Frage 22: Was sind nichtnarrative Texte?

Wenn von Bibliolog-Aufbaukursen die Rede ist, wird immer wieder „Bibliolog mit nicht-narrativen Texten“ genannt. Auch bei den Suchbegriffen nach diesem Blog, wurde diese Frage in der letzten Zeit mehrmals eingegeben.

Bibliologpraxis beginnt mit erzählenden Texten. Jedoch taucht früher oder später die Frage auf, ob Bibliolog auch mit anderen Textformen (nicht erzählenden Texten) geht. Im Alltag begegnen und viele Formen von nichterzählenden (nicht-narrativen) Texten: Wenn wir etwa an einer Haltestelle stehen und einen Fahrplan lesen um zu erfahren, wann der nächste Bus kommt oder wenn wir im Internet nach einem Kochrezept suchen um eine Mahlzeit zuzubereiten. Dabei hören wir vielleicht gerade in den Nachrichten den Ausschnitt einer Rede einer Politikerin. Auf dem Schreibtisch liegt vielleicht eine Stellenanzeige, auf die wir uns bewerben wollen und daneben ein Buch mit Gedichten oder eine Sammlung von Gesetzestexten.

 

Auch in der Bibel gibt es eine Vielfalt von nichtnarrativen Texten. Manche kennen wir auch aus unserem Leben wie etwa Briefe, Reden, Gesetzestexte, Sprüche … andere sind für uns nicht so nah an unserem Alltag wie Psalmen, Weisheitsliteratur, prophetische Worte oder Gleichnisse, wobei Gleichnisse narrativ oder nicht-narrativ sein können. Zu den nicht-narrativen Gleichnissen gehören die Gleichnisse vom Feigenbaum, vom Sauerteig, vom Weinstock und den Reben oder auch von Unkraut und vom Weizen oder die Bildworte vom Reich Gottes (Das Reich Gottes / das Reich der Himmel ist wie … ein Senfkorn …

Mit allen diesen Textformen kann man bibliologisch arbeiten und genau das wird im Aufbaukurs nichtnarrative Texte eingeübt.

Zum Weiterlesen:

Ausschreibungstext Bibliolog mit nicht-narrativen Texten

Bibliolog auf dem evangelischen Kirchentag in Dortmund 2019

 

Eine ökumenische Werkstatt Bibliodrama & Bibliolog wird im Workshop House im Mallinckrodt-Gymnasiums in Dortmund zu finden sein. Dort werden jeweils acht Work-shops parallel stattfinden. Das Mallinckrodt-Gymnasium befindet sich am Südrandweg 2-4.

Hier sind die Bibliolog-Angebote:

Do 20. Juni 15.00 – 16.30 h:

– Stürmische Zeiten – Bibliolog mit kreativer Nacharbeit (Hiob 2, 11-13)
– Wenigstens den Saum seines Gewandes (Markus 6,53-56)

Do 20. Juni 16.30 – 18.00 h: 

– Stürmische Zeiten – Bibliolog mit kreativer Nacharbeit (Hiob 2, 11-13)
– Wer auf dem Wasser gehen will, muss aus dem Boot aussteigen

Freitag 11.00 – 12.00 h und 12.00 – 13.00 h

Das Bild hat das Wort (Psalm 23)

Freitag 11.00 h – 13.00 h

Ohne Netz und doppelten Boden!

Freitag 15.00 – 18.00 h

Schweinefraß? Kalbsfilet! Kulinarischer Workshop zu Lukas 15

Freitag 15.00 – 16.30 h und 16.30 – 18.00 h

So viel ist (un)sicher – Gottvertrauen und Lebensmut (2 Mose 1,15-21)

Freitag 15.00 – 18.00 h

Was für ein Vertrauen – Ruth und der Wanderer im finstern Tal

Sa 11.00 – 13.00 h

– Auf Wasser gehen (Matthäus 14,22-34)
– Er müsste es doch wissen!
– Im Namen Jesu: Vertrau dir! (Apostelgeschichte 3,1-11)

Sa 15.00 – 18.00 h

– Das Gute – das Bessere – oder was? Maria und Martha
– Dein Vertrauen hat dir geholfen – Heilung der blutflüssigen Frau
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Karwoche und Ostern im Bibliolog

Aus den Anfragen, die über Suchmaschinen kommen, wird deutlich, daß gerade die Vorbereitung der Gottesdienste in der Karwoche und für Ostern dran ist. Deshalb kommen die Suchbegriffe Salbung von Bethanien, Einzug in Jerusalem, Palmsonntag, Abendmahl, Tischabendmahl, Fußwaschung, Verrat des Judas, Verleugnung des Petrus, Abschiedsreden im Johannesevangelium, Emmaus in Zusammenhang mit „Bibliolog“ und „Entwurf“ oder „Vorlage“. Vor längerer Zeit habe ich bereits beschrieben, warum es im Internet keine tauglichen Vorlagen bzw. Entwürfe für Bibliologe oder „fertige Bibliologe“ gibt und zwar hier.

