Bibliolog meets Enneagramm

enneagramDas Enneagram ist als Persönlichkeitsmodell (Neun Gesichter der Seele) in den letzten dreißig Jahren im deutschsprachigen Raum populär geworden. Ein Enneagramm-Seminarleiter hat mir letzte Woche erzählt, daß er bei seinen Enneagramm-Workshops gerne auch mit Bibliolog arbeitet. Seine Lieblingsgeschichte in diesen Seminaren ist die von der Heilung der zehn Aussätzigen (Lukas 17,11 ff).

Er bittet die Teilnehmenden sich nach den Persönlichkeitstypen, denen sie sich zuordnen in Gruppen zusammenzusetzen. Dann befragt er sie als Geheilten, der weggeht, sich den Priestern zeigt und nicht zu Jesus zurückkehrt, was ihn dazu bewegt, so zu handeln. Danach werden die Teilnehmenden als der eine Geheilte befragt, der zu Jesus zurückkehrt. Eine schöne Form, diese beiden Zugänge miteinander zu verbinden.

 

Bibliolog zweisprachig

Peter und Susan Pitzele

Von Mitte bis Ende März waren Peter und Susan Pitzele in der Schweiz unterwegs. Mehrere Seminar- und Vertiefungstage mit unterschiedlichen Gruppen sowie die Präsentation einer deutschen Ausgabe von Peter Pitzeles Buch (dazu später mehr) standen auf dem Programm.

Für Samstag den 31. März war ein Tagesseminar „Bibliolog als zeitgenössischer Midrasch und kontextuelle Bibelauslegung“ an der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Basel geplant. Obwohl viel dafür geworben wurde, kamen außer den Organisatoren leider nur 9 Teilnehmende, diese jedoch aus der ganzen Schweiz. Ich hatte mich am Tag zuvor von Berlin aus auf den Weg gemacht. Aus der Ausschreibung war nicht ersichtlich, daß das Seminar auf englisch stattfinden würde, da Peter und Susan Pitzele kein Deutsch sprechen. So war eine Teilnehmende gekommen, die kein Englisch sprach und nur einzelne Worte verstand. Deshalb wollte die junge Frau nach einer kurzen Einführung gehen.

Ich bat sie – falls es wirklich nur an den mangelnden Sprachkenntnissen liegen sollte – zu bleiben; wir würden sicher eine Möglichkeit finden, den Bibliolog so laufen zu lassen, daß sie teilnehmen kann. Nach einer Vorstellungsrunde und einer Anwärmübung, die zum Bibliolog hinführte machten wir erst einmal eine Pause mit Kaffee und Croissants.

Peter Pitzele bat mich, den Bibliolog zum Buch Ruth nicht nur zu übersetzen, sondern gemeinsam mit ihm zu leiten. Zuerst übersetzte ich jede Äußerung. Das machte den Ablauf des Bibliologs etwas schwerfällig, denn nach der Teilnehmeräußerung wurde diese übersetzt. Dann kam das Echoing dieser Äußerung. Diese wurde auch wieder übersetzt, dann ging es weiter. Ich stieg dann darauf um, erst nach dem Echoing zu übersetzen und zwar eine Zusammenfassung von der ursprünglichen Äußerung des Teilnehmenden und dem Echoing. Dabei muß man einen Kompromiß finden zwischen dem sprachlichen Duktus der Teilnehmeräußerung und des Echoing.

Eine zusätzliche Ebene kam dadurch ins Spiel, daß ich auch Fragen zum Text entwickelte und stellte. Dieses Vorgehen war nur möglich, weil ich bereits vor einigen Jahren im Rahmen eines Pessach-Seders mit Peter Pitzele zusammen einen Bibliolog angeleitet habe – damals allerdings einsprachig englisch. Für mich war beim Workshop in Basel besonders wichtig, daß der Bibliolog inklusiv war, also auch der Teilnehmerin, die nicht Englisch sprach, ein Mitmachen ermöglichte.