Bibel bewegt – Bibliolog im Kathedralforum

Seit etwas über einem Jahr gibt es jeweils einmal monatlich montags im entstehenden pastoralen Raum Mitte ein Angebot „Bibel bewegt“, bei dem unterschiedliche Zugänge zur Bibel vorgestellt werden.
Aufgrund der Erkrankung der Referentin entfällt das Thema „die Heilige Schrift als Begeg-nungsraum von Christentum und Judentum – Bibelarbeit zu Genesis 22“
(Bindung Jizchaks / Opferung von Isaak) .
Deshalb habe ich für Montag 17. Juni um 19.30 h zugesagt, für die erkrankte Referentin einzuspringen und werde einen Bibliolog zu „Hagar in der Wüste“ anleiten.
Ort ist der Saal des Kathedralforums, das sich hinter der Hedwigskathedrale am Bebelplatz befindet.
Kathedralforum St. Hedwig Berlin
Hinter der Katholischen Kirche 3
10117 Berlin

Haupteingang und Foyer
Hedwigskirchgasse 3
10117 Berlin

U- oder S-Bahn bis Alexanderplatz
Bus bis Haltestelle „Staatsoper“

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Bibliolog zum Geburtstag: Begegnung mit Simeon

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äthiopische Ikone: Josef und Maria begegnen Simeon im Tempel in Jerusalem

Zum Geburtstag hatte sich eine Freundin einen Bibliolog zum Tagesevangelium im Rahmen einer Abendmesse gewünscht. Maria und Josef sind mit Jesus unterwegs nach Jerusalem und begegnen im Tempel Simeon (Lk 2, 22- 35):

Als dann die im Gesetz des Mose festgelegte Zeit der Reinigung2 vorüber war, brachten Josef und Maria das Kind nach Jerusalem, um es dem Herrn zu weihen
23 und so nach dem Gesetz des Herrn zu handeln, in dem es heißt: »Jede männliche Erstgeburt soll als heilig für den Herrn gelten.«3
24 Außerdem brachten sie das Reinigungsopfer dar, für das das Gesetz des Herrn ein Turteltaubenpaar oder zwei junge Tauben vorschrieb.4
25 Damals lebte in Jerusalem ein Mann namens Simeon; er war rechtschaffen, richtete sich nach Gottes Willen und wartete auf die Hilfe für Israel. Der Heilige Geist ruhte auf ihm,
26 und durch den Heiligen Geist war ihm auch gezeigt worden, dass er nicht sterben werde, bevor er den vom Herrn gesandten Messias gesehen habe.
27 Vom Geist geleitet, war er an jenem Tag in den Tempel gekommen. Als nun Jesu Eltern das Kind hereinbrachten, um mit ihm zu tun, was nach dem Gesetz üblich war,
28 nahm Simeon das Kind in seine Arme, pries Gott und sagte:
29 »Herr, nun kann dein Diener in Frieden sterben, denn du hast deine Zusage erfüllt.
30 Mit eigenen Augen habe ich das Heil gesehen,
31 das du für alle Völker bereitet hast –
32 ein Licht, das die Nationen erleuchtet, und der Ruhm deines Volkes Israel.«
33 Jesu Vater und Mutter waren erstaunt, als sie Simeon so über ihr Kind reden hörten.
34 Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: »Er ist dazu bestimmt, dass viele in Israel an ihm zu Fall kommen und viele durch ihn aufgerichtet werden. Er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird –
35 so sehr, dass auch dir ein Schwert durch die Seele dringen wird. Aber dadurch wird bei vielen an den Tag kommen, was für Gedanken in ihren Herzen sind.«  (Neue Genfer Übersetzung)

Da kurzfristig ein anderer Priester einsprang, der den Bibliolog nicht in der Messe haben wollte, versammelten sich die am Bibliolog Interessierten in einem Nebenraum der Kirche und der Bibliolog wurde vor Beginn der Messe durchgeführt. Ich stand dieser Variante skeptisch gegenüber, aber die Alternative wäre gewesen, den Bibliolog ausfallen zu lassen. So saßen wir im Raum, in dem während der Sonntagsmesse die Kinderbetreuung stattfand in einem Stuhlkreis und waren nur durch eine Tür vom Kirchenraum getrennt.  Wir hatten eine halbe Stunde Zeit. Ich hatte drei Fragen vorbereitet.