Frage 21: Bibliolog im Kindergarten

Bei den Suchbegriffen fand sich diesen Monat „Bibliolog im Kindergarten„. Ich habe immer wieder Erzählungen davon gehört, jedoch selber keine Erfahrungen damit gemacht. Es ging dabei um die spezielle Situation, daß eine Pfarrperson einmal wöchentlich in den Kindergarten der eigenen Kirchengemeinde geht und dort mit den Kindern religions-pädagogisch arbeitet.

Auf intensives Nachfragen stellt sich dann heraus, daß es sich nicht um eine klassische Kindergartensituation (altersgemischte Gruppe von 3 – 6jährigen Kindern) gehandelt hat, sondern daß es eine Vorschulgruppe kurz vor dem Schuleintritt war und zwei Erwachsene dabei waren, wovon eine/r „disziplinarisch“ dafür sorgte, daß überhaupt etwas Bibliologähnliches stattfinden konnte. Da man im Kindergarten nicht an die 45-Minuten-Takte von Schulstunden gebunden ist und viel Freispielzeit hat, will mir auch nicht einleuchten, was der „Mehrwert“ eines Bibliologs in diesem Setting im Vergleich zu Rollenspielformen sind, die bei Kindergartenkindern im allgemeinen sehr beliebt sind. Bibliolog im Kindergarten scheint mir eher unrealistisch, denn die hierfür erforderlichen Fähigkeiten dürften nur einzelne Kinder im Kindergartenalter haben.

Um an einem Bibliolog teilzunehmen sind einige Grundfähigkeiten nötig, die Kinder meist in der ersten Hälfte des zweiten Schuljahres gut beherrschen, wie etwa sich melden, wenn man etwas sagen möchte oder abwarten können bis man mit dem Sprechen dran ist. Meist ist das während des ersten Halbjahres der zweiten Klasse der Fall. Trotzdem kann es von Schülergruppe zu Schülergruppe bzw. Kindergruppe zu Kindergruppe große Unterschiede geben. Günstig ist es, wenn Kinder Rituale kennen, weil Bibliolog ein in sich abgeschlossenes Ritual ist.

Mit einer Trainerkollegin habe ich einen Bibliolog in der zweiten Grundschulklasse einer katholischen Schule gemacht. Für alle Kinder war es die erste Erfahrung, die sie mit Bibliolog gemacht haben. Wir waren für sie Besuch, also keine regulären Lehrpersonen. Die normale Sitzordnung in der Klasse war in Tischgruppen mit einer freien Fläche in der Mitte des Klassenzimmers. Für den Bibliolog wollten wir lieber einen Stuhlkreis haben. Allein in der Art, wie die Klassenlehrerin das Aufstellen des Stuhlkreises angeleitet hat und welche Ruhe darin blieb, machte uns deutlich, daß die Kinder mit Ritualen vertraut sind. Wir waren sehr überrascht, daß wir 1 1/4 Stunden am Stück mit den Kindern bibliologisch arbeiten konnten. Eigentlich wollten wir zwei kürzere bibliologische Sequenzen mit einer kreativen Phase dazwischen machen. Da die Kinder so begeistert und intensiv dabei waren, haben wir sogar noch die Geschichte (Jona) mit einem nicht-narrativen Text kombiniert.

Wenn Bibliolog im Familiengottesdienst angeboten wird, hören kleinere Kinder (jünger als Grundschulalter) gern zu und äußern sich auch gelegentlich – jedoch eher selten.

Wer in diesem Bereich Erfahrungen gemacht hat, ist herzlich eingeladen, diese in den Kommentaren zu teilen.

