Supervision

Das Angebot der Bibliolog-Supervision richtet sich an alle, die einen Grundkurs durchlaufen haben und Fragen, die sich aus der Erarbeitung und / oder Durchführung eines Bibliologs ergeben, besprechen möchten und nicht die Möglichkeit / Gelegenheit haben, dies im Rahmen einer Regionalgruppe zu tun. Auch Bibliologe mit Aufbauformen sind möglich. Das Gespräch kann per Telefon oder per eMail stattfinden. Die Bezahlung richtet sich nach dem Zeitaufwand.

Wer interessiert ist, kann mir den Bibliolog-Entwurf und die damit verbundenen Fragestellungen schicken. Ich werde dann abschätzen, wie der zeitliche Aufwand sein wird und ein Angebot machen. ( bibliologberlin – ä t – googlemail.com oder untenstehendes Kontaktformular):

Hier ist ein Beispiel, das ich anonymisiert veröffentlichen darf:

Anfrage:

Liebe Iris Weiss,

ich bekam Ihre email-Adresse von X.Y, bei dem ich vor einigen Wochen einen Bibliolog-Grundkurs absolviert habe. Ich habe mich im Laufe des Kurses (aus verschiedenen persönlichen Gründen) an einem Bibliolog nach dem Daniel-Buch (Daniel 3) versucht, den ich im Kurs auch gehalten habe. Daran anschließend haben wir die hermeneutischen Fragen diskutiert, die Sie unten in meinem Schreiben an die Ausbildungsgruppe kurz skizziert finden. Ich selbst hätte gerne nach Daniel 3, 18 (Zählung der Luther-Bibel) aufgehört, weil für mich V 18 die Spitze des Textes ausmacht („und wenn er ´s nicht tun will, so sollst du – Nebukadnezar -dennoch wissen, dass wir deinen Gott nicht ehren…“).

Dieses Ende wurde von der Gruppe als zu offen (und negativ) empfunden. Deswegen habe ich in einem zweiten Bibliolog-Entwurf die Verse 23-27 dazu genommen (siehe Anhang), was aber dem Inhalt einen ganz andere Drive gibt und meiner ursprünglichen Intention nicht mehr ganz entspricht. Sie merken: Ich hänge bei Vers 18. Nun meine Frage(n) an Sie:

– Würden Sie zu diesem Text einen Bibliolog überhaupt für machbar halten?
– Wie würden Sie es anpacken? Was wäre für Sie das Kernanliegen des Textes?

Freundliche Grüße aus dem hohen Norden

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Grundkurses,

hier kommt nun mein überarbeiteter Bibliolog zu Daniel 3. Es ist mir gar nicht leicht gefallen, Eure Anregungen und Bedenken aufzunehmen und umzusetzen, gerade weil ich sie sehr ernst genommen habe und sie mich nach wie vor sehr beschäftigen.

Wie ist das mit der Gewalthaltigkeit des Textes und dem ungewissen Ausgang? Wie kriege ich die Kurve zu einem positiven Ausgang (und gutem Gefühl) am Ende – und entspricht das dann noch dem biblischen Text? Und die jüdische Geschichte – Feuerofen und Holocaust? Vielleicht hast du Recht, Jutta, und man sollte keinen Bibliolog zu diesem Text machen?

Bitte schaut euch mein Ergebnis an – und gebt mir gerne noch einmal eine Rückmeldung. Hat jemand eine Mail-Adresse der jüdischen Bibliologin aus Berlin für mich? Vielleicht kann ich sie ja auch noch einmal um Rat fragen.
Für heute erst einmal schöne, sonnige Grüße

Meine Antwort:

Lieber Herr Z.,

die Frage nach einem Bibliolog zu Daniel 3 – die drei Jünglinge im Feuerofen – finde ich sehr spannend.

Ich biete in Berlin monatlich eine interreligiöse Bibliolog-Werkstatt an. Die letzten 1 1/2 Jahre haben wir uns mit Texten zu Feuer und Feuerstellen beschäftigt. Im Januar habe ich dann einen Bibliolog zu Daniel 3 gemacht. Die Überlegungen aus dem Nachgespräch sind auf meinem Weblog nachzulesen:
https://bibliologberlin.wordpress.com/2013/01/30/gewalt-texte-im-bibliolog/

Ich würde diesen Text höchstens mit einer Gruppe, die ich sehr gut kenne, machen, das heißt, ich muß mir sicher sein, daß niemand traumatische Erlebnisse mit Brennen und Feuer (Hausbrand, Schwerbrandverletzungen, Explosionsgeschehen, Bombardierung …) hat. Bei meinem Bibliolog-Angebot im Januar kamen interessanterweise keine jüdischen Teilnehmenden. Außer mir blieben die Christen unter sich. Die Gruppe ist offen und sonst immer sehr gemischt.