Jede Kultur und  jede Religion hat Formen, um ein neu geborenes Kind Willkommen zu heißen, es in die Gemeinschaft aufzunehmen und einzuführen und zugleich den Eltern eine Vergewisserung zu vermitteln, daß sie von der Gemeinschaft unterstützt werden.  Jesus wird – wie jeder jüdische Junge – am achten Tag beschnitten. Die katholische Kirche kennt das Fest der Beschneidung Jesu (1. Januar) bis zum 2. vatikanischen Konzil. Dann wurde es abgeschafft. Lukas ist es einerseits wichtig, die Familie von Jesus als gesetzestreue jüdische Familie darzustellen. Auch die Nähe zum Tempel ist ihm wichtig. Der Tempel ist in der jüdischen Tradition der Mittelpunkt der Welt und zu biblischen Zeiten der Ort der Anwesenheit G-ttes.

Lukas verknüpft in seinem Evangelium zwei Rituale, die zehn Tage auseinander liegen. Die rituelle Reinigung (Mikwe) der Mutter nach der Geburt eines männlichen Kindes findet am 40. Tag nach der Geburt statt. Das Ritual der „Auslösung des Erstgeborenen“ (Pidjon haBen – in der NGÜ „um es dem Herrn zu weihen“) findet am 30. Tag nach der Geburt statt meist im privaten Rahmen. Erforderlich ist die Anwesenheit eines Kohen (Priesters) – in biblischer Zeit jedoch nicht, daß das Ritual im Tempel von Jerusalem stattfindet.

Ich probierte eine für mich neue Form des Abschlußes aus. Nach drei Fragen am Ende des Bibliologs habe ich den Text nicht wie üblich noch einmal gelesen, sondern die Anwesenden gebeten, im Schweigen zu bleiben und mit dem, was sie gehört haben in den Kirchenraum zu gehen und sich einen Platz zu suchen und dann wenn in der Messe das Tagesevangelium – also der unserem Bibliolog zugrunde liegende Text – gelesen wird, die Stimmen, die jetzt hörbar geworden sind zu erinnern und darauf zu achten, was ihnen wichtig geworden ist und was sie vielleicht neu gehört haben. Es erfolgte also im Bibliolog kein Herausführen aus den Rollen. Die Teilnehmenden wurden in der Situation der biblischen Erzählung gelassen im Vertrauen darauf, daß das De-Roling dann im G-ttesdienst stattfinden wird und sie spätestens beim Abschlußsegen ins Heute hinausgeschickt werden.

Von den Teilnehmenden habe ich sehr positive Rückmeldungen auf den Bibliolog an sich bekommen und daß diese Form mit dem Bibliolog vor der Messe ein sehr intensives Mitfeiern ermöglicht hätte.

Schade finde ich, daß sich das Tagesevangelium auf die Begegnung der Eltern von Jesus mit Simeon beschränkt und die Begegnung mit Hanna nicht mehr gelesen wird.

Emmaus-Bibliolog und Strassenexerzitien

Seit September letzten Jahres begleite ich immer wieder „Exerzitien auf der Strasse“, eine Form von Exerzitien, die vor 25 Jahren in der Jesuitenkommunität in Berlin-Kreuzberg entstanden ist. Mehr dazu findet man hier.

Eine Gruppe von bis zu zehn Menschen findet sich mit vier Begleitenden (2 Frauen und 2 Männer) für zehn Tage zusammen und lebt unter einfachen Bedingungen. Jede/r verbringt den größten Teil des Tages auf der Straße in Offenheit für das, was ihm / ihr begegnet. Am Abend gibt es einen Austausch in Kleingruppen mit einer Begleiterin und einem Begleiter. Dabei geht es darum, das Erlebte zu erschließen und einzuordnen. Immer wieder bewegend ist es, wie schnell die Teilnehmenden mit dieser Form an ihre Lebensthemen kommen.