Bibliolog: Tochter Zion freue dich …

Im pastoralen Raum Berlin-Mitte gibt es einen lebendigen Adventskalender.
Außerdem kommt Markus aus Köln zu uns in die WG zu Besuch. Das gab den Anstoß zu einer Premiere:
Bibliog mit einem Adventslied, genauer gesagt mit dem Text, der dahinter steht – aus dem Buch des Propheten Sacharia.
Das Buch des Propheten Sacharja kennen Sie / kennst Du nicht?
Oder doch, wenigstens diesen einen Vers:
Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem!
Sieh, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft;
er ist demütig und reitet auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin.“ (Sach 9,9)
Wir laden ein zum Bibliolog über diese Stelle, aus der eines der bekanntesten Adventslieder entstand, dazu Adventslieder mit Trompete.
Es gibt noch eine weitere Überraschung. Die Melodie des Liedes ist von Georg Friedrich Händel aus seinem Werk „Judas Makkabäus“,also ursprünglich ein Chanukka-Lied, und am Montag ist der siebte Tag des Chanukka-Festes. Mal schauen, wie wir das alles auf die Reihe kriegen. Laßt Euch überraschen.
Der Ort des Geschehens ist in Kreuzberg:
Gemeindesaal St. Michael
Waldemarstr 8 – 10 (Eingang Dresdner Straße 28)
U 8 Moritzplatz oder Kottbuser Tor
Wir beginnen um 19.00 h
Je nach dem, was Sie feiern / Ihr feiert, wünsche ich Ihnen / Euch erst einmal einen
lichtvollen 3. Advent / ein fröhliches Chanukka

Einladung: Bibliolog zu Psalm 23: Der Herr ist mein Hirte …

 

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Sa 22. Oktober 2016  

Samstagsfrühstück und Bibliolog:

Wir setzen das Thema Barmherzigkeit  fort mit Psalm 23, dessen letzten Vers Luther übersetzt mit:

„Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang …“

Im hebräischen Orginal kommt an dieser Stelle das Wort „Barmherzigkeit“
nicht vor. Hat Luther Recht oder Unrecht mit seiner Übersetzung?

Naunynstraße 60 / WG Herwartz

Das Frühstück findet jeden Samstag zwischen 9.30 und 12.30 h
statt. Man kommt und geht wie man möchte. Der Bibliolog beginnt um 14.00
Uhr.

Terminänderung: Bibliolog in Neukölln

Hephatha Kirche 2 - Kopie

Normalerweise findet das Bibliolog-Treffen in der Hephatha – Gemeinde immer am ersten Montag im Monat statt. Wegen des Nationalfeiertags am 3. Oktober wird der Termin ausnahmsweise eine Woche verschoben:

Mo 10. Oktober 16.00 h: die Prophetin Hulda (2 Könige 22)

im Kirchencafe – bitte auf Wegweiser achten

Wegbeschreibung

Hephatha Gemeinde
Fritz-Reuter-.Allee 130-136

12359 Berlin (Britz)
U Bahn Parchimer Allee (Ausgang Gielower Straße)
für Rollstuhlfahrer: U Bahn Britz -Süd – (rechts aus dem Bahnhof herausfahren / dann rechts in die Fritz – Reuter – Allee fahren / immer gradeaus (am Zebrastreifen die Straßenseite wechseln ( bis zur Nr.130 /136 fahren)

Bibliolog meets Enneagramm

enneagramDas Enneagram ist als Persönlichkeitsmodell (Neun Gesichter der Seele) in den letzten dreißig Jahren im deutschsprachigen Raum populär geworden. Ein Enneagramm-Seminarleiter hat mir letzte Woche erzählt, daß er bei seinen Enneagramm-Workshops gerne auch mit Bibliolog arbeitet. Seine Lieblingsgeschichte in diesen Seminaren ist die von der Heilung der zehn Aussätzigen (Lukas 17,11 ff).

Er bittet die Teilnehmenden sich nach den Persönlichkeitstypen, denen sie sich zuordnen in Gruppen zusammenzusetzen. Dann befragt er sie als Geheilten, der weggeht, sich den Priestern zeigt und nicht zu Jesus zurückkehrt, was ihn dazu bewegt, so zu handeln. Danach werden die Teilnehmenden als der eine Geheilte befragt, der zu Jesus zurückkehrt. Eine schöne Form, diese beiden Zugänge miteinander zu verbinden.

 

Bibliolog zum Jahr der Barmherzigkeit …

cropped-header-weblog-3.jpgGestern haben wir uns zum zweiten Mal zur monatlichen Bibliolog-Runde nach dem Samstagsfrühstück getroffen. In unserem Wohngemeinschaftswohnzimmer wurde es eng.

Beim ersten Treffen im Juli sind wir der Frage nachgegangen: „Wer ist mein Nächster?“ und zwar anhand der Parabel vom barmherzigen Samariter (Lk 10,25 ff). Wir haben uns damit beschäftigt, was Barmherzigkeit in verschiedenen religiösen Traditionen bedeutet. Bis November begeht die katholische Kirche das Jahr der Barmherzigkeit, was mir als Anregung für die Auswahl des Textes diente.

