Gottesdienst mit Bibliolog

Eingeladen sind interessierte Frauen und Männer:

Wortgewalt

Textgrundlage ist die Begebenheit, in der davon erzählt wird, wie Jesus seine Jünger zur Missionsarbeit aussendet. (Lk 9,1-6)

Zur Illustration:
Die abgebildete Karte haben die Initiatorinnen dieses Gottesdienstes in Berlin zur Verfuegung gestellt. Ich bin zwiespaeltig. Sie ist besser als die vielfach ueblichen bildlichen Darstellungen von Gewalt, aber auch die hier verwendete Sprache bleibt im Gewaltmuster haengen und zeigt keinen Ansatz zur Ueberwindung von Gewalt auf. Besser gefaellt mir daher das Plakat, das die Suedtiroler Kuenstlerin Sybille Tezzele Kramer entwickelt hat. Es ist auf ihrem Blog My Art Diary zu sehen.

Zum Weiterlesen:
Findet Bibliolog meistens im Gottesdienst statt?

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Aschura: das Festmahl von Noach

Asure

Asure

Gestern haben Muslime das Aschura-Fest gefeiert. Aus diesem Anlaß haben wir uns bei der interreligiösen Bibliolog-Werkstatt mit Noach (im Islam: Nuh) beschäftigt.

Aschura kommt vom Wort „zehn“, bezieht sich auf den 10. Tag des Monats Muharrem, an dem Allah zehn Propheten seine Gnade erwiesen hat. Noach (islam. Nuh) landete an diesem Tag mit der Arche auf dem Berg Ararat. Aus den Resten an Körnern und Trockenfrüchten, die sich in der Arche befanden, wurde ein Festmahl bereitet und unter den Bewohnern der Arche geteilt. Diese Speise – Asure genannt (Foto links) – hat sich auf wundersame Weise vermehrt. Sie wird von Muslimen am Aschura-Tag zubereitet. Auch am Ende unseres Bibliologs zur Noach-Geschichte gab es eine Kostprobe davon. Übrigens kennen auch armenische Christen dieses Gericht, bringen es aber nicht mit Noah in Verbindung. Bei ihnen gibt es diese Süßspeise aus Weizen, weißen Bohnen, Kichererbsen, Reis, Zucker, Orangenschale, Milch und verschiedenen Trockenfrüchten und Nußsorten an Neujahr bzw. zum armenischen Weihnachtsfest am 6. Januar.

Die Geschichte von Noah ist sehr bekannt und so prägen ganz unterschiedliche Bilder unsere Wahrnehmung. Bibliolog bietet die Chance, genau zu schauen, was im Text steht und welche Vorstellungen wir in den Text eintragen bzw. wie unterschiedlich die Sichtweisen in den verschiedenen religiösen Traditionen sind. Der Imam, der sein Interesse bekundet hatte, kam leider nicht. So haben wir mit der Textvorlage gearbeitet, wie sie sich im ersten Buch Mose (Bereschit) findet und einige Elemente aus den Midraschim rund um die Noach-Geschichte herangezogen.

So legt jüdische Schriftauslegung einen Schwerpunkt darauf, daß Noach – im Gegensatz zu Abraham – nicht mit Gott verhandelt hat sondern geschwiegen hat. Es war ein langes Schweigen, denn der Bau der Arche dauerte 120 Jahre, wobei diese Zeitdauer auch als Chance für die Bewohner der Erde gesehen wird, von ihrem schlechten Lebenswandel abzulassen. Wir sind diesem Schweigen des Noach nachgegangen und wollten wissen, was es zu sagen hat. Die Anweisung an Noah „fruchtbar zu sein“ und sich „zu mehren“ (Kap. 8,16) hat eine Parallele zu den Worten am Garten Eden „fruchtet und mehret euch“ – übrigens das erste Gebot in der Torah. Was bedeutet es für Noach, dass Gott mit diesen Worten zu ihm spricht?

Interessant war für mich die Reaktion einer säkularen Teilnehmerin, die meinte: „Damit dieser Neuanfang gelingen kann und es nicht wieder schief geht, wäre es gut, wenn wir einige Gebote hätten.“ Mit diesem Gedanken lag sie ganz auf der Linie der traditionellen rabbinischen Auslegung, die in den sieben noachidischen (Geboten Verbot von Mord, Verbot von Diebstahl, Verbot von Götzenanbetung, Verbot von Unzucht, Verbot von Grausamkeit gegen Tiere, Verbot von Gotteslästerung, Gebot der Einführung von Gerichten als Ausdruck der Wahrung des Rechtsprinzips) eine Grundlage sieht. Jeder Nichtjude, der diese sieben Gebote einhält, wird – aus jüdischer Sicht – Anteil an der kommenden Welt haben.

Der Koran hingegen geht davon aus, daß Noah sehr viel unternommen hat, um seine Mitmenschen zur Änderung ihres ungerechten Lebenswandels zu bewegen. Sieht das Christentum Noah als Schweigenden oder als Sprechenden?

Das nächste Treffen der interreligiösen Bibliolog-Werkstatt findet am Mittwoch den 4. Dezember um 19.30 h zu Chanukka statt.

Zwei Jahre Bibliolog in Neukölln

ApfelsinenkircheEigentlich war es als Fortbildungsangebot für Erzieherinnen in evangelischen Kindertagesstätten in Berlin-Neukölln gedacht: Das monatliche Bibliolog-Treffen immer am ersten Montag im Monat, das Pfarrerin Ingrid Schröter im Dezember 2011 gestartet hat. Deshalb wurde die Anfangszeit auch auf 16.00 h festgelegt, damit die Erzieherinnen gleich im Anschluß an die Arbeitszeit dieses Angebot wahrnehmen können. Da auch Interesse bei Gemeindemitgliedern vermutet wurde, wurden auch sie zu diesem Angebot eingeladen.

Es begann mit sechs Teilnehmenden und von Treffen zu Treffen wurden Wunschtexte in den Mittelpunkt gestellt. 2013 gab es an den Mittwoch-Nachmittagen der Passionszeit noch ein zusätzliches Angebot „Sieben Wochen MIT … Bibliolog“, wobei Texte aus der Passionsgeschichte nach dem Markusevangelium gemeinsam ausgelegt wurden. Von den Neuköllner Erzieherinnen hat noch keine zum Bibliolog-Treffen gefunden. Inzwischen sind es regelmäßig zwischen 12 und 16 Menschen die am monatlichen Bibliolog-Treffen teilnehmen. (Das ist viel für Berliner Verhältnisse. Aus Gesprächen mit Pfarrpersonen weiß ich, daß vier bis sechs Teilnehmende an monatlichen Bibelgesprächskreisen „normal“ sind.) Die Hälfte kommen aus Neuköllner evangelischen Gemeinden, die anderen aus unterschiedlichen Ecken Berlins: Charlottenburg, Wedding, Kreuzberg, Reinickendorf und Mahlsdorf-Nord.

Jedes Treffen ist in sich abgeschlossen. Derzeit geht es um Stationen der Lebensgeschichte von König David. Interessierte können jederzeit neu dazu kommen. Das nächste Treffen wird am 2. Dezember stattfinden. Dann wird Batseba, die Frau von König David im Mittelpunkt stehen. Für 2014 gibt es auch schon Pläne. In der Passionszeit wird „sieben Wochen … MIT Bibliolog“ – dieses Mal mit Texten aus dem Lukasevangelium – weitergeführt.

Mo 2. Dez. 16.00: Batseba, König Davids Frau – die Königsmacherin (1 Könige 1)