Exerzitien auf der Straße fördern durch den Prozeß der Verlangsamung die gleichen Grundhaltungen wie das bibliologische Arbeiten. Schon öfter habe ich mich gefragt, wie es wäre bei den thematischen Impulsen mit Bibliolog zu arbeiten. Zum Grundgerüst der biblischen Geschichten, die dem Prozeß der Straßenexerzitien zugrunde liegen, gehört die Begegnung von Mosche (Moses) am brennenden Dornbusch, die Aussendung der Jünger zu zweit sowie in der Endphase die Geschichte von Emmaus.

Von Palmsonntag bis zum darauffolgenden Mittwoch habe ich wieder eine Gruppe begleitet. Dieses Mal war die Gesamtgruppe mit 17 Teilnehmenden und sechs Begleitenden besonders groß. Deshalb stellte sich die Frage, wie die Erfahrungen der Einzelnen während dieser Tage am Abschlußtag zur Sprache kommen können, was bei dieser Gruppengröße und dem zeitlichen Rahmen an einem Vormittag ausschließt, daß jede/r ausführlich die eigene Erfahrung in der Großgruppe thematisiert.

Wie könnte es möglich sein, Eigenes in einem größeren Rahmen einzubringen? In der Abschlußphase der Strassenexerzitien spielt die Emmausgeschichte eine besondere Rolle. Ich schlug vor, die Emmausgeschichte in Form eines Bibliologs so zu öffnen, daß die Teilnehmenden darin ihre eigenen Erfahrungen auf der Straße in diesem Textraum finden und wenn sie mögen zum Ausruck bringen können.

In meinen Bibliolog-Grundkursen, die in der Fasten- und Passionszeit stattfinden, habe ich schon zahlreiche Bibliologe zur Emmausgeschichte erlebt. Da der zeitliche Rahmen im Bibliolog-Grundkurs für die Teilnehmenden und ihren ersten Bibliolog auf 20 bis 25 Minuten beschränkt ist, können sie mit vier Fragen arbeiten und erarbeiten diese entweder zum Grundthema „Begegnung“ oder „Trauer“.

Für mich stellte sich für den Abschluß der Straßenexerzitien die Frage, wie ich die Fragen für den Bibliolog so entwickle, daß der Weg nach Emmaus mit dem Prozeßgeschehen der Straßenexerzitien parallelisiert wird und diesen spiegelt. Dabei werden andere Aspekte wichtig als wenn man die Emmausgeschichte unter den Schwerpunkten „Begegnung“ oder „Trauer“ thematisiert.

Für mich war es spannend, neue – also andere Fragestellungen zu erarbeiten. Durch die zahlreichen Bibliologe, die ich dazu erlebt habe, war es gar nicht so einfach, die bekannte „Schiene“ Trauer oder Begegnung hinter mir zu lassen.

Da ich Bibliolog meit mit Gruppen anleite, die ich wenig oder gar nicht kenne, war es für mich eine seltene Gelegenheit und schöne Erfahrung mit Menschen bibliologisch zu arbeiten, mit denen ich mehrere Tage zusammen war.

Eine besondere Prägung und Eindringlichkeit hatte dieser Bibliolog noch durch den Raum, in dem er stattfand. Es war der Kirchenraum im evangelischen Gemeindezentrum Plötzensee mit dem Plötzenseer Totentanz von Alfred Hrdlicka, der auch eine Emmausdarstellung enthält.

Zum Weiterlesen:
Mehr über Exerzitien auf der Straße steht hier.
Eine Einführung zum Plötzenseer Totentanz findet man hier
Die Bilder zu Plötzenseer Totentanz findet man auf der Seite des Evang. Gemeindezentrums Charlottenburg-Nord und zwar hier
Dort habe ich auch die Abbildung am Anfang dieses Beitrags entnommen.
Weitere Postings zu Bibliolog und Emmaus stehen hier.