Die christliche Tradition kennt sieben Werke der Barmherzigkeit:

  • Hungrige speisen
  • Durstige tränken
  • Fremde beherbergen
  • Nackte bekleiden
  • Kranke besuchen
  • Gefangene besuchen
  • Tote bestatten

Die ersten sechs Werke finden sich in der Endzeitrede im Evangelium nach Mätthäus (Kapitel 25). Der Kirchenvater Lactantius (verstorben um 250) hat das siebte Werk (Tote bestatten) hinzugefügt und sich dabei auf das Buch Tobit bezogen, das im nicht zum jüdischen Kanon gehört.

In einem anderen Werk (Epitome divinarum institutionum) benennt dieser Kirchenvater jedoch neun Werke der Barmherzigkeit:

  • Hungernde speisen
  • Nackte kleiden
  • Unterdrückte befreien
  • Fremde und Obdachlose beherbergen
  • Waisen verteidigen
  • Witwen schützen
  • Gefangene vom Feind loskaufen
  • Kranke und Arme besuchen
  • Tote bestatten

    Katholische Internetseiten betonen, daß diese Aufzählung nicht aus einer Bibelstelle herzuleiten ist. Mein Kommentar: Sie stammt aus der rabbinischen Tradition des Judentums. Es gibt nach jüdischem Verständnis Gebote, die einen so hohen Stellenwert haben, daß – wenn man sie ausführt – der Lohn nicht erst in der kommenden Welt eintritt, sondern schon in dieser Welt zuteil wird. Im Morgengebet, wie es jeder orthodoxe Jude täglich betet, werden genau diese neun Mizwot (Gebote) in diesem Zusammenhang benannt.

    Vorgestern habe ich dann eine Geschichte zum Thema Barmherzigkeit ausgewählt, die normalerweise eher im Kontext von Wundergeschichten thematisiert wird, nämlich die Begegnung vom Propheten Elischa und einer Witwe (2 Könige 4). Die beiden Söhne der Witwe sollen in Schuldknechtschaft verkauft werden. Die Witwe hat noch einen kleinen Krug mit Öl. Der Prophet weist sie an, bei den Nachbarn Gefäße auszuleihen, was sie tut. Diese Gefäße werden mit Öl gefüllt, das sie verkaufen kann und damit die Schulden bezahlen kann.

    Im anschließenden Gespräch haben wir unterschiedliche Aspekte vertieft. Dabei fühlte sich ein Teilnehmer auch an die Exerzitien auf der Straße erinnert, bei denen das Hören im Mittelpunkt steht und oft ein Impuls, der ungewohnt ist, der quer liegt, zu etwas führt, was man überhaupt nicht im Blickfeld hatte und so neue Perspektiven eröffnet ähnlich wie bei der Witwe, die sich auf die Anweisung des Elischa einläßt und Gefäße ausleiht.

    Zum Weiterlesen:
    Bibliolog – aus Liebe zur Schrift (eigener Artikel auf dem Bibliolog-Weblog)

Kollege Kamel: Bibliolog mit geistig behinderten Menschen

4E6A8295Zwei Jahre habe ich gelegentlich eine Wohngruppe geistig behinderter Erwachsener besucht und dabei auch die Gelegenheit gehabt Bibliolog anzuleiten. Der Grad der Behinderung und die Sprachfähigkeit war sehr unterschiedlich. Da ich nur gelegentlich da war, half es mir sehr, daß immer eine Mitarbeiterin dabei war, die dann, wenn ich die sprachlichen Äußerungen nicht verstanden habe, dolmetschen konnte.

Ganz wichtig war ein flauschiges Steiftierkamel, das ich vor einigen Jahren im Basar von Istanbul gekauft hatte. Das Kamel liebten die Teilnehmenden sehr. „Wie heißt der?“ war eine der ersten Fragen, die mich in Verlegenheit brachte. „Gimel“ sagte ich spontan, weil mir nichts besseres einfiel – der dritte Buchstabe im hebräischen Alpabeth. Gimel wurde sehr geliebt und mußte immer eine ausführliche Begrüßungsrunde machen. Da Gimel als Kamel ein Tier aus der Bibel war, war klar, daß er bei allen biblischen Geschichten dabei war und sie miterlebt hat. Alles wurde aus seiner Perspektive erzählt: Egal ob Gimel hinter Abrahams Zelt graste oder mit den Weisen aus dem Osten auf dem Weg nach Jerusalem war oder gerade in Jericho genau von dem Baum Blätter naschte, in dem Zachäus saß als Jesus vorbei kam.. Wer dann auf eine Frage antworten wollte, durfte Gimel nehmen. So war auch immer klar, wer gerade dran war. Am Schluß mußte Gimel eine ausführliche Abschlußrunde drehen und versprechen bald wiederzukommen.