2. Bibliolog in der Ausstellung Lebensmuster: Mirjam

Miriam Lebensmuster Ausstellung Quilt

Miriam-Quilt - Lebensmuster - Nikolaikirche Spandau

Ich war ganz erstaunt, daß der Teilnehmerkreis beim 2. Abend über „Miriam – mehr als Überleben“ größer war als am vorigen Montag. Etwa ein Drittel der Interessierten waren bereits letzte Woche dabei. Auch wenn der Platz vor der Mirjam-Installation begrenzt war, hat es der Hausmeister doch zustande gebracht die Stühle so zu stellen, daß alle gut Platz fanden. Atmosphärisch hatte es durchaus einen Vorteil, daß der Raum – nicht wie letztes Mal nach hinten offen war, sondern – abgeschlossener wirkte. Auch der Anteil an Männern war größer.

Die ersten Eindrücke zum Mirjam-Quilt, die geäußert wurden, waren sehr vielfältig und vielschichtig: eingeschlossen, heiter, nach innen hell, durchlässig, am Rand dunkel … Dann gingen wir der Frage nach, was es bedeutet als Mann, Frau oder Kind Sklave sein zu müssen. Wir legten miteinander die vier Geschichten aus, in denen Miriam vorkommt:

– Ihr Beitrag zur Rettung des kleinen Bruders Moses, wobei wir hier nur von der „großen Schwester“ erfahren und ihr Name noch nicht genannt wird.
– Nach dem Auszug aus Ägypten und beim Durchzug durch das Schilfmeer führt sie mit Tanz und Gesang die Frauen an. In einem Midrasch wird gesagt, daß das Lied, das in der Torah Moses in den Mund gelegt wird, von ihr stammt. Wir haben es an diesem Abend neu als von Miriam verfaßt und komponiert gehört. Auch die historische kritische Forschung teilt diese Sichtweise. Vor einigen Jahren wurde in neuen Schriftfunden eine Variante gefunden, in der nur Miriam steht.
– Miriam und Aaron, die Moses kritisierten. Miriam bekam Aussatz und muße sieben Tage außerhalb des Lagers bleiben.
– Der Tod Miriams und die Trauer des Volkes

Es war wieder etwas Besonderes, aber dieses Mal schon vertrauter, den Text mit der Installation des Quilts kombinieren zu können. Einige Teilnehmende haben es bedauert, daß es schon die letzte Veranstaltung dieser Art war.

Ein Trost mag sein, daß die Ausstellung wegen des großen Interesses bis Ende September verlängert wird.

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1. Bibliolog in der Ausstellung Lebensmuster: Sarah – wider die Resignation

Nikolaikirche Ausstellung Lebensmuster: Sarah-Hagar-Installation

22 Teilnehmende kamen zum ersten Bibliolog-Abend in die Nikolai-Kirche in Spandau. Etwa die Hälfte kannte ich bereits aus anderen Zusammenhängen. Noch nie hatte ich bei einer offenen Veranstaltung so viele Menschen, die bereits Bibliolog kannten – alle bis auf zwei. Ich hatte mich dafür entschieden, halbkreisförmig Stühle vor der Installation anzuordnen. Die Alternative wäre gewesen, den Quilt aus dem Rahmen zu lösen und vor den Altar zu plazieren, wie dies in den Sonntagsgottesdiensten gemacht worden ist. Ich bin froh, dass ich mich anders entschieden habe, denn der Quilt wirkt in der Installation ganz anders als wenn er aus diesem Rahmen herausgelöst wird. Die Installation ist nochmal ein eigener Raum neben dem Text. Wir gingen dem Lebenslauf von Sarah nach – von der ersten Erwähnung bis zu ihrem Tod. Der Schwerpunkt lag auf dem Besuch der drei Boten in Mamre. So war auch die Vorgabe der Künstlerin: „Wider die Resignation“.

Zeitlich habe ich mich etwas verschätzt, deshalb fiel das Nachgespräch etwas kurz aus. Eine Teilnehmerin bemerkte, daß sie diese Geschichten sehr gut kenne, aber ihr ganz neu deutlich geworden sei, wie groß der Altersunterschied zwischen Jischmael und Isaak gewesen sei. Sie war immer davon ausgegangen, daß Ismael nur wenig älter gewesen sei als Isaak. Dafür bekam sie sehr viel Zustimmung. Mir ist schon öfter aufgefallen, daß Bibliolog zum genaueren Lesen und Wahrnehmen des Textes führt und sehr deutlich macht, inwieweit sich unsere geprägten Bilder vom Text unterscheiden. Da im 17. Kapitel erzählt wird, daß Ismael 13 Jahre bei seiner Beschneidung war und die Geburt Isaaks danach angekündigt wird, macht das den Altersunterschied deutlich. Ich vermute, dass die Vorstellung vom geringen Altersunterschied zwischen Ismael und Isaak auf Darstellungen in der christlichen Kunst zurückgeht.

Nächsten Montag um 19.00 h geht es dann mit Miriam weiter und dem Thema: „Mehr als Überleben“. Aus Krankheitsgründen wird die Ausstellung – wenn nicht noch eine andere Lösung gefunden werden kann – aber auf jeden Fall von 12.00 – 16.00 h und von 17.30 bis 19.00 h geöffnet sein.