Bibliolog-Seminartag im Labyrinth des Lebens

Wege im Labyrinth des Lebens - Bibelgarten Mühlenbeck

Wege im Labyrinth des Lebens – Bibelgarten Mühlenbeck

So 13. Oktober 11.00 – 16.00 h
Bibliolog im Labyrinth-des-Lebens-Bibelgarten:
Wege entstehen indem wir sie gehen (Teil 2)
(Auch wer bei Teil 1 nicht dabei war kann dazu kommen)
Kastanienallee 10
Mühlenbeck-Mönchmühle
Anmeldung bis 10. Oktober an bibliologberlin (at) googlemail.com
Teilnahmebeitrag nach Selbsteinschätzung

Bibliolog-Grundkurs im Kloster Alexanderdorf

Screenshot Kloster Alexanderdorf

Screenshot Kloster Alexanderdorf


Vor drei Jahren bekam ich von einer Vorbereitungsgruppe für den Weltgebetstag der Frauen die Anfrage, ob ich für eine erkrankte Referentin einspringen würde und einen Bibliolog zum Text der Lesung machen könnte. Die Gruppe hielt ihr Vorbereitungstreffen im Kloster Alexanderdorf ab, das südlich von Berlin am Mellensee liegt. Aus diesem Anlaß kam ich mit der dortigen Ordensgemeinschaft der Benediktinerinnen in Kontakt. Drei von ihnen waren auch beim Vorbereitungstreffen dabei und sehr daran interessiert, noch mehr über unterschiedliche Formen bibliologischen Arbeitens zu erfahren.

So kam ich dann einige Wochen später zum zweiten Mal nach Alexanderdorf um mit einer Gruppe der Schwestern einen halben Tag lang die Geschichte von Abraham, Sarah und Hagar anzuschauen. Dabei ist ein Kontakt zu einer der Schwestern entstanden. Letzte Woche haben wir einen Termin für einen Bibliolog-Grundkurs vereinbart, der von 17. bis 21. Februar 2014 stattfinden wird. Die Arbeitszeiten werden so gelegt, daß Interessierte an den Stundengebeten teilnehmen können. Mehr Infos über das Kloster Alexanderdorf sind hier.

Bibliolog in Frankreich / Bibliologue en France

Frankreich 2 In der zweiten Juniwoche habe ich mit einem Pfarrer aus der Schweiz den ersten Bibliolog-Grundkurs in Frankreich durchgeführt. Ich habe noch nie einen Kurs geleitet, in dem die Teilnehmenden aus so vielen Ländern und unterschiedlichen kulturellen Hintergründen kamen. Vertreten waren: Frankreich, französische Schweiz, Belgien, Kamerun, Togo und Norwegen. Was ist anders bei einem Grundkurs in Frankreich als in einem deutschen Pastoralkolleg oder PTI? Für mich war es spannend zu sehen, wie ich als Nicht-Muttersprachlerin mit einem guten Französisch-Standard Muttersprachlern Bibliolog, der ja ein sprachliches Geschehen ist, vermitteln kann. Eine Erleichterung war, daß unter den aus Frankreich kommenden Pfarrern vier Deutsche waren, die schon sehr lang in Frankreich leben und die man um das eine oder andere fehlende Wort fragen konnte.

In Frankreich nehmen Pfarrer im Normalfall alle fünf Jahre an einer Fortbildung teil. Diese dauert meist acht Tage, wobei an einem Tag ein Ausflug stattfindet. Am ersten Tag kam ein Rabbiner aus dem nahegelegenen Straßburg und führte in den Midrasch ein. Das war eine ausführlichere Grundlage als in deutschen Grundkursen, die vier Tage dauern und „Midrasch“ nur als Teil eines Moduls (Bibliolog – Entstehung und Hintergründe) thematisiert werden kann.

Mont Roland

Mont Roland

Der Ort des Geschehens lag im französischen Jura, ein katholischer Wallfahrtsort auf dem Jakobsweg: Mont Roland. Eine ganz neue Erfahrung war für mich, daß zwei Pfarrerinnen dabei waren, die für Organisation, Rahmenbedingungen und Moderation verantwortlich waren. Das war eine große Entlastung. Außerdem waren an vier Tagen noch Professoren zur theologischen Reflexion und Vertiefung da: An zwei Tagen ein emeritierter Alttestamentler und an zwei Tagen ein Neutestamentler. Die Möglichkeiten zu einer so ausführlichen theologischen Reflexion fand ich sehr anregend.