Ich finde den Text für eine Erstbegegnung mit Bibliolog nicht geeignet. Er ist dafür zu stark aufgeladen und hat zu viel traumatisches Potential.

Ich würde in der Hinführung die Erfahrungen der drei Jünglinge mit der Verweigerung der neuen Eßgewohnheiten einbeziehen und zwar zur Veranschaulichung, wie sie mit der neuen Umgebung umgehen und in welchem Spannungsfeld sie sich befinden.

Bei Ihrer ersten Frage an den Chaldäer, was er über diese Juden denkt, kann ich den Einwand zur Formulierung „diese Juden“ gut verstehen, finde die vorgeschlagene Alternative „Männer jüdischen Glaubens“ unbefriedigend, weil in Deutschland oft wenn Menschen Schwierigkeiten haben „Jude“ oder „Jüdin“ zu sagen die Formulierung kommt: „Sind Sie jüdischen Glaubens“ und das merkwürdig ist, weil in der jüdischen Tradition „Glaube“ eine untergeordnete Rolle spielt. Die säkulare Variante ist dann „sind Sie jüdischer Herkunft“. Dieses Spiel würde ich als kirchlicher Mitarbeiter nicht mitspielenund bedienen wollen.
Alternative: Du bist einer von den drei jungen Juden. Jetzt stehst Du mit deinen Freunden vor dem König …

Bei den anderen Fragen würde ich sehr stark von der Frage der Identität, der Werte und des Widerstands her arbeiten (Was bringt dich dazu, bei Deiner Haltung zu bleiben etc.) und nicht so sehr auf der Ebene von Befindlichkeiten zu fragen (wie ist das für Dich / wie findest Du das / wie empfindest Du das), weil das dann stärker auf die Ebene der gefühlsmäßigen Identifikation führt, die ich bei diesem Text nicht „anfüttern“ möchte. Sie ist schon durch das Erzählen / Vorlesen der Handlung sowie gute Überleitungen gegeben.

Bei Ihrem Bibliolog ist die Hinführung ziemlich rational und die Fragen gehen sehr stark auf eine Gefühlsebene. Ich würde es eher umgekehrt machen – wenn überhaupt.

Ich arbeite bei der interreligiösen Bibliolog-Werkstatt gut eine Stunde oder länger bibliologisch. Das läuft dann auf acht bis zehn Fragen hinaus und ermöglicht auch noch eine größere Bandbreite und Differenzierung.

Bei vier Fragen denke ich, daß es zwangsläufig „allgemeiner“, holzschnittartiger wird und dadurch auch insgesamt eine größere emotionale Schwere hineinkommt. Ich weiß nicht, ob es dann einen so großen Unterschied macht, ob Sie mit dem Text früher (nach Vers 18) oder später aufhören. Die Hoffnungsperspektive käme eh in beiden Fällen durch Ihr weiterführendes Erzählen rein.

Oder man muß es aushalten, daß eine solche Perspektive in bestimmten Augenblicken nicht da ist – und ob das mit einer Gruppe, noch dazu einer Ihnen eher unbekannten Gruppe – geht und durchzuhalten ist – noch dazu bei einer Bibliolog-Ersterfahrung -, kann ich nicht einschätzen. Da potenzieren sich meiner Meinung nach einige schwierige Momente (anspruchsvoller Text, Gewaltmomente, die Ihnen unbekannte Gruppe, Ihre Situation als Bibliolog-Anfänger und daß es für die meisten Gruppenmitglieder eine Erstbegegnung mit Bibliolog als Methode sein dürfte).

Als Anfängertext würde ich den Bibliolog höchstens in der Ausbildungsgruppe machen – wie Sie es getan haben. Es ist ja ganz berechtigt auch so einen Text, zu dem Sie – wie Sie erwähnen – biografische Bezüge haben, auszuprobieren. In der „freien Wildbahn“ würde ich Ihnen empfehlen noch damit zu warten und bestenfalls dann damit zu arbeiten, wenn Sie mit einfacheren Texten einige Bibliolog-Erfahrung gesammelt haben.

Ich hoffe, daß Ihnen meine Überlegungen etwas weiterhelfen, wünsche Ihnen inspirierende Bibliologerfahrungen und noch schöne Sommertage und grüße Sie aus Berlin

Iris Weiss

Zum Weiterlesen:
Warum es im Internet keine Vorlagen oder Entwürfe für Bibliologe gibt

Schlagworte: Bibliolog, Anleitung, Supervision, Beratung, Entwurf, Beispiel, Vorlage, Gewalt, text of terror, Fragen, Daniel, Jünglinge Feuerofen

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