, Aslan und die linken Mainstream-Medien verheimlichten, dass er ein gläubiger Muslim sei. Das Buch sei keine historische Abhandlung, sondern lediglich „die Meinung eines gebildeten Muslims über Jesus“, das historische Vorurteile des Islam über den Messias verbreite… weiter hier

Das eigentliche Unbehagen an dem Buch seitens konservativer christlicher Kreise in den USA dürfte damit zusammenhängen, daß es – wie der Titel „Zealot … “ aussagt, Jesus mit den Zeloten, einer radikalen Gruppierung zur Zeit Jesu in Zusammenhang bringt, deren Exponenten durchaus gewalttätig sein konnten (mehr dazu hier.

Interessant ist daran, daß einem muslimischen Autor, der die fachliche Kompetenz hat, ein solches Buch zu schreiben in dem Moment diese Kompetenz abgesprochen wird, in dem er eine Definition der dominanten Gruppe – nämlich die der Angehörigen der christlichen Mehrheit – in Frage stellt.

In den englischsprachigen Ländern kamen vor inzwischen gut 15 Jahren im Bereich der „Ethnic Studies“ Diskussionen zur Fragestellung: „What do they tell about us“? Gemeint ist damit, was Angehörige der Mehrheitskultur („they“) über Minderheiten („us“) sprechen: Was wird wie erzählt, was wird verschwiegen, verdrängt und ausgeblendet. Welche Bilder und Stereotypen über Minderheiten werden weitergegeben? Welche Machtverhältnisse spiegeln sich in den Darstellungsweisen? Wenn sich aber Angehörige von Minderheiten das Recht nehmen, sich zu Sachverhalten zu äußern, welche die Angehörigen der dominanten Gruppe als „ihres“ betrachten, dann wird darauf reagiert, daß derjenige, der in der Minderheitenposition ist „dequalifiziert“ wird. (Darf der das – kann der das?). Birgit Rommelspacher, eine emeritierte Professorin hat diesen Mechanismus sehr anschaulich in ihrem Buch „Dominanzkultur“ analysiert.

Auch mir ist die Erfahrung nicht fremd. Wenn ich – meist – an evangelischen Fortbildungseinrichtungen Bibliolog-Kurse anbiete, dann wird explizit darauf hingewiesen, daß die Leitung „christlich-jüdisch besetzt“ ist. Alle Teilnehmenden wissen also vor dem Kurs, worauf sie sich einlassen. Ich bekomme sehr positive Rückmeldungen gerade auch im Hinblick darauf, wieviel sie davon mitnehmen, wenn bei den Texten, die erarbeitet werden auch eine jüdische Sichtweise eingebracht wird.

Schwierig wird es gelegentlich – durchaus nicht immer – wenn ich jemanden sagen muß, daß er / sie (noch) kein Zertifikat bekommen kann, weil die Fähigkeiten, die im Zertifikat bestätigt werden, beim Vorstellen des eigenen Bibliologs nicht (ausreichend) deutlich wurden. Ich erinnere mich noch deutlich, wie perplex ich war als dann eine Pfarrperson mit den Worten reagierte: „Das dürfen Sie nicht. Als Jüdin können Sie gar nicht beurteilen, ob das, was ich gemacht habe, gut oder schlecht ist. Sie müssen mir das Zertifikat geben.“ Wir haben dann ein sehr ausführliches Gespräch darüber geführt, daß es nicht um christliche Glaubensinhalte geht, über die ich mir ein Urteil erlaube, sondern, daß ich als Ausbilderin darauf schaue, wie der Bibliolog erarbeitet wurde und ob die methodischen Fertigkeiten, die wir eingeübt haben auch fachgerecht zum Einsatz kommen.

Auch in jüdischen Medien gibt es einige Artikel zum Jesusbuch von Reza Aslan, z.B. im Jewish Journal: Jesus, the Jew – Reza Aslan looks at the historical figure, before he became Christ.

Nachtrag (16. Dezember):
Inzwischen ist das Buch auch auf Deutsch erschienen unter dem Titel „Zelot – Jesus von Nazareth und seine Zeit“. Das Kulturmagazin ttt – titel, thesen, temperamente hat darüber berichtet.

Frage 2: beliebteste Texte für Bibliologe

Seit ich diesen Beitrag gepostet habe, kommen 80 Prozent der Suchanfragen, die auf diesem Weblog landen, von Leuten, die anscheinend nach Bibliolog-Entwürfen suchen. Warum solche Bibliolog-Vorlagen im Internet nicht zu finden sind, habe ich hier beschrieben.

Was sind die beliebtesten Texte für Bibliolog-Anfänger?
Die folgenden Texte werden am häufigsten für erste Bibliologe gewählt:

aus der Hebräischen Bibel:
Eva und die Schlange (Genesis 3)
Noah baut eine Arche und die Flut kommt
Ruth, Noemi und Orpa (Ruth 1)
Jona und seine Berufung (Jona 1)
Jona in Ninive (Jona 3)
Abraham und Sarah ziehen nach Kanaan
Abraham und Lot trennen sich
Eliezer sucht für Isaak eine Frau und begegnet Rebekka am Brunnen
Esau verkauft sein Erstgeburtsrecht
Jakobs Kampf am Jabok
https://bibliologberlin.wordpress.com/2011/03/30/warum-es-im-internet-keine-vorlagen-oder-entwurfe-fur-bibliologe-gibt/
Jakob und Esau
die mutigen Hebammen Schifra und Puah und die Geburt von Moses
– Moses und sein Schwiegervater Jitro
der Auszug aus Ägypten (Passafest – Pessach)
– Samuels Berufung im Heiligtum von Silo (Schilo)
– Elia und die Witwe von Sarepta / Zarpat

aus dem Neuen Testament:
Maria besucht ihre Kusine Elisabeth
– der Besuch der drei Weisen aus dem Morgenland zur Geburt von Jesus
der zwölfjährige Jesus im Tempel
die Hochzeit von Kana
Berufung der Jünger
Jesus bei Martha und Maria in Bethanien
die Kindersegnung
– die Salbung in Bethanien von Jesus durch die Frau
– der Verrat von Petrus
zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus
– Heilung des blinden Bartimäus und andere Blindenheilungen
die Heilung der zehn Aussätzigen
– Heilung des Gelähmten, der von seinen Freunden zu Jesus gebracht wird und durch das Dach gelassen wird
– Heilung der gekrümmten Frau
– Heilung des fallsüchtigen Knaben / Jungen
Heilung am Teich Bethesda
– Speisung der 4000 bzw 5000 – wunderbare Brotvermehrung
– – der Fischzug des Petrus
Einzug von Jesus in Jerusalem
– die drei Frauen am leeren Grab von Jesus
Jesus beruft den Zöllner Levi
– der Vater und die beiden Söhne (der verlorene Sohn)
– das Gleichnis vom großen Gastmahl
das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg
Jesus zu Gast beim Zöllner Zachäus
– die Stillung des Sturmes
– Jesus und seine wahren Verwandten
Paulus und Silas im Gefängnis
– die Purpurhändlerin Lydia läßt sich taufen
der Hauptmann von Kaparnaum