Der Gemeinschaftsaspekt hatte einen höheren Stellenwert, weil die evangelische Kirche eine Minderheit ist und Pfarrer in ihrem Alltag meist nicht die Austausch- und Beratungsmöglichkeiten untereinander haben wie in Deutschland, wo es monatliche Pfarrkonferenzen gibt. Die Mahlzeiten waren ähnlich organisiert wie ich es aus katholischen Häusern in Deutschland kenne. Es gibt keine Mittags- und Abendbüffets, was ich als sehr förderlich für die Gemeinschaft erlebt habe. Insgesamt dauern die Mahlzeiten länger und sind sehr entspannt. Unter einer Stunde (Ausnahme: Frühstück) geht nichts. Vormittags und Nachmittags gibt es Pausengetränke, aber „Beilagen“ wie Obst und Kuchen sind nicht üblich. Außer uns Trainern wußten das auch alle. Von den Teilnehmenden waren Süßigkeiten aus den jeweiligen Herkunftsregionen mitgebracht worden. Es war jeden Tag spannend, was es an Nervennahrung geben würde.

Was in Frankreich gar nicht geht: Wahrnehmungs- und Körperübungen sind unüblich. Wir hatten eine gute Gruppe erwischt – so die deutschen Pfarrer. Andere hätten das – so ihre Einschätzung – nicht mitgemacht. Mich hat das gewundert, weil die täglichen Arbeitszeiten insgesamt länger sind als bei deutschen Pastoralkollegs. Was noch weniger geht: Einen Bibliolog nur zu Demonstrationszwecken machen (Bibliolog zum Echoing) nach dem nicht ausführlich erst einmal darüber gesprochen wird, was den Teilnehmenden inhaltlich neu aufgefallen ist bevor es zu den methodischen Fragestellungen geht.

Beim Sonntagsg-ttesdienst, an dem wir in Dole teilnahmen, fiel mir auf, wie stark die Position der Laien in der reformierten Kirche ist. Ich kann mir nicht vorstellen, daß bei Anwesenheit von zwanzig PfarrerINNEn in Deutschland ein Kirchenvorsteher das Abendmahl leiten würde (Einsetzungsworte und Austeilung). Eine bereichernde Erfahrung für mich war, daß die Zeit da war, mit jedem Teilnehmer ausführlicher zu sprechen. Ich habe dadurch viel über die Situation von Pfarrern in französisch sprachigen Ländern erfahren. Ungewöhnlich hoch war die Zahl von PfarrerINNEn, die beruflich etwas anderes gemacht haben bevor sie Pfarrer wurden.

Bibliolog-Oasentag im Labyrinth des Lebens – Bibelgarten

Wege im Labyrinth des Lebens - Bibelgarten Mühlenbeck

Wege im Labyrinth des Lebens – Bibelgarten Mühlenbeck


Wege ist das Jahresthema im Labyrinth des Lebens, das wir für den Bibliolog-Tag aufgegriffen haben. Mit einem Gedicht von Werner Sprenger stimmten wir uns auf den Tag ein:

Es gibt einen Weg
den keiner geht,
wenn Du ihn nicht gehst.
Wege entstehen,
indem wir sie gehen.
Die vielen zugewachsenen,
wartenden Wege
von ungelebtem Leben überwuchert.
Es gibt einen Weg,
den keiner geht,
wenn Du ihn nicht gehst.
Es gibt Deinen Weg,
ein Weg, der entsteht,
wenn Du ihn gehst

Wir gingen zunächst gemeinsam durch das Labyrinth, das einem Lebensweg vom Geburtskanal bis zum Tod nachgestaltet ist mit verschiedenen Lebenssituationen und Stationen als Lebenslandschaften. Ganz unterschiedliche Wege nahmen wir unter unsere Füße, leider nicht barfuss, denn dazu war es nicht warm genug: Wege an einer Quelle, durch die Wüste, durch den Wald … bergige Wege oder an einer Quelle entlang … mit Rastplätzen, Oase oder einem Brunnen, helle, lichtvolle oder dunkle Wege … versperrte Wege … steinerne Wege … Holzwege: Ganz unterschiedliche Wege waren zu entdecken und zu begehen. Dann nahme jede/r ein eigenes Wegstück in den Blick, beging es von verschiedenen Seiten und konnte sich auf Details und Orte auf diesem Wegstück konzentrieren. Nach einem gemeinsamen Mittagessen mit mitgebrachten Köstlichkeiten waren wir dann mit Personen aus der Bibel unterwegs: David, Zippora, Pharao, Achsa, Miriam, Hagar, Jesus, Idit (Frau von Noach), Eva und auch der Stern von Bethlehem waren in unserer Mitte und mit uns unterwegs. Eine Weiterführung wird es am So 13. Oktober geben.

Bibelarbeit als Bibliolog beim Kirchentag in der Messehalle

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Zwar gibt es Erfahrungen mit Bibliolog mit großen Teilnehmendenzahlen in Kirchenräumen, aber wäre es möglich, bibliologisch in einer Messehalle zu arbeiten – und wenn ja, soll das Wiedergeben der Teilnehmerantworten im Echoing durch die Bibliologleitung oder durch mehrere im Raum positionierte Bibliologen stattfinden? Diese Frage kam erstmals beim Bibliolog-Trainer- und Trainerinnentreffen nach dem letzten Kirchentag auf.

Beim Kirchentag in Hamburg war es soweit: Im Rahmen der feministischen Basisfakultät fand ein Bibliolog als Bibelarbeit in einer Messehalle statt. Achthundert Interessierte waren gekommen. Ein Glücksfall war die Jugendkantorei aus Braunschweig, die für den musikalischen Rahmen verantwortlich war. Das Einsingen wurde von Bewegungsabläufen begleitet, die an Morgengymnastik erinnerten. Der engagierte Chorleiter bezog gleich die auf den Kirchentagspapphockern sitzenden Teilnehmenden ein, was die Atmosphäre auflockerte und öffnete.

Prof. Dr. Uta Pohl-Patalong hielt dann den Bibliolog zur Speisung der Fünftausend (Joh 6). Für die Antworten zu den unterschiedlichen Fragen positionierte sie sich an unterschiedlichen Stellen in der Messehalle. Einziger Wermutstropfen: Die Qualität der Technik hätte besser sein können – ohne Rauschen und Knacken. Man darf gespannt sein auf die nächsten Kirchentage.

ein Pessach-Seder mit Bibliolog

ein besonderer Pessach-Seder mit Susan und Peter Pitzele 2008

ein besonderer Pessach-Seder mit Susan und Peter Pitzele 2008

Heute sind die Erinnerungen an einnen Pessach-Seder sehr präsent, den ich vor fünf Jahren erlebt habe. Schon einige Tage vorher war ich nach Hofgeismar gefahren, um an einem Workshop „Bibliolog mit Masken“ mit Peter und Susan Pitzele teilzunehmen.

Direkt an dieses Seminar schloß sich eine große Tagung über „Heilung und Spiritualität“ an. Es gab ganztägige Workshops, an denen unterschiedliche Ansätze vorgestellt wurden. Peter und Susan Pitzele waren eingeladen worden, ihren Bibliotherapy-Ansatz vorzustellen. Bibliotherapy bezieht – im Unterschied zu Bibliolog – Selbsterfahrung in den Gruppenprozeß ein, ist aber im Unterschied zu den meisten Formen des Bibliodramas in Deutschland – näher am biblischen Text. Jede/r Teilnehmende identifiziert sich über einen längeren Prozeß mit einer selbst gewählten biblischen Figur. Dieser Identifikationsprozeß wird über unterschiedliche kreative Zugänge (Masken, Bilder, Schreiben etc.) in der Form von Einzelarbeit angeleitet und gefördert und später in einem Gruppenprozeß zusammengeführt. Da am Abend dieses Workshoptages das Pessachfest beginnen sollte, bot es sich an, den Anfang der Exodus-Geschichte vom Auszug aus Ägypten zugrundezulegen.

Ich kenne Peter und Susan seit 2003 und bin mit beiden befreundet. Mir war deswegen klar, daß Peter bei der Anfrage aus Hofgeismar nicht im Blick hatte, daß das Seminar genau zu Pessach liegen würde. Der Workshop endete früh genug um in eine nahe gelegene jüdische Gemeinde zu fahren um dort am Seder teilzunehmen. Die Workshop-Gruppe war sehr klein – wahrscheinlich weil der Workshop auf englisch lief. Überraschend schnell – wie ich fand – war eine Offenheit und Vertrautheit in der Gruppe wie ich sie nicht in dieser kurzen Zeit des Kennens erwartet hätte.

Schon am Morgen hatten Peter und Susan gemeint, daß sie sich nicht sicher seien, ob sie am Abend weg wollten aus Hofgeismar. Sollen wir vielleicht versuchen zu Dritt für uns in Hofgeismar einen Seder zu machen? Am Ende des Vormittags stimmten wir uns ab, daß wir den Teilnehmerinnen an der Gruppe (es waren lauter Frauen) anbieten wollten – soweit sie wollten – nach dem Workshop den Seder miteinander vorzubereiten und zu feiern. Die Küche konnte uns vegetarisches Essen zur Verfügung stellen und durch die recht lange Mittagspause konnte ich alles besorgen, was sonst noch benötigt wurde (Mazzen, Zutaten für Charosset …).

Die Teilnehmerinnen wollten alle dabei sein und halfen den Raum vorzubereiten. Wir bekamen die Bibliothek, in der wir schon den ganzen Tag gearbeitet hatten. Susan hatte eine englischsprachige und ich eine deutschsprachige Haggada. Abgesprochen war, daß wir die Erzählung vom Auszug aus Ägypten als Bibliolog gestalten würden. Besser gesagt war ich davon ausgegangen, daß Peter dies tun würde. Von daher war ich völlig perplex als wir am Tisch saßen und Peter ankündige, daß wir beide jetzt zusammen mit der Gruppe einen Bibliolog zum Auszug aus Ägypten machen würden. Wir saßen an dem langen Tisch an den beiden weit voneinander entfernten Enden gegenüber und verständigten uns über Blickkontakt, wer wann eine Frage stellt, erzählt und weitergeben oder übernehmen möchte. Durch die Vergegenwärtigung im Bibliolog kam uns die Geschichte unglaublich nahe. Es war eine sehr intensive Erfahrung mit Bibliolog in dieser Gruppe, die sich nur schwer in Worte fassen läßt. Wie nie zuvor wurde mir deutlich, was es bedeutet, daß wir Pessach nicht nachfeiern, weil unsere Vorfahren aus Agypten ausgezogen sind, sondern daß wir selber aufbrechen, daß es um eine Befreiung aus der Sklaverei geht (welche auch immer – das definiert jede/r für sich) und der Beginn eines Transformationsprozesses ist.

Ich habe nie zuvor und nie danach einen so intensiven Pessach-Seder erlebt. Wahrscheinlich war diese Erfahrung nur möglich, weil alles so spontan lief und wir nicht tage- und wochenlang die einzelnen Details planen und vorbereiten konnten. Der Auszug aus Ägypten war aus der Sicht und dem Erleben der Israeliten ja auch sehr spontan und abrupt, so abrupt, daß sie den Brotteig nicht gehen lassen und backen konnten. Dieser spezielle Geschmack des Seders von Hofgeismar wirkt bei mir in allen Pessach-Erfahrungen danach weiter. Und jedes Jahr, wenn wir uns zu Pessach Feiertagsgrüße schicken, erinnern wir uns an „our very special and meaningful Pessach experience in Hofgeismar“.

Kurioses zum Rosenmontag: Bibliolog im Gürzenich

DSC01114Heute werden wieder die Rosenmontagszüge im Fernsehen ausgestrahlt. In meiner Kindheit war am Rosenmontag und am Faschingsdienstag schulfrei, weil meine Schule dafür die beiden Verfügungstage nutzte. Das verlängerte Faschingswochenende verbrachte ich bei meinen Großeltern. Am Montag gehörten die Faschingszüge zum Pflichtprogramm, weil mein Großvater sie so gern anschaute. Mich interessierten nur die Mottowagen, die aktuelle politischen Ereignisse aufs Korn nahmen. Später habe ich von den Rosenmontagszügen nur mitbekommen, was davon in der Tagesschau gebracht wurde.

Seit letztem Jahr schalte ich nun wieder den Rosenmontagszug aus Köln ein, der im WDR übertragen wird und zwar, weil der am Chlodwigplatz beginnt und erst einmal durch das Severinsviertel führt. Mir gefällt das bunte Treiben. Die Erzählungen, Interviews und Erläuterungen der Moderatoren finde ich sehr gelungen. Ich kann zwar die emotionale Bedeutung von Karnevalgesellschaften und ihren Sitzungen nicht nachvollziehen, aber für mich hat es einen gewissen Lokalkolorit seit ich Bibliolog-Kurse in der Melanchthon-akademie gebe, die in der Kölner Südstadt liegt. Diese Straßen, die ich im Alltagsgewand kenne, nun im bunten Faschingstreiben zu sehen – das hat was.

Eben erzählte einer der Moderatoren, daß die Karnevalsgesellschaft, die im Bild erscheint, ihre Sitzungen im Gürzenich abhält. Gürzenich war mir überhaupt kein Begriff bis zum Jahr 2007. Ich war Mitwirkende beim evangelischen Kirchentag im Zentrum Juden und Christen, das in der Kölner Altstadt seinen Ort hatte, weil dort noch Spuren jüdischen Lebens zu finden sind. „Gürzenich“ stand auf dem Programmzettel, der mir als Ort für den jüdisch-christlichen Bibliolog, den ich mit einem evangelischen Trainerkollegen halten sollte, zuging.

In der Wikipedia hieß es zu diesem Ort:
Der Gürzenich ist eine Festhalle im Zentrum der Kölner Altstadt. Namensgeber ist die Patrizierfamilie von Gürzenich, auf deren Grundstück das Profanbauwerk im 15. Jahrhundert errichtet wurde. Heute wird der Gebäudekomplex für Konzerte, Kongresse, Gesellschafts- und Kulturveranstaltungen genutzt.

Damals im Juni 2007 war Bibliolog in Deutschland noch kaum bekannt. Wir wollten diesen Zugang vorstellen und spezieller darauf eingehen, wie er für den jüdisch-christlichen Dialog fruchtbar gemacht werden kann. Und Ort des Geschehens war – genau: „der Gürzenich“. Wir waren für einen Kellerraum eingeteilt worden. Als ich den Saal betrat, traf mich fast der Schlag: Kellergewölbe, kein Fenster, gut und gern 200 Plätze und haufenweise Glasvitrinen, in denen alles Mögliche ausgestellt war, was mit Karneval zu tun hat. Karneval dominierte diesen Raum und es gab keine Möglichkeit daran etwas zu verändern. Auch mit dem Licht waren kaum Varianten möglich: Schummerlicht oder Festbeleuchtung. Gut, Stühle konnte man stellen, was wir dann auch taten, wobei wir überhaupt nicht wußten, mit wievielen Leuten wir rechnen sollten. Klar war aber, daß der Raum mit Sicherheit zu groß ausgelegt war. Ich kann mir nur schwer einen Raum vorstellen, der noch weniger geeignet ist für Bibliolog als dieser Kellerraum im Gürzenich.

Zu unserem Angebot kamen sechzehn Teilnehmende. So kleine Gruppen für bibliologisches Arbeiten bei einer Großveranstaltung wie Kirchentag gehören inzwischen der Vergangenheit an. An die inhaltlichen Details des Bibliologs erinnere ich mich nur noch schwach, aber die Atmosphäre ist mir sofort präsent, wenn ich das Stichwort „Gürzenich“ höre. Es war gar nicht so einfach, die Gruppe in biblische Zeiten ans Ende der Wüstenwanderung der Israeliten kurz vor dem Einzug ins Land der Verheißung zu führen. Als ich dann meine Hinführung so gestaltet hatte, klopfte es lautstark an die Tür. Zwei Nachzügler betraten den Raum und fragten: „Ist hier der Bibliolog“, was ich durch einen Zettel an der Tür bekannt gemacht hatte. Ich verdrehte innerlich die Augen und dachte: Wenn die Leute schon zu spät kommen, warum können die das nicht störungsfrei gestalten und sich einfach hinsetzen. Manchmal kommt einfach viel zusammen. Der Bibliolog war anregend und lief dann trotz der schwierigen Rahmenbedingungen gut.

Denjenigen, die dabei waren, hat es gefallen. Einige habe ich später in meinen Grundkursen wieder getroffen. Für mich war die prägende Erfahrung: Bibliolog geht – wenn es sein muß – sogar an sehr dafür ungeeigneten Orten.